Frage von christl10, 62

Warum haben jugendliche es so schwer mit der Berufswahl?

Es wird doch so viel zur Vorbereitung getan und man kann sich überall informieren. Wenn ich überlege wie schwer es vor 30 Jahren war als es noch kein Internet gab, da haben die Jugendlichen heute so viele Möglichkeiten und trotzdem gibt es so viele Abbrecher in der Ausbildung.

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von 312Marcel, 22

Diese vielen Informationen sind meiner Meinung nach das Problem. Ich hatte seit der Grundschule einen festen Berufswunsch. Und als sich am Anfang der Oberstufe die Schule gedacht hat, man könnte ja mal die Schüler beraten lassen, war auf einmal gefühlt jeden Monat eine Berufsberatung oder eine Messe, wo es eine Flut an Informationen über alle möglichen Berufe gab, was mich ehrlich gesagt nur verunsichert hat.

Antwort
von olivenheiner, 6

Das Problem mit der Berufswahl ist heute das Gleiche wie vor 30 Jahren. Kinder & Jugendliche haben völlig andere Interessen als "was ich später mal werden will". Später ist später - nicht dann, wenn wir den richtigen Zeitpunkt nahen sehen. So weit vorrausschauend denkt der Nachwuchs nicht. Die Kids sind heilfroh, wenn sie endlich Ferien haben, endlich Pause. Wer hat da noch Lust, arbeiten zu gehen? Das Interesse kommt später. Zu spät, ja. Wenn sie merken, das man mit Geld tolle Sachen kaufen kann. Wenn sie merken, das man für Geld was tun muss. Kinder & Jugendliche kriegen Taschengeld - einfach so - die wenigsten müssen dafür arbeiten. Das ist völlig lebensfremd! Wo fällt für Normalos das Geld so einfach in den Schoß? Warum sollte man sich da - aus Teenie-Sicht - überhaupt Gedanken machen? Läuft doch prima!

Berufswahl. Um etwas zu wählen, muss man erst mal wissen, was zur Verfügung steht und welche Bedingungen/Tätigkeiten sich hinter den zahlreichen Berufsbezeichnungen verbergen. Die Teenies haben weder einen Überblick - woher auch - noch eine genaue Vorstellung

Ich weiß noch, wie damals ich von der Frage überrumpelt wurde. Weil ich Pferde mag und gerne reite, kam die Idee mit Pferdepflegerin auf. Im Praktikum merkte ich, das ich nur noch fürs ausmisten zuständig bin und reiten war nicht. Auf Heu/Stroh war ich dann auch allergisch. Und das mit eigenem Pferd. Erstes Praktikum: Sackgasse. Ich hab auch gerne im Garten gearbeitet, hatte mit 16 Spaß am einwecken und war stolz auf meine 41 Gläser grüne Bohnen. Das nächste Praktikum war in der Gärtnerei. Aber das war gefühlt millionenfach Stecklinge einsetzen und den ganzen Tag im Gewächshaus. So wollte ich das nicht. Zweites und letztes Praktikum Sackgasse. Auf die Idee, in den Ferien ein Praktikum zu machen, kam niemand.

So lief es auch bei meinem ältesten Sohn und demnächst bei meinem zweiten Sohn. Beiden habe ich - aus eigener Erfahrug -  geraten, in den Ferien ein Praktikum zu machen. Aber die Kids brauchten Erholung, keine Lust. Sie wären die Einzigen, die in den Ferien ein Praktikum machen würden. Wie vor 30 Jahren.

Es ist kein Zufall, das unsere Kinder ähnliche oder gleiche Berufe ergreifen wie die Eltern oder der nähere Verwandten- /Bekanntenkreis. Da wissen sie in etwa, was sie erwartet - und ob ihnen das liegen könnte.

Ich habe schließlich Erzieherin gelernt - weil ich gerne mit Kindern spielte. Babysitter und so. Ich habe 1 Tag im Kindergarten hospitiert und das war auch spielen. Ist doch toll, wenn man fürs spielen auch noch Geld kriegt. Leider erwies sich das erst später als Knochenjob, bei dem man viel zu große Gruppen usw (andere Geschichte) bishin zum burnout und Berufsunfähigkeit.

Ich  hätte meine Ausbildung auch abbrechen sollen, aber die Idee kam gar nicht auf. Was hätte ich auch sonst lernen/arbeiten sollen? Ich finde es deshalb gut, wenn die jungen Leute zu sich selbst stehen dürfen und etwas abbrechen, was einfach so schlecht paßt oder sogar drückt wie zu kleine Schuhe. Warum muss man das durchpeitschen, nur um Abbrecher zu vermeiden? Man muss mit 16-20 jahren ohne richtigen Einblick/Übersicht eine Entscheidung für 45 Jahre fällen! Da darf man sich auch irren. Ich sehe nicht, das heute soviel mehr für die Berufswahl getan wird. Mein 15jähriger Sohn hat keine Lust mehr auf Schule und möchte Polizist werden. Das ist eine - schulische - Ausbildung!! Wenn heute so viel getan wird, warum weiß er das nicht?

Ich war zur Reha und traf dort viele Menschen, die den falschen Beruf gewählt hatten - teils um ein Erbe anzutreten oder eine Erwartung in der Familie zu erfüllen.  Das waren schwer unglückliche Menschen. Und das hatte körperliche Auswirkungen! Warum sollte man eine getroffene Berufswahl durchpeitschen? Warum darf man sich nicht irren? Ein etwa 35jähriger hatte die elterliche Firma übernommen, obwohl er lieber Sportler geworden wäre. Sportler gehen mit 35 in Rente. Der große Lebenstraum war verwirkt. DAS war ein verdammt großes Opfer!

Kommentar von herzilein35 ,

Vor 15 Jahren musste ich Kauffrau im Einzelhandel lernen und mit Verkäuferin nach 3,5Jahren abschließen. Das wollte ich nie machen. Schon immer war mein Wunsch Medizinische Fachangestellte. Dem Arbeitsamt war das vor 17 Jahren aber egal. Die hatten mich nicht mal gefragt, sondern einfach reingesteckt. Ja und demnächst fange ich meine Traumausbildung an.

Antwort
von Stevie85, 31

Erstmal finde ich nicht das viel getan wird um die Jugendlichen darauf vorzubereiten und zweitens kann ein 16 Jähriger einfach nicht die Erfahrung haben was für einen am besten passt.

Klar, früher war immer alles härter. Das hat man nun zu genüge gehört. Das muss man aber nicht zwangläufig übernehmen. Ich finde es gut, wenn jugendliche sich zeit lassen mit der BErufswahl und evtl. erstmal einige Praktikas, FSJ etc. machen um sich selbst im klaren zu werden was sie wollen.

Antwort
von Lumpazi77, 36

Weil man sich für die Berufswahl nicht wirklich oder viel zu spät interessiert

Antwort
von KleinerMuck77, 37

Weil man ein Gefühl für den Job erst wirklich hat, wenn man den Job macht. 

Kommentar von christl10 ,

Dem kann ich nicht ganz zustimmen. Dafür gibt es Praktikas in denen man den Job erproben kann. 

Kommentar von Stevie85 ,

Bei einem Schulpraktikum von 2 Wochen kann man wohl kaum feststellen, ob dies der Job für's leben ist.

Kommentar von christl10 ,

Es gibt auch freiwillige Praktikas die man in den Ferien machen kann und man hat ein paar Wochen mehr zur Verfügung um das festzustellen. 

Antwort
von Lewa08, 26

vllt liegt es auch an der zu großen Auswahl :D es gibt echt verdammt viel was man machen kann und dasselbe auch beim studium

Antwort
von supersuni96, 26

Weil viele keine eigene Meinung mehr haben. In Zeiten der sozialen Netzwerke sind andere Dinge wichtiger geworden, als die Berufswahl. Bei vielen zählen nur die Likes unter ihren Posts.

Antwort
von Brotmensch89, 21

Informationsmöglichkeiten hin oder her, wenn man nicht weiß, was einen interessiert, bzw. welcher Beruf für sein spezielles Interesse infrage kommt, dann bringt auch eine Beratung nicht viel. Zudem die meisten Berater von den konkreten Berufen eh keine Ahnung haben oder aber einfach verschweigen, dass z.B. ein Teilezurichter im besten Fall Fließbandarbeiter wird. Selbiges gilt für die meisten Infoportale.

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community