Frage von Darron, 112

Warum haben im 2. Weltkrieg so viele "nicht Deutsche" als freiwillige in der Wehrmacht und SS gekämpft ( Ich hab gehört es waren etwa 2 millionen Soldaten )?

Antwort
von JBEZorg, 92

Freiwillige waren es nur bedingt, bzw. nur ein Teil. Es gab tatsächlich eine Zahl von Freiwilligen, die aus Überzeugung mit den Nazis kolaboriert  haben. Unter anderem in den KZ-Wachmannschaften. Besonders Ukrainer und Letten haben sich da hervorgetan. ABER das was Du meinst ist ein Phänomen, der relativ spät im Krieg Verbreitung fand. Bis 1944 gab es auch Kolaborateure, die mehr oder weniger freiwillig die Kriegsgefangenschaft gegen Dienst in deutschen Einhaiten eintauschten. Aber die Deutschen trauten ihnen nicht so recht(aus gutem Grund, denn wie gesagt für viele war das alles andere als eine ideologische Entschedung. Die Wahl zwischen Kriegsgefangenschaft und Kolaboration.). Als 1944 die Lage des 3.Reiches katastrophal wurde kamen 2 Entwicklungen zusammen. Einerseits haben die Deutschen ihre Bedenken wegen Unverlässlichkeit ablegen müssen und haben munter rekrutiert jeden, der wollte. Andererseits wurde die Versorgung in den KZs so schlecht, dass Menschen zu Hunderten an Hunger und Erschöpfung strben. Für viele KZ-Insassen war einfach die Grenze der Belastbarkeit überschritten. In dieser Zeit wurden viele dieser SS-Einheiten aufgestellt oder aufgestockt von kleinern Einheiten zu grösseren Verbänden. D.h. man muss klar unterscheiden die, die vor 1944 und die danach.

Dann gibt es noch nationale Unterschiede. Man hat z.B. seit Beginn des Krieges russische Emigranten umworben, die vor der Revolution von 1917 geflohen sind. Erfolgreich. Deren Hass auf die Sowjetunion war wohl grösser als ihr Gewissen. Viele russische Einheiten wurden aus deren Kreisen rekrutiert. Man muss dazu sagen, dass auch unter Exilrussen viele die Zusammenarbeit mit Deutschen abgeleht haben und/oder sogar im Widerstand tätig waren. D.h. für Russen gab es diese 2 grosse Gruppen: Exilrussen, die aus Überzeugung und Hass gegenüber der Sowjetunion mitmachten und Kriegsgefangene, die vor die Wahl KZ oder Kolaboration gestellt wurden(und unterschiedliche Motive hatten. Das muss man auch offen sagen. Nicht alle sind aus purem Hunger und KZ-Angst hingegangen aber es gab sogar welche, die hofften überlaufen zu können). Hinzu kommt, dass Deutsche von Anfang an versucht haben im multikulturellen Staat Sowjetunion nationale Minderheiten auszuspielen. Jetzt nicht direkt wegen dem dienst in deutschen Einheiten(wobei es muslimische Einheiten aus UdSSR-Moslems gab) aber Tschteschenen und Kalmyken sind z.B. durch Kolaboration aufgefallen. Das iwrd auch gerne unterschlagen bei der Diskussion um die Deportation der Tschetschenen zum Beispiel.

Dann gab es noch Nationen, die besonders durch freiwilligen Einsatz aufgefallen sind. Du darfst nicht vergessen nationalistische Ideologien waren durchaus populär um dieser Zeit, nicht nur in Deutschland. Besonders viele wirklich Freiwillge(Freiwilligenverbände wurden sie alle genannt) kamen aus der Ukraine, Lettland, Estland, Kroatien und "erstaunlicherweise" wenn man Westeuropa nimmt Holland, Belgien und Dänemark. Das ist eine interessante Liste, wenn man die jüngste Geschichte betrachtet und Länder in denen es Probleme mit Rechtsradikalismus gibt.

Noch ein Teil waren sog. Volksdeutsche, sprich Deutschstämmige aus den besetzten Gebieten oder verbündeten Ländern. Ganz besonders viele aus Ungarn, Tschechoslowakei und Kroatien. Einheiten aus Volksdeutschen zählten auch streggenommen zu den ausländischen.

Kommentar von Darron ,

Danke ..!

Antwort
von fckwas, 51

Ganz einfach: Der zweite Weltkrieg wurde als "Raub- und Beutekrieg" geplant, und auch so geführt. Die von Deutschland verbündeten Staaten sowie von 1938 an erworbenen bzw. eroberten Länder und Landesteile hatten hierbei die Aufgabe, mit ihrer landwirtschaftlichen und industriellen Produktion, mit ihren Rohstoffen und mit ihrer Bevölkerung der deutschen Kriegswirtschaft zu dienen. 

Im Laufe des Krieges stieg die Bedeutung der geraubten Güter und Menschen für die deutsche Kriegswirtschaft immens an: Im Oktober 1944 wurden fast 8 Mio. ausländische Arbeitskräfte in Deutschland gezählt, darunter knapp 6 Mio. Zivilisten und 2 Mio. Kriegsgefangene aus insgesamt 26 Ländern.

Kurz gesagt: Der 2. Weltkrieg war ausgezeichnet durch Vertreibung, Deportation und Umsiedelung von Menschen und Zwangsarbeit. Diese Zwangsarbeit von Kriegsgefangene, die nach Deutschland bzw. ins Dritte Reich deportiert wurden, mussten entweder auf dem Land, als "Hausmädchen", in Fabriken arbeiten, oder auch als Soldaten kämpfen. 

Dabei haben die während des Krieges hauptsächlich in Konzentrationslagern gearbeitet, wurden zu grausamen Taten (in überwiegenden Teilen der Fällen) gezwungen, und wurden deshalb eingesetzt, weil die Zahl der deutschen Soldaten immer kleiner wurde. Sie wurden aber auch nur spärlich als Soldaten eingesetzt. 

Quelle: Buchners Kolleg Geschichte, Ausgabe Niedersachen Abitur 2017 

Antwort
von wfwbinder, 81

Stimmt, aber man muss unterscheiden.

1. in der SS waren "nur" 200.000 Ausländer, 

2. über 300.000,- waren sogenannte Volksdeutsche, also Rumänen, Ungarn usw. die von deutschen Auswanderern abstammten.

3. Es gab auch Divisionen der Wehrmacht, die mit Ausländern organisiert waren.

Die Gründe waren unterschiedlich. Einige Länder wie Kroatien, Ungarn wollten sich mit den gestellten Soldaten eine gute Verhandlungsposition mit Deutschland nach dem Sieg verschaffen.

Einige machten es aus Angst vor dem Stalinismus.

Ausserdem war ja die Nazi-Bewegung nicht auf Deutschland beschränkt. Es gab Nazis in Großbritannien, den USA, wie auch in Ländern die von der Wehrmacht erobert waren.

https://de.wikipedia.org/wiki/Ausl%C3%A4ndische_Freiwillige_der_Waffen-SS

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