Warum habe ich so Hass?

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6 Antworten

Der Titel Deiner Frage hat mich sofort angesprochen und beim Weiterlesen wird es wohl jedem klar, weshalb Du Hass empfindest. Ich nehme mal an, dass Du diesen Hass nicht wirklich in Deinem Leben haben  willst, sonst würdest Du wohl kaum diese Frage stellen.

Als ich in Deinem Alter war, erlebte ich eine ähnliche Situation von zu Hause (nicht mit meinem Vater oder Partner meiner Mutter, aber auch so, dass ich keine zusätzliche Minute zu Hause bleiben wollte) Einiges hat mir später beim Aufarbeiten meines daraus resultierenden emotionellen Schlamassels geholfen.

1. Hass entwickelt sich oft als Antwort auf erlittene Ungerechtigkeit, für welche man keinen Schutz kriegt. Hass wird so sozusagen zum Rachegefühl, welches mir "hilft"  noch ein Stück Würde zu behalten. Ich kann mich zwar nicht gegen alles Unrecht zur Wehr setzen, aber so lange ich hasse, kann ich den Täter irgendwie so schubladisieren und mich emotionell von ihm distanzieren, dass ich damit zu einem gewissen Mass Schutz finde.

2. Leider ist Hass, wie eine Freundin von mir, welche von ihrem Stiefvater schrecklich missbraucht wurde und voller Hass war, richtig ausdrückte, ein schlechter Treibstoff. Er garantiert zwar ein gewisses Weiterkommen, aber zur gleichen Zeit frisst er auch auf. Er hat eine Eigendynamik und schlimmer noch, er will sich als Identitätsgeber aufdrängen. Das drückst Du bereits auch schon aus, wenn Du davon sprichst, Angst zu haben, zum Männerhasser zu werden.

3. Den Hass zu bekämpfen kann man eigentlich kaum und bringt wahrscheinlich auch kaum etwas.  Denn es geht darum, dass Du als Person auf vielen verschiedenen Ebenen gelitten hast, keinen Schutz erlebt hast, Deiner Mutter versucht hast eine Stütze zu sein, während, wie Du sagst, sie Dich vernachlässigte, Dein Vater froh ist, Dich und Deine Mutter lost zu sein....   Alles Dinge, die weh tun und im Tiefsten einem Kind gegenüber ungerecht sind. Da musst Du ansetzen. Unrecht muss als Unrecht erkannt und benannt werden, sonst wird es immer negative Macht über Dich  haben können. In meinem Fall half es total, dass ich in der Zeit, in welcher ich diese Dinge erkannte und erneut altem, tief eingestecktem Schmerz ausgeliefert war, kompetente Hilfe erfuhr und auch mit Gottes Hilfe vergeben konnte und von ihm Heilung meiner inneren Wundern erlebte. Ich war eine totale Männerhasserin und -verachterin, doch heute bin ich verheiratet und geniesse unser Familienleben. Ich hasse auch meinen Mann nicht gleich, wenn er mich verletzt (was ja immer wieder geschieht).

Ich hoffe, dass sich Deine Mutter schnell von diesem Mann trennen kann, denn da ist ja ganz offensichtlich etwas gar nicht recht  und , vielleicht hast Du es ja schon versucht, aber ich denke, dass es echt wichtig ist, dass Du Deiner Mutter klar mitteilst, wie sehr Du darunter leidest und gelitten hast, dass sie sich offensichtlich immer wieder an falsche Männer bindet. Ich hoffe sehr für Dich und auch für sie, dass sie Dich anhört und ihr dabei die Augen aufgehen.

viel Mut und lass Dich bitte nicht von Deinem Hass definieren. Das muss sich niemand antun!

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Das ist genau die Situation vor welcher ich als 15 jähriger Junge extreme Angst habe. Der Mann meiner Mutter, also mein Vater, ist verstorben und wahrscheinlich kommt kein neuer Mann, aber falls doch, habe ich Angst, dass er so ist, wie der Mann deiner Mutter. Klingt wirklich ekelhaft.

Da du schon über 20 Jahre alt bist, solltest du deine Mutter ihr Leben allerdings trotzdem leben lassen. Sie wird das tun, was sie für richtig hält. Oder vielleicht auch nicht, aber es ist halt leider ihr Ding, wenn sie schlechte Entscheidungen trifft. Man könnte probieren sie zu überzeugen, dass die Trennung nun das Richtige ist, aber das hast du ja schon durchgemacht. Sie hört ja scheinbar nicht. Mehr als das kannst du nicht tun.

Ich würde dir empfehlen solange es noch so blöd ist, das einfach irgendwie durchzustehen und dann so bald wie möglich eigenständig zu werden.

Aber bitte, bitte gib die Hoffnung nicht auf, vielleicht findet deine Mutter demnächst einen netten Mann, der endlich der Richtige ist. Außerdem solltest du nicht alle Männer in eine Schublade stecken. Ist bei deinen Erfahrungen schwierig, aber es gibt immernoch mehr nette Männer als "nicht so freundliche". Ich zum Beispiel bin ja angehender Mann und finde den Typ einfach widerlich. Meine Frau später einmal will ich wie eine Prinzessin behandeln :)

Viel Glück, du stehst das durch!

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Hallo!

Schau mal auf der Webseite
www.al-anon.ch
ob es in eurer Nähe eine Al-Anon Gruppe gibt, zu der du und auch deine Mutter gehen können.
Sollte es keine für euch erreichbare Gruppe geben, ist die zweitbeste Lösung ein online Meeting.
http://www.al-anon-online.de

Al-Anon ist eine Selbsthilfegemeinschaft für Menschen, die Probleme durch die Folgen des Alkohol trinkens eines Angehörigen oder Freundes haben.

Das du dem, was deine Mutter sagt, nicht mehr traust, zeigt, dass du es realistisch siehst: Angehörige drohen immer wieder, tun aber nicht das, was sie angedroht haben.

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Lass deine mutter ihr leben leben. Sie trifft die entscheidungen, mit denen sie zufrieden ist und leben will. Du wirst 21, also fang an dein eigenes leben zu leben, auszuziehen und dich abzunabeln nur du bist für dein leben verantwortlich. 

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Kommentar von Bonjourparis
25.03.2016, 01:00

Ja, ich bin 20, bin aber finanziell abhängig von ihr (noch, da in Ausbildung). Verstehst du nicht, dass mich das belastet und ich nicht weiss, wie ich damit umgehen soll? Das ist so einfach gesagt, sich abzunabeln! Sie ist nur noch unglücklich und jeder Streit wird vor meinen Augen ausgelebt. 

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Villt solltest du mit deine mama ein ernstes Wort reden und ihr sagen wie es dir geht und das du das alles nicht willst.  Wenn Sie es nicht einsieht dann ziehe aus und ziehe zu dein vater villt versteht er dich besser. Aber anscheid hat sie die Rosa Brille auf. 

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Kommentar von Bonjourparis
25.03.2016, 01:16

Mein Vater vagabundiert momentan nur noch rum, ist froh, dass er uns los ist. Er lebt momentan in Hotels, ist Freiberuflich unterwegs. Das würde leider nicht gehen... Naja, wahrscheinlich muss ich die Lage einfach akzeptieren, möglichst aus Distanz. Fragt sich nur, wie ich das anstelle.

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offensichtlich mußt du dich von deinen eltern emanzipieren. aus dem abstand heraus könntest du deinen hass überwinden. mit 20 würde ich nicht die hoffnung verlieren, auch wenn es ein längerer und beschwerlicherer weg ist.

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