Frage von Vinc420, 90

Warum habe ich Feuchtigkeit an meinen Fensterscheiben(Tapete)?

Haus geradd frisch gebaut... immer nur in Fensternähe feuchtigkeit

Antwort
von Onki73, 48

Die Raumluft kühlt sich in Fensternähe zu stark aus. Das führt zur Feuchtigkeit in Fensternähe.

Neubauten besitzen baubedingt eine erhöhte Feuchte in den Baustoffen (Anmachwasser für Mörtel, Kleber und Putze, sowie ggf. Niederschlagswassser bei unzureichendem Schutz vor Niederschlag in der Bauphase). Diese Feuchte muss erst abgeführt werden. Die Trocknung der Baustoffe erfolgt ausschließlich (!!!) über die am Baustoff direkt anliegende Umgebungsluft, denn nur diese kann die Feuchte in Form von Wasserdampf aufnehmen und abtransportieren.

Dabei führt ein großes Gefälle von der Oberflächenfeuchte der Wand zur davor anliegenden trockeneren Luftschicht zu einem schnellen Feuchteübergang und damit zur raschen Trocknung.

Wände korrespondieren durch Feuchteausgleich auch mit der Raumluft: nasse Wände = hohe rel. Raumluftfeuchten, trockene Wände = geringe rel. Raumluftfeuchten.

Da in sich erwärmender Luft die rel. Luftfeuchte sinkt, weil die wärmer werdene Luft ein größeres Wasserdampfaufnahmevermögen bekommt, ist auf eine warme Oberfläche im Verhältnis zur Umgebungsluft zu achten.

Ist die Oberfläche kalt und kühlt sich die Umgebungsluft an der Oberfläche aus, so führt das zur Steigerung der rel. Luftfeuchte im Oberflächenkontakt. Dadurch sinkt die Differenz von der Oberflächenfeuchte zur rel. Luftfeuchte der angrenzenden Luftschicht. Im ungünstigen Falle ist die angrenzende Luftschicht sogar feuchter als die Wandoberflächenfeuchte, dann wird die Wand von der Luft befeuchtet und nicht mehr getrocknet.

Grundsätzlich gilt: Wärmestrahlung schaft warme Oberflächen und daran erwärmt sich zweitrangig die Raumluft, da die Wärmestrahlung selbst die Luft kalt lässt. Hierdurch wird ein hohes Feuchtegefälle von der Oberfläche zur davor anliegenden erwärmten Luft erreicht und dadurch der Trocknungsprozeß der Oberfläche (der Wand) beschleunigt.

Kühlt sich die Raumluft vor der Wandoberfläche aus, so gibt es oberflächennah eine Steigerung der Luftfeuchte, was die Wandtrocknung durch ein vermindertes Feuchtegefälle verzögert oder sogar behindert. Unter Umständen wird die Wand bei sehr kalter Oberfläche (Dämmwertverlust durch nasse Baustoffe) oder hoher allgemeiner Raumluftfeuchte (schlechte Belüftung der Räume) befeuchtet.

Gibt es aussen durch Wärmedämmung dichte Beschichtungen (Kunstharzputze, Styropordämmung, etc.) dann kann die Entfeuchtung des Hauses praktisch nur noch über die Wohnraumluft erfolgen. Daher wird nach Dämmmaßnahmen immer wieder zu einem verbesserten Lüftungsverhalten gemahnt!

Aber auch bei allen anderen Aussendämmungen (ökologisch, "atmungsaktiv", etc.) ist der Wasserdampftransport zeitweilig unterbunden, wenn sich auf der Fassadenoberfläche (durch nächtliche Auskühlung dieser) Kondensat bildet (kein Wasserdampf wandert DURCH einen Wasserfilm hindurch!).

Da die Feuchtewanderung nur von der höheren Feuchte zur geringeren Feuchte funktioniert, wandert die Wohnraumfeuchte nicht durch die Fassade hindurch, wenn die Fassadenoberfläche nass ist. Auch die ökologisch korrekte Fassadendämmung behindert den Feuchteabtransport durch Oberflächenkondensat, wenn die Fassade über keine ausreichende Wärmespeicherkapazität verfügt (z.B. durch 11,5cm Vormauerschale aus Ziegelklinker), was das Oberflächenkondensat durch Tageswärmeinspeicherung stark vermindert oder verhindert.

Viele WDVS veralgen, nachdem die Biozide und Fungizide der Oberflächenbeschichtung ausgewaschen sind. In der Regel, tritt dieser Fall nach dem Ende der Gewährleistung ein, denn die Gifte in der Fassadenbeschichtung müssen so dosiert sein, dass sich während der Gewährleistungspflicht keine Algen und Co. auf der Fassade bilden (Forderungen der Verarbeiter an die Hersteller, bzw. Selbstverpflichtung der Hersteller wegen Gewährleistungsansprüche).

Trotzdem bilden sich sofort erhöhte Feuchten (und auch Kondensat) auf der Oberfläche, wenn die Fassade nachts runterkühlt (durch Strahlungsaustausch mit dem kalten Nachthimmel) und keine eingespeicherte Tageswärme den Temperaturabfall weit unterhalb der Lufttemperatur verhindern kann, wie bei dem Massivmauerwerk.

Überall dort, wo sich Luft abkühlt, steigt in dieser die rel. Luftfeuchte an. Geschieht das vor einer kalten Oberfläche, so bilden sich vor dieser Oberfläche erhöhte Feuchten, unter Umständen (bei ausreichend kalter Oberfläche) auch Kondensat.

Im neu gebauten Haus muss für regelmäßigen Luftwechsel gesorgt werden. Auch darf die Oberflächentemperatur nicht allzu stark nach unten von der Raumlufttemperatur abweichen. Kondensat ist immer ein Oberflächenproblem. Die allgemeine Raumluftfeuchte ist nachrangig, wichtig ist die Luftfeuchte im Oberflächenkontakt mit der (kühleren) Oberfläche, denn je weiter die Oberfläche auskühlt und damit die daran anliegende Luft, um so höher steigt die rel. Luftfeuchte vor der Oberfläche.

Die Luftfeuchte im Oberflächenkontakt kann mit dem Mollier-H-X-Diagramm mittels der drei gemessenen Werte: allgemeine Raumlufttemperatur, allgemeine Raumluftfeuchte und der Oberflächentemperatur) ermittelt werden.

Um die Oberfläche "auf Temperatur zu halten" ist ein hoher Anteil an Wärmestrahlung sinnvoll. Diesen hohen Anteil bieten alle Flächenheizungen (z.B. die Fußbodenheizung) oder auch der einfache Plattenheizkörper Typ 10 (ca. 45% Warmluftkonvektion und 55% Wärmestrahlung).

Es ist auf gleichmäßiges Durcheizen zu achten, denn jeder Anheizvorgang bei warmluftlastiger Beheizung (herkömmliche Heizkörperheizung) hat eine schnelle Erwärmung der Raumluft zur Folge. Da jedoch die Raumluft zweitrangig die thermisch sehr trägen Wände erwärmen muss, eilen die Wände mit ihrer Oberflächentemperatur der schnell ansteigenden Raumlufttemperatur noch längere Zeit mit einer vergrößerten Differenz hinterher.

Das hat natürlich wieder eine stärkere Luftauskühlung vor der noch kühlen Wandoberfläche zur Folge, mit der entsprechend ansteigenden rel. Luftfeuchte, was zur Wandbefeuchtung beiträgt. Je nach Wandbaustoff und Wandbeschichtung (Diffusionsoffenheit) mindert die Feuchte den Dämmwert der Wand. J.S. Cammerer hat diesen Zusammenhang am Vollziegelstein vor Jahrzehnten schon untersucht - seine Ergebnisse lassen sich mit seinem Namen und der Bildersuche schnell ergoogeln.

Bereits geringe Feuchten am Vollziegelstein mindern den Dämmwert erheblich. Deshalb ist bei Wandbaustoffen nicht nur auf Trockenheit zu achten, diese sollten knochentrocken sein, da gerade im Bereich von trocken zu knochentrocken ;-) nochmals ein erheblicher Dämmwertunterschied zu verzeichnen ist.

Beschlagende Fensterscheiben und Fensterrahmen lassen sich durch gute Lüftung mindern (Reduzierung der allgemeinen Raumluftfeuchte). Mind. zweimaliges Stoßlüften für 3-5min am Tage (morgens/abends) am Besten bei Durchzug (Querlüftung) und nach dem Kochen/Duschen setze ich mal voraus. Auch sollten die Türen zu unterschiedlich temperierten Räumen stehts geschlossen bleiben, da sonst die warmfeuchte Luft des höher temperierten Raumes in den geringer temperierten Raum einwandert und hier an den kühlen Aussenwänden ihrer Feuchte hinterläßt.

Meiner persönlichen Erfahrung nach, ist jedoch auch ein hoher Anteil an Wärmestrahlung im Raum zur Vermeidung von Feuchtigkeit, bzw. Kondensat am Fenster sehr hilfreich, denn da die Wärmestrahlung Oberflächen direkt erwärmt, wird dadurch Kondensat am Fenster und am Rahmen effektiv verhindert.

In meinem Haus gibt es noch ein 60 Jahre altes, einfach verglastes Holzfenster mit dem entsprechend schlechtem U-Wert. Trotz zweistelliger Aussentemperaturen im Frostbereich war das Fenster kondensatfrei, weil die Heizleiste darunter für ein entsprechendes Wärmeangebot an der inneren Fensteroberfläche sorgte.

Aus all diesen Gesichtspunkten heraus ist beim Bau des Hauses nicht nur auf gute Dämmwerte der Aussenwände zu achten, sondern auch auf eine Wärmespeicherfähigkeit der Fassade, einen guten Feuchtetransport innerhalb der Aussenwände und vor allem auf eine wärmestrahlungsintensive Beheizung der Wohnräume, denn dadurch werden die Aussenwände vor der Befeuchtung aus der Wohnraumluft geschützt.

Kommentar von dietar ,

Bravo!! Endlich mal alles richtig. Hoffentlich haben das die Leser auch verstanden.

Kommentar von napoloni ,

Hoffentlich haben das die Leser auch verstanden.

Du jedenfalls nachweislich nicht, siehe deine Antwort vom 10.01.:

Dass du mit Stoßlüftung und Durchzug den Wasserdampf loswerden kannst, gehört in das Reich der Sagen und Märchen. Vor allem die Stoßlüftung wird als Heilmittel von den Quacksalbern am Bau verordnet.



Antwort
von HorstBayerIV, 53

Die Tapete ist auch feucht?

Ansonsten kann da schon noch Restfeuchte von Beton, Putz usw. vorhanden sein.

Antwort
von Mikromenzer, 53

Werden Kunststofffenster verwendet?

Dann ist es normal.

Kommentar von Vinc420 ,

Warum normal?

Kommentar von Mikromenzer ,

Weil die Feuchtigkeit im Gegensatz du den Holzfenstern, nicht entweichen kann.

Kommentar von wolfram0815 ,

Das war bei den ganz alten Holzfenstern so. Neue schließen so gut wie neue Kunststofffenster. 

Kommentar von HorstBayerIV ,

Eigentlich gehts darum, dass Holzfenster eine gewisse Feuchte aufnehmen und abgeben koennen. Also das Holz.

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