Warum habe ich das Gefühl mich gerne ritzen zu wollen obwohl ich keinen Grund mehr habe?

... komplette Frage anzeigen

5 Antworten

"[...] ich es immer schön [...] halt das Blut, den Schmerz und die Narben."

Das was du dort beschreibst, ist Ästhetik.

Die Selbstverletzung ist in vielen Fällen ein Abbau. Abbau von Stress, Gefühlen, Emotionen. Es reguliert die Gedanken und führt zumindest kurzzeitig zu einem guten Gefühl der Entspannung. Langfristig, dass hast du für dich auch ausmachen können, ist die Selbstverletzung kein wirklich gutes Mittel um diese Ziele zu erreichen.

Aus dem Grunde sei an der Stelle gesagt: Es ist sehr schön, dass du die Energie aufbringst und investierst, um entgegen dem Verlangen zu agieren und der Selbstverletzung "abgeschworen" hast.

Die Assoziationen bleiben jedoch in den meisten Fällen. Die Handlung, also die Selbstverletzung an sich, sowie auch die Bilder, das Blut, die Narben und die Empfindung, der Schmerz sind durch mehrfache Wiederholung mit Stressreduzierung, Entspannung und "innerer Ruhe". Diese Assoziation, diese Verbindung, bleibt eine ganze Zeit erhalten und damit auch der positive Bezug dazu. Ähnlich verhält es sich auch beispielsweise mit dem Rauchen. Ästhetik und das Gefühl von "Schönheit" - optisch wie auch im Bezug auf das Innenleben. 

Viele verbinden die Zigarette mit Pause, Entspannung, Sex ("Die Zigarette danach") und Ruhe. Das knüpft Verbindungen und macht das aufhören auch so schwer. Die meisten Raucher greifen dann zu Ersatzstoffen - oft Schokolade oder andere Süßigkeiten um denselben Effekt hervorzurufen. 

Bei der Selbstverletzung ist es im Prinzip genauso.

Wichtig ist es jetzt also dir zum einen eines zu geben - Zeit. Die musst du dir selbst schenken. Zeit und Geduld. Ein Verhalten wieder zu "verlernen" und Assoziationen langsam zu lösen braucht seine Zeit. Ohne die wird es schwer.

In dieser Zeit besteht die eigentlich Aufgabe darin neue Verknüpfungen zu schaffen. Also ein alternatives Verhalten zu lernen. Etwas neues zu finden was du mit Entspannung, Stressreduzierung et cetera verbindest. Du löst also ein dysfunktionales Verhalten (schädlich) durch ein funktionales Verhalten (unschädlich) ab. Da etwas passendes zu finden kann schwierig sein aber es ist nicht unmöglich. 

In der DBT, die Borderlinespezifische Therapie, werden diese "Ersatzmittel" Skills genannt. Achtung an der Stelle - die Empfehlung von Mitteln aus dieser Therapie heißt nicht, dass du automatisch die Diagnose hast oder ähnliches. Es ist einfach nur ein brauchbarer Ansatz, der sich in vielen Fällen auch außerhalb des Borderline Störungsbildes anwenden lässt.

Eine Liste findest du hier:

http://www.borderline-selbsthilfe-schwerte.de/index.php?option=com_content&view=article&id=80&Itemid=85

Dort findest du Ansätze wie du das eine, durch etwas anderes ersetzen kannst. Das oben beschriebene "Tauschgeschäft".

Unter diesen Umständen - Zeit, Geduld und Übung wird dieser Dran langsam immer weiter nachlassen, womöglich sogar soweit, dass er schlussendlich zum Teil deiner Vergangenheit wird und nicht mehr Gegenstand der Gegenwart sein wird. Zumindest nicht in dieser Präsenz wie heute.

Behalte unter allen Umständen auch im Hinterkopf: Ein Rückfall ist kein Versagen und macht auch nicht jeden Fortschritt zunichte. Rückfälle kann es immer geben das passiert "den Besten" wie man so schön sagt. Lasse dich von dem Drang nicht entmutigen und halte an deinem Vorhaben ohne Selbstverletzungen durchs Leben zu gehen stur fest. 

Es ist nicht leicht aber lohnt sich.

Kurzum - die Reaktion, also der Drang, ist absolut normal aber lässt nach, wenn man genug Zeit, Geduld und Übung investiert hat. Ein angelerntes Verhalten verschwindet nicht so schnell aber es lässt sich ersetzen. Lasse dich von deinem Dran nicht von deinem Ziel abbringen, du bist auf einem bewundernswerten Weg.

Ich wünsche dir alles Gute für deine Zukunft und viel Erfolg bei deinem Vorhaben.

Liebe Grüße.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Der Körper schüttet, wenn er verletzt wird, verschiedene Hormone aus, um dem Schmerz entgegen zu wirken. Daher fühlen sich viele Leute nach dem Ritzen erleichtert oder auch besser - durch deine Körper schwimmen haufenweise Botenstoffe, die dir ein besseres Gefühl geben sollen. Wie bei allen Dingen, von denen man das Gefühl hat, dass sie einem gut tun (bei manchen Schokolade, bei manchen Kippen oder Sonnenschein :) kann man sich daran gewöhnen, das zu tun, um sich gut zu fühlen oder im schlimmsten Fall auch süchtig danach werden - auch wenn man es in dem Moment gar nicht braucht. Da man sich meistens nur dann ritzt, wenn es einem ziemlich schlecht geht, verbindet man den Gedanken an Ritzen um so stärker mit Erleichterung.

Was du merkst, ist vermutlich nur die Gewöhnung daran, dir ein gutes Gefühl dadurch zu geben, dass du ritzt. Das braucht eine gewisse Zeit, bis es als mögliche Verhaltensweise aus deinem Kopf raus ist. Solange du diese Gedanken nicht weiter dadurch bestärkst, dass du tatsächlich ritzt, wird der Gedanke daran irgendwann verschwinden. Mach dir also keine Sorgen.

Rede im Zweifelsfall noch einmal mit einem Psychologen oder einer Vertrauensperson darüber.  

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Ziemlich komische Lage , :/

ich denke mal das du gefallen daran es immer wieder zu tuhen wie eine Sucht ;O?! Darum würde ich mal mit einer Person darüber reden die dich vllt versteht und nicht gleich komplett durch dreht wenn sie das hört.

Mit mir kannst du auch darüber reden da ich wie Freunde haben die sich leider Ritzen :/ 

Wenn du nichts davon hinbekommst solltest du statt dich zu ritzen mal mit etwas anderen beschäftigen wie zb. Schnitzen oder sowas. Hauptsache du schneidest dich nicht Selber ^^ 

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

So ging es mir auch einmal eine Weile ( ich denke es war bei mir eine leichte Sucht). Hab versucht mich mit Sport und anderen Dingen abzulenken, das hat auch eine Zeit lang funktioniert, aber jetzt fühl ich mich langsam wieder so

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Das sind die Erinnerungen an die Zeit damals oder du verdrängst wieder irgendwas, es könnte allerdings auch eine Sucht sein. Da ich keine Psychologin bin und deine genaue Situation nicht kenne, kann ich dir da nicht großartig bei weiter helfen, aber wenn deine Mutter sowieso weiß, dass du dich geritzt hast, solltest du sie mal fragen, ob du zu einem Psychologen darfst, weil ich bin zwar wieder clean, habe aber dieses Verlangen nicht, deshalb würde ich sagen, es ist eine Sucht, nur ich bin wie gesagt keine Psychologin und du solltest das dringend mal mit einem Psychologen bereden...

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Was möchtest Du wissen?