Frage von HannesRe, 73

Warum griff Tilly Sachsen an?

Es geht um den Dreißigjährigen Krieg in bezug auf Kursachsen. Sowohl Sachsen als auch Befehlshaber Tilly waren bei der kaisertreuen Liga. Trotzdem griff Tilly 1631 Sachsen an. Wieso tat er das?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von PeVau, Community-Experte für Geschichte, 50

Das protestantische Kursachsen verfolgte eine reichstreue Politik und war wenn auch nicht Mitglied der katholischen Liga, so doch verbündet mit dem Kaiser.

Als nach militärischer Erfolgen der Liga der Kaiser am 6. März 1629 das Restitutionsedikt erließ, war das eine erneute Kampfansage an die protestantischen Reichsstände. Damit sollten die ehemals katholischen geistlichen Besitztümer, die zugunsten der protestantischen Reichsstände säkularisiert worden waren, wieder rückübertragen werden. Das hätte sich aber nur mit Gewalt durchsetzen lassen und ließ Kursachsen auf Distanz zum Kaiser gehen. Gleichzeitig hatte sich Schweden in den Krieg eingeschaltet und suchte im Reich nach Verbündeten.

So sah sich Kursachsen zwei Bündnisoptionen gegenüber, die der Wahl zwischen Pest und Cholera gleichkam. Das Bündnis mit Schweden widersprach der reichstreuen Politik Kursachsens und ein weiteres Bündnis mit dem Kaiser kam aus politischen (Restitutionsedikt) und konfessionellen Gründen ebenfalls nicht in Frage.

In Leipzig trafen sich die protestantischen Reichsstände zum Leipziger Konvent (28. März und 4. April 1631) und berieten ihr Vorgehen. Sie boten den katholischen Reichsständen in einem Manifest (Leipziger Abschied) Friedensverhandlungen an und die Kurfürsten von Brandenburg und Sachsen boten dem Kaiser militärischen Beistand an, wenn er das Restitutionsedikt zurücknimmt. Darauf gingen der Kaiser und die Katholiken aber nicht ein. Dabei war dieses Manifest zwar gegen den Kaiser gerichtet, aber auch gegen Schweden.

Im Leipziger Abschied wurde auch die Aufstellung eigener Truppen Kursachsens und der anderen Unterzeichner beschlossen. Hier wurde eine Politik der bewaffneten Neutralität verfolgt. Das wiederum war dem Kaiser und vor allem auch seinen Feldherren ein Dorn im Auge, denn eine starke kursächsische Armee lief den Feldzugsplänen Tillys zuwider.

Der Kaiser reagierte darauf mit einer Politik der Stärke und ging in Mitteldeutschland gegen das protestantische Magdeburg vor, dass sich schon früh mit den Schweden verbündet hatte. Damit sollte Druck auf die protestantischen Reichsstände ausgeübt werden. Im Mai 1631 wurde die Stadt erobert, geplündert und weitest gehend dem Erdboden gleichgemacht.

Das führte aber nicht zur Einschüchterung der protestantischen Reichsstände, sondern führte zu verstärkten Rüstungsanstrengungen, vor allem auch in Kursachsen.

Im Bestreben Tillys, eine schnelle Entscheidung gegen die Schweden herbeizuführen, erlitt der kaiserliche Feldherr bei Werben eine Niederlage. Er brauchte Unterstützung und vor allem Kursachsen als Quartier und Versorgungsgebiet für seine Truppen. Gleichzeitig sollte die potenzielle Gefahr durch die militärische Macht des sächsischen Kurfürsten eliminiert und dieser zum Gehorsam gegenüber dem Kaiser gezwungen werden.

Am 4. September 1631 marschierten Tillys Truppen unter ausdrücklicher Billigung des Kaisers in Kursachsen ein. Am 11. September 1631 verbündeten sich Kursachsen und Schweden.

Kommentar von HannesRe ,

Besten Dank PeVau. Ich glaube in keinem Buch wird es besser erklärt :3

Kommentar von Huckebein ,

Entschuldigung, PeVau. Ich habe dich aus Versehen negativ bewertet. Das Gegenteil wollte ich.

Kommentar von PeVau ,

Danke für den Stern!

Kommentar von HannesRe ,

:) Hast ihn total verdient

Antwort
von Otweter, 9

Die Frage ist schon sehr gut beantwortet worden.

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