Frage von Neun188, 54

Warum glauben wir, dass wir denken?

Eigentlich denkt es doch in uns. Ein Gedanke entsteht (würde ich sagen), wenn das Subjekt ein Objekt wahrnimmt. Wenn ich jetzt durch den Raum blicke oder auch wenn ich die Augen schließe und mit den Händen über eine Tischplatte streiche, werden ein Haufen Gedanken erzeugt, ein Gedanke kann den nächsten auch ablösen, aber warum glauben wir, dass wir einen Gedanken frei erzeugen können? Eigentlich denkt es doch seit unserer Zeugung in uns. Im Zen wird das so formuliert, dass unser Geist Gedanken erzeugt, wie unser Mund Spucke produziert. Ich finde das trifft es sehr.

Antwort
von AndyG66, 15

Was denkst du dir eigentlich so eine Frage zu stellen! Ich muss darüber nachdenken .. moment :-)

Also es gibt verschiedene Arten des Denkens

Konvergierendes Denken
Wissen abrufen und vergleichen. Lösung finden, Zustand erkennen.

Divergierendes Denken
Kreatives Suchen neuer Lösungswege.

Dann wird unterschieden in Bewusstseinsebenen wo diese Prozesse stattfinden 

Unbewusst, bewusst und vorbewusst.

Diese Ebenen laufen alle gleichzeit ab! Nur im bewussten Denken bilden wir Wörter! Desshalb kann kein Computer bis jetzt ein menschlicher Gedanken/Prozess korrekt simulieren.

Dann unterscheidet man noch zwischen automatischem und kontrolliertem Denken. Wobei das kontrollierte Denken am ehesten dem Nachdenken/Überdenken  entpricht.

In der buddhistischen Mediation wird versucht kontrolliertes Denken und die bewusste und vorbewusste Gedankenebe abzuschalten. 

Der Zustand des NICHT Denkens ist also nicht ohne Gedanken! Diese sprudeln aber unbewusst und werden nicht spontan in Wörter verpackt (automatisches Denken) .. was äusserst schwer bis kaum zu erreichen ist. Jedenfalls gelingt das kaum Jemandem. 



Antwort
von Dxmklvw, 17

Es kommt darauf an, was man als das "Ich"  ansieht. Wer nur den Körper als den wirklichen Menschen betrachtet, der degradiert mitunter den geistigen Anteil zu einem beliebig austauschbaren Programm und macht sich dadurch leicht selbst zu einer Art von Roboter.

Tatsächlich führt der Körper die Befehle des Geistes aus. Der Körper ist quasi das Vehikel des Geistes, durch welches sich der Geist auch im Materiellen verwirklicht. Dadurch ist der geistige Teil des Menschen der eigentliche Mensch.

Weil aber der Geist auch das Denken übernimmt, denkt man selbst.

Nur wenn jedes und alles auf das Ursache-Wirkung-Prinzip zurückgeführt wird, also auch jedweder Denkprozeß, dann wird die Sache kompliziert.

Doch letztendlich bleibt bei genügend langem Rückverfolgen des Geschehens zumindest übrig, das es dann eben einen Anfangspunkt gibt, der das eigentliche Ich ist.

Unterstellt man jedoch, daß jedes denkende Wesen nur Teil eines größeren Gesamten Geistes ist, dann wird es bedenklich, wenn man im weiteren Nachdenken darüber das Gesamte mit dem Teil des Ganzen verwechselt, weil man sich dabei mitunter auch von sich selbst entfremden kann.

Kommentar von AndyG66 ,

"Unterstellt man jedoch, daß jedes denkende Wesen nur Teil eines größeren Gesamten Geistes ist, dann wird es bedenklich, wenn man im weiteren Nachdenken darüber das Gesamte mit dem Teil des Ganzen verwechselt, weil man sich dabei mitunter auch von sich selbst entfremden kann.
"

Wenn man sich selber, als Teil des Ganzen, mit dem Gesamten verwechselt. Das ist doch der Zustand worin sich die meisten befinden. egoistische ICH bezogene Denkweise.

Das passiert ja doch schon ohne Nachdenken darüber, oder hab ich dich falsch verstanden ? 

Kommentar von Dxmklvw ,

Du hast es durchaus richtig interpretiert, auch wenn ich es nicht so zum Ausdruck gebracht habe.

In der Realität sehe ich diese Problem sogar noch um einiges heftiger, denn da fehlt sehr oft nicht nur das Nachdenken, sondern es ist vielfach sogar in ein Anti-Nachdenken in der Weise umgeschlagen, daß es zu immer mehr Realitätsverkennungen führt.

Kommentar von AndyG66 ,

Gibt es ein Anti-Nachdenken? Das wäre eine bewusste Entscheidung nicht Nachzudenken. Ich erkenne eher eine zunehmende Unfähigkeit sich mit sich selber, in Gedanken, zu beschäftigen. Langeweile und Unruhe schon nach 5 Minuten ohne äussere Reize. Ein Problem der heutigen Konsumgesellschaft. 

Genug aufgeklärt um nicht mehr an Gott mit weissem Bart zu glauben, aber noch nicht fähig die entstehende Lücke zu füllen.

Wer sich als Teil des Ganzen erkennt, übernimmt auch ein Teil der Verantwortung. Und das ist unbequem.

Kommentar von Dxmklvw ,

Nein, ein Anti-Nachdenken im wortwörtlichen Sinn gibt es sicher nicht. Mir ist leider nur kein besserer Begriff für das eingefallen, was ich meine.

Eigentlich wollte ich einem gedeihlichen Denken ein tief ungedeihliches Denken gegenüberstellen, d. h., ein total unvernüftiges und in die Irre führendes Denken im Vergleich zu einem erkenntnisbringendem Denken.

Kommentar von AndyG66 ,

Ungedeihliches Denken von gedeihlichem Denken zu unterscheiden setzt schon Erkenntnis voraus. Ich empfinde diesen Unterschied zu erkennen als ziemlich schwierig.

Jedenfalls haben mich deine Antworten schwer zum Nachdenken darüber angeregt. 

Antwort
von BleibMensch, 26

Ja, auch eine nette Umschreibung eines Biologisch-Chemisch-Physikalisch-Psycho-Mentalen Prozesses!

Antwort
von Enzylexikon, 3

warum glauben wir, dass wir einen Gedanken frei erzeugen können?

Ich denke das liegt daran, dass wir in der Lage sind, Willensentscheidungen zu treffen und deshalb meinen, unseren Geist kontrollieren zu können.

Kommentar von Neun188 ,

Ja, das spießt sich irgendwie. Die Vorstellung, dass der Wille frei ist, die Gedanken aber determiniert. Aber nachdem wir unsere Gedanken ja beobachten können, wie sie entstehen und sich wieder auflösen, können wir ja nicht unsere Gedanken sein. Sondern der, der sie beobachtet. Nur kann man sich ja auch dabei beobachten, wie man sie beobachtet bis man was weiß ich wie viele Beobachter hat, die jeweils den Vorigen beobachten ... Statt sich krank zu grübeln, ist es wahrscheinlich wirklich besser, einfach das Sitzen zu üben.

Kommentar von Enzylexikon ,

Statt sich krank zu grübeln, ist es wahrscheinlich wirklich besser, einfach das Sitzen zu üben

Das sehe ich persönlich genau so. :-)

Antwort
von stubenkuecken, 15

Denke nie gedacht zu haben, denn das denken der Gedanken ist gedankenloses denken. Wenn Du denkst, du denkst, denkst Du nur das denkst. Aber denken tust du nie.

Antwort
von AaronMose3, 23

Wirf deine Gedanken wie Herbstblätter in einen blauen Fluß, schau zu, wie sie hineinfallen und davontreiben – und dann: vergiß sie.

Aus dem Zen-Buddhismus

Zen Buddhismus vertritt die Ansicht, das rationales Denken unnütz ist. Es beschreibt niemals die Wirklichkeit, sondern scheitert immer wieder beim Versuch dessen. 

Die Frage, wieso wir glauben, was wir denken, ist gar keine schlechte. 

Ich vermute einfach, dass es keine andere Möglichkeit gibt, wenn man Antworten haben will. Es ist das Produkt des fälschlichen Gedankens wir wären eines vom Rest getrenntes Ich. 

Im Pali Kanon, der heiligen Schrift des Buddhismus, erklärt Buddha das ziemlich einfach.

"Er erkennt das Gehörte unmittelbar als das Gehörte. Nachdem er das Gehörte unmittelbar als das Gehörte erkannt hat, stellt er sich das Gehörte vor, er macht sich Vorstellungen im Gehörten, er macht sich  Vorstellungen vom Gehörten ausgehend, er stellt sich vor 'das Gehörte ist mein', er ergötzt sich  am Gehörten. Warum ist das so? Weil er es nicht vollständig durchschaut hat, sage ich."

 "Er erkennt das Empfundene unmittelbar als das Empfundene. Nachdem er das Empfundene unmittelbar als das Empfundene erkannt hat, stellt er sich das Empfundene vor, er macht sich Vorstellungen im Empfundenen, er macht sich Vorstellungen vom Empfundenen ausgehend, er stellt sich  vor 'das Empfundene ist mein', er ergötzt sich am Empfundenen. Warum ist das so? Weil er es nicht vollständig durchschaut hat, sage ich."

"Er erkennt das Erfahrene unmittelbar als das Erfahrene. Nachdem er das Erfahrene unmittelbar als das Erfahrene erkannt hat, stellt er sich das Erfahrene vor, er macht sich  Vorstellungen im Erfahrenen, er macht sich Vorstellungen vom Erfahrenen ausgehend, er stellt sich vor 'das Erfahrene ist mein', er ergötzt sich  am Erfahrenen. Warum ist das so? Weil er es nicht vollständig durchschaut hat, sage ich."

. "Er erkennt Einheit unmittelbar als Einheit. Nachdem er Einheit unmittelbar als Einheit erkannt hat, stellt er sich  Einheit vor, er macht sich Vorstellungen in Einheit, er macht sich  Vorstellungen von Einheit ausgehend, er stellt sich  vor 'Einheit ist mein', er ergötzt sich  an Einheit. Warum ist das so? Weil er es nicht vollständig durchschaut hat, sage ich."

Und auch wenn Gedanken bzw. menschliche Konzepte die Wirklichkeit nicht passend beschreiben können, sind wir mit diesen doch schon sehr weit gekommen. Besonders in den letzten 200 Jahren. 

Abgesehen davon, zwingt einen ja niemanden seinen Gedanken zu folgen, oder diesen zu glauben. Buddhistische Mönche zeigen sehr gut, wie das Gegenteil davon aussieht.

Kommentar von Neun188 ,

Ich meinte nicht, warum wir glauben was wir denken, sondern: Warum wir glauben, das wir denken. Im Sinne, dass wir aus uns heraus einen Gedanken erzeugen können.
Im Endeffekt ist der Mensch ja gezwungen zu denken, solange er wahrnimmt. Wobei man ja durch Zazen sehr wohl die Möglichkeit hat, das auftauchen und verschwinden von Gedanken einfach zu beobachten. Ich schaffe es schon, eine Stille im Kopf zu erzeugen. Weiß nicht genau, welche Jhana das ist.

Kommentar von AaronMose3 ,

Ich meinte nicht, warum wir glauben was wir denken, sondern: Warum wir glauben, das wir denken.

Ich sehe, ich habe mich verlesen. Entschuldige bitte, mein Fehler.

Im Endeffekt ist der Mensch ja gezwungen zu denken, solange er wahrnimmt.

Das würde ich nicht uneingeschränkt bestätigen. 

Jemand, der sich nicht mit solchen Themen auseinandersetzt, ist das wohl, aber wenn man das eigene Denken hinterfragt und Mittel ergreift, dieses zu beeinflussen, dann sind Zustände in denen man nicht denkt, durchaus möglich.

Wie du schon angeschnitten hast, gibt es einen Unterschied zwischen Denken und dem Beobachten von Gedanken.

Das Beobachten von Gedanken, oder erreichen eines Gedankenlosen Zustands benötigt aber mehr als ne Runde Meditation. Da ist viel Übung von Nöten.

Weiß nicht genau, welche Jhana das ist.

Schau mal hier:

Nach Stillung von Gedankenfassung und Diskursivem Denken aber gewinnt er den inneren Frieden, die Einheit des Geistes, die von Gedankenfassung und Diskursivem Denken freie, in der Vertiefung (samādhi) geborene, von Verzückung (pīti) und Glücksgefühl (sukha) erfüllte zweite Vertiefung.

http://www.palikanon.com/wtb/jhana.html

Antwort
von NewKemroy, 6

Ich denke das kommt am besten in der Lehre von den Khandhas, den 5 Daseinsgruppen zum Ausdruck. Diese Lehre besagt, das weder in Körper, Gefühl, Wahrnehmung, Gestesformationen noch Bewusstsein ein ICH zu finden ist.

Das alles gehört zum Studium des Abhidhamma, welches die systematische Darstellung aller innerlichen Geist bzw. Geistkörperprozesse ist.

Zu finden ist das aber auch in den Lehrreden des Palikanon. Zum Beispiel hier:

http://palikanon.com/samyutta/sam22\_060.html#s22\_59

Denken ist also tatsächlich ein sogenanntes Phänomen, wobei der einzelne Gedanke scheinbar ohne Grund plötzlich auftaucht, aufsteigt und wieder zerplatzt. Verursacht sind sie wohl karmisch. Genaueres siehe Paticcasamuppada.

Die Antwort auf Deine Frage nach dem Warum, wäre also avijja (Verblendung/Unwissenheit).

Antwort
von Blastaz145, 10

Weil wir nicht jeden einzelnen gedanken nachdenken könnten

ihrgendwo in China haben die mit 80.000 CPUs 1% der gehirnleistung nachgestellt (hatte ich ihrgendwo gelesen kann also de Quelle nicht sagen)

Du müsstest denken zu Atmen du müsstest denken zu Blinzeln usw. das ist einfach viel zu viel

Antwort
von TheAngelOfPeace, 12

Deine Frage erschließt sich mir nicht ganz.

Ich hoffe der Spruch von Decartes hilft dir weiter: Cogito ergo sum.


Kommentar von Neun188 ,

Der ist von Descartes ...

Kommentar von TheAngelOfPeace ,

Hab ich ja auch geschrieben. Klugsche*ßer

Kommentar von Neun188 ,

Schnell ausgebessert. ;)

Kommentar von NewKemroy ,

Decartes war ein I**ot. Beweis: Ich bin auch wenn ich nicht denke!

Kommentar von TheAngelOfPeace ,

Er war sicher kein Idiot. Ich erkläre dir warum. Du kannst alles anzweifeln was du um dich herum wahrnimmst, wer sagt denn das die Dinge wirklich existieren und das ganze ein Computersimulation ist? Was du aber mit Sicherheit weißt ist das du gerade etwas anzweifelst (oder alles anzweifelst) ergo denkst ergo existiert zumindest ein "Denkappart" von dir. Dessen kannst du dir zu 10000000% sicher sein.

Antwort
von FrankCZa, 19

Naja wir sind ja alles was in uns ist, oder nicht? "Unser Geist" sind ja wir, es ist nicht so als wären wir davon getrennt oder was auch immer.

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