Hier mein zweiter Anlauf zur Beantwortung dieser guten Frage. Ein zweiter Anlauf deswegen, weil meine erste Antwort nur auf das Leben "vor dem Tod" eingegangen ist - so heißt es ja in der Überschrift der Frage. Erst im Kleingedruckten heißt es "vor der Geburt" - gemeint ist wohl: vor der Zeugung. Die Frage ist also, warum ein Christ nicht glaubt, ein oder mehrere VOR-LEBEN gehabt zu haben. Diese Frage sei insofern berechtigt, als Christen ja an das "ewige Leben" glaubten, und das müsse dann doch bereits vor diesem Leben begonnen haben. Sonst könne man nur die Schlussfolgerung ziehen, der christliche Glaube an das ewige Leben sei "unvollständig". Denn das Leben nach dem Tod sei allein gewissermaßen bloß die halbe Ewigkeit.
Doch so ist mit der Ewigkeit nicht zu rechnen. Ewigkeit ist nicht Zeitlichkeit. Eine begrenzte Zeit vorwärts oder rückwärts in die Länge zu ziehen, führt nie und nimmer zur Ewigkeit. Sie führt, wie einmal ein Philosoph gesagt hat, nur zu einer "schlechten Unendlichkeit" (Hegel). Der Glaube an ein weiteres zeitliches Leben, egal ob an ein früheres oder ein späteres, ist daher ein Aberglaube im strengen Sinn dieses Wortes. Man "verewigt" nämlich mit einer solchen Verlängerung bloß den status quo, also das Leben, wie es auf dieser Erde gelebt wird, mit seinen Leiden, mit allen Begrenztheiten.
Das christlich geglaubte "Leben nach dem Tod" ist nicht derart zeitlich - also naiv und abergläubisch - zu verstehen, sondern rein qualitativ, rein auf die seelische Verfassung des Menschen bezogen. Unser Seelenleben kann tot sein, während wir ganz normal dahinleben. Und ebenso können sich seelische Wiedergeburten in diesem einen Leben ereignen. Wiederum nicht im biologischen Sinn. Das Heil - sinnbildlich "Leben" - oder Unheil - sinnbildich "Tod" - der Seele ist lebensentscheidend und nicht etwa mehr und immer mehr Zeit für irgendwelche Entwicklungen, Läuterungen, Belohnungen oder Bestrafungen.
Für einen Christen genügt es, fest darauf zu vertrauen, dass seine Seele an Gottes Ewigkeit teilhat. Dieses eine Leben mag kürzer oder länger ausfallen, Hauptsache, es ist in Gottes Hand. Vollständiger kann kein Glaube sein.
Laut Statistik enden 15-20 % aller erkannten Schwangerschaften noch vor dem Erreichen der Lebensfähigkeit des Fetus. Erkannte Schwangerschaften wohlgemerkt, die tatsächliche Zahl ist also deutlich höher.
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Erklärst Du mir das bitte vor dem Hintergrund dessen, was Du geschrieben hast?
Diese Tatsache ist mir bekannt. Und wie Dir sicher auch schon aufgefallen sein dürfte, leben wir in einer unvollkommenen Welt (zumindest seit die erste menschliche Entscheidung gegen Gott gefallen ist).
[...]Kommentar von daddysdearest am 20. November 2009 16:17 Diese Tatsache ist mir bekannt. Und wie Dir sicher auch schon aufgefallen sein dürfte, leben wir in einer unvollkommenen Welt (zumindest seit die erste menschliche Entscheidung gegen Gott gefallen ist).[...] ------- Das heißt also, seit Anbeginn des menschlichen Lebens? Da hast du sicher recht, dass diese Welt vollkommen war, bevor es den Menschen gab...