Frage von Sozialforscher, 55

Warum "glauben" Atheisten, dass ihre Definition von der Wortkonstruktion "Gott" "der Wahrheit" entspricht?

Ist die Begriffsdefinition "Gott" aus atheistischer Perspektive statisch? Wie gehen Atheisten vor, um "Wahrheit" zu definieren? Führt reine Logik zum Optimismus?

Antwort
von Dxmklvw, 25

Derartige Fragen können nicht wirklich eine Lösung hervorbringen.

Warum Atheisten etwas glauben oder nicht, wird von Atheisten beantwortet, die ihre Antwort für objektiv halten, obwohl dies nicht zwangsläufig zutreffen muß. Es verbleibt Ungewißheit.

Wenn religiöse Menschen die selbe Frage beantworten, dann ist die Antwort eine Vermutung, denn sie stecken nicht in Atheisten drin. Es verbleibt also auch dort nur Ungewißheit.

Alternativ kann man die Sache logisch durchdenken und im Glücksfall auch zu einem Ergebnis kommen, das man akzeptiert. Doch das ist dann wieder der eigenen Denkweise und der eigenen Subjektivität geschuldet, so daß auch dort nur Ungewißheit übrig bleibt.

Dazu kommt, daß es "die Atheisten" unter der Gegebenheit eines gemeinsamen Nenners nicht gibt. Jeder Atheist denkt auf seinen Weise, beurteilt auf seine Weise und argumentiert auf seine Weise. Was dann gelten soll, liegt also im Belieben des außenstehenden Betrachters und schafft neue Ungewißheit.

Doch die exakte Umkehr, nämlich die Frage, warum religiöse Menschen so oder so denken, bringt ebenso ungewisse Ergebnisse.

Etwas anderes ist meiner Ansicht nach auch nicht zu erwarten, weil es offensichtlich weder Atheisten untereinander noch religiösen Menschen untereinander möglich zu sein scheint, überhaupt zu einer abgespeckten Grunddefinition zu kommen, die von allen anerkannt wird.

Antwort
von Andrastor, 22

Noch einmal, es gibt keine "atheistische Perspektive". Wie Gott definiert wird, ist rein individuell.

Der einzige Unterschied zwischen Atheisten und Theisten im Bezug auf Gott ist wohl der dass Theisten krampfhaft nach Indizien suchen, die sie auf ihren Gott zurückführen, während Atheisten den wahren Kern der Indizien erkennen und die Verbindung zu Gott nicht herstellen.

Optimismus wird individuell erlangt, weder Aberglaube, noch Atheismus, bzw. Logik führen zwingend zu Optimismus.

Antwort
von Grobbeldopp, 8

Ich bin ein Atheist, ich kann aber nur für mich sprechen. Zudem bin ich nicht philosophisch gebildet.

Ist die Begriffsdefinition "Gott" aus atheistischer Perspektive statisch?

Aus meiner Perspektive: Ja. Wenn ich sage, dass ich nicht an Gott glaube meine ich damit nicht das, was Einstein meinte als er in Zweifel über die Quantentheorie äußerte:

"Gott würfelt nicht."

Ich meine damit den christlichen Gott meiner katholischen kulturellen Wurzeln, und damit die aktuelle Doktrin der katholischen Kirche, dass Gott eine körperlose Person mit bestimmten Eigenschaften und der Schöpfer des Universums ist.

Wer das Wort Gott verwendet aber mit kaum einem dieser Punkte etwas anfangen kann, dessen Sprachgebrauch ist für mich verwirrend. Ich könnte selbst mir eine Definition des Wortes Gott zusammenbasteln und diese dann benutzen und sagen dass ich an Gott glaube. Dies wäre aber nicht mehr der Gott meiner Kultur, so wie er eigentlich gedacht ist, und deshalb lehne ich es ab, von Gott zu reden. Um auszudrücken, dass ich diesen Gott für erfunden halte (und dazu den Glauben an ihn für verwerflich wenn er zu Autoritätshörigkeit und Machtansprüchen führt.)

Wie gehen Atheisten vor, um "Wahrheit" zu definieren?

Wahrheit ist wenn etwas wahr ist. Wie so oft findet man hier keinen letzten Grund, aber den braucht man auch nicht. Man kann einfach darauf bestehen, die Dinge die sich wegen ihrer intersubjektiven Überprüfbarkeit unter vernünftiger Betrachtung als zuverlässig erwiesen haben (und mehr geht ja nicht) als wahr zu bezeichnen. Das funktioniert ganz gut, denn wenn man sich den wissenschaftlichen Fortschritt der Menschheit anguckt kann man nicht allen ernstes behaupten, dass es dabei nicht erhebliche Annäherungen an diverse Wahrheiten gegeben habe. 

Antwort
von Tragosso, 35

Deine Frage beinhaltet den Denkfehler, dass ein Atheist automatisch meint 'Recht' zu haben. Nur, weil jemand nicht an Gott glaubt muss er noch lange nicht anderen ihren Glauben absprechen oder sehr von sich selbst überzeugt sein. Als Optimisten würde ich mich nie bezeichnen, denn davon bin ich sehr weit entfernt.

Kommentar von Sozialforscher ,

Lässt es sich daher eher aus einer gewissen psychologischen Sichtweise verstehen? 

Atheisten lehnen pauschal "Gott" ab, da sie gewissermaßen eine persönliche Abneigung gegen "Gott" haben?

Kommentar von Tragosso ,

Nö. Ich brauche keine 'Abneigung' gegen Gott um nicht an ihn zu glauben. Oder soll ich den Weihnachtsmann hassen, weil ich nicht an ihn glaube?

Man kann keine Abneigung gegen etwas haben, an das man nich glaubt. Scheinbar können Menschen wie du das aber nicht nachvollziehen, da Gott für dich existent ist.

Kommentar von Sozialforscher ,

Ich habe noch immer nicht verstanden, was "Gott" sein soll. Jeder erzählt mir etwas anderes. Kannst du erklären, was dein "Gott" sein soll und wieso deine Definition die Richtige ist?

Kommentar von Tragosso ,

Ich habe nie behauptet, dass meine Definition die 'richtige' ist. Der Überbegriff Gott ist für mich eine höhere Macht die nach der Auffassung der Gläubigen das Leben (und eventuell die Welt) geschaffen hat oder das Ganze zumindest in Gang gebracht hat. Etwas, das immer da ist und manchmal ins Geschehen eingreift.

Und? Was nützt dir das nun? Es ist nicht wichtig wie meine Vorstellung eines Gottes ist. Genauo wenig wie ob der Weihnachtsmann rote oder blaue Kleidung trägt. Für mich ist so eine (oder mehrere) höhere Macht nicht existent.

Kommentar von Sozialforscher ,

Nö. Ich brauche keine 'Abneigung' gegen Gott um nicht an ihn zu glauben. Oder soll ich den Weihnachtsmann hassen, weil ich nicht an ihn glaube?

Wieso vergleichstt du "Gott" mit dem "Weihnachtsmann"?

Kommentar von Tragosso ,

Weil für mich beides nicht existiert. Es spielt in meinem Alltag keine Rolle. Was nicht heißt, dass ich dir abspreche daran zu glauben. Jeder wie er möchte.

Kommentar von Sozialforscher ,

Ich habe nie behauptet, dass meine Definition die 'richtige' ist

Das irritiert mich jetzt.

Wenn du dir unsicher bist, ob deine Definition die Richtige ist, warum behauptest du dann, ob das, wobei du dir unsicher bist, was es ist überhaupt ist, "existiert" oder nicht?

Ich habe das Problem, dass ich nicht weiß, was "Gott" sein soll, dass ich überhaupt Aussagen darüber treffen kann.

Wenn mir jetzt jemand sagt, dass er glaubt dass ein Stein "Gott" sein soll und alles erschaffen habe, so wie fliegen kann, habe ich aber auch das Problem mit Gewissheit sagen zu können, dass "Gott" nicht existiert. Ich kann ja nicht das Gegenteil beweisen.

Wenn mir jemand sagen würde, dass es Pinguine gibt, kann ich  ja auch nicht behaupten, dass es sie nicht gibt, nur weil ich sie nicht kenne, oder?



Antwort
von GanMar, 28

Führt reine Logik zum Optimismus?

Meinst Du tatsächlich, alle Atheisten wären Optimisten?

Kommentar von Sozialforscher ,

Zumindest so optimistisch, dass sie "Gott" pauschal ablehnen.

Kommentar von GanMar ,

Dafür ist kein Optimismus notwendig.

Kommentar von Sozialforscher ,

Sondern?

Kommentar von GanMar ,

Nichts ist dazu notwendig außer dem sogenannten "gesunden Menschenverstand".

Kommentar von Sozialforscher ,

Also führt Logik nicht zu diesem (erkenntnistheoretischen) Optimismus?

Kommentar von GanMar ,

Hmm - leider kann ich den Begriff "erkenntnistheoretischer Optimismus" nicht mit Inhalt füllen, will sagen: Die Bedeutung ist mir nicht bekannt. Anscheinend hat es wohl nichts mit dem "gemeinen Optimisten" zu tun, der davon überzeugt ist, daß alles gut wird?

Kommentar von Sozialforscher ,

Anscheinend hat es wohl nichts mit dem "gemeinen Optimisten" zu tun, der davon überzeugt ist, daß alles gut wird?

In der Tat ist die Frage nicht eng gefasst und polemischer Natur.

Bezüglich der "reinen Logik" als Werkzeug der Erkenntnisgewinnung sollte der Begriff natürlich im tieferen Sinne als Erkenntnistheoretische gelesen werden und einen Bezug zur Psychologie annehmen. 

Zur Erklärung:

M.E. lässt die Anwendung der Logik keine "absolute Wahrheit" zu, oder anders gesagt: Sie lässt keine letzte Wahrheit zu, sondern nur auf Annahmen basierte Schlussfolgerungen, die theoretische "Wahrheiten" definieren.". So ist sich der Philosoph zumindest nach seinen Überlegungen wieder bewusst, dass er sich sicher ist, dass er nichts wissen kann. 

Da der Gottesbegriff überaus vielfältig erscheint, lassen sich auch m.E. der reinen Logik nach keine allgemeingültigen Aussagen oder Schlussfolgerungen über dessen dynamische Erscheinungsformen treffen, zu mal "Gott" gemäß vieler theologischer Gedankenkonstrukte oftmals widersprüchliche Wesensattribute erhält, und z.b. durch die Wesensattribute "allmächtig" oder "transzendent" nicht mehr greifbar bleibt und an die Logik gebunden sein muss, sodass die Logik als Methode ihre Gültigkeit verliert. 

Dieser Umstand kann dem Theist als auch Atheist nicht bewusst sein - zumindest konsequent in seiner Argumentation.  Meiner Erfahrung jedoch nach begeht der Atheist häufiger den Fehler, in dem er von Wahrheiten in Form von "Wissen" spricht. Diese Erkenntnisgewinnung wird von ihm oft über die Logik oder auch "Wissenschaft" (z.B. Physikalismus) begründet gesehen. M.E. eben uninformiert über das aktuelle Paradigma der Wissenschaftsphilosophie (kritischer Rationalismus) bzw. erkenntnistheoretischen Positionen und deren Grenzen. So bewerten sie u.a. das, was sie sehen, aber auch hören als Weisheiten und glauben eine Verknüpfung dieser für die "vorliegende" Wahrheit zu wissen, nicht aber für eine z.b. "durch ihre Sinneswahrnehmungen konstruierte Wahrheit" oder Standpunkt ihrer subjektiven Sichtweise herauszustellen. 

Der Theist hingegen - gemäß meiner Beobachtungen; in der Häufigkeit seiner Erscheinungen -  sieht seine absolute Wahrheit in Form des Glaubens, des Überzeugt-seins oder durch die Sinneswahrnehmung begründet (Spüren, Fühlen, Hören, Sehen...) und beansprucht nicht die Logik als Methodik zur Erkenntnisfähigkeit. D.h. man kann seine Überzeugungen glauben oder nicht. Auch wenn sich diese Ideologien in Konstrukte mit bestimmten Spielregeln einmischt, wie etwa den wissenschaftlich-verifizierten Theorien (z.B. Evolutionstheorie), darf sie - wie jeder Mensch - den Anspruch erheben, sie zu widerlegen und zu kritisieren, doch was für eine Überzeugungskraft sie hinsichtlich der wissenschaftlichen Gütekriterien aufweisen kann, unterscheidet sich von einer erkenntnistheoretischen Wahrheit. 

Doch auch der renommierte Naturwissenschaftler, der in seinem Betrachtungswinkel über die zu beobachtbare mathematische Struktur in den Eigenschaften der Dinge (Entitäten) eine letzte Wahrheit annimmt, beansprucht m.E. einen Absolutheitsanspruch bezüglich einer erkenntnistheoretischen Wahrheit, woraus gleichsam hinsichtlich der theologischen Überzeugung eine optimistische Ideologie entspringen kann. Dies gilt natürlich für alle Menschen, welche sich m.E. durch eine unantastbare universelle Metaethik äußern kann.

Gemeinsam sollen Theist und Atheist m.E. haben, dass sie beide an eine absolute Wahrheit glauben. Wenn sie diese durch die  Logik als Herangehensweise begründet glauben, mögen sie m.E. von ihrem "Gemüt" und evtl. u.a. von sozialpsychologischen Einflussfaktoren in ihrem Bewegungscharakter gelenkt werden. Diese Umstände sollen das Subjekt dahingehend formen, seinen besten Weg für sich auswählen zu lassen, dem er am Optimistischsten gegenüberstehen werden glaubt. ("Man lebe lieber mit der Wahrheit als in einer Illusion.")

Natürlich ist mir bewusst, dass es historisch als auch aktuell sehr vielfältige Erscheinungsformen von unterschiedlichen Denkströmungen vorliegen, die sich zum Atheismus bekennen und die Rekonstruktion ihrer gemeinsam-geteilten Gedanken und erkenntnistheoretischen Konzeptionen mit Sicherheit auch eine Fachexpertise in bestimmten Teildisziplinen der Geschichte, Sprache und Philosophie benötigt, um jene überhaupt nachvollziehen zu können, sodass sich diese Gedankenansätze für eine kategoriale zuordnung von Stereotypbildungen lesen lassen kann.

Unter den Theologen finden sich natürlich auch diverse Gruppierungen wie Rationalistische wie z.B. u.a. den Pantheisten, deren Weltsicht nicht so einfach "ad abdsurdum" zu führen sein muss. Angemerkt will außerdem sein, dass meiner Beobachtung nach Theologen, die eine Erkenntnisfähigkeit über "den Verstand" anführen wollen, häufig keine soliden Werkzeuge bzw. eng-gefassten Begriffsdefinitionen verwenden, wodurch eine Untersuchung der Gegenstände in endlosen Dialogen von Interpretationen diffuser Redewendungen enden kann. 

Kommentar von GanMar ,

Ah ja, da muß ich mich mal mit auseinandersetzen, wenn ich mehr Zeit habe.

Ad hoc kann ich darauf lediglich antworten, daß in meinem ganz persönlichen Weltbild kein "Gott" vorkommt. Wenn es nun darauf hinausläuft, daß ich gemäß Deiner Definition kein Atheist sein kann, sondern anders bezeichnet werden müßte, dann nehme ich das erst einmal so hin. Auch nehme für mich nicht in Anspruch, unfehlbar zu sein.

Antwort
von josef050153, 10

Das Problem ist halt, dass auch Atheismus ein Glauben ist, obwohl viele Atheisten das ablehnen.

Man kann Gott nicht 'beweisen',aber man kann auch nicht beweisen, dass es ihn nicht gibt. Die Definition 'Gott' ist bei Atheisten genauso ein (unbewiesenes) Gedankenkonstrukt wie in einer Kirche.

Kein Philosoph weiß etwas, obwohl viele behaupten, etwas zu wissen.


Antwort
von DerBuddha, 10

1. "glaube" ich NICHt, ich weiss die dinge, über die ich schreibe............

2. schreibe ich nur die dinge, die wissenschaftlich beweisbar/bewiesen sind/wurden......im gegensatz zum glauben der gläubigen selbst...........*g*

im übrigen kann sich jeder gläubige selbst schlau machen, wenn er es wirklich möchte, aber die gläubigen wollen ja nicht, denn sonst müssten sie ihren märchenglauben aufgeben.................aber welcher gläubige will schon zugeben, dass er sein leben sinnlos einer märchenfigur untergeordnet hat und alles nur lug uns betrug ist?................:)

Kommentar von YassineB87 ,

bist du denn nun budhist oder nicht?

Kommentar von DerBuddha ,

nö, mein nick hat NICHTS mit glauben zu tun, das deutsche wort für "butter" war einfach nur zu uncool..............*zwinker*

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