Frage von grenzenfrei0, 134

Warum ging die DDR Wirtschaft unter?

Expertenantwort
von PeVau, Community-Experte für Geschichte, 51

Ohne jetzt in die Einzelheiten zu gehen, aus zwei entscheidenden Gründen, die im Kern für alle sozialistischen Länder galten:

Der erste Grund ist in den unterschiedlichen Ausgangspositionen der Volkswirtschaften der ehemals sozialistischen Länder und den entwickelten kapitalistischen Ländern zu sehen. Während letztere schon entwickelte Industrieländer waren, mit allem Drum und Dran, musste in den meisten sozialistischen Ländern erst die Grundlagen für eine umfassende Industrialisierung geschaffen werden.

Selbst die bereits vorhandene industrielle Struktur konnte sich mit den Schwergewichten im Westen nicht messen. Von den im Verhältnis größeren Zerstörungen der Industrie im Zweiten Weltkrieg soll dabei gar nicht die Rede sein, was aber gerne auch genauer ausgeführt werden kann. Schlüsselindustrien, notwendig für halbwegs unabhängiges Wirtschaften mussten aus dem Nichts geschaffen werden. Das Gebiet der späteren DDR war z. B. im Vergleich zu Westdeutschland industriell unterentwickelt. Schwerindustrie fehlte fast völlig.

Der zweite Grund besteht im aufgezwungenen ungleichen ökonomischen Wettbewerb im globalen Maßstab. Die Arbeitsproduktivität des Westens genauer gesagt die der entwickeltsten kaptalistischen Länder war von Anfang an ungleich größer. Diese höhere Arbeitsproduktivität begründete auch die ökonomische Überlegenheit des Westens im Wettbewerb.

Mit dieser höheren Arbeitsproduktivität wurden die sozialistischen Wirtschaften einfach niederkonkurriert. Deren Produkte wurden immer weniger konkurrenzfähig, das hatte weniger Deviseneinnahmen zur Folge, das hatte Einfluss auf notwendige Importe und Investitionen, was wiederum negativ auf die weitere Entwicklung der Arbeitsproduktivität war. Unter diesen Bedingungen war auch eine Autarkie vom kapitalistischen Wirtschaftssystem nie möglich. Man musste von Anfang an Beziehungen und damit auch fatale Abhängigkeiten eingehen.

Eine sozialistische Wirtschaft, deren Zweck die Befriedigung der menschlichen Bedürfnisse ist und dabei die weitestgehende Vermeidung sozialer Ungleichheit beachten muss, hat in Sachen Arbeitsproduktivität einer auf Profit ausgerichtete Wirtschaft gegenüber, die sich um soziale Gleichheit nicht scheren muss, schon mal ein Handycap.

Deshalb ist die Hauptlehre aus der Niederlage des Sozialismus, dass es eine sozialistische Insellösung innerhalb einer kapitalistisch dominierten Welt nicht geben kann. Der nächste Anlauf müsste globales Ausmaß haben

Antwort
von wfwbinder, 53

Betrachte die Wirtschaft der DDR in den 50er+60er Jahren und dann in den 70er und 80er Jahren.

In den 50ern hauten viele Fachkräfte aus der DDR ab, weil sie im Westen mehr verdienen konnten.

in den 50er und 60er Jahren waren ausserdem die Reparationen an die Sowjetunion eine hohe Belastung.

In den 70er und 80er Jahren, war die DDR die stärkste und wohl auch innovativste Wirtschaft im COMECON, aber  hat den Westexport zu einem großen Teil über den Preis gemacht. Also im Prinzip weniger Geld bekommen, als theoretisch möglich gewesen wäre. Und das obwohl sie in der Damaligen EWG/EU behandelt wurde wie die Bundesrepublik.

Die Produkte der DDR waren zweifellos von guter Qualität, aber leider zum Teil auch technisch rückständig. Man vergleiche die Praktica aus den 70ern, mit einer Canon, oder Olympus.

Zum Teil wurden tolle Entwicklungen nicht in die Produktion genommen. So hatte man in Zwickau einen Golf ähnlichen Wagen als Trabantersatz schon fertig, bevor VW mit dem Golf kam.

Auch wurden z. T. unwirtschaftliche Entscheidungen getroffen. In den Planungskommissionen für die 5 Jahres-Pläne saßen zu viele Parteibonzen und zuwenig Praktiker aus den Betrieben.

Wer behauptet, die DDR Wirtschaft wurde erst von der Treuhand kaputt gemacht, war nie in Merseburg, Pirna, Magdeburg, Leipzig, Halle, kurz nach der Wende. Ich bewundere die DDR-Arbeiter und Angestellten, was die unter den Umständen geleistet haben. Aber leider war ja auch Umweltschutz dort ein Fremdwort. Was der Kalibergbau über die Fulda an Dreck nach Westdeutschland abschob, war schon übel.

Die Arbeiter im Uranbergbau (Wismut Aue) waren auch schlecht geschützt und leiden noch heute als Rentner, oder sind früh verstorben.

Die Konsumgüterindustrie haben zum Teil die Bürger selbst nach der Wende zerschossen. Man stürzte sich erstmal auf die Westprodukte. Es mussten Kühne Gurken, statt denen aus dem Spreewald sein. Milkariegel statt Hallorenkugeln, usw.

Aber es haben dann ja auch einige geschafft. Rotkäppchen ist heute eine starke Marke. Radeberger ist Marktführer in Deutschland und hat viele andere Marken übernommen.

Carl-Zeiss-Jena ist wieder auf dem Weltmarkt präsent.

Kommentar von Mastrodonato ,

Guter Beitrag, aber trotzdem ein Hinweis: Die Reparationen an die Sowjetunion wurden 1953 nach dem Aufstand nahezu aufgehoben.

Hier wird das Thema auch behandelt: http://geschichte-forum.forums.ag/t839-privatisierung-in-der-ddr-ware-die-pleite...

Antwort
von voayager, 49

Sie ging nicht unter, sie stagnierte vielmehr. Die DDR ging unter, weil die SU unterging und sie so ohne Rückhalt dann nicht mehr lebensfähig war. Sie ging auch den Bach hinunter dadurch, dass die SU Anfang der 80-er Jahre keine Vorzugspreise für Rohstoffe etc. an die DDR einräumte. Dann ging es auch abwärts dadurch, dass die Planwirtschaft schlecht ausgeführt wurde. Unter Walter Ulbricht war sie besser aufgestellt als unter Honecker. Ein fehler der DDR war es auch, sich so sehr am westlichen Ausland zu verschulden, statt die Wirtschaftskontakte stark einzuschränken.


Kommentar von andre123 ,

Wobei die Verschuldungsquote für ein Industrieland im Vergleich zu der heute üblichen Staatsverschuldung in der EU/ Japan etc  sogar nich sehr niedrig war

Kommentar von voayager ,

nicht sehr hoch war!

Kommentar von andre123 ,

danke! ja meinte ich, vertippt

Antwort
von Mastrodonato, 34

Vieles wurde hier genannt, aber einen wichtigen Hinweis habe ich nicht gesehen: Die Währungsunion. Diese machte die DDR Betriebe konkurrenzunfähig. Dazu der Mangel einer sinnvollen Privatiesierungsstrategie nach 1990. 

Dass es hätte anders laufen können, zeigt das Beispiel Škoda-Volkswagen in Tschechien. Hier wurde eine gute Zusammenarbeit langfristig entwickel. Westlicher Know-how mit kostengünstiger, aber trotzdem qualifizierter Arbeit. Aber: Tschechien hatte nie eine teure Währung wie die DM oder den Euro.

Hier wird das ganze unter der Frage, ob es so kommen musste, diskutiert:

http://geschichte-forum.forums.ag/t839-privatisierung-in-der-ddr-ware-die-pleite...

Antwort
von JBEZorg, 14

Wer sagt, dass sie unterging. Sie steckte zum Schluss in der Krise. Aber wieviele Krisen haben kapitalistische Länder durchgemacht? Und keiner sagt deren Wirtschaften seien untergegangen.

Antwort
von anja199003, 62

Es fand keine Re-Akkumulation statt, da die DDR praktisch alle Reparationen an Russland zu zahlen hatte. "Entnahme aus der Produktion" nannte mann das etwas umständlich. Dadurch wurde aus der Substanz produziert und es gab keine Ressourcen, diese Substanz zu erneuern. 

Dazu kamen noch schwere wirtschaftliche Fehlentscheidungen, die den Mittelstand abgetötet haben und letztlich zum Verfall der DDR-Währung geführt haben.

Antwort
von beangato, 50

Google mal nach "Treuhand". Da findest Du Deine Antwort.

Antwort
von TheAllisons, 59

Weil Kommunismus auf Dauer nicht lebensfähig ist

Kommentar von JBEZorg ,

selten sinnlose Antwort

Antwort
von Moecki37, 49

Durch die aufgezwungenen Vorgaben der Sowjetunion und die Fehlausrichtung auf Schwerindustrie, obwohl gar keine Rohstoffe vorhanden waren... 

Antwort
von SiroOne, 49

Die Wirtschaft der DDR ging nicht unter, die Menschen wollten sich mit Deutschland wieder vereinigen.
Die Grenzen der kommunistisch geführten Länder wurden auch immer Löchriger, so das immer mehr Menschen in Richtung Westen geflüchtet sind,das man denn schlicht, die Mauern ganz öffnen musste.

Antwort
von noname68, 55

weil die planwirtschaft im sozialismus die anreize der freien marktwirtschaft "angebot und nachfrage" mißachtete.

Kommentar von JBEZorg ,

so bringt man es im Kapitalismus den Schülern und Studenten systemkonform bei. Wer denken kann findet in dieser Theorie massive Löcher, spätestens während des Studiums.

Kommentar von andre123 ,

Die Anreize der freien Marktwirtschaft werden in diesem Fall jedoch durch andere Anreize  ersetzt.

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community

Weitere Fragen mit Antworten