Frage von FlouuFlouu, 44

Warum gilt eine Inflationsrate von knapp unter 2% als preisstabil?

Ich verstehe nicht, warum eine Inflationsrate von knapp unter 2% als preisstabil eingestuft wird. Wäre es nicht logischer, wenn die Inflationsrate bei 0% liegen müsste? Dann wären die Preise doch stabiler als bei 2%, oder nicht?

Antwort
von berkersheim, 22

Dein Argument wäre richtig, wenn unsere Wirtschaftsprozesse statisch wären. Tatsächlich aber sind sie dynamisch, wie es das Wort Prozess bereits nahelegt. Wirtschaften ist ständig im Wandel, wird immer wieder umgekrempelt. Ganze Wirtschaftszweige verlieren an Bedeutung (Schwerindustrie z.B.) und andere entstehen neu. Das bedeutet auch eine ununterbrochene Umverteilung der relativen Preise und Arbeitsplätze. Ein ausreichendes Geldangebot, das eine Inflation von knapp unter 2% zulässt schafft so die Möglichkeit, dass sich diese Prozesse nicht zu einem konjunkturellen Einbruch ausweiten (Monetarismus-Theorie). Alte Produkte können ihre Preise halten oder nur leicht absenken, während neue Produkte mit einem Preisplus einsteigen und so einen Vertrauensvorschuss erhalten. Dass das bei der sich ständig wandelnden Wirtschaft nicht immer so glatt gestalten lässt, zeigen die Konjunkturverläufe über die Zeit. Die Politik der EZB ist an diesem ursprünglichen monetaristischen Modell orientiert, das aber ausschließt, dass sich Staaten störend ins Wirtschaftsgeschehen einmischen. Ich allerdings fürchte, dass durch die politischen Verwerfungen dieses Modell nicht mehr funktioniert, gar nicht angewandt werden kann. Darum hat die EZB mit ihrer Geldpolitik keine Erfolge und der Maßstab "Inflation" ist auch überholt, weil Vermögensentwertung direkt auf den Konten stattfindet und nicht mehr über die Preise.

Antwort
von Fool09, 16

Zunächst mal ist es gar nicht so einfach, Inflation zu messen. Dabei treten notgedrungen Fehler auf. So ist es z.B. schwierig, Qualitätsverbesserungen herauszurechnen. Man geht davon aus, dass die tatsächliche Inflation von der offiziellen Messung eher überzeichnet wird.

Weiterhin kann die Zentralbank die Inflationsrate nicht direkt steuern. Ein Inflationsziel größer null dient deshalb auch als Sicherheitsabstand, um bei unvorhergesehenen Schocks nicht gleich in die Deflation abzurutschen. Denn die Wirkung der Geldpolitik ist während einer Deflation oft ungewiss.

Antwort
von soissesPDF, 7

Sagen wir so, wenn Du Dein Geld behälst, gewöhnlich sparen genannt, verlierst Du auch nichts, soweit zur Tugend.

Wenn es eine Inflation von 2% hätte würdest Du auch 2% Deines Geldes durch nichts verlieren, aus 100€ würden 98€ usw.
Willst Du den Verlust vermeiden würdest Du dafür einen Wert kaufen, welchen auch immer und die Wirtschaft erfreuen.

Soweit die Theorie, dass Geld ein Wertspeicher sei.

Sind aber die Schulden höher als die Wirtschaftsleistung, brauchst Du entweder einen höheren Lohn, um beides zu können, die Schulden tilgen und trotzdem Werte zu kaufen oder Du würdest nur Schulden tilgen.

Bleiben die Lohnsteigerungen unterhalb der Inflationsrate, wie in den letzten 15 Jahren geht die Rechnung nicht mehr auf.
Nun tilgst Du Schulden und kaufst keine neuen Werte, statt Inflation entsteht Deflation.
Gut für Dich, schlecht für die Wirtschaft und Banken.

Antwort
von FrageSchlumpf, 10

Der Hauptgrund ist, dass die Inflationsrate allgemein als "überzeichnet" gilt, sprich, wenn die Inflation "sagt" + 1 % ist es in Wahrheit -0,5 %,

Die EZB verwies doch immerhin 1 Mal !!! auf eine !!! Studie aus den USA, die das auch belegen soll.

Demgegenüber steht der Volksmund, der auch bei den seit einiger Zeit "stabilen" Preisen von hoher gefühlter Inflation spricht.

Wer Recht hat ist schwer zu sagen. Geld für eine eigene Studie, welche die These beweist oder widerlegt scheint jedenfalls niemand zu haben.

Antwort
von Otilie1, 22

unter 2 % ist vertretbar, also fast stabil

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