Frage von Kastille, 71

Warum gibt es soviele Menschen mit Depressionen, warum entstehen sie auch vollkommen unerwartet?

Hey,

sowas kann ja jeden treffen, sogar Menschen die glücklich sind, aber warum haben das soviele? Woher kann das kommen und wie kann das vorbeugen? Eine Personen die eig glücklich war, hat jetzt welche und das kam einfach so. Könnten vllt Leute, die welche haben sogar wie es bei ihnen enstand? Weil ich werde darauß einfach nicht schlau.

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Tinia91, 25

Hallo Kastille,

ersteinmal finde ich es toll das du dich über diese Krankheit informieren möchtest. 

Ich leide selber schon seit längerer Zeit an dieser Krankheit. 

Es gab in meinem Leben natürlich auch eine Zeit in der ich absolut glücklich und auch körperlich total fit und gesund war. Doch es wurde alles anders. 

Bei mir ging es zu dem Zeitpunkt los als ich wegen meines Ex in eine andere Stadt zog. Die Beziehung hat nicht lange gehalten, ich war aber trotzdem noch glücklich da die Trennung meinerseits erfolgte. Aber ungefähr zu der Zeit machte ich eine Vollzeit Weiterbildung und habe nebenbei auch noch fast Vollzeit gearbeitet. Es war also eine Zeit wo ich sehr gestresst war. Ich hab es aber erst nicht so bemerkt weil ich noch gut klar kam. Dann hatte ich aber finanzielle Probleme und konnte aber mit meinen Eltern nicht darüber reden, obwohl sie gesagt haben das sie mir helfen wenn was ist. 

Finanzieller Druck und der Stress haben mich an einem Punkt getrieben an dem ich wirklich in der Schule zusammengebrochen bin. Fast schon eine Panikattacke bekommen habe, ich konnte nicht mehr Atmen weil ich so doll gweint hatte. 

Dann habe ich mit meinem Artzt nachdem er mir eine beruhigunsspritze verpasst hatte über alles gesprochen weil es endlich mal aus mir raus musste was ich verheimlicht hatte. Erst da habe ich wirklich gemerkt das es mir NICHT gut geht und ich nur funktioniert habe. Eine Scheinwelt aufrechterhalten wollte um meinen Freunden und meiner Familie keine sorgen zu machen. 

Ich fühlte mich wie gelähmt und habe gemerkt das ich mich viel zu sehr und viel zu lange vernachlässigt habe. Die Trennung meiner Eltern als ich 15 war habe ich nie richtig verarbeitet, Der Tod meiner Großeltern usw. All das habe ich Jahrelang missachtet und mit voller Wucht die Quittung dafür bekommen. In Form einer Depression wollte mein Körper mir endlich mal klar machen das ich auf mich achten muss. Und jetzt mache ich Therapie und versuche eine für mich gesunde Weise zu finden in meinem Leben zurecht zu kommen. 

Die Strategie für mein Leben die ich entwickelt hatte, einfach alles zu verdrängen und zu sagen "du schaffst das " haben mich in eine Depression getrieben. Jetzt muss ich mir eine neue Lebensstrategie aneignen die für mich gesünder ist.

Fazit: Menschen die glücklich wirken, müssen es nicht zwingend auch sein. Viel passiert im Unterbewusstsein und wird einem erst viel später klar. 

Depressive Menschen haben auch eine Störung der Nervenströme im Gehirn. Die Glückshormone wie z.B. Serotonin werden nicht richtig porduziert. Um das auszugleichen gibt es z.B. die Anitdepressiva. Die Forschung ist aber noch nicht ganz so ausgereift aber es gibt die ersten erkenntnisse dazu. Diese Störungen können durch Stress entstehen. Diesen hatte ich ja eine ganze Zeit lang. Daher glaube ich das in der Zeit meine Nervensysteme geschädigt wurden und ich daher irgendwann nicht mehr in der Lage war freude und Glück zu empfinden. 

Ich hoffe der lange Text stört dich nicht.

Liebe Grüße

Kommentar von Kastille ,

Nene, das stört nicht, danke dass du dir die Mühe gemacht hast alles zu schreiben, weil das hilft mir schon mit dieser einen Person weiter sie zu verstehen.

Die eine, die ich meine, ist in einer ähnlichen Situation wie du, also die DEpressionen haben erst vor paar Monaten angefangen. Vor zweit Monaten war der letze Kontakt und dort meinte sie, dass sie Antidepressiva nimmt und auch einen Therapeuten aufsucht. Aber sie hatte deswegen den Kontakt zu mir abgebrochen und vertraut sich lieber andern an. Hast du auch so ähnlich gehandelt, also dich von Freunden abgekappselt und dich nicht mehr gemeldet, sowie diejenigen geblockt überall?

Kommentar von Tinia91 ,

Gerne doch :)

Ja es ist schon irgendwie normal das man wenn man Depressionen hat sich von Freunden entfernt. 

Ich bin da in einem Inneren Konflikt. Am Anfang meiner Depression als ich noch nicht mal die Diagnose hatte, war mir einfach alles zu viel. Jede Frage ob man mit ins Kino möchte war für mich irgendwie als würde man mich auffordern ein Marathon zu laufen. 

Ein Symptom der Depression ist ja die Antriebslosigkeit. Man hat kein Bock irgendwas zu tun. Also geht man auch nicht mehr mit Freunden raus.

Heute nach 1,5 Jahren mit der Krankheit und Therapie fällt es mir immernoch schwer mit Freunden los zu gehen. Gerade wenn es darum geht Abends irgendwo hin zu gehen. Weil meine Energie schon sehr schnell verbraucht ist am Tag. 

Der Konflikt ist jetzt folgender: Einerseits fällt es mir super schwer mit Freunden los zu gehen weil es einfach super anstrengend für mich ist. Dann bleibe ich zu Hause obwohl ich eigentlich sehr gerne mal wieder los gehen würde. Dann geht es mir nicht gut wenn ich zu Hause bleibe, aber wenn ich los gehen würde habe ich das Gefühl, dadurch das ich nicht gut drauf bin eine Spaßbremse zu sein.

So wie es sich anhört ist dir die Freundin wichtig. Wenn dem so ist dann treffe dich mit ihr. Wenn sie nirgendwo hin kommen möchte fahre zu ihr. Lass dich nicht so leicht abwimmeln. 

Sag ihr das du dir sorgen machst und das sie dir wichtig ist. Sie wird es dir danken auch wenn sie es nicht zeigen kann. Wenn sie einen schlechten Tag hat und du merkst sie will nicht reden, hilft es sie nicht zu bedrengen. 

Mir reicht es schon wenn meine Freundin einfach nur bei mir ist und ich nicht alleine bin. Einfach ein Film ansehen. Vor allem sag nicht: ES WIRD SCHON ALLES GUT. Das ist ein Satz den depressive andauernd hören und sich dann unverstanden fühlen. 

Kommentar von Kastille ,

So ähnliches wars bei ihr, sie hatte sich immer vor schulischen Sachen gedrückt und 2 mal habe ich ihr sogar die Hausaufgaben und eine Präsentation gemacht. Das Fach war nicht ihre Stärke, aber hätte nicht gedacht, dass es in Wirklichkeit Depressionen sind.

Kontakt kann ich wie gesagt nicht mehr zu ihr aufnehmne, da sie mich überall geblockt hat und co. Ihr hatte ich gesagt, dass ich für sie da sein werde, aber darauf kam keine Reaktion und als ich dann ein Monat danach eine Freundin von ihr gefragt habe was ich denn machen soll (weil sie sich ihr anvertaut), meinte diese, dass es eher so aussieht, dass ich sie vergessen soll. Also will sie sich mir nicht anvertrauen und jetzt nach wieder ein paar Wochen kam noch immer nichts von ihr. Ich glaube ich bin ihr vollkommen egal, wenn einfach alles nichts hilft, dabei habe ich ihr nie was angetan

Kommentar von Tinia91 ,

Okay ich glaube da kannst du dann leider nichts machen. Das sie dich geblockt hat war aber glaube ich nur eine Reaktion als sie eine schlechte Phase hatte. Da hab ich auch mal nur gedacht ich muss mich überall abkapseln und keiner will was von mir wissen und das ist auch gut so.

Aber mach dir keine Vorwürfe. Ich finde es total gut das du dich hier über die Krankheit informierst. Das ist schon viel mehr als andere tun. Wenn sie den Kontakt nicht sucht dann ist es zwar schade, aber muss man wohl so akzeptieren. 

Kommentar von Kastille ,

Mag sein, dass es gut ist, aber ich verstehe noch immer nicht wieso sie mich so behandelt. Die Frage stelle ich mir ewig und weiß einfach keine Antwort darauf, weil ich echt dachte, dass wir gute Freunde gewesen wären fürs Leben.

Kommentar von Tinia91 ,

Ich hoffe ihr bekommt irgendwann noch einmal die Gelegenheit irgendwie ins Gespräch zu kommen. Aber die Depression ist eine gemeine Krankheit und verleitet dazu Dinge zu tun die man eigentlich nicht tun möchte. Wie sich von Freunden zu entfernen. Mach dir keine Vorwürfe. 

Antwort
von Suboptimierer, 33

Ich denke, dass da das vermittelte Weltbild, Erfahrungen in der Kindheit und Jugend und ein "typisch" deutscher Lifestyle eine Rolle spielen, unter anderem der Zwang zur Selbstfindung, zur Individualisierung, hohe Auflagen von Gruppen für die Akzeptanz als Gesellschaftsmitglied. Sicherlich gibt es zudem genetische Einflüsse.

Antwort
von Shiftclick, 28

Du könntest auch umgekehrt fragen: warum sind so viele Menschen glücklich und zufrieden? Die psychische Befindlichkeit resultiert nicht aus der objektiven Realität. Die Tatsache, dass man sterben wird, dass das Damoklesschwert von Tod, Krankheit, Arbeitslosigkeit, Hunger, Heimatlosigkeit etc. über einem selbst und allen Angehörigen schwebt, macht die Menschen nicht automatisch unglücklich. Ganz im Gegenteil: überall, wo man Glück und Wohlbefinden nicht vermuten würde, wird ebenso gelacht und das Leben genossen. Das resultiert aus der Gehirnchemie, aus Lernprozessen und aus konstituionellen Faktoren, die sich alles in allem in der Evolution als nützlich erwiesen haben. Das pure Glück hat das Leben aber niemals vorgesehen und eine gewisse Variablität ist wie bei allem anderen normal. Depressionen, so wie du sie ansprichst, resultieren nicht ausschließlich, noch nicht einmal überwiegend aus der Lebenssituation, sondern werden mitunter von dieser ausgelöst, entwickeln sich aber genauso oft auch ohne biografische Einflüsse und zufällig oder so wie andere Krankheiten auch.

Antwort
von XEduardlaserX, 17

Wenn ich mir einrede, dass es mir schlecht geht, dann geht es mir auch schlecht. Eine Depression erscheint schleichend mit zunehmender stärke. Meistens verursacht, durch ständig wiederholend negative Gedanken, durch die man meist keine Aktivitäten ausübt, was wieder mehr Zeit gibt, über diese Dinge nachzudenken. Es ist dieser Kreislauf, bestehend aus Schwarzweißdenken. Man kann die Farbe in der Welt nicht mehr erkennen, weil man sich nur den schlechten Dingen gedanklich zuwendet.

So war es jedenfalls bei mir, aber mit viel beschäftigung hab ich die Sache gemeistert:)

Antwort
von OceanMan, 29

Es ist wissenschaftlich belegt, dass das moderne, stressige Leben die Menschen krank macht. Burnout, Depressionen und andere psychische Krankheiten können sich somit langsam, aber sicher ausbreiten.

Kommentar von Kastille ,

Inwiefern das moderne Leben? Stress verstehe ich ja, aber meinst du mit Modern PCs und co?

Kommentar von OceanMan ,

Ja, natürlich auch das. Smartphones machen auf Dauer krank, wenn auch nicht unbedingt depressiv. Soziale Kontakte leiden allerdings. Mit dem modernen Leben meinte ich das heutige, stressige Leben. Beruflicher Stress, immer mehr Hektik, Überstunden, Angst vor Arbeitslosigkeit (oder auch bestehende Arbeitslosigkeit), krank zur Arbeit gehen und das alles. Immer mehr verdienen, Karriere statt Kinder, materieller Wohlstand und so weiter. Ich weiß nicht, ob ich das jetzt verständlich ausgedrückt habe :)

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