Frage von Myley, 21

Warum gibt es so viele verschiedene Sprachen?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von OlliBjoern, 11

Sprachen haben zwei Grundmechanismen, einmal die Innovation (die "Erfindung" von Wörtern oder Wortstämmen) und zum anderen die Bewahrung (ich weiß, dass mein Gegenüber das Wort versteht, also benutze ich es).  Hinzu kommen noch phonetische Prozesse (Lautverschiebungen).
Durch Aggregation können neue (zusammengesetzte) Begriffe gebildet werden.

Bei der Innovation können Dinge wie die "Lautmalerei" (Onomatopoesie) eine Rolle spielen. Obwohl ich es nicht beweisen kann, denke ich, dass das chinesische Wort "mâo" (mit langem Hochton) für "Katze" lautmalerisch ist. Im Finnischen machen Katzen "nau" oder "mau" (kissa naukuu, kissa maukuu).  Zudem gibt es das (interessante, aber auch schwierige) Thema der Anmutung. So wird die "Dunkelheit" in sehr vielen Sprachen mit "dunklen" Vokalen beschrieben (ungarisch "pokol" = Hölle). Das Wort für "klein" ist
zumeist mit "hellen" Vokalen belegt (finnisch "pieni" "pikku"). Ein
eckiger, spitzer Gegenstand bekommt meist "harte" Konsonanten, und ein
weicher, fluffiger Gegenstand meist "weiche" Konsonanten (schwedisch
"tak" = Dach, schwedisch "moln" = Wolke).

Der Mensch hat sich (aus Afrika kommend) über alle Erdteile verbreitet. Gerade in der Zone, die an Afrika angrenzt (Mesopotamien bis Kaukasus), sind sehr viele verschiedene Sprachen entstanden (auch wenn ich nicht wörtlich an die Bibel glaube, so denke ich doch, dass das "Sprachengewirr" in Babylon
auf die tatsächlichen Beobachtungen der Menschen der damaligen Zeit
zurückgeht).

Viele der Innovationen gehen auf die Zeiten zurück, in der die alten Sprachfamilien entstanden. Ein Indogermane benutzte z.B. ein anderes Wort für Getreide (oder mehrere andere) als z.B. ein Mitglied der nordkaukasischen Sprachfamilie.

Es gibt Sprachen, die eng miteinander verwandt sind (z.B. Englisch und Deutsch) und solche, die gar nicht miteinander verwandt sind (z.B. Baskisch und Deutsch). Zwischen englischen und deutschen Wörter liegt oft (aber nicht
immer) nur eine Lautverschiebung (z.B. "Pfeife" "pipe"; "weich"
"weak"...).

Baskisch verwendet dagegen ganz andere Wortstämme (es
ist keine indogermanische Sprache). Hier liegen die Innovationen (von
vor 10000 Jahren oder noch früher) dazwischen, die wir nicht teilen.

Auch in Afrika selber haben sich viele unterschiedliche Sprachen
herausgebildet. Die Hadza verwenden ein Vokabular, das stark auf die
Jagd bezogen ist (Jäger und Sammler). In den Bantusprachen gibt es sehr
viele Wörter, die sich auf die Landwirtschaft beziehen, und die Massai
haben viele Wörter, die sich auf das Vieh beziehen (Viehnomaden). Die
Mbuti ("Pygmäen") haben viele eigene Wörter für die Pflanzen und Tiere
des Urwalds (auch wenn sie sich heute an Sprachen von Nachbargruppen
angepasst haben). Auch diese Gruppen haben sich schon vor vielen
tausenden Jahren getrennt, und haben eigene Innovationen.

Auch wenn die Inuit nicht wirklich "tausend Wörter für Schnee" kennen (ihre
Sprachen machen reichhaltigen Gebrauch von Aggregation, siehe oben), der
Lebensraum und die Art der Nahrungsbeschaffung bestimmt auch die
Sprache. (kayak = Kayak, kayalik = Kayakfahrer usw., inuk = Mensch, inuit = Menschen, inuktitut = "wie ein Mensch spricht", Inuktitut ist die Bezeichnung einer der Hauptsprachen dieser Gruppe, inukshuk = Mensch-Abbild, Bezeichnung für einen Steinstapel, der wie ein Mensch aussieht, inupiak = Mensch-Westen, Bezeichnung für einen Alaska-Inuk) Diese Aggregationen mag ich recht gerne, sie zeigen, wie sinnvoll dieser Mechanismus ist.

Die Dinge, die wir nicht hier haben, übernehmen wir meist aus der lokalen
Sprache (das Wort "Gnu" ist aus einer Khoisan Sprache übernommen). Lehnwörter.

Antwort
von MrHilfestellung, 7

Es gab wahrscheinlich eine "Ursprache", diese ist aber nicht rekronstruierbar.

Der Mensch hat sich dann aber über die gesamte Welt ausgebreitet und diese verschiedenen Populationen Menschen haben selten miteinander Kontakt gehabt, somit haben sich halt sehr verschiedene Sprachen in diesen Populationen entwickelt.

Expertenantwort
von AstridDerPu, Community-Experte für Sprache, 5

Hallo,

... weil Sprache lebendig ist. Sie ändert sich über die Entfernung
und über die Zeit, sowie durch gesellschaftliche, kulturelle, religiöse
Einflüsse usw.

Sprache ist nämlich viel mehr als nur Verständigung.

Mit Esperanto ist der Versuch gestartet worden, eine einheitliche,
künstliche Weltsprache zu schaffen, gebracht hat es nicht viel.

Sprache ist nicht gleich Sprache. Deutsch ist nicht gleich Deutsch,
Englisch nicht gleich Englisch. Denke nur an die verschiedenen Dialekte
(platt, sächsisch, bayrisch usw.; British English, American English,
Australian English usw.)

Es ginge die Vielfältigkeit verloren. So wie das heute schon z. B. in Deutschland mit den aussterbenden Dialekten der Fall ist.

Ich glaube auch nicht, dass es unbedingt weniger Probleme auf der Welt
gäbe, wenn alle dieselbe Sprache sprechen würden. Das hat schon zwischen
Kain und Abel nicht funktioniert!

Wenn man sich Mühe gibt und es wirklich will, dann versteht man jeden
anderen Menschen, egal ob man dieselbe Sprache spricht oder nicht. Ob
man ihn dann aber "wirklich versteht", steht auf einem anderen Blatt.

:-) AstridDerPu

Antwort
von SiaFan77, 6

Weil jedes Land eine eigene Kultur hat

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