Frage von internetrambo, 485

Warum gibt es so viele "Beileidsmoralisten"?

Also vorweg, im Internet kann/darf jeder schreiben was er will, mir ist es recht, nur verstehe ich das nicht.

Anschlag in Frankreich:

"Oooh, ich bin sooo wütend" "Ich bin soo traurig, ich könnte heulen" "ich bin betroffen, habe Mitleid" blaba..

Dann kommen noch irgendwelche Staatsoberhäupter oder Promis und müssen auch noch ihr "Beileid" kundtun (ok, hier verstehe ich das, man erwartet das von Ihnen als öffentliche Persönlichkeiten).

Ganz ehrlich, es interessiert doch niemanden wenn fremde Menschen sterben, mich interessiert das nicht, warum sollte ich so tun als ob. Würden sie sich dafür wirklich interessieren oder würden sie wirklich traurig sein, dann auch für alle Menschen, stimmts? Sind ja eh alles fremde Menschen.

Habe manchmal das Gefühl, dass viele durch solche Ereignisse versuchen ihr Weltbild aufrecht zu erhalten.

Ich würde es gerne ausblenden, aber schwer zu uberlesen auf sozialen Netzwerken. Am besten gar nicht einloggen ^^

Natürlich tun die Menschen im echten Leben auch so, aber nicht so oft.

-"Hast du das von Orlando gehört?" -"Ja, echt schlimm, bin voll traurig" 2 Sec später haben sie es vergessen und lachen wieder... "voll" traurig

Ok, das ist keine richtige Frage, aber ich musste es mal loswerden. Was denkt ihr, reagiere ich über oder stimmt das, was ich sage? Vielleicht sagen sie es ja nur, weil man es von Ihnen erwartet, man weiß es ja nicht

Antwort
von Tasha, 226

Man versucht nicht, sein Weltbild aufrecht zu erhalten, man ist geschockt. Da ist etwas passiert, mit dem man nicht gerechnet hat und man macht sich klar, dass Menschen gestorben, verletzt, in Not sind. Sobald man sich das klar macht, ist man normalerweise betroffen (sonst würde man im Film etc. auch nicht mitleiden oder mitfiebern, weil man die Charaktere ja auch nicht persönlich kennt).

Wenn man darüber nachdenkt, dass Menschen leiden, ist man erschrocken, traurig, wütend etc. Und dem verschafft man Ausdruck, indem man es eben anderen mitteilt. Man kann nichts tun, aber seinen Gefühlen Ausdruck verleihen und mit anderen darüber reden kann man.

Das ist keine Heuchelei, sondern in erster Linie der Versuch, die eigenen Gefühle zu verarbeiten, die durch die Verarbeitung der Information entstanden sind.

Es sei denn, man ist Promi etc. und "muss" seine Meinung äußern, weil das von einem erwartet wird. Auch hier sieht man Unterschiede zwischen lapidaren "Betet für die Betroffenen" oder "Heute denke ich an die Betroffenen"-Nachrichten und echten Auseinandersetzungen mit dem Thema (auch in Kurzform).

Und natürlich sind einem gewisse Themen näher. Natürlich schreibt man eher "in dem Flugzeug hätten wir gesessen, wenn wir uns nicht verspätet hätten!", weil man darüber nachdenkt, dass man in diesem Falle jetzt tot wäre. Oder "Dort wohnt meine Tante!" wenn eine Region von einer Naturkatastrophe etc. betroffen ist. Natürlich ist einem die Sache dann näher, als wenn es sich um fremde Menschen handelt, aber auch mit denen kann man Mitleid empfinden, auch in deren Situation kann man sich, in Maßen, hineinversetzen.

Antwort
von Paladinbohne, 27

Ich muss sagen, ich teile auch deine Meinung.

Letztens hatte ich sogar eine Diskussion mit einer ehemaligen Klassenkameradin (die sowieso schon eine echt nervige Person ist) auf Facebook. Sie jammerte irgendwas von kranken Kindern und ich kommentierte es, dass es den Kindern dadurch auch nicht besser geht. Es ging um krebskranke Kinder. Es haben sich dann einige, vermutlich genau solche Menschen wie sie (ehrlich, das kann man nicht beschreiben, wie sie ist) dazu gemeldet. Alle hetzten gegen mich. Ich selbst hatte mit 13 auch Krebs und trotzdem habe ich nie öffentlich gejammert oder teile irgendwelche Bilder für Likes oder was weiß ich. Mir wurde an Kopf geknallt, dass ich lügen würde und wüsste gar nicht, wie das ist. Ich wies dann auch darauf hin, dass ich, wenn ich die Möglichkeit sehe (z. B. Edeka verkauft manchmal eigene Kalender und spendet das Geld an solche Organisationen), an einen hier sogenannten "Kinderplaneten". Dieser befindet sich direkt neben dem ortsansässigen Krankenhaus mit Krebsstation. Dort können Eltern preiswert übernachten, um nicht weit von ihren Kindern weg zu sein oder Kinder können dort spielen (soweit sie in der Lage sind) etc.. Die Kinder werden davon nicht gesund, aber sie haben wenigstens eine schönere Zeit. Ich durfte mir anhören, dass ich mir das Geld sonst wohin stecken könnte und schmiss mir sonst was an den Kopf. Und das von solchen Heuchlern, die auf Facebook ihr "Mitgefühl" und ihre "Trauer" mitteilen müssen. Zwar hab ich in dem Moment auch drauf hingewiesen, dass ich selber Krebs hatte und Spende, aber einfach zur Verteidigung, da man nicht damit umgehen konnte, dass es keinen interessiert und es durch das posten nicht besser wird.

Auch lese ich hier, dass einige nunmal nicht mit der Wahrheit umgehen können. Das kann ich auch zu gut bestätigen. Viele "Freunde" bzw. ehemalige Freunde meiden mich. Warum? Weil ich ehrlich bin! Klar sag ich auch mal, wenn jemand nicht dabei ist "Der hat sich unmöglich benommen", aber ich bin auch jemand, ich sag denen das auch ins Gesicht, im Gegensatz zu anderen, die auf dicke Freunde machen, aber rücklinks nur Mist wiedergeben. Ich bin auch eine, die sagt "Lass mal nicht machen, das ist dumm.", wohingegen andere jubeln "Jaaaaaa... voll geil, YOLOOOO!". Mit Ehrlichkeit und teilweise Vernunft können manche einfach nicht umgehen.

Sicherlich ist es schade und traurig, was woanders passiert. Was geht mich aber fremdes Elend an? Und ich wette, dieses Sprichwort hat jeder schonmal irgendwann in den Mund genommen... ob in der Pubertät, im Erwachsensein, beruflich, privat... jeder! Und aufeinmal geht einen fremdes Elend an?

Bei dem Amoklauf in München hatte ich auch Angst um meine Familie, da mein Vater dort wohnt. Drei Tage später hatte mein Freund dort Lehrgang. Aber nur das hat mich interessiert... Ob es meinem Vater gut geht und dass mein Freund bloß auf sich aufpasst, wenn er dort unten ist. Fertig. Mehr geht mich auch nicht an.

In Amerika und überall sonst auf der Welt werden täglich mehrere Menschen getötet, aus privaten Gründen, weil se alle einen an der Klatsche haben und verbal nichts lösen können. In Afrika (jaaaa, meist gewähltes Beispiel) verhungern Kindern UND Erwachsene. Im Pflegeheim und Zuhause sterben auch Menschen. Irgendwo wird gerade eine Frau von ihrem Mann verprügelt (oder andersrum, wir wollen ja nicht sexistisch sein), sie/er kommt mit blauen Flecken auf Arbeit und keinen juckt's. Und warum? Weil wir es nicht sehen!  Nagut, die kranken hungrigen Kinder in Afrika schon (siehe Werbung im Fernsehen).

Und traut euch bloß nicht auf die Straße, es könnte euch ja ein Auto anfahren! (Weswegen übrigens mehr Menschen sterben als an Anschlägen)

Und sicher braucht man Empathie zum leben oder was hier auch geschrieben wurde, aber trotzdem muss ich das nicht bei jedem einsetzen. Und wisst ihr warum? Weil's mich nichts angeht! Ich hab genug Probleme und muss mit meinem Mist rumschlagen, meine Empathie bei Freunden und Familie einsetzen, mich denen widmen und vielleicht auch ein wenig Zeit für mich finden.

Zum Schluss möchte ich noch erwähnen, dass ich (positiv) überrascht bin, wie viele eine solche Meinung teilen. Da fühlt man sich schon nicht mehr so allein in dieser ach so grausamen Welt.

So Schluss jetzt... Bye.

Kommentar von Paladinbohne ,

Zusatz: Auch meinte ein Freund letztens, dass im See ein Kind ertrunken ist, wo er zwei Tage später mit seinen Kindern war (also Kindergartenkindern, er ist Erzieher). Er schob Panik, da es ja eins seiner Kinder hätte sein können, da sie genau so alt wie das ertrunkene Kind und am selben See waren. Aber sie waren es nunmal nicht. Ich hab versucht im zu erklären, wie schwachsinnig seine Angst ist. Ich hab als Beispiel angewendet, dass auch auf einer Straße ein Unfall war, ein Mädchen so alt wie ich dabei gestorben ist und das aber nicht heißt, dass ich deswegen dort auch mit der gleichen Ursache sterbe, nur weil Ort und Alter sich gleichen. Er meinte, er hat aber keinen Überblick auf alle. Ich sagte, dass er dann eben nicht alleine gehen darf. Er sagte dann, er geht ja nicht alleine. Wieder ein Moment, bei dem ich mich frage, warum er sich dann Sorgen macht?! Sicher ist es traurig, dass da ein Kind ertrunken ist und als Erzieher wird man nicht mehr froh, wenn wegen der unbeachteten Aufsichtspflicht ein Kind stirbt. Aber deswegen muss man nicht sagen, wie traurig man ist und im nächsten Moment über irgendwas fröhliches schreiben oder denken, dass einem das passieren kann.

Antwort
von PolluxHH, 245


Wenn nur der Mensch so eindimensional wäre, wie ihn sich einige denken. Beileidsbekundungen spielen auf verschiedenen Ebenen und dabei haben einige mit echter Betroffenheit zu tun. Ich schreibe bewußt Betroffenheit und nicht Trauer o.ä., denn Trauer trifft es, zumindest bei einem nicht bekannten Menschen, nicht wirklich. Hier ist es ein "wie würde ich mich fühlen, wenn meinen Angehörigen sowas passierte". Der Mensch hat eine sehr enge Bindung an "identifizierte Individuen", aber Mitgefühl auf abstrakter Ebene vollzieht sich meist mittelbar über Analogien, was man, auch aus gesellschaftlichen Zwängen, nur nicht wirklich zugeben darf. Die andere Art damit umzugehen kennt man von Unfallstellen. Statt zu helfen wird gegafft oder gefilmt und dabei teils unter Behinderung von Rettungswagen und Sanitätern. Die andere, "wohlige" Seite des Grauens, Visualisierung aus der 180° gedrehten Perspektive, die entpersonalisierte Wahrnehmung, die Sensationslust. Auch eine Art der Bewältigung, hier mehr durch Kompensation.

Echtes Mitgefühl ist dabei wirklich selten, denn das bedeutete, sich wirklich in den anderen versetzen zu können. Was wir Mitgefühl nennen, ist mehr eine Projektion, kanonisiert und in Form gepreßt über Konventionen. Konventionen haben dabei den Vorteil, daß man eine Ohnmacht überspielen kann, indem man eine Formel spricht. Sei es "oh, wie schrecklich" oder "mein Beileid", in den seltensten Fällen ist es wirklich in Übereinstimmung mit dem, was man  gerne zum Ausdruck brächte, denn in den meisten Fällen überspielt es nur, daß man nicht weiß, was man sagen kann.

"Uns überfüllts. Wir ordnens. Es zerfällt.
Wir ordnens wieder und zerfallen selbst."
[Rainer Maria Rilke, 8. Duineser Elegie]

Bei dem Ausdruck des Bedauerns geht es meist nicht mehr darum, zu ordnen, sondern es geht darum, nicht selber zu zerfallen. Das Beileid ausdrücken ist regelmäßig eine Art des Danebenstehens, es nicht begreifen können oder nicht zu wissen, wie man helfen könnte, sich wie innerlich gelähmt zu fühlen, aber sich dem gesellschaftlichen Druck unterwerfend, etwas dazu sagen zu müssen, wo man besser schweigen sollte, es wäre ehrlicher und angemessener, denn das, was einen übersteigt, kann man nie angemessen in Worte fassen, vielleicht in einen Blick, in eine Geste, aber nicht in Worte.

Aber ein Großteil des Lebens spielt sich zwischen Neurosen, Projektionen, Ritualen und Kompensation ab, die Kunst ist es, dahinter nicht die Heuchelei sehen zu wollen, sondern - in diesem Zusammenhang - den hilflosen, überforderten Menschen, der eigentlich selber in dieser Überforderung Hilfe bräuchte. Mit Ängsten lernt der Mensch umzugehen, mit Zorn ebenso, aber nie wirklich, das Gefühl der Hilflosigkeit zu ertragen. Es flackert kurz auf und wir beginnen sofort zu kompensieren.  Lachen kann da unglaublich befreiend wirken, doch jeder Mensch ist anders, fühlt anders, reagiert anders, weshalb man nicht alles über einen Kamm scheren sollte - und insbesondere sollte man nicht den Fehler machen, der Fassade zu vertrauen, denn ein wenig hat das ganze Leben eines Menschen auch immer etwas von einem Maskenball.



Antwort
von Undsonstso, 113

Ganz ehrlich, es interessiert doch niemanden wenn fremde Menschen sterben, mich interessiert das nicht, warum sollte ich so tun als ob

Dort, wo ich arbeite, sterben jeden Tag Menschen - mitunter sogar Kinder - an schweren Krankheiten. 

Und ich kenne jene Menschen auch nicht, ich gehöre auch nicht zum Personal, dass täglich mit jenen Kranken zu tun hat, dennoch berühren mich viele Fälle... 

Auch bin ich politisch sehr interessiert und verfolge tagtäglich die Nachrichten. Bin informiert über Terrorakte, Unfälle, Naturkatastrophen usw. , all diese Dinge sind Ereignisse, die mich beschäftigen, die mein Mitgefühl anderen gegenüber auslösen.

Ich bin nicht der Mensch, der all die publik macht und Beileidsbekundungen durchs Netz schickt..... Aber ich störe mich nicht daran, dass andere dies tun... Viel schlimmer fände ich es, die Menschen wären alle so wie du.

Kommentar von internetrambo ,

Bin ich si schlimm? Ich sag nur das, was ich meine und verstelle mich nicht. Wären doch alle so ;)

Antwort
von SabineW87, 128

Naja ich denke schon, dass darunter wirklich einige sind, die geschockt und betroffen sind. Nicht jeder heuchelt seine Anteilnahme.

Außerdem gibt es durchaus einige Menschen mit echtem Mitleid und Einfühlungsvermögen. Natürlich leidet man mehr, wenn es einen selbst betrifft, dennoch kann man doch auch betroffen sein?

Das typische "Ja aber das Problem XY ist viel schlimmer als das aktuelle Problem in den Medien" <= ist auch ein Klassiker und ebenso peinlich wie geheuchelte Anteilnahme.

Das eine hat aber nichts mit dem anderen zutun.

Am Ende sind auch die Medien daran schuld, dass man irgendwie abstumpft. Man wird tagtäglich mit Tod und Schrecken beballert und unser Geist gewöhnt sich daran.

Ganz nach dem Motto: "Achso schon wieder 60 Menschen tod bei nem Anschlag" ...

Kommentar von internetrambo ,

Du hast Recht. Gute Antwort

Antwort
von rotesand, 117

Hallo!

Es ist eben "politisch korrekt" zu "trauern". Was ich persönlich unfassbar, bis dreist oder gerade erst unmoralisch empfinde: Trauer hat man entweder ehrlich ---------> oder gar nicht. 

Nur weil es "politisch korrekt" ist mehr oder weniger peinliche Facebookfotos zu teilen, Solidaritätsbekundungen in Grußworten rauszuhauen & das nur anbiedernd "weil MAN es so macht" zu sagen ohne es zu meinen ist - sorry - gerade erst unmoralisch & verwerflich.

Mein Opa, der mich erzogen hat, war immer der Meinung, dass man Gefühle jedweder Art entweder ehrlich und von Herzen oder eben garnicht zu haben hat. Genau diese Haltung hat er mir weitervererbt.

Mag sein dass es egoistisch ist, aber mich berührt die Katastrophe in Nizza genauso wenig wie die Charly-Hebdo-Geschichte und ähnliche Terroranschläge. Nur weil es "politisch korrekt" ist, muss man nicht vorspielen sich in Trauer zu üben. Sorry, aber das ist mMn nix als falsch & verlogen.. 

Kommentar von Christel5 ,

rotesand, Dein Kühl-Gefühl teile ich.

Meine berufliche Einflugschneise Bäckerei lebt von Brötchen- und Bildzeitungsverkauf.

Kommentar von PlueschTiger ,

Ich sehe es ähnlich. Das Problem an der Sache ist heute wie früher, die Wahrheit wird verlangt und erwartet, nur ertragen kann sie keiner. Daher ist auch gerade heutzutage eine Aussage, so wahr wie deine ist durchaus gefährlich. Gefährlich weil gerade im Internet Zeitalter der Shitstorm und der gleichen schneller kommen als mal die Kritik vom Nachbar.

Man kann sich mit solchen aussagen auch im normalen Freundeskreis unbeliebt machen und das selbst wenn die es innerlich ähnlich sehen, doch man muss ja die Optik, den Ruf wahren. Ein Mann hat 40 Tage lang mal nicht gelogen, sein Leben war danach keinen Cent mehr wert. Freunde, Job danach weg. Partnerin fast weg, weil niemand damit zurecht kam die Wahrheit zu erfahren.

Musste bei meiner letzten Frage auch bemerken das Menschen nur das Positive wollen. Liebe - ein Mann der mich nicht liebt, kann noch so nett sein wie er will, der kommt mir nicht als Partner in Frage.

Antwort
von VanyVeggie, 55

Hallo, 

ich sehe das ein bisschen anders. 

Ich war wirklich geschockt und irgendwo auch etwas traurig als ich von dem Anschlag erfuhr. Das sag ich auch so, wenn mich jemand fragt. Natürlich ist es dann gleich wieder vergessen. Eben weil es, wie du schon sagst, fremde Menschen sind trifft es mich nicht so wie wenn ein Mensch stirbt den ich kenne und liebe. Es ist quasi "neutrale Trauer". 

Hier kann man nur für sich sprechen. 

Mit freundlichen Grüßen

VanyVeggie

Antwort
von howelljenkins, 66

es gibt viele gruende, wieso leute das tun (insbesondere in social media).

  • alle meine freunde machen das, also mach ich's auch
  • hashtag-geilheit
  • angst
  • mitreden wollen nach dem motto "dabeisein ist alles" (auch wenn man keine ahnung hat)

mit sicherheit sind viele im ersten moment auch tatsaechlich geschockt, allerdings ist das haeufig unspezifisch und aufgrund fehlender hintergrundkenntnisse (oder intelligenz) beliebig austauschbar. dabei wird aus jedem zwischenfall ein terroranschlag, egal wie wenig zusammenhang besteht.

was mich persoenlich daran stoert ist vor allem, dass die oberseufzer nur bei den westlichen mainstream-katastrophen mitseufzen, andere total ignorieren oder uebersehen.

ganz schlimm finde ich auch, dass beliebig falschmeldungen weiter gereicht werden. bilder, die gefaked sind oder in keinem zusammenhang mit dem aktuellen ereignis stehen, verleumdungen, oder einfach grober unfug.

mein eindruck ist, dass die social media die pseudobetroffenheit foerdern. da schmueckt es sich naemlich vorzueglich mit trauer. und der ein oder andere k*tzbrocken ist sich auch nicht zu schade, anderer leute unglueck und elend zu benutzen, um das eigene leben zu dramatisieren.

Antwort
von Dhalwim, 157

Das ist jetzt zwar gemein, aber kennst du Juliensblog & KuchenTV?

Beide haben in gewisser Hinsicht Recht, auch wenn's ziemlich gemein ausgesprochen ist. Schwarzen Humor muss man verstehen können, allerdings geht's darum nicht,

sondern um die rein objektive Tatsache, dass z. b. wenn jemand am ende der Welt langsam und qualvoll vor sich hinsterben würde würdest du am anderen ende der Welt dies garnicht mitbekommen.

Es ist nicht schlimm, dass du dich nicht betroffen fühlst, allerdings verallgemeinern Kuchen und Julien gewisse Dinge so leichfertig wie beim Thema Religion.

Es könnte sein, dass bei den von Kuchen genannten "Deutschen", vielleicht nahestehende Personen von dir dabei waren, oder welche die du kanntest. Außerdem erinnert es an die Tatsache, dass wir ein Glück haben hier zu leben es uns nicht so schlecht geht.

Aber wie gesagt, gemein und zu sehr verallgemeinernd sind Kuchen und Julien manchmal, Ich sage ja, man sollte all das was wir haben nicht für selbstverständlich empfinden. Es könnte auch sein, dass am nächsten Tag eine Ader im Kopf platzt und alles ist weg.

LG Dhalwim ;) :D <3

Antwort
von Goodnight, 48

Viele die so sind wie du beschreibst haben dann gar kein Herz und kein Mitgefühl wenn das  direkte Gegenüber einen schweren Schicksalsschlag erleidet.

Dann glänzen die meisten mit Abwesenheit und finden "gute Gründe" nicht zu helfen.

Ja mich nervt das was du beschreibst in ähnlicher Weise wie dich. Betroffen über das was in der Welt geschieht bin ich allerdings schon.

Antwort
von BTyker99, 69

Ich vermute, dass man in der Regel wirklich mehr Trauer empfindet, wenn es Menschen betrifft die einem Nahe stehen. Dazu zählen nicht nur Verwandte und Freunde, aber auch Personen, die dem eigenen Kulturkreis nahestehen. Zu den USA hat man durch Hollywood und die bekannte Sprache einen engen Bezug, in Frankreich waren die meisten schon einmal im Urlaub, so dass man denken kann: Es hätte auch mich erwischen können.

Wenn im Irak etwas passiert, hat man dazu keinen persönlichen Bezug, da man sich überhaupt nicht in das Leben der Menschen dort hinein versetzen kann. Geht im Mittelmeer ein Flüchtlingsboot unter, würde ich sogar soweit gehen, dass die Gefühle zwischen Trauer, Gleichgültigkeit und Freude schwanken können, da es dem Ziel der Europäer - der Eindämmung des Flüchtlingsstroms - entgegen kommt.

Antwort
von gri1su, 155

Jeder Mensch, der durch Krieg, Terror oder sonstige Gewalt ums Leben kommt, ist ein Toter zu viel. Und jeder Angehörige solcher Opfer hat ECHTE Anteilnahme verdient - egal, in welchem Land auch immer.

Diese Menschen sind vollkommen unschuldig geopfert worden, haben mit der ganzen Situation nicht das Geringste zu tun. Das ist das Unmenschliche dabei.

Ich weiß nicht, ob du genau so reagieren würdest, wie du es hier beklagst, wenn in deiner Umgebung so ein Anschlag stattfände - wenn Menschen aus deiner Stadt plötzlich tot vor dir liegen.

Ich wünsche niemandem diese Erfahrung, aber rechnen müssen wir alle damit - auch in Deutschland.

Na ja, gewisse Personen äußern sich auch entsprechend, vielleicht, weil sie ihr Gewissen beruhigen wollen. Unechte "Anteilnahme" sollte man doch besser lassen - auch wenn es aus einer Position heraus vielleicht erforderlich ist.

Antwort
von Schafpeter, 8

Es ist völlig natürlich, nicht um Menschen zu trauern, die auf der anderen Seite der Welt leben - Distanz macht unbetroffen.

Diese Eigenschaft ist, oder war zumindest, überlebenswichtig - als Neandertaler konnte man es sich nicht leisten, sich für die Menschen irgendwo auf der Welt ausserhalb der eigenen Sippe verantwortlich zu fühlen.

Es ist halt nur so eine Floskel, man sagt sowas, weil man denkt, dass es von einem erwartet wird; ich behaupte mal die wenigsten, die nicht direkt betroffen sind, fühlen tatsächlich Trauer (aber auch das gibt es bestimmt).

Obwohl ich nicht "traurig" in dem Sinne bin, muss ich wegen solcher Meldungen doch manches mal lange und intensiv über vieles nachdenken.

Antwort
von Kuno33, 144

Offenbar - und Du schreibst ja auch -ist es Dir egal, wenn Menschen mutwillig umgebracht werden. Auch wenn ich keine Kommentare dazu schreibe, macht mich das betroffen. Vielleicht fehlt es Dir an Empathie. Empathie halte ich wichtig für eine positive Gesellschaft.

Dennoch gebe ich Dir insoweit recht, dass die Bekundungen mancher Politiker sehr formal bleiben und keinesfalls immer bedeuten, dass die Politiker betroffen sind.

Kommentar von PlueschTiger ,

Das dumme ist das es mehr Menschen gibt, welche keine Zeit haben für Empathie, da sie mit dem Überleben beschäftigt sind. Sie müssen versuchen am Leben zu bleiben bis das Jobcenter der Meinung ist man müsse den Antrag nach Monaten mal bearbeiten.  Beten das das Jugendamt einen bei der bitte um Unterstützung ein nicht den Spruch an den Kopf knallt "was schaffen sie sich denn Gören an" oder die Kinder gleich weggenommen werden. Leute die 15 Stunden am Tag arbeiten und dennoch hungern.

Es gibt Menschen welche genug eigenes Leid haben, als das sie sich auch noch um das anderer kümmern könnten und sei es nur Anteilnahme.

Kommentar von Kuno33 ,

Empathie ist notwendig zum Überleben - für das eigene Überleben und für das anderer. Das gilt selbst dann, wenn es manchmal schwer fällt. Ohne Empathie kannst Du Dich auch nicht gut um Kinder kümmern.

Kommentar von PlueschTiger ,

Auch ohne Empathie kannst du dich gut um Kinder Kümmern. Nicht Ideal aber wenn einem die Regeln bekannt sind und man lernen kann, dann ist auch das möglich. Doch Empathie ist nur ein Faktor von vielen.

Kommentar von Kuno33 ,

Da ich aus beruflichen Gründen Experte auf diesem Gebiet bin, widerspreche ich Dir eindeutig. Eltern ohne Empathie schaden ihren Kindern ganz erheblich. Viele Kinder, die so aufwachsen, leiden darunter ein Leben lang. Die einzige Chance, die sie haben, sind empathische Verwandte, die zu ihnen besondere Beziehung haben.

Lieber PlüschTiger, Erziehung ist nicht einfach eine Sache von Regeln, es gehört eine emotionale Bindung dazu. Und die kann es ohne Empathie nicht geben.

Leider musste ich in meiner inzwischen über 40-jährigen Berufskarriere genügend Menschen behandeln, die ohne Empathie aufgewachsen sind und darunter erheblich gelitten haben.

Antwort
von Christel5, 47

Mich erschreckt es, internetrambo.

Deine Frage ist sehr gut. Vor allem weil öffentliche Medien mit Bildungsauftrag nicht mehr gesetzeskonform arbeiten (können). Grundgesetz wird ignoriert.

Antwort
von FancyDiamond, 47

Ich kann deinen Gedankengang sehr gut nachvollziehen!

Denn auch ich empfinde es als Heuchelei, wenn Menschen aus aller Herren Länder, ihre Scheinbetroffenheit permanent öffentlich zelebrieren.

Wie ernst es ihnen damit ist, sieht man an den ganzen Gaffern, die Rettungskräfte behindern, nur um jede Menge Fotos und Videos von schrecklichen, meist tödlich verlaufenen Autounfällen zu filmen.

Oder wenn man sich nach einem vermeintlichen Terroranschlag, wie jüngst in Nizza, wenige Stunden später schon wieder auf die Uferprommenade begibt, um zu joggen oder zu flanieren.

Oder sich direkt an den Strand zum sonnen legt. Ist doch selbstverständlich, weil man ja Urlaub hat....

Dort wo quasi noch kurz zuvor Leichen den Weg pflasterten, geht man seinen tgl. Vergnügungen direkt wieder nach.

Ach ja, wir wollen und sollen ja so weiterleben wie bisher, denn sonst hätten die Terroristen ja gewonnen...

Eine Rechtfertigung für Pietätlosigkeit ist das meiner Meinung nach.

Ich denke, es geht diesen "Pseudobetroffenen" bei solchen Beileidsbekundungen in sozialen Medien schlichtweg um Aufmerksamkeit.

Es ist schon seltsam, dass es heutzutage schicker ist, um völlig Fremde zu "trauern", als um möglicherweise ein erst kürzlich verstorbenes Familienmitglied.













Antwort
von wadilion, 99

Es ist immer traurig wenn Menschen sterben. Natürlich betrifft es einen nicht so stark wie wenn nahestehende Personen sterben. Aber Traurigkeit verspürt man immer, auch wenn auf eine andere Ebene. Oder du etwa nicht?

Antwort
von Akainuu, 81
Ganz ehrlich, es interessiert doch niemanden wenn fremde Menschen sterben, mich interessiert das nicht, warum sollte ich so tun als ob. Würden sie sich dafür wirklich interessieren oder würden sie wirklich traurig sein, dann auch für alle Menschen, stimmts? Sind ja eh alles fremde Menschen.

Wenn ich unschuldige Menschen sehe, die durch den Fanatismus und Hass Einzelner sterben, dann interessiert und berührt mich das, denn es sind Menschen wie du und ich, die einfach nur zur falschen Zeit am falschen Ort waren.

Empathie kann man nicht erzwingen. Doch sei dir eines gewiss: Diese Menschen sind dir nicht unbedingt fremd und diese Dinge gehen dich sehr wohl etwas an, denn du bist ebenso ein potenzieller Betroffener dessen. Man schirmt sich gerne mit solchen Gedanken von diesen Dingen ab. 

Antwort
von ilknau, 35

Schweig ICH

bin ICH stille,

denn das ist MEIN Wille

Andere müssen reden

über des Lebens Grausamkeiten,

denn es mag Erleichterung bereiten

zu sprechen über Arten,

die unverstanden.

Loswerden Mitleiden,

sich mitteilen.

DAS IST DER MENSCH

Antwort
von PanzerMarsch, 122

Ja..Ja .. die übliche Beileids -Rituale ...z.Z..wird nachgezählt oder nachgerechnet ob Deutsche dabei waren ...obwohl für mich sind alle wichtig.

Gerade läuft Star Trek auf Tele 5 ist besser als diese Gaffer  Brennpunkte anzuklotzen .

Kommentar von PlueschTiger ,

Zudem Läuft Star Trek nicht in einer Halbstündigen endlosschleife, wie solche Topmeldungen. In der Regel bleibt der Inhalt auch immer der selbe dabei.

Kommentar von PanzerMarsch ,

Topmeldungen lassen sich leider gut verkaufen.

Antwort
von kjklol, 109

Ist wirklich teilweise nervig, weil man von den Personen meistens weiß, dass es nur Heuchelei ist. Aber sie fühlen sich dadurch besser und dann sollen die ruhig sowas posten.

Antwort
von triggered, 52

Ich frage mich eher warum man sich heutzutage dafür rechtfertigen muss Mitleid und Trauer zu empfinden. Wer sich eine Frankreich Flagge ins Profilbild legt muss damit rechnen von einigen Leuten gehasst zu werden. Lieber die Klappe halten, denn sonst könnte ja der Eindruck entstehen man hätte kein echtes Mitleid? Ich halte das für pervers.

Niemand hat das recht sowas zu verurteilen.

Antwort
von extrapilot350, 98

Dir ermangelt es offenbar an sozialer Kompetenz. Dazu gehören Dinge wie Empathie, aktives zuhören usw..

Du verwechselst hier wohl etwas. Mag sein dass Du keine Trauer für die getöteten Menschen empfindest. Ab wenigstens solltest Du über so einen Anschlag bestürzt sein wie man so sagt.

Kommentar von PlueschTiger ,

Was hilft Opfern geheucheltes Beileid? Wie in Frankreich und anderen Ländern und Situationen, haben die Hinterbliebenen nichts davon. Was solchen Menschen helfen Tut ist, wenn sie Hilfe bekommen, und nicht nur ein feuchten Händedruck eines Kariere Politiker.

Viele haben niemanden der ihnen Kostenlos und ohne Anträge ausfüllen zu müssen zuhören tut oder einfach nur da ist. Von Beileid können angehörige sich auch nicht ernähren wenn der Hauptverdiener plötzlich weg ist.

Kommentar von extrapilot350 ,

Attribute wie geheucheltes sind nur bei den Personen zu finden die eben über keine soziale Kompetenz verfügen. Beistand geben und Hilfe anzubieten das ist soziale Kompetenz.

Kommentar von PlueschTiger ,

Und gerade Politiker verfügen scheinbar über keine Soziale Kompetenz. Die sind so gar noch so perfide und versprechen Hilfe und geben sie dann nicht.

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community

Weitere Fragen mit Antworten