Frage von MyLinh76, 91

Warum gibt es Philosophen, die sich mit dem Thema Willensfreiheit befasst haben bzw. immer noch oder macht es Sinn sich mit dem Thema zu beschäftigen?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Albrecht, Community-Experte für Philosophie, 24

1) Willensfreiheit als Thema der Philosophie

Philosophen (und Philosophinnen) befassen sich mit dem Thema »Willensfreiheit«, weil dies ein philosophisches Thema ist. Gebiete der Philosophie, zu denen das Thema gehört, sind besonders Anthropologie (Wissenschaft/Lehre vom Menschen und seinem Wesen; Frage: Was ist der Mensch?) und Ethik (Wissenschaft vom guten bzw. richtigen Verhalten; Frage: Was soll ich tun?).

Bei Freiheit geht es um eine Fähigkeit von Personen und dazu sind begründete Aussagen nicht ganz ohne empirische (auf Erfahrung beruhende) Untersuchung (Beobachtung und Experiment) möglich. Willensfreiheit ist aber nicht rein empirisch ohne begriffliche Vorverständnisse direkt zu fassen, ist nicht direkt als physikalische Größe zu messen. Schlüsse von empirischen Befunden auf Existenz und Beschaffenheit oder Nicht-Existenz von Willensfreiheit verwenden bestimmte Auffassungen zu Begriffen und grundlegenden Verhältnissen als Voraussetzungen. Begriffliches Denken, Reflexion über grundlegende Auffassungen wie Verursachung/Kausalität (und der Frage, inwieweit etwas durch Ursachen bzw. Gründe bestimmt ist), das Verhältnis von Leib und Seele bzw. Geist und Körper (und speziell das Gehirn), von Mentalem und Physischem (wobei neurologische Forschung/Hinforschun in neuerer Zeit eine wichtige Rolle spielt), der Rolle von Bewußtsein, Denken/Überlegung und Entscheidung ist etwas, das die Philosophie betrifft.

Unter dem Gesichtspunkt der Ethik ist Freiheit die Voraussetzung von Verantwortung. Dabei kommt es auf Willensfreiheit (Freiheit einer Person in ihrem Wollen/ihrer Willensbildung) an (bloße Handlungsfreiheit ist nicht ausreichend). Die Zuschreibung von Verdienst und Schuld, eine moralische Bewertung haben keinen vernünftigen Sinn, wenn Personen überhaupt nicht frei sind. Ebenso stellt sich rechtsphilosophisch die Frage nach der Legitimität des Strafrechts.

2) Sinn

Eine Beschäftigung mit dem Thema »Willensfreiheit« kann eindeutig sinnvoll sein. Das Thema ist ein bedeutendes philosophisches Problem und betrifft stark das Selbstverständnis von Menschen. Die Freiheitsfrage hat Bezüge zur Lebenspraxis der Menschen. Es geht um menschliche Fähigkeiten, Spielräume, die Frage, eine Wahl zu haben, die Frage nach gut und schlecht.

Ein allgemein anerkanntes Ergebnis ist auf keinen Fall schnell zu erwarten. Das Thema wird schon lange erörtert und ist umstritten. Es gibt bisher keine Auffassung, die als Klärung/Lösung allgemeine Zustimmung bekommen hat.

Antwort
von Ottavio, 37

Du fragst im Ernst, warum es solche Philosophen gibt? Weil das Problem der Willensfreiheit eines der für den Menschen wichtigsten noch völlig ungelösten Probleme ist ! Natürlich lohnt es sich, sich damit zu beschäftigen. Ich erwarte allerdings nicht, dass es zu meinen Lebzeiten gelöst werden wird.

Antwort
von NichtZwei, 15

Sie beschaeftigen sich deswegen damit, weil sie auf der einen Seite denken, sie sind eine Person, die einen Willen hat, aber sich nicht erklaeren koennen, wieso sie eigentlich nicht faehig sind, die Dinge zu erreichen, die sie moechten. Dahinter kommt jeder im Laufe des Lebens, das man es nicht in der Hand hat was passiert. Diese Spannung laesst viel Gedankenenergie in die Erklaerung fliessen. Du brauchst dich damit eigentlich nicht zu beschaeftigen, weil es diese Person, die wir glauben zu sein, einfach nicht existiert, sie ist nur eine Gedankensammlung des Egos, welcher sich das Leben erklaeren will und Ursache von Dinge sein will. Es gibt also diese Person nicht und natuerlich kann es keinen freien Willen geben, das ist pures Wunschdenken des Verstandes. Viele Leute leiden deswegen unter staendiger stummer Verzweiflung und versuchen sich sogut es geht abzulenken, weil sie ihr Leben einfach nicht in Hand haben oder steuern koennen. In der Erkenntnis, dass man niemand ist und keinen Willen hat ist die Freiheit versteckt, dass man nur Beobachter ist und keineswegs der Handelnde. Alles Gute!

Antwort
von Rosenblad, 38

Im Kontext zu den Ergebnissen der neurologischen Forschung auf jeden Fall, da der Aspekt der Volition immer mehr die Frage einer Willensfreiheit verneint.

Jürgen Habermas definiert Willensfreiheit wie folgt:

"Allgemein verstehe ich unter Willensfreiheit den Modus der Selbstbindung des Willens auf der Basis von einleuchtenden Gründen. Willensfreiheit charakterisiert eine Seinsweise – die Art, wie handelnde Personen im Raum der Gründe existieren und wie sie sich von kulturell überlieferten und gesellschaftlich institutionalisierten Gründen affizieren lassen.“ (Habermas, Willensfreiheit, S,270)

Antwort
von suziesext07, 28

solange es Religionen gibt, die den Leuten Schuld und Sündhaftigkeit einreden, solange müssen natürlich Leute, in dem Fall Philosophen, schon genau drüber nachdenken, ob das stimmt, was die Religiösen behaupten. Philosophen verwenden ja die Logik, während die Religiösen einfach nur was behaupten, und verlangen, du musst das glauben, was sie dir sagen, sonst kommst du in die Hölle.

Philosophen untersuchen solche Behauptungen und kommen dann zu bestimmten Schlssfolgerungen.

Also ich würd schon sagen, es ist ganz nützlich, drüber nachzudenken, ob man und was was man glauben soll, nicht wahr?

Kommentar von suziesext07 ,

aber speziell zu deiner Frage: Willensfreiheit wird von verschiedenen Theologen und Philosophen völlig kontrovers diskutiert. Paulus, Augustinus, Calvin waren Vertreter der Prädestination, ebenso wie die Sunniten. Die kathol. Theologen bejahen die Willensfreiheit - da Sünde und Sündenstrafe ja die freie Willensentscheidung voraussetzt.

Ich persönlich denke, Willensfreiheit sollte weder von Theologen noch Philophen behandelt werden: das Problem müsste wissenschaftlich im Rahmen psychologischer Untersuchungen studiert werden. Dabei könnte sich auch rausstellen, dass Willensfreiheit ebenso wie zb Intelligenz keine statische, konstante Eigenschaft ist, sondern dynamisch ist und abhängig von den jeweiligen Rahmenbedingungen.

Antwort
von DerMaster1, 38

Es macht immer Sinn etwas zu lernen

Antwort
von oxygenium, 38

Kant hat das versucht

Antwort
von josef050153, 8

Was ist besser: Philosophen werden benötigt, weil sonst die Arbeitslosenstatistik noch schlechter aussehen würde.

Antwort
von MrRomanticGuy, 13

Ich finde die Frage schon interessant weshalb man Leben möchte oder Suizid macht. ^^

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