Frage von info777, 160

Warum gibt es obdachlose Menschen? Wollen die extra Obdachlos sein oder wie? In Deutschland zahlt ja Hartz4 für die Menschen wo Geld probleme haben. Oder?

Oder sind daß asylanten?

Antwort
von PeVau, 57

Viele dieser Menschen haben einen langjährigen zermürbenden ökonomischen und sozialen Abstieg hinter sich, sind mit ihren psychischen Kräften am Ende und dem Behördenkrieg nicht mehr gewachsen.

Selbst wenn sie einen theoretischen Anspruch auf Hartz IV mit Übernahme der der angemessenen Unterkunftskosten haben, scheitert es oft, an alltäglichen praktischen Hürden. Schon der Versuch als Hartz-IV-Empfänger, vielleicht sogar mit Schuldenproblematik, eine Wohnung zu mieten, scheitert regelmäßig am potenziellen Vermieter.

Irgendwann haben diese Menschen noch nicht einmal mehr Träume, von Kraft und Antrieb ganz zu schweigen. Dann existiert man nur noch.

Natürlich gibt es noch viel mehr Varianten für den Abstieg in die Obdachlosigkeit, doch die gängige Annahme, dass die Betroffenen selbst schuld seien und es gar nicht anders wollten, ist so platt wie falsch.

Kommentar von Lazarius ,

DH!

Antwort
von LebenderToter, 78

Hartz IV ist mit diversen Bedingungen des Amtes verbunden, die nicht jeder Mensch aufgrund von psychischen, kognitiven oder physischen Einschränkungen nachgehen kann.

Extremer Alkoholismus, Drogensucht, Paranoia, ein verdrehtes Weltbild oder abgrundtiefe Depressionen können z.B. ebenfalls die regelmäßigen Aufforderungen wie Bewerbungenschreiben, Termine, Vorstellungsgespräche oder gar Arbeit unrealisierbar für die betroffene Person machen.

Viele können sich nicht helfen lassen weil keiner sie persönlich kennt oder mittlerweile zu unzurechnungsfähig sind um sich Hilfe zu holen.


Antwort
von chriskll, 74

Prinzipiell, muss in Deutschland niemand auf der Straße leben und hungern. Dafür sorgt der Staat mit einer Grundversorgung an Geld. Arbeitlosen Geld 1 bzw dann Arbeitslosen Geld 2. Allerdings ist das nie auf besondere Lebens Ereignisse angepasst. Es wird davon ausgegangen, dass die Person einfach keinen Job findet. Wenn man aber z.B. hoch verschuldet ist reicht dieses Arbeitslosen Geld nicht aus. Es gibt viele Gründe weswegen Menschen dieses Geld nicht reicht.
Ein anderer Grund ist, dass manche sich in ihrem "Stolz" verletzt sehen Hilfe von Staat anzunehmen, weswegen sie den Lebensstil auf der Straße bevorzugen.

Kommentar von info777 ,

Ja aber sie betteln andere Leute an auf der Straße ist ja auch wie eine staatliche hilfe...

Kommentar von DorotheaWinkler ,

Nich jeder Bettler ist auch obdachlos. Wer bettelt, sitzt oder steht deshalb auf der Straße, weil dort nun einmal die Leute laufen, die etwas geben könnten.

Und nicht jeder Obdachlose bettelt, dies tut lediglich ein geringer Teil der Obdachlosen. Ich denke, die Gesellschaft nimmt hier vieles sehr verzerrt wahr, anstatt sich über die unterschiedlichen "Bilder" von Armut einmal vernünftig zu informieren. Armut hat ebenso viele Gesichter und Hintergründe wie Reichtum und Wohlstand - wenn nicht noch mehr.

Kommentar von chriskll ,

Das ist wiederum etwas anderes. Bettler =/= Obdachlos. Viele Bettler haben eine Unterkunft, und Betteln um Geld zu beschaffen statt zu arbeiten, oder weil sie keinen job bekommen.

Antwort
von toodn1987, 40

Es gibt Menschen, die sich für Arbeitslosengeld schämen und deswegen auch keines beantragen. Häufig wird dies in Verbindung mit Alkohol und Drogen gebracht, denn die Menschen wurden vom Leben so enttäuscht, dass sie keinen anderen Ausweg sehen.

Antwort
von willom, 39

Die selbst gewählte Obdachlosigkeit ist für viele Menschen am untersten Ende unserer Gesellschaft die letzte Möglichkeit, das eigene Leben noch irgendwie selbst beeinflussen zu können ( auch wenn es nur zum Schein ist...).

Das ist noch der letzte Rest von Entscheidungsfreiheit, den man sich erhält.

Abgesehen davon muß man sich etlichen Regelungen unterwerfen, wenn man sich in die fürsorglichen Hände der Sozialindustrie begibt....... : manch einer will-oder kann das einfach nicht mehr.

Antwort
von DasMaik0220, 61

Weil sie sich in Obdachlosenheimen an regeln halten müssen, z.B. kein Alkohol trinken.

Antwort
von Stellwerk, 58

Nein, das sind nicht alles Asylanten.

Manche haben psychische Probleme; sind süchtig: manche leben lieber auf der Straße als Hartz IV zu beantragen.

Kommentar von info777 ,

Warum lieber auf der Straße? Daß verstehe ich nicht.

Kommentar von Stellwerk ,

Ist auch schwer nachzuvollziehen. Für manche ist es einfach verdammt schwer, um Hilfe zu bitten und Geld beim Staat zu beantragen, weil sie sehr stolz sind oder das Gefühl haben, zu versagen, wenn sie das tun. Für sie ist dann auf der Straße zu leben sozusagen das kleinere Übel, weil es immer noch ein bisschen ihre Entscheidung ist.

Oft geht diesem Schritt aber auch vieles voraus: Scheidung, Haus verloren, von der Familie verlassen worden, Arbeit verloren, Schulden...

Antwort
von DukeSWT, 82

Die haben einen Stolz, deshalb wollen die nicht stempeln gehen.

Kommentar von info777 ,

Man hat auch einen Stolz nicht wie ein penner auszusehen.

Kommentar von DorotheaWinkler ,

Man hat auch einen Stolz nicht wie ein penner auszusehen.

Wenn Du (als "Nicht-Penner") bereits völlig unbewusst über die Fragwürdigkeit Deiner Haltung und Denkweise in der Öffentlichkeit von GF herum läufst (besser Informierte erkennen Deinen "Zustand" aber sofort) - wie kannst Du da erst von Menschen einen "ordentlichen Auftritt" erwarten, die unter psychischen Belastungen leiden, seit Jahren keinen sauberen Schlafplatz und keine täglichen Hygienemittel und -Möglichkeiten, keine einigermaßen gesunde Ernährung, keinen bequemen Zugang zu Friseur, Arzt/Zahnarzt und anderen "Versorgungen" haben, die für Dich so selbstverständlich sind?

Unter unvorstellbaren und kaum zu bewerkstelligenden Mühen in eine Welt zurück zu kehren, die voll ist mit ignoranten und eingeschafenen Nicht-Fühlern und Nicht-Denkern - dies ist etwas, was einem im "Abseits" dieser Gesellschaft garantiert nicht erstrebenswert erscheint. Womöglich möchte man durchaus gern auf die Füße kommen, es leichter und sicherer haben, Zeit und Kraft und Gelegenheiten haben für Freude und Liebe und Beziehungen und Würde. Aber nicht um diesen Preis und um der Gesellschaft "solcher" Leute willen, wie sie täglich an einem vorbei gehen.

Armut - und alles, was diese auf sämtlichen vorstellbaren inneren und äußeren Ebenen für den Betroffenen bedeutet - raubt das gesamte Potenzial an geistigen, emotionalen und körperlichen Kräften. Diese Menschen, VÖLLIG EGAL, ob sie es schaffen, sich in dieser Dauersituation einigermaßen zu pflegen u. körperlich und geistig instand zu halten, oder ob sie bereits verwarlosen, sind krank an allen Ecken und Enden. Nicht nur körperlich und psychisch, sondern:

Auch ihr Grundvertrauen, ihr Selbstbild, ihre Hoffnung, ihre Würde, sämtliche Perspektiven, die sie haben, pflegen und entwickeln "könnten", ihr Träume, ihre Fantasien über sich in einer besseren Welt und unter besseren Bedingungen liegen brach. Das ist nicht Faulheit und zumeist auch keine gewollte Entscheidung, sondern die Kräfte reichen einfach nicht, da bereits das Überleben plus die Last des Erfahrenen und Erlebten aus der Vergangenheit und Gegenwart alles restlos aufzehrt.

Ein Leben auf der Straße kostet so viel, dass das, was bleibt, dann nur noch für das tägliche Überleben von jetzt auf gleich reicht. Da gibt es keine Reserve, keine "Kraft", die aktiviert und eingesetzt werden könnte, um auch nur einen Schritt dort hinaus zu machen.

Dies geht bereits vielen so, die "nur" in Hartz4 gelandet sind und aber (noch) ihre Wohnung haben, während sie aber bereits in der Armuts-Abwärtsspirale unterwegs sind. Armut plus die Reaktion der Umgebung, der Gesellschaft - dies genügt, damit aus Löwen zahnlose, kranke und lebensmüde Kater werden. Man muss der Sache nur genug Zeit geben. Es gibt Akademiker, die heute auf der Straße leben. Nicht "freiwillig", es ist ihnen persönlich geschehen. Es gibt viele intelligente und gebildete Leute unter den Obdachlosen. Was glaubst Du, wie das zustande kommt und in wieweit unsere Gesellschaft und unser System dies fördern?

Kommentar von DukeSWT ,

Ja, aber ich war auch noch nie einer. Frag doch mal einen

Kommentar von AntwortMarkus ,

Und den Stolz holen sie sich dann auf der Parkbank  bei einer Dose Pennerbräu  zurück.... So so 

Kommentar von Stellwerk ,

Es gibt solche und solche. Bei uns in der Stadt seh ich einige regelmäßig - einige der Klassiker, verdreckt, besoffen, geistig völlig neben der Spur. Andere sind einigermaßen sauber gekleidet, völlig klar im Kopf und benehmen sich auch "normal". Nicht jeder Obdachlose ist ein verkommener Säufer---

Kommentar von DorotheaWinkler ,

Du hast aber schon auch einmal von Alkoholismus, von Süchten gehört und wie viel schneller diese einen Menschen verwahrlosen lassen, wennn er ausserhalb sozialer und gesellschaftlicher Netze und Kreise lebt? Oder ist das Thema ganz neu für Dich?

Kommentar von DukeSWT ,

Wer gibt einem Alkoholiker in dieser Gesellschaft einen Arbeitsplatz und sorgt sich darum, eine Alkoholtherapie für ihn zu finden? Nicht die Mehrheit. Es geht nur ums Geld für die Firma und Kaputtarbeiten für den Aktienkonzern. Sonst nichts

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