Frage von Steuerzahler89, 108

Warum gibt es jahrelang arbeitslose Menschen in Deutschland?

Hallo, ehrlich gesagt kenne ich mich mit dem System der Sozialleistungen kaum aus, weil bei mir in der Familie (zum Glück!) meines Wissens zuvor nie auf sowas angewiesen war.

Wie kann es sein, dass jemand jahrelang Geld vom Staat bekommt ohne irgendwann wieder zu arbeiten. Natürlich ist das nicht bei allen so das weiß ich aber hin und wieder hört und liest man, dass jemand über Jahre arbeitslos ist. Aber bekommt man nicht von der Agentur für Arbeit Jobs vermittelt? Werden die Leistungen nicht gekürzt, wenn man diese nicht annimmt oder wie läuft das ab? Was wäre der Unterschied zwischen jemandem der 10Jahre arbeitet und dann den Job verliert & einem jungen Mann, welcher zwar einen Schulabschluss hat, jedoch keinen Job bekommt?

Antwort
von Nashota, 62

Sei froh, wenn du das (noch) nicht kennst.

Frauen, die Kinder haben oder bekommen, werden gern ins Aus geschossen. Das Alter wird gern als Grund genommen. Dann gibt es viele frühere Berufe so nicht mehr. Es gibt kranke Menschen, die nur noch schwer vermittelbar sind. Viele sind auch durch bestimmte Gründe nicht bereit, alles aufzugeben, um woanders zu arbeiten.

Stellen werden durchaus angeboten. Viele davon sind aber gar nicht auf den Arbeitssuchenden zugeschnitten. Es wird rausgehauen, was der Computer aus Versehen ausspuckt, aber nicht immer danach geschaut, was zusammenpasst.

Maßnahmen zur Eingliederung sind sehr oft nur rausgeschmissenes Geld. Es gab Jahre, wo bestimmte Jobs regelrecht totgemaßnahmt wurden. Das aktuellste Beispiel sind Altenpfleger. Rein, was reingeht. Ob das Alter oder andere Voraussetzungen pass(t)en, war und ist oft Nebensache. Gerade das ist ein Beruf, den nicht jeder machen kann oder will.

Die meisten Arbeitssuchenden haben durch Glück selbst was gefunden. Aufs Amt sollte und braucht sich keiner verlassen. Das sind nur Verwaltungsgebäude, keine Vermittlungsgebäude. Dazu gab es auch schon genug Dokumentationen im Fernsehen.

Es sollte sich keiner in diese Situation wünschen. Und Neid oder gar Hass auf Leistungsempfänger, weil sie angeblich alles in den Arzsch geschoben bekommen, braucht auch keiner zu hegen. Was sie bekommen, reicht nämlich nur zum Überleben. Ein wertvolles Leben ist es nicht.

Man kann Arbeit finden, kein Ding. Aber das bedeutet nicht zwingend, frei vom Amtsleistungen zu sein. Alle Aufstocker können im Chor ein Lied davon singen.

Antwort
von Kuro48, 69

Ein Job fällt nicht vom Himmel. In der Regel laufen bei diesen Menschen alle Bewerbungen ins leere und die Arbeiten sind oft nur Hilfsjobs oder befristete Arbeiten womit derjenigeschnell wieder auf der Straße sitzt.

Neben der Tatsache das es natürlich dann auch Leute gibt die gar nicht arbeiten wollen und dementsprechend motiviert ihren Arbeitgeber zeigen das er es mit ihnen gar nicht versuchen braucht, gibt es auch noch den Fakt nicht für jede Arbeit zu taugen und auch nicht mit jeder Arbeit psychisch klar zu kommen. Man geht dort 8+ Stunden hin, wenn dann die Arbeit absolut furchtbar ist, schlägt das auch auf die Psyche.

Am Ende gibt es natürlich auch die, die gar nicht wollen und alle Tricks kennen schnell wieder entlassen zu werden, wie auch Leute die alles machen würden aber z.b. wegen ihrem Alter keine Chance bekommen.

Nicht anders sieht es im Ausbildungsmarkt aus. Nicht jeder hat das Interesse und die Tauglichkeit zum Handwerker oder was gerade "gebraucht" wird. Dementsprechend gibt es auch gut vorgebildete Schüler (Realschule oder Abitur) die wegen einem Markel im Lebenslauf oder ähnliches in ihrem Sektor in dem sie ihre Stärke hätten keine Chance bekommen. Da werden dann Jahre in einen guten Abschluss gesteckt um hinterher nur eine Trostpreisausbildung zu bekommen oder gar über Jahre gar nichts obwohl die Unterlagen schon 10 Mal durchgesehen wurden, das Foto hochwertig erstellt wurde, Interesse gezeigt wird etc.

Einige Menschen werden einfach rausgekickt ohne eine Chance zu bekommen.

Bei älteren ist es dann so, dass sich viele Arbeitgeber soetwas nicht mehr auflasten wollen. Der will mal Rente, wird vielleicht schneller krank, ist nicht mehr so belastbar etc. gerade bei Tätigkeiten in denen ein älterer Mensch nicht noch als Wissensvermittler an die Jüngeren genutzt werden kann, ist ein Jüngerer effektiver.

An dem Punkt haben wir uns selbst in Material verwandelt. Die Ware Arbeitskraft und oft kuckt man welche Ware am wenigsten Ecken und Kanten hat und am neusten und schönsten aussieht. Alter, Krankheiten, Behinderungen, Lücken im Lebenslauf usw. alles Punkte die die Ware beschädigen und am Ende ist dann gerade bei beliebteren Berufen da immer eine schönere Ware, die sich der Arbeitgeber lieber ansieht.

Antwort
von sozialtusi, 64

Naja "vermittelt" ist so eine Sache... Klar bekommt man Stellenvorschläge, aber man muss ja auch angenommen werden ;)

Und wenn man zu  lange raus ausm Job ist, isses auch irgendwann vorbei. Eine Kollegin der Agentur sagte mir mal, dass alle Personen, die länger als 4 Jahre raus ausm Job sind, intern als nicht mehr vermittelbar gelten, weil sie eben nicht mehr "up to date" sind.

Antwort
von DonkeyDerby, 68

Manche wollen nicht, manche sind jahrelang krank geschrieben, manche sind wegen diverser Hindernisse einfach nicht vermittelbar. Es gibt viele Gründe und viele Abstufungen. Und wenn jemand erst einmal lange arbeitslos war, dann ist es oft auch nicht ganz einfach, denjenigen wieder daran zu gewöhnen, regelmäßig arbeiten zu gehen. Einen Langzeitarbeitslosen kann man nicht in einen Vollzeitjob vermitteln, der muss erst wieder lernen, durch Teilzeitjobs seinem Leben Struktur zu geben. Menschen sind eben keine Maschinen, die man aus- und wieder anschaltet.

Antwort
von Allexandra0809, 70

Leute, die so lange keinen Job bekommen, wollen oft gar nicht arbeiten. Sie müssen sich zwar bewerben, stellen sich aber so ungeschickt an, dass sie keiner nimmt.

Das ist unser System. Es gibt Leute, denen ALG 2 ausreicht. Warum also arbeiten?

Kommentar von Nashota ,

Schön pauschalisierend und so einfach, wie die Erde für eine Scheibe darzustellen......

Kommentar von Kuro48 ,

Gehen wir nur in den Ausbildungsmarkt.

Da gibt es Leute mit Realschule oder Abitur die um kein Geld der Welt nichts tun wollen. Die schreiben Bewerbungen und knacken da die 100 oder auch 200 Marke und teils noch mehr, kriegen aber immer nur den Satz "Wir haben uns für jemand anderen entschieden, wir wünschen ihnen viel Glück auf ihrem weiteren Lebensweg". Nur hat man kein Glück wenn einen jeder in Ablage P befördert.
Da ist dann vielleicht eine Lücke wegen einem Unglück oder einem persönlichen Problem, das nicht geschafte Studium etc. und schon ist jemand der 13 oder heute 12 Jahre seine Energie in seine Zukunft gesteckt hat wegen diesem Markel mitmal Restmüll. Gerade wenn man dann auch noch ein speziellerer Typ ist, fällt man nicht unbedingt positiv auf.

Ich nenne dir ein Beispiel von jemanden der erfolgreich den Realschulabschluss machte und dann nichts fand, in Ermanglung von Möglichkeiten sich auf einer Handelsschule weiterbildete und dann wieder nichts fand um irgendwann in Jahr 3 und 4 der Suche zu enden.

Oder der Student der zu lange studiert hat. Zum lang daran festgebissen einen Abschluss haben zu wollen, schlussendlich doch durch die Prüfung gefallen etc. der ist dann gerade bei längeren Studienzeiten 25+ und geht dann mit seinem einser, zweier oder vielleicht auch dreier Abi los. Da wird sich irgendwann vor Verzweiflung bei Discountern beworben für eine Verkäuferausbildung um überhaupt mal was in der Hand zu haben und sogar da kommen noch Absagen. Da werden Leute die leider vielleicht das aller erste Mal in ihrem Leben etwas nicht schafften oder eine falsche Entscheidung trafen für den Rest ihres Lebens abgestraft.

Da braucht es ein Studium das auf eine Ausbildung aufbauen kann oder einen über Jahre anhaltender Atem und irgendwann vielleicht was lernen zu können und sonst landen solche Leute als Hilfsarbeiter in Fabriken und Co. zur Bandarbeit. Intelligente Leute die so viel machen wollen und können. Sicher ist jede Arbeit zu ehren, aber da sind dann 13 und mehr Jahre Bildung um in einen Karton am Ende 50 Schachteln von irgendwas abzählen zu können.

Den Spruch "Wer arbeiten will kriegt Arbeit" habe ich auch mal groß vertreten. Arbeit ansich kriegt man auch, aber um solche die einen das Leben finanziert und wirklich weiter bringt muss man mit Pech bitten und betteln.

Kommentar von Allexandra0809 ,

Leider hast Du mit Deinen Ausführungen Recht. Auch ich war für einige Zeit arbeitslos und hab einige Bewerbungen geschrieben. Doch keiner wollte mich haben.

Es ist wirklich sehr schade, dass junge Menschen oft so schwer eine Stelle bekommen. Trotz guten Noten. Das ist mir alles völlig klar.

Trotzdem gibt es Leute, die nicht arbeiten wollen und die hab ich gemeint. Ich kenne solche, die sagen, wozu arbeiten, ich bekomm doch das Geld auch so.

Antwort
von Breacher, 65

Wie Alexandra bereits sagte wollen viele dieser Menschen nicht arbeiten, manche finden auch trotz großen Anstregungen keine Arbeit. Zb wenn man bereits 50 ist, kann man nicht mit Mitbewerbern Anfang 20 mithalten, oder es gibt einfach keine Jobs in diesem Bereich. LG

Antwort
von Joshi2855, 69

Ich kenn mich da auch nicht aus, aber es gibt Arbeitslosengeld 1 und Arbeitslosengeld 2. Ka obs damit zusammenhängt, aber bei einem von beiden bekommt man weniger. Aber man bekommt IMMER etwas, auch wenns dann halt gaaaaanz wenig ist.

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