RolfHoegemann am 16.04.2007 um 22:58 Uhr
Ich hatte heute wieder einmal in einer Schule zu tun und wäre -schwer beladen- fast von einer Horde schreiend rennender Schulkinder die Treppe hinuntergeschubst worden.
Ich kann mich noch erinnern, dass zu meiner Schulzeit (1967 - 1976) ein Bstandteil der Schulordnung war "Im Schulgebäude wird nicht geschrieen und/oder gerannt." Eine Erzieherin sagte mir einmal auf meine diesbezügliche Frage, dass man das von den Kindern nicht mehr verlangen könnte... Aber hallo!? Wenn es in der Schulordnung steht und es alle von der ersten Klasse an lernen würden - wo liegt das Problem?
Also mit dem Ruhig raus gehen usw. das kenne ich auch. Bloss das umsetzten der Lehrer/-in ist einfach nicht mehr möglich. Die Kidis oder Jugendlich lassen sich von einer Schulordnung nicht unterkriegen. Was wollen die Lehrer/- in machen?? Verweisen..wegen laut sein im Gebäude,ich denke das werden die Eltern die Pädagogen auslachen.

Hallo Rolf.
In der von Dir erwähnten Schulzeit wurden in Deutschland allerdings auch erst
abgeschafft. Damals haben noch viele Lehrer/innen "regiert", die heute sicher mit diesem Stil ziemlich braun dastehen würden.
Ich erinnere mich noch an einen solchen Zeitgenossen, der uns im Deutschunterricht nicht nur "Zocccht und Orrrrdnunk", sondern auch noch den "Deutschen Grrrruß" erklären wollte.
Vermutlich ist es überhaupt kein Problem, in einer Schulordnung einen entsprechenden Passus aufzunehmen. Wo jetzt doch schon Erstklässler/innen einen Zettel mit Informationen zum Waffenverbot an der Grundschule zur Einschulung bekommen.
Die Kernfrage ist doch vermutlich eher: Welche Lehrer/innen können die Schulkinder entsprechend erziehen und ermahnen? -- Abgesehen davon, dass Schulkinder eben nun mal nach 45 Minuten Stillsitzens einen sehr starken Bewegungsdrang haben.
Vermutlich ist das bei Waldorf- und Montessori-Unterricht nicht ganz so krass.
RolfHoegemann am 17. April 2007 00:14 Es sollte 'eigentlich' aus Rücksichtnahme auf alle anderen selbstverständlich sein, erst 'draussen' seinen Bewegungsdrang nachzugehen - Wenn man es so sieht, könnte theoretischerweise doch auch noch 2 Minuten länger 'Körperbeherrschung' betrieben werden um dann, sobald man auf dem Schulhof ist so richtig 'die Sau rauszulassen'
Ich kann mich daran erinnern das bei uns zumindest das Rennen verboten war, und meine Schulzeit ist noch nicht lange her. Es geht aber auch ruhiger. In der Grundschule hier im Ort wird es so praktiziert, das halt draussen geschriehen wird und im Gebäude wird halt mehr aufeinander Rücksicht genommen.
RolfHoegemann am 17. April 2007 00:19 Wenn das bei Euch so gehandhab wird, dann beglückwünsche ich zu Lehrern, die sich durchsetzen können ohne als 'böse Konservative' verschrien zu werden.

Wie schon an anderer Stelle erwähnt bin ich heute 60 Jahre alt. Ich bin von 1953 bis 1964 zur Schule gegangen, danach nochmals für 3 Jahre Berufsschule und wieder Später nochmal für 2 Jahre zur Wirtschaftsfachschule.
Ich bin durchaus der Meinung dass Kinder ihren Bewegungsdrang haben und diesen auch ausleben sollen dürfen, aber genau wie der Fragesteller/die Fragestellerin, meine ich, so wie es Zeit zur konzentration gibt, gibt es Zeit zur körperlichen entspannung, und das sind doch die Pausen...alle 90 Minuten hatten wir früher 15 Minuten Pause...und da wurde dann getobt. Das Schulgebäude selbst und die Gänge sowie die Pausenhalle ( für schlechtes Wetter gedacht) waren dafür tabu.
Die Kinder müssen während des Unterrichts schon lange still sitzen und brauchen die Bewegung in den Pausen, um sich anschließend wieder kozentrieren zu können. In meiner Schule (1969-1979) gabs das Verbot damals nicht.
RolfHoegemann am 17. April 2007 00:18 Das bestreite ich gar nicht - aber die Bewegung in den Pausen kann ja auch 2 Minuten später draussen auf dem Schulhof stattfinden und nicht in den Schulgängen, oder? Es kann doch eine räumliche Grenze = Türschwelle als gegeben angenommen werden. Ich meine halt nur, dass man mit einem geringen Aufwand (Regel/Grenzensetzung)eine rücksichtsvolle Lebensgrundlage geschaffen werden könnte.

In unserer lokalen Grundschule gehen die Kinder mit dem Lehrer gemeinsam (einigermassen gesittet) auf den Hof, wo sie dann rumtoben und kreischen können.
Am Schluss der Pause stellen sie sich klassenweise im Hof auf und werden vom Lehrer dort abgeholt.
Ob es ein ausdrückliches Verbot gibt, weiss ich nicht, aber so klappt es prima.
RolfHoegemann am 17. April 2007 18:06 Das finde ich eine gute Lösung. Habe ich hier in Stuttgart aber erst einmal richtig mitbekommen - da war alles sehr 'gesittet'.
Ich glaube leider eher bzw. konnte bei uns im Ort das LIve-Beispiel dafür sehen, dass die Lehrer sich oft gar nicht mehr trauen, etwas zu sagen. Unser alter Rektor hat nicht mal mit der Wimper gezuckt, wenn auf dem Schulhof so über ihn geredet wurde, dass er es hören musste oder Schüler gedisst wurden oder oder oder... Unser neuer Rektor greift hier sehr gut durch, ohne Schulverweise, sondern mit eindringlichen Gesprächen und ohne Angst vor den Schülern zu haben. Und ich muss sagen, es klappt sehr gut. Daher bin ich wirklich stolz auf diesen Mann und hoffe, dass er auch im Lehrkörper bei den älteren Herrschaften noch mal etwas ändern kann. Zum Glück ist aber mehr als die Hälfte unserer Lehrer noch unter 40, so dass wir gute Chancen habe! :-) Zum Thema ruhig rausgehen: bei uns gibt es eine Schulvereinbarung, die alle Schüler, Eltern und Lehrer unterschrieben haben. Inhalt sind die Punkte, die man sonst in einer Schulordnung findet, aber so hat sich jeder verpflichtet, darauf zu achten und sich dran zu halten, man hat also alle mit ins Boot geholt, was mir auch sehr gut gefallen hat.
Lachen können die Eltern ja - Hauptsache, die Lehrer setzen sich durch und begründen ihre Entscheidung.