Frage von SarcasticSard, 173

Warum gibt es immer noch keine Entschuldigung Deutschlands für den Völkermord an den Herero und Nana?

Der Völkermord an den Herero und Nana 1904-08 war ja der erste Völkermord des 20.Jahrhunderts. Begangen wurde er vom Deutschen Reich, das ja Vorgängerstaat der Bundesrepublik Deutschland ist.

Allerdings: Bis heute hat die Bundesrepublik Deutschland sich nie offiziell für diesen Völkermord entschuldigt. Auch Bundestagsresolutionen etc. gibt es dazu nicht, ebenso wenig ein öffentliches Gedenken. Erst seit 2015 erkennt man das ganze als Völkermord an.

Auch so etwas wie Schritte in Richtung Versöhnung oder Entschädigung wurden noch nicht unternommen. Warum das alles? Warum schafft es die Bundesregierung nicht, sich für diesen Völkermord zu entschuldigen und ihn zum Teil der öffentlichen Erinnerungskultur zu machen, wie die anderen deutschen Verbrechen eben auch?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von andreasolar, 51

"Der Vernichtungskrieg in Namibia von 1904 bis 1908 war ein Kriegsverbrechen und Völkermord", heißt nun die offizielle deutsche Leitlinie, wie das Auswärtige Amt am 10. Juli 2015 bekanntgab.

"Auch so etwas wie Schritte in Richtung Versöhnung oder Entschädigung wurden noch nicht unternommen. " Falsch!

http://www.dw.com/de/w%C3%B6hrl-es-wird-wiedergutmachungen-geben/a-19294235

Dabei gibt es auch noch das folgende Problem: 

"Die Herero werfen der namibischen Regierung, die mehrheitlich dem Volk der Ovambo angehört, vor, vor allem eigene Ziele zu verfolgen. Namibia wolle die großzügige deutsche Entwicklungshilfe nicht gefährden. Der Konflikt um Entschädigung verläuft also auch entlang ethnischer Grenzen in Namibia... Doch schon jetzt zeichnet sich ab: Die Verhandlungen dürften ein diplomatischer Hochseilakt werden."

http://www.deutschlandfunk.de/voelkermord-deutschland-verhandelt-ueber-entschaed...:article_id=345814

Kommentar von SarcasticSard ,

Danke für die Richtigstellung. 

Kommentar von andreasolar ,

Danke für den Stern! :D

Antwort
von Maarduck, 53

Der damals mächtigste deutsche Politiker, nämlich der deutsche Kaiser Wilhelm II, hat die Handlungsanweisungen seines vor Ort tätigen Militärs von Trotha gestoppt. Das wird selbst im Wikipedia-Artikel erwähnt. 

https://de.wikipedia.org/wiki/Völkermord_an_den_Herero_und_Nama

>Tags darauf erhielt dann der Kaiser vom Kanzler einen Brief, dass die von Trotha geforderten Maßnahmen im Widerspruch zu den christlichen und menschlichen Prinzipien ständen und die „vollständige und planmäßige Ausrottung der Herero alles durch die Forderungen der Gerechtigkeit und der Wiederherstellung der deutschen Autorität gebotene Maß überschreiten.“ Zudem trage die Proklamation dazu bei, „dem deutschen Ansehen unter den zivilisierten Nationen Abbruch zu tun.“[50] Trotha musste die Proklamation und seinen Befehl am 9. Dezember 1904 auf ausdrücklichen telegraphischen Gegenbefehl des Generalstabes aus Berlin zurücknehmen.[11] Er wurde angewiesen, mit Ausnahme der Rädelsführer das Leben der Herero zu schonen und die von den evangelischen Missionaren angebotene Vermittlungstätigkeit nicht zurückzuweisen. 

Hinweis von mir: Der deutsche Kanzler hatte damals keine demokratische Legitimation, sondern wurde allein vom Kaiser ernannt oder abgesetzt. Der Kaiser zwang später von Trotha zum Rücktritt. 

>Am 2. November wurde dem „Rücktrittsgesuch“ des Generals von Trotha durch den Kaiser stattgegeben, am 19. November verließ er das Land. Nachfolger wurde Oberst Berthold von Deimling.

Antwort
von schleudermaxe, 86

Weil es das dafür notwendige Gesetz erst kurze Zeit gibt und die so hochgejubelten Christlichen es im Bundestag mit genau diesem Hinweis ablehnen.

Antwort
von tryanswer, 51

Warum wird Namibia dann bei der Zuweisung von Entwicklungshilfe bevorzugt und warum sollte sich Deutschland entschuldigen, nur weil von Trotha einen - in der retrospektive - unklaren Befehl gegeben hat?

Kommentar von earnest ,

Du meinst den hier abgedruckten "Schießbefehl"?

https://de.wikipedia.org/wiki/Lothar_von_Trotha

Daran ist NICHTS unklar. Es geht um die Vernichtung der Herero.

Kommentar von tryanswer ,

Nein, es geht dabei nur um die Ausweisung aus Südwest. von Trotha hat in seinem Befehl eindeutig zum Ausdruck gebracht, das über "Weiber und Kinder hinweggeschossen" werden solle, "um sie zum Laufen zu zwingen". Im gleichen Atemzug spricht er sich für den Schutz der Frauen und Kinder aus. Nachzulesen: https://www.bundesarchiv.de/oeffentlichkeitsarbeit/bilder\_dokumente/00663/index...

Die von Trotha zugedachte Brutalität ist erst eine Erfindung der Nachlese (insb. gewisser antikolonialer, pol. Kreise in Berlin). Bei der Beurteilung darf man auch nicht vergessen, daß die Hereros diesen Konflikt mit der Ermordung von friedlichen Siedlern grundlos begonnen haben.

Antwort
von LienusMan, 23

Eine Bundesministerin (Name fällt mir nicht ein) von der SPD hat sich Anfang des Jahrtausend für den Völkermord entschuldigt und hat dabei begonnen zu weinen.

Darauf warf ihr ein CDU-Politiker vor, dass das sehr teure Tränen waren.

Ich glaub das sagt vieles, Dt. hat einfach Angst hohe Reperationen zahlen zu müssen.

Antwort
von Karlien, 12

Zunächst:
Das Volk heißt Nama, nicht Nana.

Vielleicht gibt es bald einen „Historiker“, der den Deutschen erzählen will, daß zwischen 1884 und 1914 in Südwest zufällig ein Rehobother, Himba, Ovambo, Damara oder Tshwana zu Tode gekommen ist. Dies würde man den ach so bösen Deutschen zusätzlich anlasten.

In einer echten Demokratie gehört es dazu, sich auch aus verschiedenen Quellen informieren zu dürfen.

ISBN-13: 978-3-87847-233-9

(Das alternative Buch)

Antwort
von eccojohn, 66

Weil sich dann die bis heute verlogene Politik - ebenso wie das Denken viele Bürger aus Unwissenheit  - von der damaligen Gesinnung trennen müßte.

Es ist nun mal peinlich einzugestehen, das die eigenen Vorfahren in der Masse nun mal  >durchgeknallte  Verbrecher und deren Mitläufer< waren, die vor lauter Selbstüberschätzung und Selbstherrlichkeit in fast nichts mehr zu bremsen waren. 

Dies wurde und wird immer noch mit ach so vielen Problemen und Dubiositäten erklärt und entschuldigt, das einem nur schlecht werden kann. All diese "Schuld" hat man seinerzeit schön und feige auf die Nachkommen übertragen - ebenso wie die heutige Schuldenpolitik der Regierung zu Lasten der nachfolgenden Generationen gemacht wird.

Hören oder lesen will das sicherlich keiner .- weil ach so peinlich und gar nicht wahr - Nestbeschmutzer sind nun mal nicht gern gesehen - Leugner dafür schon eher SALONFÄHIG - doch bei wirklich ehrlicher Betrachtung kann man wohl kaum zu einem anderen Ergebniss kommen.

Fast parallel läuft das etwa auch in der Türkei - damals haben die Europäer den türlischen Horden vor Wien kräftig in den Allerwertesten getreten, heute macht man leider genau das Gegenteil.

Das falsche Spiel Erdogans - die ersehnte Möchtegern-Vormachtstellung im NAHEN OSTEN ist für jeden unübersehnbar - doch wirklich reagieren - Fehlanzeige - man schiebt für Peanuts verlogen mit.

Die Europa-Politik spielt lieber mit dem Feuer, das man durch hunderte von Versprechen und Verpflichtungen irgendwann keinerlei Spielraum mehr hat. Donnert die erste Kanone - egal auf welcher Seite - dann scheppert es richtig, und die Mencheit kann sich entweder gegenseitig anschlachten, oder auf einen fremden Planeten auswandern.

Antwort
von Namibia2003, 14

Weil sie inzwischen eingesehen haben, was sie angerichtet haben und jetzt Angst davor haben es sich einzugestehen, beziehungsweise den Schritt zu tun und es mit einer Entschuldigung öffentlich zu machen. 

Antwort
von stefanIhl, 96

Entschädigung bringt ja eigentlich null. Tot ist und bleibt tot. Und ich glaube wir haben uns schon genug für Taten entschuldigt die nicht wir sondern unsere Vorfahren getan haben. Von den damaligen Mördern lebt heute sicher keiner mehr. DU musst ja auch nicht für die Taten deiner direkten Vorfahren Büsen. Genau wie im Armenien fall wäre das großes getue um nichts (übertrieben gesehen). Es ist Völkermord, ob es jetzt offiziell gemacht wird oder nicht.

Antwort
von NEONBLAUPINK99, 86

Weil die Generation die heite lebt sich für nix entschuldigen muss was können wir dafür das die menschen damals soetwas gemacht haben

Kommentar von SarcasticSard ,

Das ist allerdings ziemlich genau die Haltung der Türkei. 

Kommentar von wfwbinder ,

Nein, da gibt es einen feinen, aber erwähnenswerten Unterschied.

Wir erkennen an, das in der Kolonialzeit die Verbrechen geschahen. GEben zu, dass das kaiserliche Deutschland dies tat. Aber lehnen eine persönlcihe Verantwortung ab.

Die Türkei bestreitet, das im (nicht identischen) osmanischen Reich so etwas überhaupt passiert ist.

Kommentar von NEONBLAUPINK99 ,

Ja aber es ist doch so genauso wie deutschland sich immer noch wegen hitler entschuldigt wir können nichts dafür wir waren damals noch nicht auf der welt... Warum sollten sich die menschen die heite geboren werden sich für taten die andere menschen jahre zuvor begangen haben entschuldigen

Kommentar von SowjetS0CIALIST ,

Der Unterschied ist dass die Türkei den Völkermord nicht anerkennen will 

Antwort
von voayager, 56

Na-ja, die Vorstufe einer Entschuldigung hat es ja mittlerweile gegeben, vielleichjt folgt ja noch eine Entschuldigung. dies iss aber wohl erst dann möglich, wen nsich die politischen Verhältnisse hierzualnde wenigstens ansatzweise gebessert haben.

Antwort
von Philippus1990, 63

"Warum schafft es die Bundesregierung nicht, sich für diesen Völkermord zu entschuldigen und ihn zum Teil der öffentlichen Erinnerungskultur zu machen, wie die anderen deutschen Verbrechen eben auch?"

Ich kenne kein Volk auf der Welt, das für seine Verbrechen eine "Erinnerungskultur" will.

Antwort
von earnest, 19

Bis auf den ersten Absatz ist NICHTS an diesen Ausführungen korrekt. 

Du solltest dich informieren, bevor du hier lospolterst.

Für den Anfang empfehle ich dir die Antwort von andreasolar.

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