Frage von TUrabbIT, 83

Warum gibt es ein kompliziertes Einkommenssteuer System?

Wäre es nicht auch fair und wesentlich einfacher wenn man einen generellen Prozentsatz wählt der vom Einkommen abgeführt werden muss? Z.B. 20% auf alles Einkommen.

Das ist fair, wer mehr verdient zahlt mehr Geld aber das gleiche Verhältnis. So zahlt wer das vierfache verdient auch das vierfache an Steuern, hat aber auch das vierfache von dem vorherigen übrig.

Das kann ja durchaus von der absoluten Summe allen Einkommens berechnet werden egal welche Quelle.

Wo ist der Haken oder besser warum ist das nicht gewünscht?

Expertenantwort
von wfwbinder, Community-Experte für Steuern, 13

Die übliche Begründung ist, weil die Steuerberater udn Wirtschaftsprüfer damit ihr Geld verdinen.

Aber unser Berufstand ist einer der größten Kämpfer für die Vereinfachung. Wir haben nämlich das Problem den Mandanten die Rechnungen udn den Zeitaufwand erklären zu müssen und top Azubis zu finden wird auch immer schwieriger.

Schuld haben die Politiker und die Bürger.

Die Bürger weil sie am liebsten jeder ihren individuellen Freibetrag haben wollen nach dem Motto Freibetrag für alleinerziehende Mütter die in einem Stadtteil mit überwiegend Schülern die Migrationshintergrund haben udn einem Freund der Überschuldet ist, wobei der Vater des Kindes keinen Unternhalt zahlt und ausserdem einen eBayshop betrieben, der mehr als 820,- Euuro im Jahr Gewinn macht und die Ihre Ausbildung nciht beenden konnten, weil sie so früh Mutter wurden.

Oder eventuell der noch einzuführende AfD Freibetrag für Menschen, die einen farbigen Fußballer als Nachbarn haben und gegenüber von einem grünen Bundestagsabgeordneten wohnen müssen, während der nächste Pegiaanhänger mehr als zwei Busstationen entfernt ist.

Das Mag gemein, oder zynisch klingen, aber wir haben soviele Sondervorschriften im Einkomensteuerrecht, obwohl schon viele Möglichkeiten von Sonderabschreibungen und Verlustabzügen für Reiche abgeschafft wurden.

Es ist unerträglich. was sie Steuerbürger so für sich wünschen. Das wird den Politikern angetragen und die wollen ihr Klientel befriedigen. Das führt zu den vielen Sondervorschriften.

Es gäbe so viele Möglichkeiten etwas zu vereinfachen und gleich in Kombination mit anderen Dingen wie BaFöG, ALG II (was steuerfrei ist, aber steuerfreie und nichtsteuerfreie Einkünfte werden angerechnet), sowie die Besteuerung der Renten.

Total verrückt. 70 % der Steuerfachliteratur weltweit ist in deutscher Spprache.

Kommentar von TomRichter ,

Aber warum führst Du nur die armen alleinerziehenden Mütter und allein demonstrierenden Pegidas an?

Ich finde da Regelungen viel bedenklicher, die es internationalen Konzernen erlauben, hier Milliarden zu verdienen und dafür nur wenige Millionen Steuer abzuführen, dies obendrein in Irland oder in Luxemburg.

Oder Gesetze, die dazu führen, dass sich die Experten noch nicht einmal einig sind, ob Cum-ex-Geschäfte überhaupt illegal waren?

(Für die Nicht-Fachleute unter den Lesern: Dabei ließ man sich vom Staat eine Steuer erstatten, die man nie bezahlt hatte. Aber man musste schon ein paar Milliönchen haben, um da mitspielen zu dürfen).

Oder Erbschaftssteuer-Vermeidungs-Gesetze für Unternehmer, angeblich zum Schutz der Arbeitsplätze, de facto aber zum Schutz der Unternehmer?

Im Gegensatz dazu entspräche  der von Dir erwähnte Freibetrag für alleinerziehende Mütter wenigstens dem Gebot der Besteuerung nach Leistungsfähigkeit.

Kommentar von wfwbinder ,

Ich finde da Regelungen viel bedenklicher, die es internationalen
Konzernen erlauben, hier Milliarden zu verdienen und dafür nur wenige
Millionen Steuer abzuführen, dies obendrein in Irland oder in Luxemburg.

Wenn sie die hier verdinen, müssen sie die hier versteuern. Meist verdinen die hier allerdings nur wenig, weil die deutschen Tochterunternehmen Lizenz, oder Franchisekostenzahlen müssen, bzw. die hier vertriebenen Waren teuer eingekauft werden.

Oder Gesetze, die dazu führen, dass sich die Experten noch nicht einmal einig sind, ob Cum-ex-Geschäfte überhaupt illegal waren?

Diese Rechtsfrage ist einerseits daneben udn ausserdem wäre es leicht zu lösen, denn Banken müsste alle Summen, die sie bescheinigen auch abführen, was ja bei Cum Ex eindeutig nicht passiert ist.

Im Gegensatz dazu entspräche  der von Dir erwähnte Freibetrag für
alleinerziehende Mütter wenigstens dem Gebot der Besteuerung nach
Leistungsfähigkeit.

Der Freibetrag für alleinerziehende sollte tatsächlich höher sein.

Kommentar von TomRichter ,

> Wenn sie die hier verdinen, müssen sie die hier versteuern

Leider nicht. Meinem Gerechtigkeitsgefühl geht es um "verdienen", dem Steuerrecht um "Gewinne ausweisen".

Das ungerechteste daran ist, dass ich als Arbeitnehmer nicht die Möglichkeit habe, mein Können und Wissen steuersparend an eine irische Briefkastenfirma zu übertragen :-(

Zu den Cum ex Geschäften teile ich Deine Meinung, aber ob diese der damaligen Rechtslage entspricht, wissen wir wohl erst in zehn Jahren.

Antwort
von Petz1900, 29

Das nennt sich Einzelfallgerechtigkeit.

Bei der Einkommensteuer soll jeder nach seiner persönlichen Leistungsfähigkeit besteuert werden.

Wer mehr verdient ist eben leistungsfähiger und d´kann nicht nur absolut sondern auch prozentual mehr Steuern zahlen.

Verdient er z.B. 500.000 €, bleiben nach Steuern ja immer noch 250.000 €, mal vereinfacht dargestellt. Wenn man sich etwas einschränkt, kommt man damit ja auch noch gerade über die Runden :)


Antwort
von Interesierter, 23

In Deutschland gilt das soziale System. Starke Schultern sollen die schwachen entlasten und daher überproportional am Steueraufkommen beteiligt werden. 

Deswegen werden kleine Einkommen gar nicht, große Einkommen dagegen bis zu 45 % besteuert. 

Antwort
von kevin1905, 6

Es ist verboten Einkommen unterhalb des Grundfreibetrags (aktuell 8.652,- €) direkten Steuern zu unterwerfen. Dies hat das BverfG so entschieden. Allein daran scheitert der Plan schon.

20% für einen Geringverdiener haben eine andere Schwere als 20% für einen Millionär.

Der Staat würde dadurch viele Steuereinnahmen verlieren und es ist bei weitem nicht gesagt, dass dadurch ein höherer Cashflow generiert wird durch die Umsatzsteuer.

Antwort
von berkersheim, 17

Was Du verlangst, ist Transparenz. Man mag sich über deren Ausgestaltung im Einzelnen streiten, aber die Realität zeigt, Transparenz ist keine Hilfe für Regierende, die vorne gerne "Rosa" versprechen und hintenherum "Violett" umsetzen. Es gibt doch keine "gute Politik" oder "Gutpolitik", die nicht dem Steuersystem aufgelastet wurde. Und weil die Politiker, die so gern von der Gier der anderen reden und selbst die Personifikation davon sind, selbst immer neue Geldquellen benötigen, um kreativ Politik zu machen, sprich ihre Klientel zu bedienen, wird das in immer neue Modifikationen der Steuerregeln gesteckt. Hier wäre es Sache der Steuerzahler, einen Riegel vorzuschieben. Doch da glauben die grün Gefärbten, dass die nächste Regel nur die Nichtgrünen trifft und sind dafür, bis dann die rosa Gefärbten das gleich Spiel machen, aber die Regeln gegen Nichtgrüngefärbte nicht aufheben. Geht doch eh alles in einen Topf und wer sagt denn, dass die Tabaksteuer nur zur Qualitätsverbesserung des Tabaks dienen soll?

Die sozial gestimmten Kleindiktatoren bringen außer Zielmodifikationen noch ins Spiel, dass nicht eine Leistung besteuert wird, sondern auch entsteuert, was jemand braucht oder nicht braucht. Da sind wir schon bei der Konsumlenkung, weil manche klare Vorstellungen haben, was ich nicht zu brauchen brauche. Das wird mir dann ordentlich besteuert. Im Endeffekt eine Fehlverhaltensbesteuerung und jeder, der da was dran drehen darf, besteuert andere Fehlverhalten. Es gibt ja genügend davon. Daraus lernen wir: Es braucht keinen Zeus mit der Büchse der Pandora, um Unglück über die Welt zubringen, es braucht nur sozial Erleuchtete, die ganz genau wissen, was gut ist für die Welt. Das Problem: Jeder sozial Erleuchtete hat eine andere Erleuchtung. Verschone uns oh Zeus vor den Gutmenschen und ihren Gutideen.

Antwort
von FrageSchlumpf, 5

Vlt, weil gerade das nicht fair wäre ?

Ich denke, so manche Abzugsmöglichkeit und so mancher Freibetrag haben durchaus - eben weil es fair ist - ihre Daseinsberchtigung.

Amüsant ist ja dein Steuersatz.... 20 %. Wo sollen wir das Geld für diese erneute Steuersenkung hernehmen ?

Antwort
von archibaldesel, 13

Nein das ist nicht fair. Fairer ist, wenn diejenigen, die sehr viel verdienen, auch einen höheren Beitrag leisten. Die die wenig verdienen hingegen werden entlastet. 

Wer Mindestlohn verdient und eine Familie hat, gebraucht jeden Euro, wer jedes Jahr 10 Mio. verdient, kann ohne Weiteres mehr als 20% abgeben, ohne dass es ihm wehtut.

Dieser Tatsache wird der progressive Steuertarif gerecht. 

Antwort
von Iflar, 4

Wo ist der Haken oder besser warum ist das nicht gewünscht?

Eine Putzfrau mit 1000€ Bruttoeinkommen im Monat muss bei einem Einkommenssteuersatz von 20% 200€ dem Staat abgeben.

Ein Bänker muss mit 10000€ Bruttoeinkommen im Monat 2000€ abgeben.

Der Haken:

Der Bänker kann damit gut leben, die Putzfrau aber nicht!

Die Lösung: 

Die Putzfrau bezahlt 5% Steuern, also 50€ und der Bänker 21,5%, also 2150€.

Die Putzfrau kann jetzt besser leben und der Bänker lebt immer noch genauso gut! 

Antwort
von tryanswer, 19

Im Prinzip liegst du richtig. Steuern sind aber, wie der Name schon sagt, dazu da die Wirtschaft zu steuern. Das bedeutet, bestimmte Einkommen werden unterschiedlich besteuert um Widrigkeiten auszugleichen oder bestimmte Prozesse zu fördern.

Kommentar von TUrabbIT ,

Aber wäre es dann nicht sinnvoller höhere Einkommen weniger zu besteuern? Denn man möchte doch Menschen motivieren sich höher zu qualifizieren und zu bilden, das wird meist mit höherem Einkommen belohnt, aber so ist es häufig fast eine Strafe eine Lohnerhöhung zu erhalten wenn man dadurch in eine andere Steuerstufe rutscht und mehr Steuern zahlen muss und im Endeffekt sogar weniger rauskommt.

Kommentar von tryanswer ,

Ich bin dabei (zumindest wenn es darum geht die Steuerprogression aufzuheben), aber nicht jeder teilt diese Meinung und dafür gibt es verschiedene Gründe.

Kommentar von AalFred2 ,

Es kommt im Endeffekt bei einer Lohn-oder Gehaltserhöhung netto nie weniger raus als vorher.

Kommentar von archibaldesel ,

Steuern haben begrifflich genau gar nichts mit Steuerung zu tun. Wenn dich die Wortherkunft interessiert, empfehle ich den entsprechenden Wikipedia-Artikel.

Steuern haben auch nicht in erster Linie das Ziel die Wirtschaft zu lenken, sondern das Gemeinwesen zu finanzieren.

Kommentar von tryanswer ,

Deine Interpretation setzt voraus, das es Aufgabe des Staates sei für das Gemeinwesen zu sorgen. - schon dem kann ich mich nicht anschließen.

Expertenantwort
von DerHans, Community-Experte für Recht, 27

Weil da sehr viele Anwälte, Steuerberater und große Wirtschaftsprüfergesellschaften glänzend Geld mit verdienen.

Wenn das alles einfach organisiert wäre, und jeder das selbst erledigen könnte, würden diese alle arbeitslos.

Das geht natürlich nicht.

Nur mit diesem System ist es möglich, dass Milliardäre praktisch überhaupt keine Steuern zahlen.

Kommentar von BobbyBackblech ,

Aha. Der Gesetzgeber hat also gesagt: "Lasst Anwälte & Steuerberater doch mal ein wenig Geld verdienen".

Na klar. Bei dir lese ich kein einziges Argument, sondern nur kindliches Gesabbel.

Kommentar von DerHans ,

So ähnlich, wird es sich wohl abgespielt haben

U. a. weil ein Großteil der Politiker von diesem System auch sehr gut lebt.

Kommentar von BobbyBackblech ,

Wie lange hast du den Aluhut denn schon auf? Muss da bald Ersatz her?

Kommentar von archibaldesel ,

Das ist jetzt aber mal eine gewagte These....

Antwort
von Thomas19841984, 7

der Haken daran ist, dass das dann ungefähr der millionste Vorschlag wäre, wie man die Reichen noch reicher und die Armen ärmer machen könnte

Antwort
von BobbyBackblech, 19

Ein verheirateter Mann mit bspw. 5 oder 10 Kindern soll also gleich viel zahlen wie einer mit keinen Kindern und ledig?

Nun könnte man sagen, selbst schuld, musst ja keine 5 Kinder haben. Aber dafür ist Deutschland eben ein Sozialstaat.

Prinzipiell gibt es viele Kleinigkeiten zu beachten, daher ist es falsch pauschal Summe X an Steuern zu nennen.

Kommentar von TUrabbIT ,

hm das ist ein guter Punkt, den ich nicht bedacht habe.

Kommentar von BobbyBackblech ,

Ja es gibt viele Punkte die man beachten sollte. Genau so kannst du nicht sagen, dass jemand der nur 1.000 EUR verdient 20% an Lohnsteuern zahlen muss, wie einer der 10.000 EUR verdient.

Damit läge er bspw. unter der Armutsgrenze, weil er nur noch 800 EUR hat.

Auch das wäre nicht der Sinn eines Sozialstaates.

Kommentar von TUrabbIT ,

Nun wird das ja oder sollte durch Kindergeld ausgeglichen werden. Sozialgelder kann man ja Unbesteuert lassen.

Kommentar von BobbyBackblech ,

Das Kindergeld hat in erster Linie nichts damit zu tun. 

Für Kindergeld gibt es bei der Einkommensteuererklärung den Kinderfreibetrag, der vom zu versteuerndem Einkommen abgezogen wird und sich bei der Berechnung der Einkommensteuer steuermindernd auswirkt.

Auch das würde ja entfallen, wenn du pauschal alle gleich besteuern wollen würdest ohne Ausnahme.

Ein anderes Beispiel wäre Kilometergeld. 

Nun könnte man auch hier sagen: Du brauchst ja nicht in einer anderen Stadt arbeiten. Dann zahlst du eben im Monat 50 EUR dafür, dass du zur Arbeit kommst und auf`s Jahr gerechnet 600 EUR - anders als jemand der um die Ecke seine Arbeit hat.

Das wird so also in einem Sozialstaat nicht funktionieren mit einer einheitlichen Steuer für alle.

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community