Frage von CaryllRunes, 52

Warum genießt Sport so ein hohes Ansehen und eine solche Präsenz gesellschaftlich und medial, während die Wissenschaften so verschwindend daneben untergehen?

Hallo! Ich muss mal wieder schnell eine etwas dümmliche Frage loswerden, die mir gerade im Kopf herum geistert. :)

Warum ist es eigentlich so, dass ich, sobald ich die Zeitung aufschlage oder den Fernseher anschalte, mit Sportberichten, Sportshows und dergleichen erbarmungslos zugeschmissen werde, mir allerdings eine zugegeben etwas teure Fachzeitschrift besorgen muss, wenn ich die neusten Ergebnisse aus den großen Wissenschaften mitbekommen will?

Viele bekommen nicht einmal eine Randbemerkung, nicht einmal die wirklich Wichtigen (zumindest meines Erachtens nach), und wenn mal wieder die Fußball EM/WM startet, dreht das halbe Land durch. Man darf jeden Tag zwei, drei Stunden ins Fitnesscenter gehen, doch sobald es mich in die Bibliothek verschlägt werde ich schief angeguckt und als nicht sportlicher Mensch für einen schlechten gehalten. Warum? Woher kommt auch in den Medien dieses Ungleichgewicht? Fußball und Sport im generellen wird zelebriert, während wissenschaftlich Interessierte sich durch Internet-Paper graben dürfen, und obschon ich gewiss um die vielen positiven Aspekte weis, die Sport nun einmal besitzt, verstehe ich das einfach nicht. Was ist daran so groß, das es eine eigene Rubrik in der Tagesschau und dutzende Sender zugedacht bekommt? Haltet mich ruhig für dumm, aber gibt es da irgendwelche Gründe, derer ich mir nicht bewusst bin? Ich wäre sehr an eurer Meinung interessiert. :)

Grüße,

Caryll. ~

Antwort
von Agronom, 27

Sport ist schon mindestens seit der Antike eine beliebte Unterhaltung, es sich anzuschauen bedarf im Prinzip keinerlei Bildung und so ist es für jeden Zugänglich, zusätzlich gibt es, anders als in der Wissenschaft, einen Wettkampf. Daher eignet sich Wissenschaft einfach nicht als Mittel zur Massenunterhaltung.

Das es in Nachrichten und Medien allgemein kaum zur Sprache kommt liegt zum einen darin, dass die Fortschritte meist nur recht klein sind und für Außenstehende damit relativ uninteressant, ebenfalls ist es oft nicht leicht Ergebnisse gut verständlich für die Masse zu machen, da sie häufig sehr spezifisch sind und eine gewisse Grundbildung in der Thematik voraussetzen, die man nicht für jeden annehmen kann.

Ich würde es aber auch begrüßen, wenn der Wissenschaft ein höheres gesellschaftliches Ansehen entgegengebracht würde, denn besonders in letzter Zeit hat dies stark gelitten, zumindest aus meiner subjektiven Wahrnehmung heraus.

Antwort
von voruebergehend, 48

Spontan und kurz gesagt glaube ich, dass die sich auch nur dem anpassen, was in der Gesellschaft am gefragtesten ist. Folgendes ist jetzt nur ein anschauliches Beispiel: wenn nun mal in Deutschland 10 Millionen mal am Tag nach "superfood frühstück einfach zubereiten für arbeit" oder "15 min workout" oder "po trainieren wie ich will abnehmen" gegoogelt wird, dann gibt es nunmal eben genau zu DIESEN Themen Berichte. Zumal man mit Sport, Diatzeug und so weiter auch eine Menge Geld verdienen kann. Wenn aber nur eine Person in der Woche nach den neusten Studien der stationären Psychiatrie googelt, findet man diese Infos nunmal nur in Fachzeitschriften.
Das wäre jetzt meine Vermutung.

Das mit dem Fußball wird wahrscheinlich für immer so sein. Ich hasse es, wenn WM ist. Diese Massen sehen dann immer so aus, als würden Nazis vor dem Führer applaudieren ahahahaha ohne Sinn und Verstand meine ich damit.

Kommentar von CaryllRunes ,

Ja, das mit dem Fußball finde ich auch grässlich. Man spricht von der "Fußballnation Deutschland", mich schaudert es dabei immer leicht. Woher kommt das nur? :(
Allerdings glaube ich gar nicht, dass die Zielgruppe so vernichtend klein sein soll - es fehlen nur Ansatzpunkte, um Leute abzuholen...
Aber auch dir wie allen danke für die Antwort! Ich finde das recht inspirierend. :)

Antwort
von xXSimonZz, 48

Ich denke es liegt daran, das Sport jeder Depp versteht und nicht eben nur Menschen die sich mit einem bestimmten Fachgebiet beschäftigen. Dadurch lässt sich der Sport viel besser vermarkten. Außerdem versuche mal mit Wissenschaften Werbung zu machen, das wird schwierig. Also wirst du auch keine großen Unternehmen finden die das ganze Sponsoren und an dem Punkt muss man das ganze eigentlich schon nicht mehr weiter spinnen.

Zudem gibt es noch Aspekte, wie das Gefühl der Zusammengehörigkeit, wenn man z.B. für den gleichen Verein steht. Dadurch ist es natürlich viel einfacher, schnell viele Leute dafür zu begeistern, da sich die meisten schnell mitziehen lassen, wenn es wie du erwähnt hattest, um eine Fußball WM geht.

Kommentar von CaryllRunes ,

Hm, das ist natürlich ein valider Punkt mit dem Sponsoring/der Werbung - schade eigentlich. :(
Ich glaube nur, dass man auch wissenschaftlich komplexe Sachverhalte durchaus anschaulich darstellen kann, wie Sportanalyse auch eben sehr tief gehen kann. Es dauert mich da echt etwas, dass man so wenig Grundlage in den Medien erhält - wie soll man sich sonst mit gesellschaftlich relevanten Themen auseinander setzten, wenn die Wissensgrundlage fehlt? Das fehlt mir irgendwie ...
Aber danke für die Antwort! :)

Kommentar von RefaUlm ,

Es gibt gute Werbung mit Wissenschaftlern und Ingenieuren, Bosch Staubsauger, die etwa 10 Jahre alte Golf GTI Werbung aus den Staaten, die Werbung von Mercedes mit dem intelligenten Dämpfersystem/Fahrwerk, der Diss von Jaguar darauf...

Allgemein Auto Werbung wird oft auch mit Designern (Mazda) oder teilweise sogar mit Drift Legenden gemacht (Präsentation des neuen Ford Focus RS durch Ken Block), Dacia Werbung sollte jedem bekannt sein...

Antwort
von HtmlDev, 49

Meine spontane Antwort darauf wäre jetzt, dass die Sportliche-Zielgruppe aus viel mehr Leuten besteht, als aus dem Wissenschaftlichen Bereich.

Kommentar von SchakKlusoh ,

Wie definierst Du "Sportliche-Zielgruppe"?

Und wie vergleichst Du sie mit der "Wissenschaftlichen Zielgruppe"?

Theoretisch sind alle 7,4 Mrd Menschen die wissenschaftliche Zielgruppe. Kleidung, Nahrung, Wasserversorgung, Häuser, Straßen, alles von Wissenschaftlern gemacht.

Kommentar von HtmlDev ,

Würde eher die Interessen der Menschen als Zielgruppe definieren.

Heißt, es interessieren sich meiner Meinung nach mehr Menschen für Sport als für Wissenschaft.

Antwort
von DerKleinePiet, 52

Das liegt daran, dass Sportler überbezahlt sind und Wissenschaftler unterbezahlt - und wer interessiert sich schon für das Proletariat?

Kommentar von CaryllRunes ,

Ohje, das klingt bitter und leider etwas wahr... :(

Kommentar von Agronom ,

Falsch, du verdrehst hier die Zusammenhänge. Das Profisportler so viel verdienen liegt allein darin, dass sich Sport so einer breiten Beliebtheit in der Bevölkerung erfreut. Daher geben Sponsoren ordentlich Geld her und den Vereinen ist es möglich ihren Spielern hohe Summen zu zahlen.

Kommentar von SchakKlusoh ,

Die meisten Profi-Sportler können nicht von ihrem Sport leben, sondern jobben nebenher. Man sieht nur die Spitzenverdiener.

Geh mal zu einem kleinen (25.000$) WTA-Tennisturnier. Die Spielerinnen leben von Krediten oder dem Ersparten ihrer Eltern und hoffen ins Geld zu laufen, bevor sie zuviele Verletzungen haben und Aufhören müssen.

Noch ein Beispiel: http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/arbeitsrecht-im-profifussball-der-fal...

Kommentar von DerKleinePiet ,

Und wieviele Wissenschaftler stehen plötzlich nach 3-4 Jahren auf der Strasse weil die Uni plötzlich die Stelle streicht? ... Davon kriegst du nur nicht soviel mit, weil keiner drüber berichtet :p

Antwort
von SchakKlusoh, 34

Sport (Spiel- und Casting-Shows und andere Ereignisse) faszinieren wegen der Emotionen. Innerhalb von kurzer Zeit passiert eine Menge. Kampf, Konzentration, Sieg, Niederlage, verpaßte Chancen. Es gibt eine Polarisation für eine Mannschaft, einen der Spieler. Man kann mitleiden, mitfiebern usw.

Obwohl alle diese Aktivitäten völlig bedeutungslos und ´überflüssig´ sind, bezahlt man für die Teilnahme/das Zuschauen.

In der Wissenschaft begeistert das Problem, das Ringen mit dem Weg. Natürlich ist das auch ein Riesending, wenn man die Lösung hat - HEUREKA! Oder wenn etwas klappt, was man lange erarbeitet hat. Die Mondlandung, die Entdeckung des Higgs-Teilchens, die Lösung des Vierfarbenproblems, die Konstruktion von Fullerenen ...

In der öffentlichen Meinung spielt auch stark mit, wie Wissenschaftler in den Medien dargestellt werden. da muß man sagen, entweder gar nicht, oder als wahlweise dämlich, weltfremd, böse, kindisch, geistesgestört, neurotisch usw.

Eine Studie des VDI (Verband Deutscher Ingenieure) hat ergeben, daß in Vorabend- und Tagesserien in allen Fernsehsendern so gut wie keine Ingenieure vorkommen, dafür aber haufenweise Medien-, Mode-, Gastronomie-Menschen, Rechtsanwälte, medizinisches Personal etc.

Kommentar von RefaUlm ,

Gastronomen?! Wo?!

The big bang theory fällt mir da ein, schon ein wenig Klischee überlastet aber trotzdem sehr unterhaltsam 😂😂😂

Kommentar von SchakKlusoh ,

Tu Brog Gölls (grins)

Diverse Köche-Sendungen (Rosin etc.)

GZSZ - Im Mittelpunkt der Serie standen im Laufe der Jahre verschiedene Cafés und Restaurants, die von Hauptfiguren geführt worden sind, z. B. die  Kneipen Allistairs, Siggis Bar und Daniels Bar, die Bar Bluebird, das Restaurant Fasan und das Café Mocca.

Lindenstraße - das griechische Restaurant „Akropolis“

...

Soll ich Dich weiter zuschütten?

;-)

Kommentar von RefaUlm ,

Stimmt "Two Broke Girls"😅

Koch Sendungen schaue ich mir nicht an, so was wie GZSZ usw ebenfalls nicht 😉

Kommentar von SchakKlusoh ,

Ich auch nicht, aber ich habe da ein paar Leute in der Verwandtschaft und im Bekanntenkreis, die sind voll auf Droge.

Kommentar von SchakKlusoh ,

Ach ja, ist Penny nicht in der Cheese Cake Factory angestellt?

Antwort
von user023948, 49

Vom sport sieht man gut aus, vom forschen nicht

Kommentar von CaryllRunes ,

Aber man macht sich interessant! ;)
Das kann doch nicht der Grund sein, oder? Damit wäre die Gesellschaft ja schon frevelhaft oberflächlich. Da spielt gewiss was rein, aber derart gewichtig scheint mir der Punkt nicht. :)

Kommentar von sgn18blk ,

Vom forschen kann man auch gut aussehen

Kommentar von user023948 ,

Aber man kriegt vom Forschen keinen Sixpack😏

Antwort
von alexo123, 47

Denk an die Schule, Lust auf Mathe oder Sport?

Kommentar von CaryllRunes ,

Bei mir wirklich Mathe, aber da bin ich etwas speziell vielleicht... :)

Kommentar von DerKleinePiet ,

Natürlich Mathe - da konnte man sitzen bleiben! (ok, die einen aus dem einen Grund und die anderen aus dem anderen Grund ...)

Kommentar von CaryllRunes ,

Nicht, dass man mich falsch versteht! Ich mache Sport auch gerne. Es fehlt mir nur an Wissensvermittlung in den Medien eben solcher fachlichen Grundlagen. Wie soll man beispielsweise über TTIP und den berühmten Genmais reden, wenn die wenigsten wissen, wie Gentechnik funktioniert? Wenn wir das Bild erzeugen, dass Wissenschaften nur etwas für eine imaginäre "Elite" wären, geht doch so viel Potential verloren! :(
Viele trauen sich gar nicht mehr daran und die, die etwas wissen wollen, müssen endlos suchen und über dutzende, schwache Quellen stolpern. Das ist schade. Ich finde, da sollte man ein wenig Abhilfe schaffen. Und in den dutzenden Sportsendungen sehe ich beispielsweise keinen bis einen geringen Sinn.
Grüße ~

Kommentar von jorgang ,

Sport war der Graus für mich. Alle naturwissenschaftlichen Fächer habe ich geliebt. Mein Sportlehrer hat mich (als Allergiker) bis zur Bewusstlosikeit getrieben, sowas kann in den Naturwissenschaften nicht passieren.

Antwort
von RoentgenXRay, 52

Weil Sport auch Dumme verstehen un d Wissenschaft nur wenige Intelligente.

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