Guiseppe1960 am 12.12.2007 um 1:37 Uhr
Ich wohne schräg gegenüber von einer Kirche. Da kann ich immer gut sehen, wer in den allsonntäglichen Gottesdienst geht. Neben den Konfirmanden ist es ein harter Kern, den man an 2 Händen abzählen kann. Am Heiligabend sehe ich jedoch jedesmal eine Unmenge von Leuten in den Gottesdienst gehen, die ich zuvor noch nie gesehen habe. Da macht man sich schon Gedanken, was dahinter stecken kann. Hordentrieb? Tradition? Scheinheiligkeit? Vielleicht etwas, was man sich gar nicht erklären kann? Was meint Ihr dazu?

Ich glaube, es gehen so viele am Heiligen Abend in die Kirche, weil sie sich nach etwas sehnen, was in der Botschaft der Heiligen Nacht und in der christlichen Botschaft an sich zum Ausdruck kommt: die Versöhnung mit Gott und mit sich selbst, die Sehnsucht, in Einklang mit sich und der Schöpfung zu leben, den Frieden zu finden.
Was mich wundert, ist, dass die Menschen es anfanghaft in sich spüren, aber dann über das Jahr hinweg nur weniger Menschen dieser Sehnsucht nachgehen in der lebendigen Beziehung und Verehrung Gottes, im Hören auf sein Wort.
Mag sein, dass es daran liegt, dass irgendwann Schluss ist mit dem kleinen Kind in der Krippe von Betlehem und die Menschen sich auch dem 'erwachsenen Kern' der Botschaft Jesu stellen müssen. Und diese Botschaft ist wahrhaft unbequem, fordert heraus, fordert auch zur selbstkritischen Haltung ... und dem weichen viele Menschen (leider) aus. Sie machen einen Anfang, aber knicken dann ein, anstatt unbeirrt sich der ganzen Wahrheit und Botschaft Christi zu stellen.
Ich frage mich, wer allein schon mal - zumindest - das Neue Testament komplett gelesen hat? Das sind nicht viele - und das, obwohl wir in einer Zeit leben, in der die Menschen so gut wie nie zu vor die Bibel lesen können, weil sie auf vielfältigste Weise verfügbar ist.

Nicht jeder Mensch hält es für erforderlich, seine religiösen Anschauungen an einen häufigen Kirchenbesuch zu koppeln. So verhält sich manch gläubiger Mensch einfach im Sinne der Gebote. Und das ganz ohne 'Tempelbesuch'. Und wundert sich möglicherweise sogar über die, die so regelmäßig dem Pfarrer horchen müssen, um zu wissen, was den guten Christenmenschen ausmacht.
Wer weiß schon, was in den Menschen vorgeht?
strick4a am 12. Dezember 2007 02:44 kommt hier der kleine Philosoph zum Vorschein ?
Da die Meisten keine gläubigen Christen sind, denke ich, ist die Tradition und eine moralisch Gefangensseinswolke dafür verantwortlich. Da Krieg, Leid Und Tot allgegenwärtig ist.

Mein Mann und ich hatten die ganzen Jahre als Berufstätige, massenhaft Stress in der Vorweihnachtszeit. Mein Mann war im Verkauf und ich in einem großen Fotolabor. Wir sind beide immer gerne am Heiligabend in die Kirche gegangen um uns runterzufahren und und ein wenig Weihnachtsstimmung zu bekommen. Und diese lieb gewordene Gewohnheit behalten wir nun, da wir nicht mehr Berufstätig sind gerne bei, da diese Stimmung in der Kirche wunderschön ist.

Das gehört für viele zu Weihnachten dazu - so wie Weihnachtsbaum und Geschenke.

Mich zieht es manchmal Heilig Abend in die Kirche, um Erinnerungen an meine glückliche Kindheit wieder aufleben zu lassen, da war es selbstverständlich, die Kirche zu besuchen. Das hat mit "Glauben" nichts zu tun. Was man sich "gar nicht erklären kann", ist der Prozentsatz älterer Menschen im Gottesdienst ? Es steht NIEMANDEN zu, das mit Hordentrieb,Scheinheiligket oder Tradition im abwertenden Sinne in Verbindung zu bringen ! Wenn jemand atheistisch Eingestellt ist (wie ich auch),ist es angebracht, sich über solche Dinge Gedanken zu machen und ein Urteil zu bilden, nur inwieweit das zutreffend ist,ist eine andere Sache ! Grüss Gott strick4a
gerwitt am 12. Dezember 2007 08:03 Wenn du atheistisch bist, warum grüßt du dann mit "Grüss Gott"? - Oder bist du eher Agnostiker??!!
Dieser Gottesdienst steht für die Geburt Jesu, dem "Christkind". Es ist neben Ostern (Kreuzigung und Auferstehung Jesu) eines der Hauptfeste. Meiner Meinung nach sehnen sich Menschen nach der Botschaft von Weihnachten, auch wenn sie es das Jahr über nicht wahrnehmen: Friede mit Gott! Als Jesus in einem Stall auf die Welt kam, haben es erst einfache Hirten erfahren: Gott will Frieden möglich machen. (mit ihm, mit dir selbst und mit denen um dich). Weihnachten spricht sehr die ursprüngliche Sehnsucht an. Es bietet viel Illustrationen für die Seele, damit sie ahnt, wie nah Gott kommen kann. Und dieser Gottesdienst an HeiligAbend ist sehr bewegend, so dass auch Leute, denen es sonst zu langweilig ist, gerne hingehen. Es macht das Fest zum Fest! Geh doch mal gucken....

Vorletzt jahr war ich nur deswegen da, weil meine Tochter in einem evangelischem Kindergarten war und sie zu Weihnachten ein Stück in der Kirche aufgeführt haben, auch wenn ich nich christlich gläubich bin, das musste ich mir einfach ansehen! Auch ein trick um die Kirche voll zu bekommen ;)

das TV-Programm ist da besonders übel
Denk erstmal, bevor Du schreibst! DR!
ich war zwar noch nie an Weihnachten in einer Kirche, aber ich habe mir sagen lassen, daß die Show, die so ein Magier da abliefert recht nett sein soll. Eigentlich wünschen sich doch alle ein bißchen Magie im Leben und da Siegfried und Roy eben nicht in Wuppertal auftreten nimmt man halt die Magie der größten Magiekette der Welt, zumal die meisten da sowieso Clubmitglied sind un ihren Eintritt schon bezahlt haben.
pj
Super geschrieben - dem kann ich nur voll beistimmen. DH!!