Warum gab es in Westdeutschland weniger Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen, als in der DDR?

... komplette Frage anzeigen

4 Antworten

Hallo Vitaly,

die Unterstellung, dass die Gleichberechtigung von Mann und Frau in der DDR nur deshalb weiter voran geschritten war, weil man die Frauen als Arbeitskräfte brauchte, ist falsch und verleumderisch. Die Gleichberechtigung von Mann und Frau ist ein altes linkes Ideal und gehört von Anfang an zu den Zielen der Sozialisten und Kommunisten und wurde deshalb in der DDR auch ernsthaft umgesetzt.

Das Problem bei dessen Umsetzung ist nur, dass es neben der Veränderung althergebrachter traditioneller Rollenklischees noch handfeste sozio-ökonomische Voraussetzungen gibt, die entsprechend umgestaltet werden müssen, damit eine solche Gleichberechtigung auch wirklich praktisch umgesetzt werden kann. Absichtsbekundungen, Sonntagsreden und Quotenregelungen halfen und helfen da nicht wirklich.

In der DDR waren von Anfang an die Voraussetzungen geschaffen worden, um die ökonomische Abhängigkeit der Frauen von ihren Ehemännern zu beseitigen. Dazu gehörte nicht nur das Recht, selbstbestimmt einem Beruf nachzugehen, sondern auch die Möglichkeit, Familie, Ausbildung und Beruf unter einen Hut bringen zu können. Ein flächendeckendes Netz der Kinderbetreuung ist da nur eine wichtige Voraussetzung gewesen. Frauen wurden im Beruf gefördert und weitergebildet.

Wenn du aus Russland kommst, wird es für dich sicher nicht weiter verwunderlich sein, wenn Frauen einen Beruf, eine Karriere anstreben und arbeiten gehen. Niemand käme dort auf die Idee, eine berufstätige Frau als Rabenmutter zu beschimpfen.

Früher, in der alten Bundesrepublik und heute in den emanzipatorisch zurückgebliebenen Gebieten Westdeutschlands ist das noch an der Tagesordnung. Das liegt am politischen und religiösen Konservatismus, für den die Schaffung eines flächendeckenden Kinderbetreuungsnetzes die Vorstufe zum Kommunismus ist.

Die CDU mit ihrem antiquierten rheinisch-katholischen Familienbild aus dem vorletzten Jahrhundert und ihre bayrischen Brüder und Schwestern im Geiste haben dafür Sorge getragen und sorgen bis heute dafür, dass flächendeckende bezahlbare Kinderbetreuung ein Wunschdenken ist und wenn sich diese Betreuung nicht umgehen lässt, dass die Kirchen mit ihren Einrichtungen ein de facto Monopol in viele Regionen dafür haben.

Noch heute gibt es einen erhebliche Unterschied in der Kinderbetreuung zwischen Ost- und Westdeutschland. So sind Frauen zwar de jure gleichberechtigt, doch praktische und finanzielle Möglichkeiten, dieses Recht auch wahrzunehmen, fehlen im Westen Deutschlands mehr als im Osten.

Änderungen fingen in der alten Bundesrepublik mit den 68ern an. Auch da war Gleichberechtigung von Mann und Frau ein linkes Projekt, wogegen das konservative politische Establishment Sturm lief.

Wenn heute Kinderarmut in der Bundesrepublik weiter zunimmt und alleinerziehende Frauen überproportional häufig Bezieherinnen von Hartz-IV-Leistungen sind, so ist das ein Zeichen dafür, wie ernst Gleichberechtigung in dieser Demokratie wirklich genommen wird. Da ändern gesetzliche Quotenregelungen, Kampfemanzen und Appelle gar nichts.

Warum gab es in Westdeutschland weniger Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen, als in der DDR?

Weil der politische Wille der Herrschenden dazu fehlte und auch heute noch fehlt.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von Vitaly1989
02.01.2016, 02:06

Vielen Dank für eine ausführliche Antwort! :) Ja, in der Sowjetunion war die Ideologie der Gleichberechtigung sehr stark. Seit den 90er Jahren ist vieles leider zurück gegangen. Unsere Massenmedien propagieren am meisten das Vorbild des bösen Macho mit viel Geld und zeigen die Frau als ein leichtsinniges Wesen, das sich nur für Klamotten und Kosmetik interessiert. Ich finde es eckelhaft.

Im realen Leben gibt es hier viele Beziehungen auf gleicher Augenhöhe, aber traditionelle Geschlechterklischees sind leider sehr stark.

Bist du doch aus der ehemaligen DDR? Welche westdeutschen Gebiete findest du am liberalsten in diesem Sinne?


3
Kommentar von lupoklick
02.01.2016, 11:15

Agitprop vom Feinsten   :-(((

... Deine "Genossen" applaudieren sitzend, leider nicht "sitzend", was die Vergangenheit betrifft....

0
Kommentar von PeVau
02.01.2016, 23:36

Danke für den Stern, Vitaly!

3

Hallo, Gleichberechtigung konnten Frauen in der Bundesrepublik Deutschland und auch schon viel früher, unabhängig von der Staatsform, leben, wenn sie wollten, fähig waren und natürlich auch gute Umstände dazu kamen. Meine Großmutter hat noch im Kaiserreich angefangen zu studieren, und auch direkt nach dem Krieg haben Frauen in meiner Familie studiert oder einen Meisterbrief im Handwerk erhalten.

Darüber hinaus mussten die Frauen in den Kriegen nicht nur Haus und Kinder versorgen, sondern oft noch das Geschäft oder den gemeinsamen Bauernhof allein führen, während der Mann Soldat war.

Ich finde, es ist ein Geschenk, eine große Aufgabe und keineswegs eine Benachteiligung, wenn man als Frau ein Zuhause gestalten, seine eigenen Kinder selbst erziehen und ihr Aufwachsen erleben darf. Es wäre jammerschade, wenn ich die ersten Schritte und Wörter meiner Kinder verpasst hätte. Nie werde ich die Begeisterung vergessen, mit der mein erster Sohn sein erstes Wort - "Papa" - gesagt hat.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von Vitaly1989
02.01.2016, 00:35

Danke für dieine Antwort! :) Wo in Deutschland wohnst du?

1

Die DDR brauchte Arbeitskräfte, und da machte man keinen Unterschied zwischen Männern und Frauen - wie es schon im Krieg war - Mehr "Gleichmacherei" als "Gleichbereichtigung"

die Kinder sollten  in die "Kinderkrippe", wo sie auch das "schöne Leben eines Panzersoldaten" oder "Schützer des Antifaschistischen Schutzwalls gegen den westlichen Imperialismus" geschildert bekamen. "Wehrkunde" war Lehrfach, "Klassenbewußtsein" wurde im Zeugnis beschrieben.  Als Junge Pioniere und FDJ-Blauhemden sahen sie im "schwarz-weiß"-TV wie die Hitlerjugend aus,,,,

Im Westen dauerte es leider noch lange  aber nicht so lange wie in der Schweiz, -  bis selbstbewußte Frauen ihren Platz in der Gesellschaft beanspruchten und einnahmen. Leider mischen sich noch viel zu selten  fähige Damen in die Politik ein - den Gewerkschafts-Männern könnten sie vielleicht das Macho-Gehabe abgewöhnen.....

Die heutige Quotenregelung ist allerdings ein Schuß ins Knie, wie auch einige unfähige  "Quotenfrauen" in der Politik zeigen (Nahles, Schwesig, Ktaft).

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von Vitaly1989
01.01.2016, 23:38

Danke! :)

1
Kommentar von 666Phoenix
02.01.2016, 13:20

Lupo - Was haben Kinderkrippe, "antifaschistischer Schutzwall", "Wehrkunde" usw. mit der Gleichberechtigung der Frau zu tun?

Und was hast Du dagegen einzuwenden, wenn die Frauen "gleichmacherisch" behandelt wurden! Etwas, wovon hier einige Frauen träumen! Auch wenn 1977 ein Gesetz verabschiedet wurde, so ist die Frau hier in der "freiheitlich-demokratischen" Gesellschaft bis heute nicht gleichberechtigt! Oder wie darf man den Fakt interpretieren, dass die Frauen immer noch für die gleiche Arbeit im Durchschnitt weniger verdienen?

Als Junge Pioniere und FDJ-Blauhemden sahen sie im "schwarz-weiß"-TV wie die Hitlerjugend aus,,,,

Selten sowas Dämliches gelesen! Heute sehen die von meinen und Deiner Steuern finanzierten Bullen, die die NPD-Demonstrationen beschützen müssen, wie diese Nazis selber aus! 

2
Kommentar von Utyos
02.01.2016, 13:38

OMG, bist du unwissend. Und ich bin ein höflicher Mensch ...

2
Kommentar von beangato
02.01.2016, 16:40

die Kinder sollten  in die "Kinderkrippe", wo sie auch das "schöne Leben eines Panzersoldaten" oder "Schützer des Antifaschistischen Schutzwalls gegen den westlichen Imperialismus" geschildert bekamen.

Ich weiß ja nicht, in welcher DDR Du gelebt hast - in meiner gab es das nicht. Meine Kinder bekamen das nicht beigebracht.

"Wehrkunde" war Lehrfach,

Ganz sicher nicht. Es gab höchstens in der Freizeit GST oder in den Betrieben ZV (Zivilverteidigung).

1

Weil die Bundesrepublik unter Adenauer (und auch später noch) unglaublich konservativ war. 

Das die soziale Stellung der Frau in der DDR besser war war den Umständen geschuldet. Der Staat konnte nicht auf die Arbeitskraft der Frauen verzichten, also hat er sie "aufgewertet".

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von Vitaly1989
01.01.2016, 23:20

War die Gesellschaft in Westdeutschland sogar auch in den 80er Jahren konservativ oder hat sie sich schon geändert?

0

Was möchtest Du wissen?