Frage von Baehri36, 35

Warum gab es in meiner Kindheit eine kurze Phase in der ich viel gelogen habe?

Ich kann mich noch an einer Phase als Kind erinnern, die muss so zwischen dem Alter 6-10 passiert sein, da habe ich spontan immer sehr viel Lügengeschichten erzählt oder mir irgendwelche (meist recht glaubwürdige) Fakten ausgedacht, und sie meinen Familienangehörigen oder Freunden einfach so erzählt. Ich kann mir bis heute nicht erklären warum genau mir damals einfach so danach war. Das einzigste was mir so in den Sinn kommt ist, dass ich Leute beeindrucken wollte, nicht um mit mir selbst zu prahlen oder mich aus irgendwelchen Schuldmomenten rauszureden, sondern um sie zu begeistern oder zu verwundern über alles mögliche in der Welt....so genau kann ich es leider nicht mehr erfühlen.

Kann mir also ein Pädagoge oder Psychologe, oder eine andersweitig erfahrene Person mir sagen, woher und warum ich damals sowas gemacht haben könnte? Ist das was eher spezielles oder etwas übliches in diesem Alter? Bin übrigens männlich, falls das evtl. was typisch jungenhaftes ist.

Antwort
von ancanei, 10

Das ist ja cool! Kleiner Spielberg, wa?

Klar hatte ich als Kind auch Phasen, in denen ich gelogen hab wie gedruckt. Das finde ich völlig normal - es ist wie ein Automatismus. Wenn aus irgendeinem Grund etwas nicht sagen wollte, bot mir meine grenzenlose kindliche Vorstellungskraft und Fantasie schneller eine Ersatzgeschichte an als ich für einen Atemzug brauchte. Und bevor ich drüber nachdenken konnte, wars auch schon erzählt.
Das fand ich dann aber auch wieder blöd und ich habs irgendwann gebeichtet, wobei mir die Lügen selbst eher wurscht waren, ich hatte nie lernen müssen, die Reaktionen meiner Eltern zu fürchten - aber genau deswegen hatte ich immer ein fettes Problem damit, ihnen einzugestehen, dass ich überhaupt gelogen hatte. Aber das sind Lügengeschichten, um irgendwas zu vermeiden, das ist anders und gehört meiner Ansicht nach zum kindlichen Lernprogramm dazu.

Was du da aber erzählst, ist was völlig anderes.
Da ruft es jemanden (möglicherweise) auf die Bühne und vors Publikum. Das Geschichtenerfinden könnte auch in Richtung schreiben deuten, aber das glaub ich nicht. Einfach weil du Publikum gesucht hast, die Leute unterhalten und sie begeistern wolltest.

Es kann schon sein, dass du im Moment garnichts damit anfangen kannst, aber ich halte es für sehr gut möglich, dass du früher oder später in einem Beruf landest, in dem du vor Publikum stehst und die Leute begeisterst.

Vor meinem geistigen Auge hupft die ganze Zeit der Mittermaier rum und ich erinnere mich, dass er wie viele andere Comedians als Kind so ähnlich drauf war. Eine sehr frühe Leidenschaft fürs Vortragen und Unterhalten vor Publikum ist gerade unter ihnen fast schon normal. Auf einen Schüchternen kommen Dutzende von kleinen Entertainern.

Antwort
von StopTheBull, 16

IdR ist das Verdrehen der Wahrheit in jungen Alter noch - in einem gewissen Ausmaß natürlich.
Im Vorschulalter können Kinder noch nicht immer zw Fantasie und Realität unterscheiden. Wir kennen das alle, dass unser Erinnerungsvermögen uns hin und wieder etwas vorgaukelt, und die Dinge, ab die wir uns erinnern, nicht immer 1:1 so passiert sind. Ähnlich ist es bei Kindern.
Ein großer Entwicklungsschritt folgt dann, wenn Kinder die Erfahrung machen, dass sie mit kleinen Flunkereien die Wahrheit verdrehen können. Das ist spannend und natürlich werden die Grenzen ausgetestet. Man entkommt zB kleineren Konsequenzen, und das ist doch super. ;)
Es gibt natürlich noch viele andere Gründe, aber mehr kannst du nachlesen, zB hier:

https://www.welt.de/wissenschaft/article12487407/Luegen-und-Flunkern-bei-Kindern...

http://www.familien-wegweiser.de/wegweiser/stichwortverzeichnis,did=120442.html

Antwort
von Goodnight, 9

Mit Kindern geht die Phantasie manchmal durch und sie lieben es im Mittelpunkt zu stehen und bewundert zu werden. Was sie wirklich erleben schein wenig reizvoll zu sein.

Viele Kinder di unter Erlebnisarmut leben tun das intensiv.

Selbst viele Erwachsene reden sich die Realitäten schön, was sich bis zu richtigen Störungen auswachsen kann.

In der Pubertät ist  oft auch so eine Phase.

Antwort
von MikadoJeddhai, 16

Also ich hatte das früher so, dass ich das gemacht habe um Aufmerksamkeit zu bekommen, einfach weil sich sonst wirklich niemand mit mir beschäftigt hat, außer um mich zu mobben. Ich weiß nicht, wie es bei dir war, ob du Freunde damals hattest, aber bei mir hat das alles rapide aufgehört, als ich aufs Gymnasium kam und ich endlich mal Freunde traf.

Auf einmal brauchte ich die Aufmerksamkeit anderer nicht mehr und habe deswegen aufgehört Lügen zu erzählen. 

PS: Das kann auch bei Kindern vorkommen, welche in der Mitte sind (Zweites von drei Kindern), aber der größte Faktor ist hier die Aufmerksamkeit, die man will.

LG Jeddhai :)

Antwort
von mychrissie, 8

In dem Alter wollen Kinder sich interessant machen, manchmal werden ihre Fantasien für sie wahr und greifbar, dabei ist es ihnen gleichgültig wie absurd ihre Geschichten sind. Ich betreue ehrenamtlich Schulkinder der 1. bis 3. Klasse.

Neulich hat mir ein türkischer Erstklässler völlig im Ernst versichert, dass er Torwart in der türkischen Fußball-Nationalmannschaft sei. Er wollte mich nicht verarschen, er war vollkommen überzeugt davon.

Ich habe meiner Mutter in diesem Alter erzählt, dass ein kleines Männchen neben mir auf dem Kopfkissen getanzt hätte. Ich habe das übrigens wirklich gesehen (Eidetik)

Antwort
von MrBurner107, 10

Eine Phase? Ich habe als Kind damit angefangen und seitdem nicht mehr aufgehört. xD

Antwort
von drea67, 13

ich habe mal gehört, dass es mit 5 sogar normal sei, zu lügen, eine Entwicklungsphase sozusagen; das Kind probiere die Macht der Worte aus (ich bin aber keine Psychologin)

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community