RolfHoegemann am 07.03.2007 um 0:12 Uhr
Ich bin in der Kinder-Verkehrserziehung tätig und ärgere mich tagtäglich über Fahrradfahrer jeglichen Alters, die an den Hauptstrassen auf dem Fussweg fahren statt die Strasse zu benutzen oder in den Fussgängerzonen DIE NICHT ZUSÄTZLICH AUCH FÜR RADFAHRER ERLAUBT SIND durch die Gegend flitzen. Es ist sehr schwer, den Kindern zu erklären, warum sie sich richtig im Strassenverkehr verhalten sollen wenn es die "Grossen" auch nicht tun. (Von Eltern, die Ihre Kinder bei 'Rot' über die Strasse ziehen wollen wir gar nicht erst reden...)
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Vorweg: Ich fahre selbst etwa 6000 km im Jahr mit dem Rad.
Wenn Radfahrer auf Fusswegen unterwegs sind, dann liegt das meist an Ängstlichkeit oder Bequemlichkeit, in Fussgängerzonen nur an Letzterem.
Viele Radfahrer haben aber auch keine Ahnung von Verkehrsregeln, benutzen also auch Radwege in der falschen Richtung oder Zebrastreifen und reagieren sehr empört, wenn etwa ein Autofahrer darauf nicht gefasst ist und sie fast umfährt - sie haben schlicht einen Unschuldskomplex!
Verstärkt wird dieses Verhalten noch durch das "gute Gewissen", weil sie ja umweltfreundlich fahren.
Ein entscheidender Grund für alle diese Probleme ist aber auch, dass die Polizei sich normalerweise um dieses Fehlverhalten nicht im Geringsten kümmert, da es ihr zu mühsam ist, Radfahrer zu "jagen" und die damit zu erzielenden Einnahmen lächerlich sind, wenn man es einmal mit denen bei Geschwindigkeitskontrollen vergleicht.
Rolf HöGEMANN,
bei Fragen nach dem Verhalten anderer Menschen das "Warum" zu ergründen ist immer schwierig. ;) Dies gilt besonders dann, wenn es ein ganzes Geflecht von Gründen geben könnte.
Ich denke, dass die Beispiele, die du aufzählst, sich darüber hinaus nicht auf den Straßenverkehr beschränken: Müll an beliebiger Stelle entsorgen, Kavaliersdelikte, Gewalt im Kleinen und im Großen... Viele Erwachsene verhalten sich nicht wie gute Vorbilder für Kinder.
Es gibt ein paar berechtigte Gründe, weshalb Radfahrer den Gehweg benutzen. Da sind z.B. zu geparkte Radwege, kurze Entfernungen zur nächsten Ampel, Begleitung von Kleinkindern (zum Anlernen), gefährliche Straßenabschnitte, an engen Stellen Platz machen für Autofahrer...
Die Radfahrer, die du ansprichst, nutzen sicher fast ausschließlich diese Sonder- Situationen.
Was sie aber vergessen, ist, dass es Ausnahmen sind und die Rücksichtnahme, und das Verantwortungsbewusstsein, das im Straßenverkehr über allen Regeln steht, denn schließlich geht es um Menschenleben bzw. zumindest um körperliche Unversehrtheit.
Warum die Zahl derer, die in unserer Gesellschaft Ausnahmen zur Regel machen und als Recht für sich beanspruchen? Puh, darüber möchte ich lieber nicht spekulieren.
Viele Grüße
Uta
(goodmood)
filmfacts am 7. März 2007 07:54 Nein, es gibt eigentlich keinen berechtigten Grund, warum ein Radfahrer den Gehweg benutzen sollte.
Genauer gesagt: er darf es nur, wenn dies durch Zusatzschild erlaubt ist. In den von Dir angesprochenen Beispielen muß er allesamt die Fahrbahn benutzen, soweit er nicht auf einen Radweg gezwungen wird.
Zugeparkter Radweg: Fahrbahn.
kurze Entfernung bis zur nächsten Ampel, Bgeleitung von Kleinkindern, an engen Stellen Platz machen für Autofahrer: Du willst ärgern, oder? Das sind definitiv überhaupt gar keine Gründe, mit dem Rad einen Gehweg zu benutzen! Im Gegenteil, es ist verboten.
gefährliche Straßenabschnitte? Mir ist noch kein solcher Abschnitt begegnet.
Du fährst nicht oft Fahrrad, oder?
@Andreas:
Ich möchte weder ärgern noch provozieren: Ich hatte gehofft, in meinen Aussagen Rücksichtnahme und Verantwortung und Ausnahmen deutlich genug betont zu haben.
Sicherlich liegt das an unserer unterschiedlichen Sichtweise der Frage: Was die §§§ der STVO angeht, ist dies mit Sicherheit richtig (darauf lag bestimmt dein Schwerpunkt), ich sah aber den Schwerpunkt mehr bei zwischenmenschlichen Lösungen, die bei uns „im Land der Radfahrer“ auch meist recht gut funktionieren. ;)
Versöhnliche Grüße
Uta
(goodmood)
Hallo Uta, ich würde sogar so weit gehen zu sagen, dass wir mit unseren 100.000 Regeln im Straßenverkehr auf dem Irrweg sind, wenn wir glauben, dass das die Leute zu mehr Disziplin führt. Ich glaube, es kommt auf die individuelle Rücksichtnahme jedes einelnen an. Ich bin auch schon mit dem Fahrrad durch die Fussgängerzone gefahren, mit beiden Händen an der Bremse und wenns dicht wird steige ich ab. Ich denke, dass zur Rücksicht erziehen mehr bringt als Verbote erlassen (in vielen Fällen braucht man sie dennoch).

Ich denke Radfahrer benutzen die Fußgängerzone aus Bequemlichkeit. Meist ist es ein Umweg stattdessen den Radweg zu nehmen, oder man ist zu faul das Rad zu schieben.

Gute Frage! Ich denke es liegt daran, dass die meisten dieser Gehwegradler in der Hauptsache Autofahrer sind und instinktiv ihr "Revier" frei halten wollen. Oder es sind unsichere Fahrer, die Angst haben, auf der vermeintlich gefährlichen Fahrbahn zu fahren. Ich ärgere mich morgens auch immer über die katastrophalen Verkehrskenntnisse der Schüler auf dem Rad. Ja, ich fahre mit dem Auto ins Büro, radel in der Freizeit im Jahr ca. 2.500 bis 3.000 Km durch die Gegend - bevorzugt auf der Fahrbahn!

Ich denke, das hat etwas mit unserer Mentalität (Ich will, also mache ich!) und fehlender Rücksichtnahme zu tun! Das einzige, was wir dagegen tun können: anderen Menschen ihr Fehlverhalten deutlich machen, also thematisieren (so wie Du hier!)und (vor allem!) unseren Kindern Rücksichtnahme nahe zu bringen! Mich hat es auch immer geärgert, wenn die Leute den Eingang zu unserem Haus so zugeparkt hatten, dass ich mit dem Kinderwagen nicht mehr raus konnte (rechts und links ist eine niedrige Mauer). Zu allem übel wurden einige gar noch pampig: "Mach doch mal den Kinderwagen-Führerschein!", usw. Von meinen gesundheitlichen Schwierigkeiten und dadurch fehlender Kraft in den Armen mal ganz zu schweigen finde ich sowas einfach unerhört!

Aus Bequemlichkeit. Sie denken, "ihr Fahrzeug" stellt ja keine Gefahr da und betrachten ihr Verhalten als "Kavaliersdelikt". Was soll man ihnen schon antun?

Vielleicht finden es viele Radfahrer zu gefährlich auf der Straße. Auch meine Kinder fragen immer warum das so ist. Letztens ist meine Tochter sogar in der Fußgängerzone von einem Radfahrer angefahren worden, der sich dann auch noch in Unschuld wog, obwohl man dort nicht fahren darf und Unmengen Leute unterwegs waren.
Rücksichtslosigkeit und mangelndes Einfühlungsvermögen. Meine Oma hatte immer total Panik, wenn jemand mit dem Rad auf sie zukam oder sie im Vorbeifahren streifte. Alte Menschen sind ja eh schon etwas wackliger auf den Beinen, und bei ihnen hat es meist auch mehr Konsequenzen, wenn sie hinfallen. Selbst wenn gar nichts passiert: Es genügt ja schon die Angst davor. Das ist wie mit großen, nicht angeleinten Hunden; auch wenn sie im Einzelfall ungefährlich sind, viele Leute fürchten sich halt, und schon deshalb sollte man sich an die Spielregeln halten (manche Regeln machen ja auch Sinn). Radfahren auf dem Bürgersteig kostet übrigens 10 Euro.
Aber schau mal:Deine Oma muss irgendwann eine Straße ohne Ampel oder Fussgängerweg überqueren. Sie wird nie ohne Angst rausgehen können. Meiner Mutter 90 Jahre geht es gleich.
Du hast sicher nicht ganz unrecht; für mich ist aber der Unterschied: Wer eine Straße ohne Ampel überquert, weiß, dass er vorsichtig sein muss. Der Fussgängerweg dagegen ist ein Bereich, in dem man erwartet, sicher sein zu können und nicht aufpassen zu müssen, dass man nicht umgefahren wird. Gerade, weil Deiner Mutter und meiner Oma und vielen anderen alten Leuten es so geht, sollte der Fussgängerweg für andere Verkehrsteilnehmer tabu sein.
Ich will ja nur dafür plädieren, dass wir nicht glauben, nur Regeln bringen und die Sicherheit, sondern wir müssen in Deutschland das Rücksichtsdenken erhöhen. Bisher legt man sich zu sehr messerscharf auf die Schilder fest. Wer sie beachtet ist im Recht, wer sie nicht beachtet wird verteufelt. Irrsinn, denke ich.
Da gebe ich Dir 100%ig Recht!

Kinder bis zwölf Jahre dürfen ohnehin auf dem Gehweg und in der FGZ legal Rad fahren. Manchmal werden sie dann von Eltern begleitet. Die kann man ja dann auch nicht 20 Meter weiter auf den Radweg schicken.
RolfHoegemann am 7. März 2007 12:39 Eltern +Kind auf der Strasse ist eigentlich sehr einfach: Kind auf dem Fussweg - Elternteil daneben auf der Fahrbahn. Da dürfen sie sogar nebeneinanderfahren.
@ Eisenmann: ist falsch, Kinder ab dem vollendeten 10. Jahr müssen auf der Straße fahren, wenn kein Radweg da ist.