Warum sind Fabeln heute so unbeliebt?

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8 Antworten

Tiere in Menschengestalt oder mit menschlichen Charakterzügen findest du heute allenthalben, das ist überhaupt nicht ausgestorben:

Mickey Maus, Donald Duck, Puh der Bär, die kleine raupe nimmersatt, black beauty, Jonathan, die Seemöwe, Nemo, Pingu, der kleine Eisbär, Globi, Babar, König der Löwen, Bambi, ninja turtles, ice age, kung fu panda, Ratatouille, etc, etc.

Ich denke, dass nicht jeder bereit ist, sich mit älteren Schriften auseinanderzusetzen, weil die andere Sprache und die andere Kultur eine Hürde ist.

Erst mal muss man sich mehr konzentrieren, um zu verstehen, was gesagt wurde, zweitens muss man ev. noch etwas über den Kontext lernen, um zu verstehen, was gemeint war. Nun ist es so: ein Witz ist nur lustig, wenn man sofort darüber lachen kann. Wenn man ihn erst erklären muss, ist es kein Witz mehr. 

Und so geht es vielen Leuten mit Fabeln: sie müssten entweder sehr gebildet sein (sehr viel über die Zeit und die Sprache wissen), um sie spontan zu verstehen und einen ähnlichen Genuss davon zu haben, wie die Menschen jener Zeit, oder sie müssten sie sich erklären lassen, und damit würde die Pointe praktisch getötet...

Ich finde, dass Literatur uns weiterhin viel zu sagen hat, und wenn man sich die Mühe gibt, die anfänglichen Hürden zu überspringen, dann kann man viel spontanen Genuss daraus ziehen und man merkt auch, dass der Mensch im innersten Kern sich eigentlich nicht verändert, d.h. dass die Probleme, die wir heute haben auch früher schon existierten, wenn auch ev. anders verkleidet...

Das ist vielleicht auch der Grund, warum immer wieder aufgearbeitete Version von literarischen Werken erscheinen, z.B als Hollywood-Film und auch grossen Erfolg haben...

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Kommentar von Accountowner08
03.04.2016, 15:23

Im Prinzip kann man sagen: je besser etwas den Zeitgeist trifft, desto weniger ist es auf andere Zeiten / Länder übertragbar, weil dieses "eingeweiht sein" ein Teil des Witzes ist.

d.h. je lustiger ein Witz oder je tiefsinniger ein Spruch für "Eingeweihte" ist, desto weniger werden nicht-eingeweihte damit anzufangen wissen und desto mehr nicht-eingeweihte, die ihn nicht verstehen, wird es geben...

...weil das Bewusstsein des "eingeweiht-seins" auch ein teil des Genusses der Sache ist ("ich gehöre zu denen,die das verstehen")

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In der Grundschule ist das nicht so!Da werden viele Fabeln geleehrt! Leider nur dort!

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Kommentar von dasWubo
02.04.2016, 18:41

Ja eben, aber warum?:)

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In einer Welt, in der eine Pluralität moralischer Vorstellungen herrscht, ist der belehrende Zweig der Literatur halt völlig tot.

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Nicht jeder findet sprechende Tiere interessant, oft kommen die ja in Märchen vor. Vielleicht kann man sich mit den Tieren in gewisser Hinsicht identifizieren, an ihren Verhaltensweisen in den Fabeln,  aber es gibt Literatur die viele Menschen eher anspricht. 

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Ich kann deine Ansicht nicht teilen.

In der Antike und besonders im 18. und 19. Jahrhundert wurden zahlreiche Fabeln geschrieben, die auch heute noch allen interessierten Lesern in etlichen Buchausgaben - oder im Internet - zur Verfügung stehen. Sie werden ohne Frage immer noch gelesen, und das nicht nur in der Schule.

MfG

Arnold             




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Es ist ein Manko keine Fabeln von Äsop und Lafontaine zu lesen, können sie uns doch so Einiges aufzeigen. Goethe wußte so Einiges mit ihnen anzufangen und hat sie entsprwechend verarbeitet, so z.B. in "Reineke Fuchs".

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Weil wir nach dem Durchlaufen der 68er-Revolution nicht mehr viel mit erhobenen Zeigefingern anfangen können.

Und Fabeln drängen dem Leser eben immer eine Moral auf.

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Viele sind so alt und so vertraut wie stehende Redewendungen. Ihr Gehalt gewinnt Bedeutung nur, wenn in einer besonderen Situation die altvertraute Erkenntnis plötzlich Tiefendimension gewinnt. 

Nützlich sind sie, weil sie Lebensweisheiten in zugespitzter Form didaktisch so aufbereiten, dass sie auch Kindern ohne Lebenserfahrung einleuchten können. 

Die didaktische Form der Fabel ist schon Jahrtausende alt, und wer wird schon gern belehrt? Dennoch gibt es immer wieder einmal Schriftsteller, die neue Erkenntnisse in geistreiche Fabeln zu kleiden wissen. Doch im Normalfall profitieren wir mehr von einer einfühlsamen, ungeschminkten Darstellung von Wirklichkeit als von noch so gekonnt eingekleideter Belehrung.

Wer könnte das Bild des Bürgertums des ausgehenden 19. Jahrhunderts, wie es die Buddenbrooks bieten, in die Form von Fabeln pressen wollen?

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