Frage von DudelFlanders, 460

Warum existiert Homosexualität und Bisexualität - das ergibt doch keinen Sinn - alle Lebewesen haben ihre eigene Reproduktion als Ziel, eigentlich?

Wieso hat sich Homo- und Bisexualität evolutorisch entwickelt? Abgesehen vom Überleben des einzelnen Individuums ist das einzige Ziel, sich zu reproduzieren (aus Sicht der Natur).

Warum also?

Expertenantwort
von DiegoderAeltere, Community-Experte für Biologie & Evolution, 102

In der Regel wird hier auf die Verwandtenselektion als Erklärungsmodell zurückgegriffen. Verwandtenselektion bedeutet, dass ein bestimmtes Merkmal zwar den Fortpflanzungserfolg seines Trägers verringert, aber den von nahen Verwandter erhöht, wodurch die verantwortlichen Gene dennoch an die nächste Generation weitergegeben werden können.

In diesem Zusammenhang hört man oft vom dem Modell, dass homosexuelle Gruppenmitglieder Kinder naher Verwandter betreuen würden oder auf andere Weise für ihr Überleben mitsorgen. Dabei wird aber vernachlässigt, dass längst nicht alle Arten, bei denen homosexuelles Verhalten beobachtet wurde, in Gruppen zusammenleben oder gar ihre Jungen gemeinschaftlich erziehen (Schimpansenmütter z.B. halten Artgenossen von ihren Jungen eifersüchtig fern). Auch wird nicht erklärt, warum gerade homosexuelle Tiere diese Rolle übernehmen sollten, wo asexuelle oder partnerlose heterosexuelle Individuen sie ebenfalls übernehmen könnten, wie es bei Elefanten der Fall ist.

Das Modell, dass Homosexualität ein Schutzmechanismus vor Überpopulation ist, das Roach5 eingebracht hat, finde ich zwar sehr interessant, aber ganz überzeugen kann es mich trotzdem nicht. Einerseits scheint der Zusammenhang zwischen Populationsdichte und Anteil der Homosexuellen Individuen nicht ganz so deutlich zu sein, denn in dicht besiedleten Ländern sind die Schwulenraten nicht höher als in dünner besiedelten Gebieten und auch in sehr kleinen Populationen verschwindet Homosexualität nie völlig. Außerdem scheint mir ein solcher Schutzmechanismus recht unnötig zu sein, denn Populationen regulieren sich auf sehr einfachem Weg selber - wenn die Ressourcen zu knapp zum Überleben werden, sterben Individuen, bis die Population ein Maß erreicht, das mit den vorhandenen Ressourcen versorgt werden kann. Eine zusätzliche Fortpflanzungsbarriere ist dabei nicht nötig.

Ich persönlich favorisiere ein ganz anderes Modell: Einige Studien lassen das Muster erkennen, dass Homosexuelle vermehrt in der Verwandtschaft von kinderreichen Partnerschaften auftreten. Wenn sich herausstellt, dass dieser Zusammenhang universell ist, würde das das beständige Auftreten von Homosexualität erklären, nämlich dahingehend, dass es sich dabei um ein spontan auftretendes Phänomen ohne tieferen Sinn handelt, das allerdings von den selben genetischen oder epigenetischen Ausstattungen bedingt wird wie Fruchtbarkeit. Durch diesen Zusammenhang wird der Reproduktionsnachteil durch Homosexualität auf die Verwandtschaft gesehen wieder ausgeglichen, wodurch die verantwortlichen Gene dennoch in die nächsten Generationen gelangen.

Bisexualität ist ein nicht ganz so großes Rätsel, da sie keinen direkten Reproduktionsnachteil darstellt, ein Bisexueller kann ja immer noch Bindungen mit dem anderen Geschlecht eingehen und damit Kinder zeugen. Dass der Betroffene aber auch dem eigenen Geschlecht nicht abgeneigt ist, kann zumindest bei Affen und anderen Primaten sogar Vorteile bringen, denn hier ist Sex für soziale Beziehungen wichtig, z.B. um Dominanz zu etablieren und Konflikte aufzulösen oder natürlich zum Lustabbau. Wenn diese Möglichkeiten auch innerhalb des gleichen Geschlechts ausgenutzt werden, ist das natürlich sinnvoll.

Antwort
von scorpion87, 115

Du gehst von der falschen Annahme aus, dass der Zweck von Lebewesen die Reproduktion ist. Das ist nicht ganz richtig. Richtig hieße es, das Zweck von Lebewesen ist der Fortbestand der Art. Maximale Reproduktion ist nur ein Mechanismus, wie man das sichern kann, es gibt aber auch andere, die wie ich gleich erkläre, genauso dafür sorgen, dass unsere Spezies fortbesteht. Und in diesem Rahmen ist Homosexualität einiger Individuen definitiv nicht von Nachteil und tendenziell von Vorteil.

Jede Spezies hat eine eigen Strategie, die sich herausgestellt und dafür gesorgt hat, dass es sie heute noch gibt. Während Insekten und Fische einfach Hunderte von Eiern und somit Nachkommen in die Welt setzen, um die Chancen zu erhöhen, dass ein paar das Erwachsenenalter erreichen, funktioniert das beim Menschen und den meisten Säugetieren anders.

Dazu darf man allerdings nicht unsere heutige Gesellschaft als natürliche Umgebung betrachten, sondern eher die Affen, die gerade noch in einer Sippe leben, denn das ist der Ursprung unserer natürlichen Entwicklung, unserer Spezies. Dann schauen wir uns mal unsere Spezies an. Wir brauchen 9 Monate, um überhaupt ein Kind in die Welt zu setzen, und sagen wir mal mindestens 15-20 Jahre, um es wirklich überlebensfähig zu machen. 

Wie sorgen wir also dafür, dass wir eine Umgebung schaffen, in der die Nachkommen überleben? Na klar - so viel Vermehrung wie möglich, aber irgendwann sind auch alle Weibchen schwanger und es gibt bald mehr Kinder und Schwangere als es Erwachsene gibt, die sich um die Sippe kümmern können.

Es ist also überhaupt nicht notwendig, dass sich ALLE Erwachsenen der Sippe an der Fortpflanzung beteiligen, ein paar (insbesondere der Männchen) reichen aus. Es nämlich viel sinnvoller, noch genügend weitere Erwachsene zu haben, die sich der Sippe zugehörig fühlen, die sie verteidigen und sich kümmern, die aber nicht zwangsläufig selbst noch mehr Nachwuchs produzieren.

Studien zeigen - die Chance auf homosexuelle Nachkommen steigen mit jedem Kind, das eine Frau gebärt. Ist auch logisch. Erst werden die Kinder zur Arterhaltung geboren, und wenn genügend weitere auf die Welt kommen, hat die Natur einen Riegel vorgeschoben, um nach gesicherter Reproduktion für mehr Sicherheit in der Sippe zu sorgen. 

Und so stärkte es eine urzeitliche Affen-Menschen-Sippe durchaus, wenn da ein paar Schwule Onkel und Tanten dabei sind, die zusätzlichen Schutz und Fürsorge bieten.
Unsere heutige Version von Zwei Eltern, 4 Großeltern, und viele Kinder wäre damals nicht Überlebensfähig gewesen.

Wenn man also die Frage stellt "Ist homosexualität natürlich" muss man sich unsere Spezies zu einem Zeitpunkt betrachten, wo sie selbst noch "natürlich " war. Und da lassen sich aus meiner Sicht durchaus logische Argumente finden, warum Homosexualität zumindest nicht nachteilig ist. 

Aber all das ist akademisch, wir sind heute in einer Zeit, wo man doch bitteschön so weit sein sollte, dass es möglich ist, jedem Menschen zu erlauben zu lieben, wen er lieben will - egal ob das für Außenstehende einen Sinn ergibt und nicht.

Kommentar von realsausi2 ,

Richtig hieße es, das Zweck von Lebewesen ist der Fortbestand der Art.

Das ist nicht mehr die gängige Betrachtung in der Evolutionsforschung. Die Art ist dem Individuum, bzw. den Genen des Individuums untergeordnet.

Viele Phänomene lassen sich nicht mit Arterhaltung erklären, sehr wohl aber mit dem Mechanismus der Reproduktion individueller Gene. Die Art ist da nur Mittel zum Zweck.

Antwort
von Roach5, 160

Ich interpretiere deine Frage mal folgendermaßen: "Warum verschwindet ein (hypothetisches) Homosexualitätsgen nicht aus dem Genpool, obwohl es die Chance auf Fortpflanzung minimiert?"

1. Das Gen muss nicht unbedingt aktiviert werden. Das ist eine wichtige Sache, die nachher noch wichtig wird. Ein Gen liegt erstmal im Körper vor, ob es Einfluss auf das Leben hat, zeigt sich dann. Diese Aussage ist experimentell bewiesen.

2. Die Aktivierung dieses Gens kann Außenfaktoren haben. Diese Außenfaktoren können zufälligerweise gerade so sein, dass die Aktivierung in diesem Fall sogar etwas Gutes ist. Es gibt viele Beispiele von Männern, die 10 Jahre verheiratet waren und mitten im Leben einfach so Interesse an dem weiblichen Geschlecht verloren haben. Was die "Aktivierung" der Homosexualität hervorgerufen hat, ist die große Frage. Das Beispiel zeigt, dass auf diese Art und weise auch schwule Männer Nachfahren haben können. Auserdem können heterosexuelle Menschen homosexuelle Nachfahren haben.

3. Homosexualität verkleinert zwangsläufig die Größe einer Population, das ist offensichtlich. Wenn du dir stark wachsende Populationen anschaust, dann siehst du, dass bei einer zu großen Population (über der maximal tragbaren Menge) ein Aussterben stattfindet, durch Krankheiten, Nahrungsknappheit usw. Ich rede hier nicht davon, dass die Bevölkerung einfach wieder sinkt, sondern sie wird ser schnell komplett ausgelöscht. Ein Mechanismus, der die Größe einer Population reguliert, ist in diesem Falle schlecht für das Individuum aber überlebenswichtig für die Population.

4. Die These, dass Homosexualität ein solcher Mechanismus ist, kam relativ schnell, und kann an Menschen nicht gut getestet werden, einfach weil die Studien zu aufwendig wären. Experimente an Nagetieren haben jedoch gezeigt, dass eine STARKE Korrelation zwischen Homosexualität und Bevölkerungsdichte vorliegt, um Überbevölkerung zu verhindern, wenn ich die Studie finde schreibe ich sie noch als Kommentar rein. Das erklärt auch Dinge wie die Tatsache, dass die Rate an Homosexuellen in der Stadt höher ist als auf dem Land.

Somit kann evolutionät erklärt werden, warum das Homosexualitätsgen im Genpool verbleibt, da Bevölkerungen mit inaktivem Homosexualitätsgen eine geringere Chance haben, an Überbevölkerung zugrunde zu gehen. Dementsprechend ist das nichts Schlimmes oder Unnatürliches, sondern sogar etwas Überlebenswichtiges.

LG

Kommentar von Roach5 ,

Wie versprochen meine Quelle für die Untersuchung. Ich entschuldige mich im Voraus für die Wortwahl des Autors, dass die Homosexualität eine "soziale Krankheit" genannt wird, es handelt sich um das Jahr 1962. Technisch korrekt, ist diese Wortwahl heutzutage aus guten Gründen nicht üblich. Population density and social pathology. Calhoun, John B. Scientific American, Vol 206(2), 1962, 139-150.

Kommentar von FelixLingelbach ,

Homosexualität verkleinert zwangsläufig die Größe einer Population.

Bei Menschen stimmt das überhaupt nicht. (Demografie ist gerade mein Steckenpferd.) Es stimmt zudem schon sehr lange nicht, spätestens seit dem man verstanden hat, dass der Austausch von Körperflüssigkeiten und das Erscheinen neuer Erdenbürger in kausalem Zusammenhang stehen.

eine STARKE Korrelation zwischen Homosexualität und Bevölkerungsdichte vorliegt, um Überbevölkerung zu verhindern

Nö. Wir, auch die Tiere, sind in erster Linie sexuell, dann erst suchen wir uns ein Ziel. Diese Mäuse hatten nun ein Überangebot potentieller Ziele, so dass manche weniger wählerische oder faulere Exemplare sich direkt vor Ort bedient haben. Jeder soziale Kontakt hat auch eine sexuelle Komponente. Jeder kann auch schwul sein unter gewissen Umständen, im Knast z. B.  

Kommentar von Roach5 ,

Ein super Kommentar, nur hat der leider überhaupt nichts mit dem Thema zu tun. Diese Frage richtet sich an die evolutionäre Komponente der Homosexualität, da hat der Knast überhaupt nichts zu suchen, da die Regeln der Evolution für den Menschen nur noch begrenzt gelten. Deine These, dass Homosexualität nicht unbedingt zu Verkleinerung der Population führt ist sehr komisch, wenn man sich die Anzahl der Nachfahren von homosexuellen Menschen anschaut. Wie ich in meiner Antwort erwähnt habe, existiert diese Zahl und sie ist nicht gleich 0, aber sie ist signifikant kleiner als die Anzahl an Nachfahren von heterosexuellen Menschen. Und bevor du versuchst, die Studie mit Faulheit und unwählerischen Mäusen zu erklären, würde ich dir empfehlen, sie erstmal zu lesen.

Kommentar von FelixLingelbach ,

Ja, hast du recht, ich lese diese Studie nicht. 'Population density and social pathology' reicht mir schon. Wenn ich eine Mäusepopulation verdichte, steigt die Homo-Rate und sinkt die Fertilität. Na und? Muss das eine deshalb etwas mit dem anderen zu tun haben? Nicht jede Korrelation belegt einen kausalen Zusammenhang. Die sinkende Fruchtbarkeit der weiblichen Mäuse, ausgelöst durch die Verdichtung, könnte umgekehrt durch eine verminderte Abgabe gewisser Schlüsselreize eben zu den Homopraktiken geführt haben. (Es heißt nicht umsonst 'Spitzmaus'.) 

Eine Antwort auf die eigentliche Frage hatte ich gestern schon als Kommentar unter Diegos Beitrag formuliert aber irgendwie im elektronischen Orkus versenkt.  Ich sehe es, wie realsausi es formuliert:

Eine andere Überlegung ist, dass Homosexualität einfach nicht schädlich ist und somit durch Selektion nicht unbedingt bestraft wird.

Reproduktion ist ein sehr komplexer Vorgang, der immer eine Streuung zur Folge hat. Wir Hetero-Männer, ich jedenfalls bin einer, sind schon sehr unterschiedlich männlich. Ich kann z. B. aus dem Stand die Mädchenrolle einnehmen, wenn mir irgendein Macho eine dreckige Arbeit abnehmen will, weil er meint das besser zu können. Andere Männer können das nicht. Die stehen sofort im Wettbewerb um Männlichkeit. Bei manchen, meist sehr bedauernswerten Menschen fehlt eine eindeutige Ausprägung der Geschlechtsmerkmale sogar komplett. Diese Streuung ist ein kleiner Preis für unsere Zweigeschlechtlichkeit und unsere Komplexität. Wäre sie ein Nachteil, gäbe es sie nicht. 

Komplexität. So viel ich weiß, liegt eine Präferenz für Homosexualität zwar bereits ab der Geburt vor, sie ist aber trotzdem nicht vererbbar, also beruht nicht auf einem Schwulen-Gen sondern höchstens an einer gewissen genetischen Disposition, die sich aber erst durch spezielle hormonelle Verhältnisse im Mutterleib ausprägt. Verkompliziert wird das Thema durch kulturelle Faktoren. Was bei uns eindeutig schwul ist, ist es in anderen Kulturen noch lange nicht. Man redet nicht groß drüber, doch gleichgeschlechtlicher Sex im Jugendalter ist z. B mancherorts ein akzeptierter Brauch, der hilft, die Ehre der Töchter aufrecht zu erhalten.  

Kommentar von Roach5 ,

Bitte beurteile eine Arbeit nicht nach dem Titel, so wie man ein Buch nicht nach seinem Umschlag beurteilt. John B. Calhoun war einer der wichtigsten Verhaltensforscher des zwanzigsten Jahrhunderts und seine Arbeit wird dir sehr gut erklären, warum dein erster Absatz mir nicht widerspricht, sondern an der Fragestellung sehr knapp vorbeischlittert.

Kommentar von FelixLingelbach ,

Ok, das hier habe ich gefunden:

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2636191/

Nun ja, seine Nagetiere neigten nicht nur zur Homosexualtität, sondern haben sich gegenseitig und ihre Kinder aufgefressen. 

Ja, eine bemerkenswerte und einflussreiche Studie. Zur Klärung der Frage hier trägt sie aber nichts bei. Die Ratten waren ja völlig von der Rolle. Ganz anders bei uns: Die Populationsdichte in den Städten steigt oder ist gleich geblieben, die Kriminalität geht aber zurück, die Homosexualität lt. Wiki auch und von Kannibalismus ist zum Glück nichts zu sehen. 

Kommentar von Roach5 ,

Geh zurück zum Boden der Tatsachen. Durch Stress ausgelöster Kannibalismus ist eine psychische Erkrankung, die durch zu hohe Population ausgelöst wird. Wenn du dein ganzes Leben lang lebst wie in einem Fußballstadion, wirst du auch verrückt, aber das ist nicht Gesprächsthema dieser Frage, nämlich das zweite Ergebnis, nämlich die Untersuchung der Homosexualität.

Kommentar von FelixLingelbach ,

Calhoun ist auf diesen Stress abgehoben, nicht auf Homosexualität. Die hat er nur neben anderen Effekten beobachtet und gleichrangig zu den anderen Abnormitäten aufgereiht und dann ein bisschen wild drauflos geschlussfolgert (nach dem, was ich dem kleinen Aufsatz und dem Wiki über ihn entnehmen kann).

Ist aber auch egal jetzt. Ausgezeichnet vom Fragesteller wurde die Antwort, H. sei eine Erbkrankheit. Manchmal macht es keinen Spaß...  

Kommentar von Kreativfaktor ,

Hallo, bin neu hier. Der Punkt 3 mit dem Aussterben. Da es hier ja um Evolution geht. Vielleicht ist es einfach die Zivisilation, die das gen fördert. Wir lassen unsere Mitmenschen nicht einfach sterben. Wir haben angefangen uns nicht einfach mit Keulen zu erschlagen. Das führt zu mehr Menschen(Ackerbau s.u.). Bei einer fortgeschrittenen Intelligenz entscheidet dann der genpool das es auch sinnvolle Alternativen gibt (homosexualität). Krankheiten und grosse Hungersnöte werden ausgerottet, da der Mensch Ackerbau betreibt und forscht. 

Kommentar von Roach5 ,

Das mag wohl stimmen, aber es wurde Homosexualität in "unzivilisierten" menschlichen Stämmen und in komplett anderen Spezies gefunden, das ist ja das Verblüffende. Die These der Arbeit ist ja, dass Homosexualität vielleicht gar kein "schlechtes" Gen ist!

Antwort
von dadita, 164

Homo- und Bisexualität ist überall im Tierreich anzutreffen und erfüllt wohl verschiedene Zwecke. 

Bei unseren nahen Verwandten ist Sex nicht nur ein Mittel zur Fortpflanzung, sondern auch zur Konfliktlösung und zur Stärkung der Gruppengemeinschaft. Hier ist Bisexualität die Norm. 

Homosexuelle Mitlgieder einer Spezies sind zudem in der Lage verwaisten Nachwuchs aufzuziehen ohne den eigenen Nachwuchs vernachlässigen zu müssen. 

Kommentar von CanisMaioris ,

Gutes und wohl auch bekanntestes Beispiel sind hier die Bonobos. :)
Guter Kommentar.

Antwort
von voayager, 110

Die Natur hat keinen Willen und auch keine Absicht, sie stellt "nur" ein Potential zur Reproduktion her und dazu gehört auch der allgemeine Wunsch, sich fortzupflanzen. Damit ist aber noch lang nicht der gesamte Fond der einem gegebenen Lust unbedingt ausgeschöpft, sondern so ergibt sich eine variable Bandbreite, die unterschiedlich von Tieren genutzt wird. Daher ist es nichts Besonderes, dass ein Teil der Tiere auch homosexuell ist. In matriarchalischen Tiergesellschaften wie den Bonobos ist sie ziemlich ausgeprägt, also liegt auch eine soziale Überformung vor. Doch damit nicht genug, stets sind unter Tieren, also auch den Menschen bestimmte hormonelle Abweichungen von der norm, die Homosexualität regelrecht begünstigen.

Antwort
von AndyG66,

Schon die Spartaner wussten dass ihre Krieger viel besser kämpfen wenn ihre homosexuellen/bisexuellen Partner auch in der Schlacht sind.

Und so ähnlich sah es wohl seit 300 Mio Jahre oder länger, vom Homo Erectus bis vor wenigen tausend Jahren aus....

Männergruppen zogen über das Land auf der Suche nach Beute.

Frauen blieben in der Höhle mit dem Nachwuchs.

So gesehen macht Bisexualität am meisten Sinn. 100% Hetero oder 100% Homosexuell sind einfach die Extreme an den äusseren Enden der Skala.

Antwort
von kami1a, 87

Hallo!

das ergibt doch keinen Sinn

Die Natur fragt nicht nach Sinn, sie variiert und experimentiert quasi. Würden immer nur Duplikate geschaffen so gäbe es keine Evolution und ganz sicher auch nicht den Menschen der heutigen Art. 

Ich wünsche Dir alles Gute.

Antwort
von Solenostemon, 76

Hier ist es gut beschrieben: 

Homosexualität ist auch im Tierreich weit verbreitet und nichts Ungewöhnliches. Wenn Homosexualität nichts zum Überleben einer Art beitragen würde, wäre eine solche Verbreitung eher unwahrscheinlich. Es gibt daher die Vermutung, dass homosexuelle Individuen ihrer Gruppe z.B. dadurch einen evolutionären Vorteil verschaffen, dass sie Aufgaben als Künstler, Wissenschaftler oder Anführer übernehmen können, die mit Kindern nur schwer zu bewältigen wären. Zudem hilft eine homosexuelle Veranlagung dabei, attraktiver auf das andere Geschlecht zu wirken (wenn ich als Mann besser verstehe, was an einem Mann attraktiv ist, kann ich dieses Wissen einsetzen, um bei Frauen zu punkten), und hat auch aus diesem Grund einen evolutionären Sinn.

Quelle: http://www.psychomeda.de/lexikon/homosexualitaet.html

Kommentar von Frooopy ,

Letzteres trifft zwar zu aber wieso sollte ein homosexueller Mann bei einer Frau "punkten" wollen? Je nach Ausprägung der sexuellen Preferenz empfinden Homosexuelle Ekel bei dem Gedanken sexuell mit einer Frau zusammen zu kommen. Das was an der Stelle die meisten heterosexuellen Männer bei dem Gedanken empfinden es mit einem anderen Mann zu tun, trifft insofern anderst rum auch zu.

Wenn man bisexuel ist, kann man wahrscheinlich am meisten durch seine Preferenz rauschlagen, bei beiden Geschlechtern.

Antwort
von realsausi2, 98

Evolution ist mitunter sehr komplex in seinen Mechanismen. Da führen solche einfachen 1:1 Betrachtungen schon mal in die Irre.

So ganz klar ist das noch nicht, aber man kann vermuten, dass in Phasen eines Ungleichgewichtes zwischen Männchen und Weibchen die Homosexuelle Neigung in sozialen Gruppen Stress abgebaut und Konflikte vermieden hat. Das könnte sich insgesamt als Reproduktionsvorteil ausgewirkt haben.

Eine andere Überlegung ist, dass Homosexualität einfach nicht schädlich ist und somit durch Selektion nicht unbedingt bestraft wird.

Eine weitere Möglichkeit wäre, dass es sich schlicht bei jedem Einzelfall um eine spontane Mutation handelt, bzw. das ein latentes Gen eingeschaltet wird.

Aber all dessen ungeachtet sollte eines unmissverständlich klar sein:

Homosexualität ist eine Eigenschaft von Menschen, die andere Menschen einen feuchten Pups angeht. Niemand hat das Recht, die sexuelle Präferenz von irgend jemandem zu stigmatisieren, solange durch die Ausführung keine Rechte anderer verletzt werden.

Da auch Homosexuelle in aller Regel einvernehmlichen Kontakt pflegen, geht es niemanden etwas an, was in fremder Leute Betten passiert.

Antwort
von mychrissie, 82

Wenn der Embryo im Mutterleib in einer bestimmten Entwicklungsphase zu wenig Testosteron und zuviel Östrogen bekommt, dann wird der Mensch homosexuell. Das sind eben Abweichungen, die immer wieder passieren. Da sie die Existenz der menschlichen Spezies nicht gefährden, besteht für die Evolution auch kein Druck, das zu unterbinden.

Aber (nicht ernsthaft): Vielleicht hat die Evolution diese Abweichungen absichtlich eingebaut, um bei der menschlichen Spezies die Entwicklung der Toleranz zu fördern.

Kommentar von DudelFlanders ,

Wenn der Embryo im Mutterleib in einer bestimmten Entwicklungsphase zu wenig Testosteron und zuviel Östrogen bekommt, dann wird der Mensch homosexuell. 

Wirklich? Gibts dazu einen wissenschaftlichen Quellennachweis?

Kommentar von mychrissie ,

Ich hab das im Rahmen meines Medizinstudiums gelernt, die Quelle weiß ich nicht mehr, ist zu lange her.

Kommentar von BellaBoo ,

Ein wirklicher Beweis dafür wurde noch nicht erbracht. Und wir sprechen hier von einem sehr kleinen Zeitraum der fötalen Entwicklung, in der der Testosteronspiegel als zu hoch oder zu niedrig betrachtet wird und sich dann dementsprechend Homo- oder Bisexualität entwickeln soll.

ABER dein Professor wird das auch garantiert nicht als Tatsache, sondern höchstens als Theorie dargestellt haben, denn etwas anderes ist es nicht. Und da diese Theorie aus dem Jahr 2011 stammt, wird man auch noch eine ganze Weile auf wissenschaftlich verwertbare Ergebnisse warten müssen...

Kommentar von mychrissie ,

2011! Wow! Da sieht man mal wieder, wie man Zeiträume im Nachhinein falsch einschätzt. Ich dachte, ich hätte das vor Jahrzehnten gehört.

Bist Du sicher, dass diese Theorie erst 2011 zum ersten Mal veröffentlicht wurde?

Kommentar von FelixLingelbach ,

Meine ich auch. Müsste es schon länger geben.

Antwort
von Frooopy, 183

Es gibt dieses Phänomen überall, auch im Tierreich. Das alle Lebewesen aber das Ziel haben sich zu Reproduzieren stimmt nicht. Es gibt auch viele heterosexuelle Menschen die keine Kinder wollen oder bekommen können.

Bei bisexuellen Menschen sehe ich da kein Problem

Auch homosexuelle Menschen wollen und können sich fortpflanzen. Vielleicht nicht auf traditionelle Art und Weise weil ihnen das kein Spass bringt aber theoretisch geht das auf jeden Fall.

Kommentar von DudelFlanders ,

Dann erkläre mir mal wie sich 2 Männer fortpflanzen ohne Hilfe einer Frau! 

Und zwei Frauen können sich heutzutage auch nur dank modernster Wissenschaft ohne Beteiligung eines Mannes fortpflanzen. Vor 15-20 Jahren war denen das auch noch nicht möglich.

Kommentar von Frooopy ,

Na mit entsprechenden Leiheltern natürlich oder Spendern. Je nach dem. Das zwei Männer ohne Hilfe ein Kind bekommen geht natürlich nicht. Hab ich auch nicht behauptet.

Kommentar von MrRayman ,

Reproduktion ist der biologische Sinn des Lebens. Wir Menschen unterscheiden uns dabei nicht im geringsten von Tieren, Pflanzen,  Bakterien oder sogar Viren .

Wer sich nicht Reproduziert stribt aus. Nur weil wir Menschen etwas intelligenter sind als andere Lebensformen schließt es uns davon nicht aus. Die Frage könnte man vielleicht umschreiben: Wenn nur der weiterlebt, der sich reproduzieren kann, warum existiert Homosexualität?

Kommentar von Frooopy ,

Weil die Liebe ein Gefühl, eine Intuition ist und nicht nach einem biologischen Sinn fragt.

Kommentar von BellaBoo ,

Viren reproduzieren sich nicht selbstständig...sie müssen eine Wirtszelle überfallen, diese genetisch umprogrammieren und diese produziert dann kleine Viren. sie haben schlicht keine Sexualität.

Ebenso Bakterien...sie vermehren sich asexuell durch Zellteilung.

Es gibt Tiere, die im Laufe ihres Lebens ihr Geschlecht wechseln. Ebenso gibt es solche die beide Geschlechter in sich tragen, also Hermaphroditen sind und sich beim Liebesspiel auch noch gegenseitig wechselseitig befruchten.

Und wenn es rein um Reproduktion ginge beim Sex, warum haben wir dann nicht nur Lust, wenn Frau gerade schwanger werden kann, warum haben alte Menschen noch Sex ?


Kommentar von AndyG66 ,

Die Ganze Ursachenforschung nach der Homosexualität wird halt immer noch vom heterosexuellen Gesellschaftsmodel  aus erforscht....  

In der Sexualforschung geht man aber doch davon aus dass eigentlich jeder Mensch bisexuell ist.. Kein Wunder findet man da dann auch keine Hetero- oder Homo-Gene...  

Die Wissenschaft müsste also erforschen wieso man 100% heterosexuell wird obwohl es so gar nicht angelegt ist :-)


Kommentar von Frooopy ,

Alle Menschen bi? Den Ansatz kannte ich noch gar nicht :o)

Antwort
von Garlond, 61

Nur weil man den Sinn nicht gleich erkennt, heißt das nicht, dass es keinen Sinn hat.

Es geht auch nicht nur um Reproduktion, sondern um die Erhaltung der Art.

Daher gibt es Tiere, die Ihre Jungen töten, wenn die Population zu groß wird.

Homosexualität kann zum Beispiel ein Mittel sein um eine Überpopulation zu verhindern.

Auch kümmern sich homosesxuelle Paare um Kinder, deren Eltern nicht mehr da sind.

Und zu guter Letzt ist gerade auch beim Menschen, Sex mehr als ein Mittel zur Reproduktion, sondern auch um zwischenmenschliche Kontakte zu festigen.

Kommentar von 2001Jasmin ,

hey;D dieser pfeil sollte eigentlich nach oben zeigen, sorr habe falsch gedrückt..

Antwort
von loema, 24

Kannst du mal was dazu sagen, warum es Fußfetischisten gibt? Warum es Swingerclubs gibt? Warum es BDSM gibt bei Heterosexuellen Personen?
Ist das wegen der Reproduktion?
Kannst du mir sagen, warum die Männer darauf bestehen dass die Frau die Pille einnimmt? Warum Männer ungern Kindern wünschen mit Frauen, mit denen sie nur Sex hatten? Warum gehen Männer zu Prostituierten?
Das ist doch unlogisch, oder?
Warum pickst du dir die Homosexualität raus?
Logisch ist doch gar nix und trotzdem machen es fast alle.

Antwort
von Shara18443, 170

Homo- und Bisexualität ist von anfang an festgelegt und kann in der pubertät nur noch schwer abgeändert werden. Hier liegt garnix an der Erziehung oder sonstigem. Manche menschen werden halt so gebohren, auch wenn die Natur es eigentlich anders vorsehen sollte. Das ist Sowohl bei mensch als auch bei Tieren so (gutes Beispiel das homosexuelle Pinguinpärchen in Toronto).


Kommentar von DudelFlanders ,

Homo- und Bisexualität ist von anfang an festgelegt und kann in der pubertät nur noch schwer abgeändert werden. Hier liegt garnix an der Erziehung oder sonstigem. Manche menschen werden halt so gebohren,

Du widersprichst dir in den paar Zeilen komplett selbst. Einerseits sagst du, Homo/Bisexualität kann in der Pubertät noch abgeändert werden, andererseits sagst du, dass man so geboren wird und es von Beginn an festgelegt ist.

Kommentar von Shara18443 ,

Naja ein Wiederspruch ist es nicht wirklich, da es zwar festgelegt ist, aber noch geändert werden kann. Evtl klingt es für dich wie ein Wiederspruch aber es ist möglich.

Kommentar von DudelFlanders ,

Also hatte Stefan Ra4b doch immer recht, als er gesagt hat, dass er seine Homosexualität erfolgreich in seiner Jugend hat behandeln lassen.

Wieso lassen sich nicht viel mehr Schwule behandeln?

Kommentar von BellaBoo ,

Was hat er gemacht...mehr Mettsemmeln gegessen...der meint das doch nicht ernst.

Homosexualität ist keine Krankheit und muss auch nicht behandelt werden.

Kommentar von realsausi2 ,

Wieso lassen sich nicht viel mehr Schwule behandeln?

Warum sollten sie das denn machen? Würdest Du auch Menschen mit roten Haaren zur Behandlung raten? Oder solchen, die rohen Fisch mögen?

Kommentar von Agronom ,

So, ist das falsch. Es gibt Hinweise auf eine genetische Veranlagung, das ist aber nicht die einzige Möglichkeit.

Antwort
von DirectionFreak, 98

Wird das jetzt die Fortsetzung von Darwins Evolutionstheorie oder was

Antwort
von CanisMaioris, 160

Auch in der Tierwelt gibt es Homosexualität.

Eine von vielen Theorien ist, dass wenn in der Natur in einem Rudel etc. ein Muttertier stirbt die Jungtiere von eben diesem Prozentsatz der Tiere gepflegt werden kann, welche keine eigenen Nachkommen produziert haben.

Für mich persönlich gibt es kein richtig oder falsch. Hauptsache man ist glücklich. :)

Antwort
von Lillelolle, 128

Du kannst Menschen nicht mit Tieren vergleichen.
Als ob es uns im 21. Jahrhundert nur noch um Existenz ginge.
Menschen entwickeln sich schließlich, weil Tiere. Aber wir müssen nicht ums Überleben fürchten, in Deutschland zumindest nicht.

Kommentar von Lillelolle ,

*wie

Kommentar von BellaBoo ,

Entschuldige, aber Tiere sind auch homo oder bisexuell...gibt es bei Affen, Nagern, Vögeln...

Und der Mensch ist und bleibt ein Tier, auch wenn wir das gerne verneinen. Rein von der Evolution her sind wir haarlose Affen mit einem ziemlich großen Hirn....das ist aber auch alles

Kommentar von Maliara ,

Und diese homo- oder bisexuellen Tiere sind auch gut, denn im Endeffekt erhöhen sie den Reproduktionserfolg der Population doch, z.b. indem sie von den Eltern verstoßene Eier/Babys aufziehen (spontan eingefallenes Bsp.: Bei Pinguinen wird generell nur ein Ei aufgezogen, wird doch mal ein zweites gelegt, wird es manchmal von schwulen aufgezogen)

Kommentar von BellaBoo ,

Ist doch auf vollkommen in Ordnung so. Sexualität sagt schließlich nichts darüber aus, ob man ein Kind erziehen kann. Wir haben ein lesbisches Paar und ein schwules Paar in unserem Bekanntenkreis, beide haben Kinder und beiden würde ich jederzeit meine anvertrauen...das geht mir bei den angeblich "normalen" Paaren nicht so

Kommentar von DudelFlanders ,

Bei Pinguinen geht das vielleicht noch, weil die ihren Jungen zum Füttern ja nur den eigenen Mageninhalt hochwürgen.... aber zwei schwule Säugetiere (außer der Mensch) könnten kein verstoßenes Baby aufziehen ohne Muttermilch.

Kommentar von CanisMaioris ,

Zumindest unter domestizierten Tieren ist es möglich. Es ist zum Beispiel gar nicht so ungewöhnlich, dass eine Hundemutter ein Katzenbaby mit durchfüttert.

Kommentar von DudelFlanders ,

Ja, bei lesbischen Tieren... ich rede aber von schwulen Tieren.

Kommentar von DudelFlanders ,

Du kannst Menschen nicht mit Tieren vergleichen.
Menschen SIND Tiere im biologischen Sinne.

Also du meinst, wenn die Lebewesen, die klassischerweise Tiere genannt werden (nehmen wir als Beispiel mal die Dachse), eine Strategie entwickeln würden,, wie sie ihr Überleben langfristig sichern könnten, würde es auch extrem viel mehr schwule Dachse geben als heute?

Kommentar von BellaBoo ,

Wieso sollte es denn nicht jetzt schon schwule Dachse geben ?

Kommentar von DudelFlanders ,

Hab nie gesagt, dass es heutzutage keinen schwulen Dachse gibt?

Kommentar von BellaBoo ,

gut, ich dachte schon ich müsste jetzt auch noch für die Rechte schwuler Dachse kämpfen^^

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