Frage von pll4eva, 87

Warum erkranken Frauen häufiger an einer Demenz als Männer?

Und bitte nicht das Argument mit der Lebenserwartung kommen. Wenn man sich die Statistik ansieht sieht man das dieses Argument nicht bringt

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von COWNJ, 20

Der Grund liegt auch darin, dass die Geschlechtshormone (Östrogen, Testosteron und Progesteron) beim Mann vorwiegend in den Hoden und bei der Frau vorwiegend in den Eierstöcken produziert werden.

Normalerweise lässt ein Mann seine Hoden nicht entfernen. Aber eine der häufigsten gynäkologischen Operationen ist bei der Frau die Gebärmutterentfernung (manchmal sogar zusammen mit einer Eierstockentfernung). Die Hoden des Mannes können auch im hohen Alter noch funktionsfähig sein (mit 90 noch Vater), sie sind nicht so störanfällig wie die Eierstöcke der Frau. (Testosteron: Prostatakrebs, aber Östrogene: Brustkrebs, Eierstockkrebs und Gebärmutterkrebs)

Bei der Hysterektomie (Entfernung der Gebärmutter) kommt es in in 35 bis 40 Prozent der Fälle zu einem Verlust der Eierstockfunktion. Das entspricht dann praktisch einer Ovarektomie (Entfernung der Eierstöcke).

http://www.femica.at/weibliche_anatomie/index.htm

"Die verglichen mit dem fertilen Alter um 80% abfallenden
Östradiolwerte werden teilweise kompensiert durch die besser aufrechterhaltene Produktion von Testosteron, das in den ersten
postmenopausalen Jahren je zur Hälfte durch Ovarien und Nebennieren
produziert wird.
"

"Adnektomie [Entfernung der Eierstöcke] vor der Menopause erhöht das Demenzrisiko um die Hälfte und das Parkinsonrisiko noch stärker."

http://www.frauenarzt.de/1/2008PDF/08-02/2008-02-wenderlein.pdf

http://www.endokrinologie.net/presse_71106.php

(Neurology 2007
W.A. Rocca, J.H. Bower, D.M. Maraganore, J.E. Ahlskog, B.R. Grossardt, M. de Andrade, L.J. Melton III)

Durch Aromatase kann das Testosteron im Fettgewebe und im Gehirn zu Östrogen umgewandelt werden.

"Ein Mangel des Geschlechtshormons Östrogen im Gehirn erhöht das
Risiko, an Alzheimer zu erkranken. Das schließen amerikanische, japanische und Schweizer Forscher aus den Ergebnissen einer Studie, in der sie einen extrem erniedrigten Östrogenspiegel in Gehirngewebe verstorbener Alzheimerpatientinnen nachweisen konnten. Weitere Untersuchungen an genetisch veränderten Mäusen bestätigten den Zusammenhang: Wird die Östrogenproduktion im Gehirn gezielt blockiert, bilden sich bei den Tieren sehr viel früher die für Alzheimer typischen Proteinablagerungen im Gehirngewebe.
"

(Rena Li (Sun-Health-Forschungszentrum, Sun City) et al.: PNAS
(Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1073/pnas.0505203102))

http://www.wissenschaft.de/leben-umwelt/hirnforschung/-/journal_content/56/12054...

"Mit unserer Studie haben wir zum ersten Mal nachgewiesen, dass die
Östrogene mit der Erhöhung von Seladin-1 eine nervenschützende Funktion
ausüben." Umgekehrt - wenn die Wirkung dieses Proteins unterdrückt wird -
gehe auch die nervenschützende Wirkung verloren.
"

"Bei Frauen treten nach den Wechseljahren als Folge der rückläufigen
Östrogenbildung häufig neurodegenerative Erscheinungen auf. Wir haben
festgestellt, dass Seladin-1 Nervenzellen gegen neurotoxische Einflüsse
wie beispielsweise das bei Alzheimer auftretende Beta-Amyloid resistent
macht", erklärte Projektleiter Alessandro Peri.
"

(Dipartimento di Fisiopatologia Clinica der Universität Florenz)

http://www.pressetext.com/news/20080930030

"Auf eine dieser Aktivitäten richtet sich inzwischen das besondere
Interesse Behls und seiner Mitarbeiter: Es geht dabei um ein Eiweiß,
Amyloid-Vorläufer-Protein oder kurz APP genannt, und um dessen
Prozessierung, also um seine "biochemische Weiterverarbeitung" in
Nervenzellen.

Im Zuge dieser APP-Prozessierung kann es zu einem  Fehler kommen, der fatale Folgen hat. Dann entsteht aus dem APP ein toxisches Eiweiß, das Beta-Amyloid, das sich in filzigen Aggregaten, in so genannten amyloiden Plaques, im Gehirn von Alzheimer-Kranken ablagert. Die Bildung dieser Beta-Amyloid-Aggregate gilt deshalb als  Kernprozess und Auslöser der Alzheimer-Demenz. Frühere Studien hatten bereits angezeigt, dass Östrogene offenbar die Prozessierung des APP beeinflussen und die Bildung des toxischen Beta-Amyloids unterdrücken."

Max-Planck-Gesellschaft, Presse-Information vom 30.01.2002: "Auf dem Östrogen-Pfad gegen Alzheimer"

(Christian Behl, Max-Planck-Institut für Psychiatrie)

Progesteron: "fördert Axonwachstum, Arborisation der
zentral und peripher Oligodendrozyten, Bildung von Schwann-Zellen,
stimuliert Myelinisierung und Myelin-Reparatur
"

http://www.alexanderroemmler.com/uploads/tx_sbdownloader/2006_Roemmler_A._Schlaf...

Progesteronmangel: schlechte oder fehlende Myelin-Reparatur - Demyelinisierung. Verlangsamung bzw. Zusammenbruch der Weiterleitung der Nervenimpulse bzw. Absterben der Nervenzellen (ohne Myelin sind die Nervenzellen praktisch nackt und schutzlos). Der Austausch zwischen den einzelnen Teilen des Gehirns ist schwierig bzw. unterbrochen: Binswanger-Demenz

"Östrogene steuern wichtige Enzyme für den Metabolismus zahlreicher Neurotransmitter. So werden über die 5-Hydroxy-Tryptophan Decarboxylase, DOPADecarboxylase sowie die Monoaminoaxidase(MAO) und Katechol-O-Methyltransferase (COMT) die Neurotransmitter Serotonin
und Melatonin sowie die Katecholamine Dopamin, Adrenalin und Noradrenalin beeinflusst.
"

http://www.alexanderroemmler.com/uploads/tx_sbdownloader/2006_Roemmler_A._Schlaf...

Antwort
von hdohmeyer, 25

In der Tabelle mit den Prävalenzzahlen für Deutschland aus dem Jahre 2012 (denken.de/infografik-demenz-2016) sind die hohen Werte für Frauen in den Altersklassen ab 80 Jahren deutlich zu sehen.

Die Prävalenz beschreibt die Krankheitshäufigkeit und ist in der Regel ein geschätzter Wert für die Wahrscheinlichkeit in einer bestimmten Altersgruppe anteilig an einer Demenz erkrankt zu sein.

Die starken Ausprägungen (insbesondere ab 90 Jahren mit über 44%) und die um ca. 5 bis 6 Jahre höhere Lebenserwartung führen zu den hohem Wert von 68 % Anteil weiblichen Demenzen in Deutschland.

Antwort
von Schuhu, 36

Auf welche Statistik beziehst du dich?

Antwort
von Antidevil95, 44

Die Wahrscheinlichkeit, an Demenz zu erkrankten, steigt mit dem zunehmenden Alter. Frauen werden statistisch älter, als Männer.

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