Frage von FaustGoethes, 281

Warum die deutsche Sprache Wörter von anderen Sprachen übernimmt?

Ich bin Franzose und lerne gerade Deutsch und habe einen merkwürdigen Trend bemerkt.
Ich rede natürlich nicht von gemeinsamen Wörtern wie " Mechanik ", "Physik", "Genetik", " YouTube" usw, weil die für uneingedeutschbaren Auffassungen stehen. Ich rede von Wörtern wie "Aktivität", "Universität" oder Verben wie "aktivieren", "reagieren", "konzentrieren", "fotographieren" usw, die sogar manchmal mehr verwendet sind als die typischen deutschen entsprechenden Wörter.

Damit bin ich ziemlich überrascht, weil ich denke, Deutsch verfügt über unbegrenzte Mittel, um Wörter zu schaffen, die diese Begriffe übersetzen.

Was denken Sie daran ?

Antwort
von OlliBjoern, 116

Es gibt Begriffe, die sich fast europaweit durchgesetzt haben. "konzentrieren" gibt es auch im Ungarischen ("de nekem is koncentrálnod kell" = aber ich muss mich konzentrieren). Das Wort dürfte einen lateinischen Ursprung haben. "Fotographieren" müsste griechisch sein, "Fotographie" gibt es auch im Ungarischen ("fotográfia").

Viele dieser lateinischen oder griechischen Wörter sind sehr international, und wurden in viele Sprachen übernommen ("auto" versteht man z.B. auch auf Ungarisch). Ursprünglich "automobil" (daher z.B. Schwedisch "bil").

Freilich könnte man auf deutsch auch "Lichtbild" statt "Foto" sagen (das Behördendeutsch benutzt tatsächlich Lichtbild), das ist aber in der Alltagssprache unüblich (übrigens verwendet Finnisch "valokuva", was "Lichtbild" bedeutet).

Manche Sprachen sind recht abweisend gegenüber Fremdwörtern, Isländisch verwendet recht konsequent isländische Begriffe ("mynd" statt "Foto" bzw. "ljósmynd" = "Lichtbild").

 

Antwort
von Dahika, 73

Ich nehme an, es liegt daran, dass die GEgend, wo Deutschland liegt, immer schon ein Land war, wo Völkerstämme durchgezogen sind. Slawen, Kelten, Germanen, Römer und was weiß ich noch alles. Auf die Art haben sich die Völker, die hier lebten, schon früh angewöhnt, alles in sich aufzunehmen, was praktisch war.

Antwort
von Hardware02, 67

Mich nervt es, wenn sich jemand an den Fremdwörtern stört. Das ist halt einfach so, und wenn ein Fremdwort nun einmal üblich ist, dann sollte man es auch benutzen - und es nicht so machen wie die Telekom früher. Die haben statt "Provider" nämlich "Internet-Zugangsdientsleister" oder so einen Müll geschrieben. Kein Mensch hat verstanden, was die damit meinen.

Ich denke, das Ziel ist es, mit möglichst einfachen Mitteln einen verständlichen Text zu erzeugen. Wenn man nun krampfhaft versucht, ein "deutsches" Wort zu finden, wo ein Fremdwort erforderlich ist, entsteht aber kein verständlicher Text. Daher sollte man es unterlassen.

Kommentar von FaustGoethes ,

Vielleicht bin ich etwas verrueckt, aber ich ziehe einem Fremdwort, das ich durch die Vergleichung mit meiner Sprache oder der englischen verstehen kann, ein ganz "reines" deutsches Wort vor, dessen ich mal ueber jeden Teil ueberlegen muss, um es zu begreifen LOL !

Eigentlich die Besonderheit eurer Sprache besteht teilweise daraus ! Darum mag ich sie. 

Antwort
von FragaAntworta, 133

Die deutsche Sprache kann etwas was andere nicht können, Begriffe aus anderen Kulturen aufnehmen, und ihnen eine bessere Unterkunft und Pflege gewähren.

Kommentar von OlliBjoern ,

Das ist keineswegs auf das Deutsche beschränkt, sondern ein fast weltweites Phänomen. Es gibt Sprachen, die das eher machen, und solche, die eher "konservativ" sind und Fremdwörter vermeiden.

Kommentar von FragaAntworta ,

Oh Verzeihung... ich wollte natürlich keine der anderen Sprachen diskriminieren und verächtlich machen, nichts läge mir ferner. xD (Spass)

Antwort
von mambero, 127

Im Deutschen wie auch in romanischen Sprachen gibt es viele Wörter griechischen Ursprungs. Daneben hat Deutsch auch sehr viele lateinische Fremdwörter, die also ähnlich wie Französisch (oder Italienisch, Spanisch...) klingen.

Auto(mobil), Universium, Universität, usw. gehören auch zu dieser Gruppe. Youtube dagegen ist ein globaler Eigenname. Der kann ja schlecht verändert werden.

Die Sache ist, dass es viele dieser Worte (photographia = Fotografie) bzw. deren Urbedeutung (photo = Licht; graphice = Zeichnung) schon im Latein oder Griechisch definiert gab, bevor es überhaupt die deutsche Sprache oder Menschen in Deutschland gab.

Antwort
von berlina76, 110

Das liegt in der Geschichte der Deutschen. Den Deutschen an sich gibt es nicht. Er kam aus dem Römischen Reich(Latein) und besiedelte hier Slavische Gebiete. Das Französisch kam aus der Zeit des ca 17. Jh dazu. Als an Adligen Höfen nur Französisch gesprochen wurde. Auch in Kirchen wurde nur Latein gesprochen. 

Daher lassen sich viele Wörter im Deutschen auf Lateinische und Französische Wörter zurückführen.

Die Englische Sprache beruht wiederum auf die Deutsche(Angelsachsen,Plattdeutsch)

In den Zeiten der Industralisierung kamen viele Erfindungen aus dem Englischsprachigem Raum und kommen sie immer noch. Allerdings haben die Deutschen die angewohnheit Wörter aus anderssprachigem Raum einzudeutschen. Dadurch kommt eben jetzt das Denglish.

Kommentar von ilprincipe ,

Den Deutschen an sich gibt es nicht? Damit behauptest du ja, dass es das germanische Volk nie gegeben hätte? Eben diese hatten nämlich ihre eigene Sprache.

Kommentar von FragaAntworta ,

Ja war Dir das nicht bekannt ilprincipe? Der Deutsche ist eine Erfindung der Römer! Den Germanen, Kelten und alles andere nur Geschichte, keine Wahrheit. Gut das man hier immer auf Stand der Wissenschaft gehalten wird.

Kommentar von berlina76 ,

Ich habe behauptet das es den Reindeutschen nicht gibt, nicht das es die Germanen nicht gab. Ich wollte hier nur Aufzeigen, das die Deutsche Sprache einfach aus den Verschiedenen  Völkern und deren Sprache zusammengesetzt ist. Nicht nur Germanen sondern auch Slaven, Römer etc. 

Wir sitzen hier in der Mitte Europas und da ist es zu natürlich, das hier alle Völker Europas zusammenstoßen und sich vermischen.

Kommentar von atzef ,

Was haben denn die Germanen mit "den Deutschen" zu tun? Die Cherusker z.B. haben ihren Sieg im Teutoburger Wald über die Römer in der Folgezeit teuer mit ihrer Ausrottung bezahlt. Deutsch wiederum ist eine Kunstsprache ähnlich wie Esperanto und hat keinerlei natürliche Basis. Es gibt keinen Volksstamm, der Hochdeutsch gesprochen hätte.

Kommentar von OlliBjoern ,

Naja, dass Deutsch wie Esperanto wäre, finde ich nun auch übertrieben. Man könnte eher sagen, dass Hochdeutsch eben eine Variante (Dialekt) aus dem (auch heute noch sehr heterogenen) deutschen Sprachraum ist, die "verallgemeinert" wurde (und heute zahlreiche andere Dialekte überlagert hat).

Solche Phänomene gab es auch in anderen Teilen der Welt (Kisuaheli wurde die wichtigste Sprache in Kenia und Tansania, und existiert heute neben vielen anderen Sprachen, ursprünglich war es mal die Sprache der Region Daressalam) (Tagálog war mal nur die Sprache von Manila, wird heute als "Filipino" im ganzen Land gelehrt, und existiert neben vielen anderen regionalen Sprachen). Mag sein, dass das jetzt auch ein wenig vereinfacht dargestellt war, aber so ungewöhnlich ist das nicht.

Kommentar von ilprincipe ,

....außerdem ist es ganz normal das Sprachen sich weiterentwickeln und nicht konservierungsfähig sind.

Antwort
von xRainbowXx, 116

Das Wort "reagieren" zum Beispiel stammt aus dem Lateinischen von "re" (also: "wieder") und "agere" (bedeutet soviel wie "handeln".

Du hast aber prinzipiell recht, dass viele Wörter "eingedeutscht" werden. Weshalb das so ist, kann ich dir aber leider auch nicht sagen.

Antwort
von Sachsenbruch, 93

Die drei von Dir erstgenannten Beispiele (auf -ik) sind im Ursprung griechisch und auf dem Umweg über Latein heute einem Großteil aller Sprachen gemeinsam. Außer "youtube" (das wäre dann eigentlich Englisch-Latein) sind die folgenden Latein mit griechischen Lehnpartikeln und so auch allen vom Latein geprägten Sprachen gemeinsam.

Deutsch speist sich aus Latein durch mehrere Zusammenhänge:

Erstmal historisch; auch Deutschland war zum Großteil mal "römisch"; vor allem aber durch die Kirche und die Wissenschaften, die allesamt einen lateinisch(-griechisch)en Benennungshang haben. Deutsch kennt sogar den Begriff "Fremdwort" und hat eigene Lexika dafür, mit allerdings ausschließlich deutschen Wörten, wie etwa "Kooptation". Kennt kaum einer, is' aber deutsch.

Weiterhin floss Vieles durch den französischen Einfluss ins Deutsche. Im 30jährigen Krieg etwa, oder zu Zeiten Ludwig XIV., vor allem aber durch eine doch recht tiefgreifende Prägung unter dem napoleonischen Einfluss.


Antwort
von 19hundert9, 81

Hab gestern erst Jack Black auf Deutsch singen gehört, war recht lustig, da die Amerikaner beim Deutsch sprechen schreien, weil sie die deutsche Sprache sehr aggressiv halten. (was sie teilweise auch ist)

Antwort
von lupoklick, 10

Es galt immer bei den "Vornehmen" als chic, Fremdwörter zu vereinnahmen oder zu verbiegen.....

Fisimatenten, Kamp, Fenster, Chaussee, Trottoir, ParfÜm, Eau de Cologne, Haute cuisine, Billet, Paraplue, Service, Menu, .....

Expertenantwort
von latricolore, Community-Experte für Italien, Italienisch, Deutsch, Sprache & Schule, 59

Das Italienische hat einige deutsche Wörter übernommen, z.B. Kitsch und Leitmotiv.
Das Französische nicht?
Ich denke, das gibt es in allen Sprachen, mal mehr, mal weniger.

Kommentar von ymarc ,

Les termes "kitsch, leitmotiv, kit, ..." existent aussi en français.

Kommentar von FaustGoethes ,

Les français utilisent beaucoup moins de mots "germanisés" (d h : eingedeutsche) que les allemand utilisent des mots à consonance française, cf. les exemples que j'ai cités.

Kommentar von latricolore ,

Les français utilisent beaucoup moins de mots "germanisés"

Und genau das hab ich mit meinem
mal mehr, mal weniger
gesagt. Ihr halt weniger.

Kommentar von LolleFee ,

Tu ne penses pas que ce soit un peu arrogant de dire que les Allemands utilisaient des mots à consonance française, vu que ces mots sont d'origine latine? ;))) 

Kommentar von FaustGoethes ,

Certes, j'aurais pu dire " à consonance italienne/espagnole". Mais cela reflète le même concept : ces mots ne sont pas allemands d'origine.

Kommentar von LolleFee ,

Mais ces mots ne sont pas non plus d'origine italienne/espagnole - ils sont latins d'origine. Pourquoi alors la langue française ne s'est-elle pas inventée elle-même? Pourquoi est-ce qu'elle a "gallicisé" des mots latins? C'est le même principe. Les langues sont fondées sur d'autres langues. Toutes - sauf la première langue.

Antwort
von atzef, 89

Nationalismus ist in jeder Spielvariante dümmlich - auch wenn sie als deutschtümelnder Sprachpurismus daherkommt. Und auch, wenn andere Sprachen sich aus nationalistischer Eiferei sich diesem Sprachpurismus verschreiben.

Lehnwörter weist jede Sprache auf. Sie sind lediglich der Beleg dafür, dass zivilisierte menschliche Entwicklung sich eben u.a. auch in der wechselseitigen (sprach-)kulturellen Bereicherung verwirklicht.

Bevor du dich also um die deutsche Sprachentwicklung sorgst, kannst du ja erstmal in Frankreich gegen die Windmühlenflügel eines arabischen zahlensystems kämpfen, wenn dir der Sinn danach steht. :-)))

Kommentar von mambero ,

Ich kann hier keinen Nationalismus erkennen. Wenn er aus Frankreich kommt, ist das eine normale, grammatikalische bzw. Linguistische Frage. Oder habe ich was überlesen?

Expertenantwort
von LolleFee, Community-Experte für Sprache, deutsch, franzoesisch, 85

Jede Sprache hat ihre Geschichte, hat ihre Wurzeln in anderen Sprachen. Die Sprache wächst daran, sie stellt sich nicht dauernd neue Wörter ins Regal. Anders ist es bei Dingen, die neu entstehen, da werden teilweise Neologismen (tu vois: néologisme? neo = neu, logos = das Wort) benutzt.

Wenn Du davon sprichst, dass das Deutsche unbegrenzt Wörter "erschaffen" kann, dann spielst Du auf die Wortbildungsverfahren "Derivation" und "Komposition" an: an-schneiden, ab-schneiden, zer-schneiden, ver-schneiden usw. bzw. Donau-dampf-schiff-fahrt-s-kapitän. 

Antwort
von Questi1, 74

Das kommt ALLES aus dem Lateinischen.

Antwort
von Dultus, 180

Hey ho,

Im Grunde stammt das Englische von dem Deutschen ab^^. Die Briten waren ja die ausgewanderten Angelsachsen. Aber viele Wörter wurden einfach im Laufe der Zeit übernommen. So hat sich nunmal Sprache gebildet. Französich besitzt doch ebenfalls viele Wörter, die in anderen Sprachen vorkommen ;).

MfG

Antwort
von Duponi, 68

im Gegensatz zu den Franzosen, die ungern Fremdwörter in ihre Sprache annehmen, haben Deutsche kein Problem damit.

Kommentar von Muelllader ,

Und die Luxemburger wollen unbedingt Fremdwörter in ihre Sprache annehmen ;)

Antwort
von Chichiri, 139

Also die Wörter im Französischen:

Activité, Université, reagir, concentrer/focaliser, faire des photos... das sind ja auch vom Ursprung her keine französischen Wörter.

Die germanische Sprache wurde damals vom Latein beeinflusst. Daher haben wir noch viele lateinische Begriffe...

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