Warum denken manche Russland wäre "Faschistisch?

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9 Antworten

Anders als die meisten Schreiber hier halte ich Russland ausdrücklich NICHT für "faschistisch". Dazu gehört noch einiges mehr als nur eine autoritäre Regierung.

Ich persönlich würde Russland am ehesten als defekte Demokratie bezeichnen. Es gibt sehr wohl demokratische Strukturen, aber sie funktionieren aufgrund der exekutiven Übermacht nicht richtig. Das ist auch kein Zufall, sondern von der Herrschergruppe um Putin durchaus so gewollt. Schon bei der Entstehung des neuen, postsowjetischen Russlands sagte Boris Jelzin, die Russen benötigen eine starke Führung und einen starken Präsidenten. Diese Aussage fasst die Situation in Russland bis zum heutigen Tag ganz gut zusammen.

In gewisser Weise kann man das moderne Russland mit der ehemaligen DDR vergleichen: auch da gab es verschiedene Parteien und regelmäßige Wahlen, aber es bestanden gewisse "Sicherheiten", die gewährleisteten, dass sich am grundlegenden System nichts wesentliches ändern konnte. Dieser Vergleich macht auch Sinn, denn Putin kannte die DDR sehr gut, da er dort als Geheimdienstler gearbeitet hatte.

Dass ich Russland trotzdem nicht als faschistisch bezeichne, hat Gründe. Russland wird autoritär regiert, aber nicht totalitär - die Menschen werden weitgehend "in Ruhe" gelassen, solange sie dem Staat nicht zu unbequem oder gefährlich werden. In Deutschland und Italien war das anders, da gaben sich die "Führer" mit passivem Gehorsam seitens der Bevölkerung nicht zufrieden. Es gab zahllose Vereine, Jugendorganisationen, Hilfswerke und was-weiß-ich nicht alles, die immensen Einfluss auf die öffentliche Wahrnehmung ausübten. Mit diesen Instrumenten wurde gezielt versucht, die Bürger zu aktiven "Mit-Faschisten" zu erziehen, anstatt sie nur sich selbst zu überlassen.

Auch den geradezu größenwahnsinnigen Personenkult in diesen Ländern darf man nicht vergessen. Auch wenn in Russland Tendenzen in dieser Richtung bestehen, kann man das wohl kaum mit dem Führerkult der Nazis gleichsetzen. Eine totale Kontrolle der Presse gibt es in Russland auch nicht, auch wenn staatliche Zensurbehörden den Journalisten streng auf die Finger schauen. Das ist aber auch in anderen Ländern üblich, selbst in sogenannten "Demokratien".

Bis zum Faschismus fehlt also noch so einiges in Russland. Ich denke aber auch nicht, dass Putin dahingehend besonders ambitioniert ist. Es sägt ohnehin niemand an seinem Stuhl, warum also sollte er die Situation im Land noch verschärfen, und dadurch weiteren Unmut riskieren?

Interessant wird es erst, wenn Putin mal nicht mehr an der Macht ist. Es gibt politische Kräfte in Russland, die sind weitaus extremer und besorgniserregender als Putin.

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Kommentar von juergen63225
13.11.2016, 09:28

Danke für die gute Analyse .. allerdings zeigt sich wenig schwer der Begriff Faschismus sich defineren lässt ..Ist es nur Machtkonzentration (Ausschalten der unabhängigen Justitz, der Opposition und der Freien Presse), Abgrenzung gegen Minderheiten, Andersdenkenden, Überhöhung des Nationalen .... dann würde ich auch Trump tendenzell als F bezeichen. 

Nur wenn man auch die Totalitäre Komponente, also Bespitzelung und Kontrolle bis in den privatesten Bereich als Vorraussetzung definiert, dann gibt es wohl nur noch Nordkorea, als aktuellen Staat, auf den die Definition zutrifft. 

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Was macht ein faschistisches System aus? Ich denke da sind wir und einig, es gibt faktisch nur eine all einherrschende Partei oder Staatsoberhaupt und Oppositionen werden verfolgt oder massiv behindert.
Trifft das auf Russland zu? In Teilen ja.
Der Begriff ist eh nicht so leicht zu definieren, aber in gewissen Grundzügen trifft die Aussage zu. 

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Kommentar von Pollux6881
13.11.2016, 05:12

Aha ist Faschismus immer schlecht?

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Kommentar von MarkusGenervt
13.11.2016, 05:41

Hallo Ifosil,

leider bist Du auf einen Troll hereingefallen. Dieser Typ versucht penetrant und zweifelhaft sachlich-neutral die User von seinem neo-faschistischen Gedankengut zu überzeugen.

Wahrscheinlich ist er auf Seelen-Fang für irgend eine Nazi-Organisation..

Jede Diskussion ist sinnlos.

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Russland ist sicher nicht "faschistisch". Das ist eine Verharmlosung faschistischer Regime und entspringt eher dem Polemikbedürnis von Menschen, die nachvollziehbar angewiedert sid von der Politik des regierenden russischen Mafiaclans.

Allerdings weist die putinsche Autokratie mit ihren eklatanten Defiziten an Demokratie, Menschenrechten und vor allem Rechtsstaatlichkeit, funktionierender Gewaltenteilung und dem immensen Ausmaß an Korruption durchaus stark totalitäre Züge auf.

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Wer so denkt ist lediglich ein durch mainstream Medien aufgehetzter Mensch, der zu keinem eigenem Denken fähig ist und von daher beliebig knetbar.

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Weil manche Leute dem Volksempfänger das Denken überlassen.

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Gar nichts. Russland ist ein Vielvölkerstaat, in dem über 100 Ethnien leben und in dem alle Weltreligionen vertreten sind. Wir wurden im Geiste des Internationalismus erzogen, unsere Vorfahren haben Europa unter der Erbringung großer Opfer von der braunen Seuche befreit. Viele Völker Osteuropas wie bspw. Polen, die bei den Nazis als Untermenschen galten, würde es, hätte der Faschismus gesiegt, heute nicht mehr geben.

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Kommentar von MarkusGenervt
13.11.2016, 06:03

Russland wurde in Blut und Barbarei geboren und auf den Knochen der Bauern und Knechte aufgebaut. Dann haben fast 80 Jahre brutalste Unterdrückung und Gehirnwäsche die einstigen Opfer zu Tätern gemacht.

Der Horror geht immer weiter und Ihr wollt einfach nichts lernen.

Imperialismus wird auch nicht besser, wenn man ihn Internationalismus nennt.

Und was die Befreiung der Welt von Nazi-Deutschland betrifft, da war Euer Stalin auch mal so richtig per Du mit seinem Tyrannen-Kumpel Hitler. Wie haben sich die beiden doch Honig ums Maul geschmiert.

Stalin hat nur zurück geschossen. Wenn Hitler nicht so kreuz-dämlich gewesen wäre Russland anzugreifen, hätten die beiden sich die Welt untereinander aufgeteilt, wie sie es mit Polen bereits gemacht haben.

Nix ist mit "Polen befreien". Stalin wollte lediglich eine Pufferzone beibehalten, falls die Nazis doch noch mal wieder erstarken sollten und außerdem hätte er die Verträge mit den USA und GB niemals unterzeichnen können, ohne Polen wieder den Polen zurück zu geben.

Das liebe ich so an Euch Faschisten. Ihr seid zu blöd, um die Geschichte zu verdrehen.

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Kommentar von archibaldesel
13.11.2016, 08:32

Äh, war es nicht Stalin, der 1939 die östliche Hälfte Polens besetzt hat? Und war es nich die Rote Armee, die sich an der Demarkationslinie mit der Wehrmacht verbrüdert hat? Polen ist sicher nicht bei erster Gelegenheit der NATO beigetreten, weil es sich von Russland befreit und beschützt gefühlt hat....

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Kommentar von juergen63225
13.11.2016, 09:44

Der Grundirrtum in dieser Antwort ist der, Faschismus nicht zu defineren .. sodern mit der Diktatur in Deutschland 1933-45 gleichzusetzen. 

War Stalin etwa kein Faschist ? 

Und wieso ist "Vielvölkerstaat" ein Indiz dafür, das so ein Staat nicht faschistisch werden könnte ? 

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russland oder das was von der sowjetrepublik übrig geblieben ist, ist eine diktatur unter dem diktator putin, der auf lebenszeit herrscher bleiben wird. daran ändern auch irgendwelche pseudodemokratischen strukturen oder wahlen nichts. andersdenkende werden unterdrückt, verfolgt und auch getötet. medien werden "gleichgeschaltet".

ab wann die bezeichnung faschistisch passend wird, könnte noch diskussionsbedürftig sein. sieht jedoch ganz danach aus.

annokrat

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ich denke, das können am besten die Russen selbst beurteilen - nicht die User eines deutschen Ratgeberforums

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Kommentar von annokrat
13.11.2016, 06:21

ganz sicher nicht. in d fanden die deutschen 1936 hitler auch traumhaft gut und nichts faschistisch. letztlich musste man ihnen mit dem zweiten weltkrieg ihre dummheit austreiben.

annokrat

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Weil es zutrifft. Faschismus definiert sich 

  • Nationalistisch
  • Antiliberal
  • Führerstaat

Das trifft auf Russland genau wie auf die Türkei ziemlich genau zu.

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