Frage von GaryAnderson, 214

Warum butter wieder fast doppelt so teuer?

Vor ein paar monaten kostete butter noch 75cent, jetzt sind es um die 1,29€. Milch wurde nicht teurer. Wie kommts das die butter aufeinmal wieder um 50 cent teurer ist?

Antwort
von Nogli, 163

Frage ist eher, warum war die Butter so billig. Butter kostete 1983  10.92 DM /Kg (1,37€/paket und heute weniger wie ein Euro). Brot hingegen kostete damals 2,80 DM und heute 3 €/Kg. Oktoberfestmaß 5,75 DM und heute 10,60€ das Maß. Milch 1,25 DM/l und heute 50 cent. Warum sind die Milchprodukte nicht gleichermaßen angestiegen. Warum müssen die Milchbauern bis heute als Inflationsbremser herhalten. Subventionen weg und die Preise im Laden endlich verdoppeln.

Kommentar von Brunnenwasser ,

Auch Dir empfehle ich sich mit den Marktmechanismen zu befassen. Gebe ich meine Milch der Genossenschaft oder bekomme ich mehr Geld für Milchpulver, geht Molke momentan gut und was bekomme ich dann für das Milchfett ?

Und Milchfett ist momentan sehr gefragt am Markt. Es ist Herbst, die Milchmengen gehen zurück. Und da sind wir auch schon bei dem Problem das kein Normalo mit ner Meinung auf dem Schirm hat: wir ersaufen scheinbar in Milch, aber bekommen keine Mengen für die Butter zusammen. Les Dich mal in die Butterkäsebörse ein. Ich weiß natürlich nicht ob Du Dich da schon auskennst.

Natürlich bin ich bei Dir, es wird nicht genug Wertschöpfung bei Lebensmitteln insgesamt betrieben, vom Oktoberfestbier mal abgesehen.

Kommentar von Nogli ,

Leider ist man als Mitglied bei der Molkerei-Genossenschaft (75% der Milch in D) durch der 100% gen Andienungspflicht dem Handeln derer ausgesetzt (Restgeldempfäger). Milchfett ist z.Z.gefragt, private Einlagerungen werden nicht abgeschmolzen, um zu zocken. Milchpulver muß wegen Kontrakten eingelagert werden, obwohl z.Z.unsinnig und kontraproduktiv. http://www.milchwirtschaft.de/downloadcenter/dateien/notierung_woche_marktordnun...

Antwort
von RexImperSenatus, 171

Weil Weihnachten vor der Tür steht und die Bauern wieder jammern, wie jedes Jahr - mal zu trocken, mal zu nass - mal zu sonnig, mal zu schattig.

Kommentar von frank394 ,

Zu wenig Geld für die Milch War das Problem.

Antwort
von Vivibirne, 185

http://www.butterkaeseboerse.de/UserFiles/Media/aktuelles/marktbericht-dmz-kw41....

Das hat mir geholfen. Preisshwankungen gibts eig immer

Antwort
von Brunnenwasser, 195

Der aktuelle Marktbericht erklärt das anschaulich und lückenlos:

http://www.butterkaeseboerse.de/UserFiles/Media/aktuelles/marktbericht-dmz-kw41....

Antwort
von rentalight, 152

Weil die Bauern zu wenig Geld bekommen haben und daher die Milchpreise angehoben haben. Das Eis ist ja auch teurer geworden.

Kommentar von Nogli ,

Also, Milchbauern sind Restgeldempfänger. Sie liefern die Milch ab, ohne
im vorraus zu wissen, was sie hierfür erhalten. Die Molkereien
antworten auf "Rundfragen" der Discounter und unterbieten sich
gegenseitig. Es entsteht hierbei ein Liefervertrag mit dem LEH je nach
Situation am Rohstoffangebot von bis zu 6 Monaten. (Vertragsinhalte wie
z.B 6-8 Wochen Zahlungsfrist). Die Molkerei berechnet den Erlös mit der
eigenen
Kosten und der Marge, zieht feste Rückstellungen ab und überweist bis
zu 6 Wochen nach der Rohmilchlieferung das Rest-Milchgeld an die Bauern.
Z.Z. 24-28 cent/ltr. bei Vollkosten der Bauern von mind. 45 cent (
) Laut Studie von der RABO Bank NL wird die Rendite am Produkt Milch im
Laden verteilt (ROI return of investment): vorgelagerte Bereich
(Tierarzt, Futtermittel, Landtechnik) 14,1 % ; Verarbeiter, Molkerei
18,1 % ; LEH 24,4 % ; Milchbauern 0,5 %. In einigen Bundesländern gibt
es die "Faire Milch". Bei diesem Produkt erhält der Bauer 45 cent
garantiert.
Der Milchbauer der mit Abstand den größten Aufwand betreibt aber fast
keine Rendite erhält gehört sicher nicht zum Agrobusiness. Andersrum
würde es diesen nicht geben, wenn hier nicht produziert werden würde. In
den 80er/90er waren es die Hähnchenhalter, die als erstes in die
Industrielle Ldw getrieben wurden. Es mußten große durchmechanisierte
Ställe sein mit wenig Arbeiteinsatz, aber viel Kapitaleinsatz. Dann
vielen gesteuert die Preise, sodaß viele in finanziellen Nöten gerieten.
Not macht Abhängig und so erklärte sich die Industrie (u.a. Wiesenhof)
bereit, die Küken an einen bestimmten Termin zu liefern, die Medikamente
terminlich zu liefern, das Futter zu liefern und den Schlachttermin
festzusetzten, wann die Tiere abgeholt werden. D.h. der einstige stolze
Bauer ist mittlerweile zum Lohnmäster degradiert. Das was ihm
letztendlich gehört ist die Sch..ße und die toten Tiere (Abfall und das
Risiko). Ab den 90er war es der Schweinehalter der industiealisiert
werden mußten. 1995 gab es in Niedersachsen 62500 Schweinehaltende
Betriebe. Heute sind es noch < 7500 bei ähnlichen
Schweinepopulationen. Auch hier wird sklavenähnlich für die Industrie
produziert, die die Preise letztendlich festlegen und die Bauern so
entlohnen, sodaß die Abhängigkeit nicht verloren geht. Heute sind die
Milchbauern dran, die 100 Kühe und mehr im Nebenverdienst machen sollen.
Wie ist hierbei egal, solange die Milch der Industrie angeliefert wird.
In allen Fällen ist es auf Seiten der Erzeuger absolut wichtig sich
massivs zu bündeln, und geschlossen der Industrie entgegenzutreten.
Hierfür benötigt man jedoch seitens der Politik Rahmenbedingungen um
dieses zu realisieren. Leider macht Wirtschaft (deren Lobbyisten)
Politik, und so ist es nicht möglich Mehrheiten zum Gunsten der Bauern
zu erhalten. Selbst der Bauernverband ist derart in der Wirtschaft
verflechtet, das er diesen Namen und Funktion längst nicht mehr
verdient.
Wir (die Milcherzeuger) wollen runter vom Überschuss, damit wir aus dem
Existenz bedrohlichen Preistief herauskommen. Milcherzeugung zu diesen
Tiefstpreisen zerstört wirtschaftliche Substanz auf den Betrieben und
richtet sich gegen eine umwelt- und tiergerechte Landwirtschaft. Wir
stehen für eine gesellschaftlich akzeptierte Landwirtschaft. Das fordern
wir auch von unseren Agrarministern.  Wer sich jetzt noch gegen eine
europaweit koordinierte Mengenreduzierung ausspricht, der treibt
Tausende Familienbetriebe in den Ruin. Die Strategie der
Exportausweitung der Bauernverbände und der Milchindustrie verkommen die
Milchbauern zu reinen Rohstofflieferanten, die den Molkereien die Milch
zu möglichst niedrigen Preisen zu liefern haben. Rechte der Bauern zur
Mitsprache oder gar zur Verhandlung über Menge, Qualität und Milchpreis
gibt es nicht. Tiefstpreise am Weltmarkt gehen voll auf das Konto der
Bauern. Die Molkereien nehmen sich immer ihren Teil und halten sich so
auf unsere Kosten schadlos. Milch für die Welt bedeutet Milcherzeugung
zu Kosten und Standards wie in China, Indien, Südamerika oder in den
USA, wo Betriebe mit mehreren Zehntausend Kühen das Bild bestimmen .
Diese Entwicklung wird die Konflikte zwischen Bauern und Gesellschaft
bei uns noch weiter anheizen. Auch das wird allein auf dem Rücken der
Bauern ausgetragen, während die Exportindustrie unbehelligt ihre
Geschäfte macht. Auch der LEH und letztendlich auch der Verbraucher sind
nicht unschuldig. Wer Milch für 55 Cent den Liter kauft, handelt nicht
anständig und kann sich auch nicht darauf hinausreden, dass er sich doch
als Marktteilnehmer völlig rational verhalte. Wenn die großen
Lebensmittelkonzerne die Erzeugerpreise so weit drücken, dass die Bauern
für die Milch nur noch halb so viel bekommen, wie sie die Erzeugung
kostet, dann ist der Niedrigpreissegen an der Supermarktkasse die Folge
eines Gewaltaktes und nicht von Angebot und Nachfrage.

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