Frage von Regenfarn, 69

Warum bekommt man Liebeskummer, welchen Sinn hat das Ganze?

Ich habe mir die Frage gestellt, warum man eigentlich Liebeskummer bekommt, wenn man die Beziehung mit einem Geliebten verliert bzw. wenn man einfach zu schüchtern ist, um diese Person zu fragen.

Ich meine, früher war es ja extrem wichtig für den Erhalt der Art, sich fortzupflanzen. Da brachte es doch nichts, wenn man erst einem verlorenen Partner hinterhertrauert, bevor man einen anderen suchte, mit dem man Nachkommen sichern konnte?

Die Frage hat sich mir rein aus Langeweile gestellt; es tut mir leid, wenn die Antwort sowieso total offensichtlich ist und ich nur nicht draufgekommen bin. Das Ganze soll jetzt nicht irgendwie untreu oder so rüberkommen, es hätte mich nur mal interessiert ^^

Ich freue mich über Antworten :3 Danke schon mal!

Regenfarn

Expertenantwort
von DiegoderAeltere, Community-Experte für Biologie & Evolution, 22

Vorab ist es wichtig klarzustellen, dass es den Individuen nicht um den Erhalt ihrer Art geht (außer Menschen kann wohl kein Tier dieses Konzept überhaupt erfassen), sondern um die Verbreitung ihrer eigenen Gene. Dann lässt sich die Frage beantworten, aber das ganze geht tief in die Biologie hinein.

In der Regel hat Liebeskummer die Funktion, zur Monogamie anzutreiben (d.h. dazu, nach einer Trennungszeit zum Partner zurückzukehren, was bei einem Todesfall aber nun mal nicht möglich ist). Die eigentliche Frage ist also: Was ist der Nutzen von Monogamie?

Für die Weibchen ist der Vorteil der Monogamie relativ ersichtlich. Ein Weibchen kann nur von genau einem Männchen befruchtet werden und nur in großen zeitlichen Abständen Nachwuchs zeugen, weshalb es in seinem Interesse liegt, diesen Nachwuchs zuverlässig durchzubringen, was einfacher ist, wenn es von einem Partner unterstützt wird.

Männchen haben eine wesentlich größere Anzahl an Keimzellen zur Verfügung als Weibchen und können diese an mehrere Weibchen gleichzeitig verteilen. In der Regel erzielt das Männchen dadurch mehr Nachwuchs, als wenn es sich nur an ein einzelnes Weibchen bindet. Ein einfaches Beispiel: Wenn man annimmt, dass zwei Elternteile ihren gesamten Nachwuchs durchbringen, eine einzelne Mutter aber nur ein Viertel ihres Nachwuchses, dann zeugt jedes Männchen, dass mehr als vier Weibchen begattet, mehr Nachwuchs als ein treues Männchen und ist damit diesem gegenüber im Vorteil.

Es wäre jetzt denkbar, dass bei den Vorfahren der Menschheit die Sterblichkeitsrate bei Kindern von alleinerziehenden Müttern sehr hoch war (durch lange Kindheit und Kindstötung durch andere Männchen), sodass es sich für ein Männchen rechnete, bei einem einzelnen Weibchen zu bleiben und den gemeinsamen Nachwuchs zu schützen anstatt bei allen Weibchen in Reichweite vorbei zu schauen, was ja auch Energie kostet (um beim BEispiel zu bleiben: Muss ein Männchen 50 Weibchen begatten, um den gleichen Erfolg wie ein treues Männchen zu erzielen, wird es dieses Ziel eher selten erreichen und ist damit klar im Nachteil).

Ein anderer Ansatz besagt, dass vor allem rangniedere Männchen einen Vorteil haben, wenn sie mit einer einzigen Partnerin zuverlässig Nachwuchs zeugen anstatt es mit wenig Erfolgschancen bei vielen Weibchen zu versuchen. Die Alphamännchen, also die mit einer sehr hohen Stellung, können sich hingegen einen Harem halten und dessen Potenzial ausschöpfen. Das entspricht auch dem Fortpflanzungsverhalten, dass sich bei den meisten menschlichen Populationen auf der ganzen ursprünglich Welt finden ließ. Nur bei etwa 16% der Kulturen ist Einzelehe ein bekanntes Konzept, in allen anderen Kulturen (außer einem winzigen Bruchteil, der Vielmännerei betreibt) ist Vielweiberei erlaubt, aber faktisch nur für die Mächtigen möglich.

Kommentar von Regenfarn ,

Danke für die ausführliche Antwort (:

Antwort
von Andrastor, 39

Liebeskummer hat verschiedene Ursachen:

Im Falle einer Ablehnung oder eines Todesfalls ist es ein Verarbeiten der unangenehmen Erfahrung.

Im Falle einer verpassten Chance (wie zum Beispiel durch Schüchternheit) ist es eine Art der Selbststrafe und eine Motivation eine derartige Chance beim nächsten Mal zu nutzen.

So oder so hilft Liebeskummer den Fortbestand der Art zu sichern. Und sollte sich herausstellen, dass das Individuum den Liebeskummer nicht überwinden und somit keine Nachkommen zeugen kann, ist es ein Fall für die natürliche Auslese.

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