Frage von Melanie123321, 23

Warum baut man Erdgas nicht mit der schonende Bohrmethode ab wenn Frackig doch so Gefährlich ist?

Antwort
von DieChemikerin, 11



Hi :)

Erstmal wird Erdgas gefördert und nicht abgebaut ^^

Also, kurz was zum konventionellen und zum unkonventionellem Fracking:

=> Das konventionelle Fracking ist vermutlich das, was du mit "Bohrmethode" umschrieben hast: Dabei bohrt man nur vertikal in eine Gasblase, die dadurch entstanden ist, dass sich aus dem Muttergestein austretendes Gas in einem Hohlraum unter der Erde angesammelt hat.

=> Das unkonventionelle ist das gefährliche Fracking. Als unkonventionelles Fracking bezeichnet man eine Methode, bei der man tief liegendes Gas und Öl (sogenanntes unkonventionelles Gas/Öl) an die Oberfläche befördert.

Die Methode

Fracking ist die Abkürzung für "Hydraulic Fracturing". Dabei wird ein etwa 1km tiefes Loch in den Erdboden gebohrt, natürlich zunächst vertikal. Später bohrt man dann horizontal in das sogenannte Muttergestein. Dort befindet sich das Schiefergas in kleinen Bläschen (siehe Bild 1). Nachdem das Loch gebohrt wurde, pumpt man eine Flüssigkeit in das Gestein, das sogenannte Frack-fluid. Bei diesem Fluid handelt es sich um 90-95% Wasser, Sand und Additiven. Die Additive sind unter anderem:


• Lösungsmittel (z.B. Propanol) 

• Gelbildner (z.B. Guarkernmehl) • Quervernetzer, auch Crosslinker genannt (z.B. Triethanolamin) • Korrosionsinhibitoren (z.B. Methanol) • pH-Puffer (z.B. Essigsäure) • Komplexbildner (z.B. Citrat) • Biozide (z.B. Glutaraldehyd) • Tonstabilisatoren (z.B. Kaliumchlorid) • Stützmittel (z.B. Quarzsand)Säuren (z.B. Salzsäure)


Das Frack-fluid

Die Inhaltsstoffe verleihen dem Fluid unter anderem folgende  Eigenschaften:


• Erhöhung der Viskosität• Verhinderung von Bakterienwachstum• Sand hält die entstandenen Risse offen• Reibungsverminderung zwischen den Inhaltsstoffen

Leider enthält das Fluid auch viele giftige Stoffe, die für körperliche Beschwerden sorgen können (siehe Bild 2):


• Glutaraldehyd sorgt für Atemwegs- und Augenentzündungen• Methanol bzw. dessen Abbauprodukt, Formaldehyd (Ameisensäure), verursachen Kopfschmerzen, Sehstörungen etc. - bis zur Blindheit in schwerwiegenden Fällen• Ammoniumchlorid zerstört den Säureschutzmantel der Haut.• Beim Fracking wird Kieselsäure frei, das sorgt für eine Staublunge.• Verdauungsprobleme werden ebenfalls verursacht.• Triethanolamin und 1-/2-Propanol sorgen für Reizungen der Atemwege


Probleme des Frackings

Folgende Probleme entstehen beim Fracking:


• Beim Frackvorgang wird das Gestein porös. Dadurch kann Methan aufsteigen und dieses hat höheres Treibhauspotenzial als CO2• durch das poröse Gestein gelangt das Fluid leicht ins Grundwasser. Auch über alte Bohrungen kann dies geschehen oder wenn die Abdichtung undicht ist - man durchbohrt nämlich die Grundwasser führende Schicht mit dem Bohrloch (das Fracken findet in etwa 1000m Tiefe statt)• Weiterhin hast du beim Fracking immer ein Flowback (siehe Bild 3). Das ist das Wasser, was zusammen mit dem Gas und Öl wieder an die Oberfläche geholt wird. Leider hast du das Problem, dass (leicht) radioaktive Substanzen an die Oberfläche gespült werden. Diese sind dann im Flowback enthalten. • Wenn die Plane undicht ist, so kann das Flowback im Erdboden versickern und in das Grundwasser gelangen.• Die Artenvielfalt wird zerstört, da umfangreiche Infrastrukturen notwendig sind. Weiterhin besteht die Gefahr von Erdrutschen. Das Fracken muss in menschenleeren Gegenden stattfinden, die USA hält sich allerdings nicht immer dran...• Additive sind vor allem für Wasserorganismen schädlich und auch tödlich• Der Übergang zu erneuerbaren Energien wird verzögert

Deutschland und die USA im Vergleich

Wie du vielleicht weißt, wird in den USA sehr stark gefrackt - wurde es zumindest mal. Durch das Fracking sind die USA Öl-Exporteur Nummer 1. Nun gibt es einen Überfluss, was zur Folge hat, dass der Sprit und so billiger wird. Das Öl und Gas muss einen bestimmten Preis haben, damit Fracking rentabel ist. Wenn Öl und Gas aber zu billig sind, dann lohnt sich das Fracking nicht - es ist nämlich ein aufwändiges und teures Unterfangen.

In Deutschland ist das mit dem Fracking schwierig. Wir haben das Problem, dass das Fracking in (nahezu) menschenleeren Gegenden stattfinden muss, dies ist in Deutschland aber nicht wirklich gegeben. Deutschland hat 7 bis 23 Billionen Kubikmeter an Gas, von welchem etwa 10% förderbar wären. Momentan bezieht Deutschland das Gas von Russland, aber was ist, wenn Putin den Gashahn zudrehen würde?

Neue Methoden in der Testphase

Man ist schon am Rumprobieren, was diese Methode angeht. Folgende Alternativen sind momentan in der Testphase:


• Fracking durch Lichtbohren• Fracking durch Aufheizen des Gesteins• Fracking durch Druckluft• Verwendung von flüssigem Propan• Verwendung von umweltfreundlicheren Additiven


Unkonventionelles Fracking ist wesentlich ertragreicher - scheinbar so ertragreich, dass im Sommer 10 der 16 Fracking-Türme in den USA dicht gemacht wurden. Dies geschah aufgrund einer Überproduktion. Das ist aber auch einer der wenigen Vorteile. Es ist auf Dauer vielleicht rentabel, wenn der Gaspreis wieder in die Höhe schießt. Aber sonst? Ich sehe eher Nachteile, wenn es bei der bisherigen Methde bleibt, Die neuen Methoden sind NOCH teurer...

So, das war's im Groben, was ich dazu zu sagen habe. Ich hoffe, dass dir meine Antwort etwas geholfen hat, bei weiteren Fragen kannst du dich gern an mich wenden :)

LG





Kommentar von DieChemikerin ,

Sorry für diese schreckliche Formatierung! Das liegt am Editor. Hier nochmal - hoffentlich schön:

Die Methode

Fracking ist die Abkürzung für "Hydraulic Fracturing". Dabei wird ein etwa 1km tiefes Loch in den Erdboden gebohrt, natürlich zunächst vertikal. Später bohrt man dann horizontal in das sogenannte Muttergestein. Dort befindet sich das Schiefergas in kleinen Bläschen (siehe Bild 1). Nachdem das Loch gebohrt wurde, pumpt man eine Flüssigkeit in das Gestein, das sogenannte Frack-fluid. Bei diesem Fluid handelt es sich um 90-95% Wasser, Sand und Additiven. Die Additive sind unter anderem:

• Lösungsmittel (z.B. Propanol) 

• Gelbildner (z.B. Guarkernmehl)

• 

Quervernetzer, auch Crosslinker genannt (z.B.

Triethanolamin)

• Korrosionsinhibitoren (z.B. Methanol)

• pH-Puffer (z.B. Essigsäure)

• Komplexbildner (z.B. Citrat)

• Biozide (z.B. Glutaraldehyd)

• Tonstabilisatoren (z.B. Kaliumchlorid)

• Stützmittel (z.B. Quarzsand)Säuren (z.B. Salzsäure)

Das Frack-fluid

Die Inhaltsstoffe verleihen dem Fluid unter anderem folgende  Eigenschaften:

• Erhöhung der Viskosität

• Verhinderung von Bakterienwachstum

• Sand hält die entstandenen Risse offen

• Reibungsverminderung zwischen den Inhaltsstoffen

Leider enthält das Fluid auch viele giftige Stoffe, die für körperliche Beschwerden sorgen können (siehe Bild 2):

• Glutaraldehyd sorgt für Atemwegs- und Augenentzündungen

• Methanol bzw. dessen Abbauprodukt, Formaldehyd (Ameisensäure), verursachen Kopfschmerzen, Sehstörungen etc. - bis zur Blindheit in schwerwiegenden Fällen

• Ammoniumchlorid zerstört den Säureschutzmantel der Haut.

• Beim Fracking wird Kieselsäure frei, das sorgt für eine Staublunge.

• Verdauungsprobleme werden ebenfalls verursacht.

• Triethanolamin und 1-/2-Propanol sorgen für Reizungen der Atemwege

Probleme des Frackings

Folgende Probleme entstehen beim Fracking:

• Beim Frackvorgang wird das Gestein porös. Dadurch kann Methan aufsteigen und dieses hat höheres Treibhauspotenzial als CO2

• durch das poröse Gestein gelangt das Fluid leicht ins Grundwasser. Auch über alte Bohrungen kann dies geschehen oder wenn die Abdichtung undicht ist - man durchbohrt nämlich die Grundwasser führende Schicht mit dem Bohrloch (das Fracken findet in etwa 1000m Tiefe statt)

• Weiterhin hast du beim Fracking immer ein Flowback (siehe Bild 3). Das ist das Wasser, was zusammen mit dem Gas und Öl wieder an die Oberfläche geholt wird. Leider hast du das Problem, dass (leicht) radioaktive Substanzen an die Oberfläche gespült werden. Diese sind dann im Flowback enthalten. 

• Wenn die Plane undicht ist, so kann das Flowback im Erdboden versickern und in das Grundwasser gelangen.

• Die Artenvielfalt wird zerstört, da umfangreiche Infrastrukturen notwendig sind. Weiterhin besteht die Gefahr von Erdrutschen. Das Fracken muss in menschenleeren Gegenden stattfinden, die USA hält sich allerdings nicht immer dran...

• Additive sind vor allem für Wasserorganismen schädlich und auch tödlich

• Der Übergang zu erneuerbaren Energien wird verzögert

Deutschland und die USA im Vergleich

Wie du vielleicht weißt, wird in den USA sehr stark gefrackt - wurde es zumindest mal. Durch das Fracking sind die USA Öl-Exporteur Nummer 1. Nun gibt es einen Überfluss, was zur Folge hat, dass der Sprit und so billiger wird. Das Öl und Gas muss einen bestimmten Preis haben, damit Fracking rentabel ist. Wenn Öl und Gas aber zu billig sind, dann lohnt sich das Fracking nicht - es ist nämlich ein aufwändiges und teures Unterfangen.

In Deutschland ist das mit dem Fracking schwierig. Wir haben das Problem, dass das Fracking in (nahezu) menschenleeren Gegenden stattfinden muss, dies ist in Deutschland aber nicht wirklich gegeben. Deutschland hat 7 bis 23 Billionen Kubikmeter an Gas, von welchem etwa 10% förderbar wären. Momentan bezieht Deutschland das Gas von Russland, aber was ist, wenn Putin den Gashahn zudrehen würde?

Neue Methoden in der Testphase

Man ist schon am Rumprobieren, was diese Methode angeht. Folgende Alternativen sind momentan in der Testphase:

• Fracking durch Lichtbohren

• Fracking durch Aufheizen des Gesteins

• Fracking durch Druckluft

• Verwendung von flüssigem Propan

• Verwendung von umweltfreundlicheren Additiven

Unkonventionelles Fracking ist wesentlich ertragreicher - scheinbar so ertragreich, dass im Sommer 10 der 16 Fracking-Türme in den USA dicht gemacht wurden. Dies geschah aufgrund einer Überproduktion. Das ist aber auch einer der wenigen Vorteile. Es ist auf Dauer vielleicht rentabel, wenn der Gaspreis wieder in die Höhe schießt. Aber sonst? Ich sehe eher Nachteile, wenn es bei der bisherigen Methde bleibt, Die neuen Methoden sind NOCH teurer...

So, das war's im Groben, was ich dazu zu sagen habe. Ich hoffe, dass dir meine Antwort etwas geholfen hat, bei weiteren Fragen kannst du dich gern an mich wenden :)

LG

Antwort
von WosIsLos, 12

Erdgas abbauen - Gas ist doch kein Gestein.

Mit Bohren ist die Ausbeute geringer, deswegen Fracking.

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