Frage von j45p3r, 65

Warum baut die Telekom VDSL(2) aus, statt direkt auf zukunftssichere Glasfaser zu setzen?

Expertenantwort
von Telekomhilft, Business Partner, 36

Hallo j45p3r,

ich bedanke mich für deine Frage. Ein flächendeckender Glasfaserausbau kostet nach einer Studie des TÜV im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums mindestens 80 Mrd. Euro. Woher die Mittel dafür kommen sollen, ist offen.

Deshalb setzt die Telekom vor allem auf Vectoring, wodurch die Glasfaser schon näher an die Haushalte nämlich bis zu den Kabelverzweigern verlegt wird. Vectoring bedeutet Übertragungsgeschwindigkeiten von bis zu 100 Mbit/s und perspektivisch (über Super-Vectoring) bis zu 250 Mbit/s. Sollten diese Geschwindigkeiten in Zukunft nicht mehr ausreichen, kann der zweite Schritt gemacht werden und die Glasfaser ganz bis in die Häuser verlegt werden.

Einen schönen Abend noch.

Viele Grüße

Matthias Müller von Telekom hilft

Antwort
von DanielDewald, 47

Das hat mehrere Gründe:

1. Der Ausbau der TAL (Teilnehmer Anschluss Leitung) gilt als der teuerste Ausbau und die Telekom scheut die Kosten. Vor allem in gebieten in denen schon Glas bis zum nebenverteiler liegt ist vectoring wesentlich billiger.

2. Um bis ins Haus zu kommen braucht man die Genehmigung des Eigentümers. Nicht jeder will diese geben und die Überzeugung hat sich in Pilotprojekten als langwierige kostspielige Angelegenheit erwiesen. Darauf hat die Telekom keine Lust.

3. Bei vectoring kann nur ein Anbieter gleichzeitig das leitungsbündel verwenden. Baut die Telekom aus gehört ihr ein gesamter Straßenzug. Konkurrenz ist erfolgreich ausgeschaltet und muss bitstream Anschlüsse mieten (und miete zahlen).

4. Die TAL ist schon lange lange abgeschrieben. Sie weiter zu nutzen statt teuer auszubauen ist fein auf der Jahresabschlussrechnung wenn die Investoren fragen wo die Dividende bleibt. Der Kunde ist sowieso nur nutzvieh.

5. Liegt Glasfaser bis zum Haus könnten quasi beliebig viele Anbieter mit beliebigen Diensten auf einer faser arbeiten. Die Telekom will aber gerne ihre eigenen Drosselkom netzneutralitätzfreien Bündelpakete anbieten. Wo kommen wir da hin wenn jeder Kunde plötzlich unbegrenzte Möglichkeiten hat.

Es gibt sicher noch hundert andere Gründe. Aber um es zusammen zu fassen: in den Pilotprojekten für FTTH hat sich ergeben das es für die Telekom lukrativer ist kein Glas zu verlegen und weiter den Fortschritt künstlich aufzuhalten in Deutschland. Und die Telekom ist nun mal privatisiert und kein spendenverein. Also wird getan was für die Investoren das beste ist. Nicht was technisch Sinn macht.

Kommentar von asdundab ,

Ich stimme dir bis auf 5. voll und ganz zu.

Antwort
von Brot454, 59

So können Sie vorhandene Technik weiter nutzen. Nicht jeder Haushalt hat einen Glasfaser Anschluss im Keller, gerade im Ländlichen Gebiet. So können auch Leute profitieren die keinen im Keller haben, was wahrscheinlich auch der Großteil ist.

Kommentar von j45p3r ,

Das ist mir klar, allerdings gibt die Telekom viel Geld aus, um Vectoring auszubauen. Warum baut man nicht direkt Glasfaser aus? Besonders in ländlichen Gebieten ist dies doch einfacher, als in den Städten, da auf dem Land sowieso gebuddelt werden muss. Die paar Meter von der entsprechenden Straße zum Haus auch noch zu buddeln, wenn man schonmal da ist, ist doch nicht schlimm. Dann muss man zumindest in den nächsten 20 Jahren nicht nochmal alles aufgraben.

Kommentar von Brot454 ,

dann werden die Besitzer zur Kasse gebeten oder glaubst du die Telekom bezahlt das? und vor allem wird es auf alle Kunden früher oder später auf den Preis aufgeschlagen. Ich glaube eher nicht. Ich bin einer der glücklichen die von einer 16.000 Leitung, wo ich ab 16Uhr nur 100kbit erhalten habe (wohne Abseits des Dorfes), auf eine 100.000 Leitung gewechselt ist (volle Bandbreite). Ich bin voll zufrieden. Daher kann ich das verstehen wenn die Telekom erstmal in vorhandene Strukturen investiert. Ich würde es verstehen wenn sie in neu angeschlossene Häuser Glasfaser legen, aber alles aufbudeln? wie lange soll das dauern?

Antwort
von mojo47, 65

in den straßen liegt ja schon geößtenteils glasfaser. nur vom verteilkasten zum haus wird noch coax oder was auch immer verwendet. weiß nicht warum die das machen, kannst es dir ja selbst einbauen wenn du willst ^^

ein geund könnte vielleicht die empfindlichkeit von glasfaser sein.

Kommentar von j45p3r ,

Wäre ja schön, wenn das so einfach gehen würde. Die Telekom wird sich dann querstellen und sagen: "Du bist dran mit Glasfaser, wenn wir das sagen"

Kommentar von asdundab ,

Läge vom Verteilerkasten zum Haus Coaxialkabel bräuchten wir über FTTH nicht sprechen, denn über Coax Kabel sind schon heute Datenraten jenseits von 1 Gb/s möglich. Leider sind es nur ungeschirmte Kupfer-Doppeladern :(.

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