Frage von Referendarwin, 136

Waren Kreuzritter Christen, oder waren es Christianisten?

Wenn Muslime militant und fundamentalistisch denken, nennen wir sie Islamisten. Müsste man die Kreuzritter von damals dann nicht Christianisten nennen?

Expertenantwort
von ArnoldBentheim, Community-Experte für Geschichte & Politik, 32

Es gibt einen wesentlichen Unterschied zwischen den Christen zur Zeit der Kreuzzüge und den heutigen Islamisten. Dieser Unterschied hat mit dem Zugang zu umfangreichen Bildungsmöglichkeiten und der Aneignung von Bildung zu tun.

Die Christen bzw. die Kreuzritter verfügten über geringe Bildung, sie hörten auf ihre Geistlichen und konnten deren christliche und antiislamische Propaganda nicht überprüfen.

Die heutigen Islamisten haben Zugang zu vielfältigen Bildungsmöglichkeiten, über das Internet zu solchen auf der ganzen Welt. Millionen Muslime leben in europäischen Ländern, sind dort aufgewachsen und zur Schule gegangen. Viele Kämpfer des sog. IS kommen ebenfalls aus europäischen Ländern. Sie sind im Vergleich zu den Kreuzrittern hochgebildet und sollten begreifen, dass man sich von Gott/Allah das Paradies nicht erkaufen kann, besonders nicht durch hinterhältige Anschläge und sonstige Untaten! Dennoch die Vernunft auszuschalten und sich kritiklos dem religiösem Fanatismus auszuliefern, ist daher äußerst verwerflich.

MfG

Arnold

Kommentar von SplitterFX ,

Das ist Schwachsinn.
Denn die meisten terroristen kommen aus Ländern mit überhaupt keinem sozialen System und sind schon in früher Kindheit prädestiniert für diesen Weg (das macht ihre Taten nicht besser).
Und die die aus Europa kommen sind auch nicht die Elite, England ausgenommen kommen die meisten aus ärmlichen Verhältnissen und haben einen Migrationshintergrund.
Wenn jemand aus einem Banlieu oder aus einem Armenviertel in Dinslaken kommt und man behauptet, dass diese Leute dort alle Chancen hätten, dann nenn ich das weltfremd

Antwort
von Ryuuk, 43

Die Kreuzritter waren christlich aber nicht ausschließlich Fundamentalisten. Eine Menge waren auch einfach nur gelangweilte Krieger die was plündern wollten und denen ein extra Plätzchen im Himmel garantiert wurde, wenn sie dafür am Kreuzzug teilnehmen.

Das lässt sich leicht daran erkennen das die Kreuzzüge die Tendenz hatten, alles zu plündern was auf ihrem Weg lag.

Antwort
von JBEZorg, 12

Du machst den klassischen Fehler Moralvorstellungen von heute auf die ZEiten zu übertragen als Mord, Totschlag und Folter einfach ganz normale Übung waren

Antwort
von rr1957, 21

Grundsätzlich ein interessanter Gedanke, aber NICHT richtig. Es gibt hier einen wesentlichen Unterschied:

Anders als die Muslim kennen die Christen ein offizielles Oberhaupt (bzw. genauer betrachtet hatte jede der verschiedenen christlichen Kirchen in dieser Zeit - heute ist es anders - ihr jeweiliges Oberhaupt, Papst oder Patriarch genannt).

Die Kreuzzügler war auf Befehl und im offiziellen Auftrag des Papstes von Rom unterwegs, mit der Unterstützung von diversen europäischen Königen.

D.h. die Kreuzzüge waren staatlich geführte Kriege, so offiziell wie es damals nur möglich war. Alles geschah grundsätzlich im Namen der christlichen Religion, also im Namen aller Christen (auch wenn im Details es schon vorkam, dass Kreuzzüge mal  für die Zwecke anderer umgelenkt wurden).

Du nennst ja einen Amerikaner, der als Soldat in Afghanistan kämpft, auch nicht "Amerikanisten" deswegen ...

Aber man sagt "Islamisten" weil diese eben NICHT im Namen aller Muslime handeln.

Kommentar von Referendarwin ,

Du denkst also, dass alle Christen die Kreuzzüge rechtens und christlich fanden?

Kommentar von rr1957 ,

Nein, das denk ich nicht.

Ich denke dass die meisten Christen sich den Päpsten unterworfen haben, und dass die Päpste die Kreuzzüge rechtens und christlich fanden.

WIr reden ja von einer Zeit, wo ein Ketzer rasch auf dem Scheiterhaufen landen konnte - da muss man annehmen, das die meisten, die eine abweichende Meinung hatten, diese niemals öffentlich gesagt haben.

Wobei:  objektiv betrachtet waren die Kreuzzüge sowohl typisch christlich als auch rechtens im damaligen Rahmen.

Es ist erst seit 1928 allgemein verboten, einem anderen Land den Krieg zu erklären ( siehe Briand-Kellog-Pakt ), vorher war das grundsätzlich nichts Ungesetzliches.

Antwort
von Eselspur, 47

kannst du natürlich.
Die Politik der Kteuzritter war allerdings nicht ausschließlich fundamentalistisch.

Antwort
von Schnoofy, 39

Vielleicht findet Deine Wortschöpfung Aufnahme in den Duden.

Kommentar von Referendarwin ,

Sie stammt von Gunnar Heinsohn

Kommentar von Maxieu ,

Den schätze ich eigentlich sehr.

Aber hier liegt er - wie in seiner Revision der historischen Chronologie - daneben.

Mich würde dennoch interessieren, wie er die Anwendung dieses Begriffs auf mittelalterliche Vorgänge begründet.
Kannst du dazu etwas mitteilen?

Antwort
von soissesPDF, 31

Nein, Katholiken.
Bekanntlich war es der Papst, der auf den schmalen Tritt verfiel die Kreuzüge als Christenpflicht auszurufen, was die Islamis ert richtig aus dem Kaftan trieb.

Antwort
von wfwbinder, 36

Ich denke man kann die damalige Zeit nicht mit heute vergleichen.

Nur 350 Jahre davor hatten die Araber ganz Nordafrika und Spanien erobert, wo sie auch zur Zeit der Kreuzzüge bis ins 15. Jahrhundert noch herrschten.

Es war leider eine sehr grausame Zeit. Die europäischen Herrscher wurden vom Papst auf die Kreuzzüge geschickt und diesen vielen auch sehr viele Christen zum Opfer, denn auf dem Gebiet der heutigen Türkei und des heutigen Libanon lebten viele Christen.

Antwort
von Dahika, 26

Das Wort ist zwar erfunden, aber nicht schlecht. Aber viele von ihnen waren einfach beutegierige Verbrecher.

Antwort
von Almalexian, 51

Klingt n bisschen bescheuert und lässt sich so nicht ganz vergleichen.

Kommentar von Referendarwin ,

Wieso nennen wir denn Islamisten nicht einfach Muslime?

Kommentar von Almalexian ,

Weil da n Unterschied besteht.

Es gibt durchaus auch radikale Christen, nur halt keine Christianisten weil das behämmert klingt. Die Kreuzritter waren allerdings keine radikalen Christen in diesem Sinne, sie waren Eroberer.

Kommentar von Maxieu ,

Na, wenn Christen in der Gegenwart einen Gottesstaat anstreben würden, könnte man sie durchaus - im Unterschied zu 08/15-Christen - Christianisten nennen.

Was soll daran "behämmert" sein, wenn nicht das Vorurteil des Hörers/ Lesers gegenüber diesem Begriff?
Ich hoffe, du findest deine Nase...

Kommentar von Almalexian ,

Behämmert weils behämmert klingt.

Und eigentlich müsste man ganz analog von Christentumisten reden. Klingt allerdings noch mehr, naja....

Kommentar von bluestyler ,

Achso und Islamisten ist TOP ne? Sagt doch einfach radikale Muslime.

meine güte..

Kommentar von Almalexian ,

Es ist nur meine Aussage, müsst ihr euch nicht drüber echauffieren.

Kommentar von TheReaper52 ,

bedank dich bei den Medien..

Kommentar von Kosova27 ,

Weil ein Mörder *eig.* kein Muslim ist

Kommentar von Kosova27 ,

Dann kann man doch den IS doch auch Eroberer nennen ?

Kommentar von Almalexian ,

Kann man, berechtigterweise. Es ist allerdings nicht unbedingt ihre Haupteigenschaft.

Antwort
von nowka20, 6

in diesem sinne JA

Antwort
von josef050153, 9

Kreuzritter waren Katholiken, aber sicher keine Christen.

Antwort
von Maxieu, 20

" Wenn Muslime militant und fundamentalistisch denken, nennen wir sie Islamisten."

Sehr ungenaue Definition.

Was ist Militanz?

Jede Form des islamischen Aktivismus? Oder denkst du hierbei schon an den Terrorismus?

Fundamentalistisch sind im Grunde genommen nahezu alle Muslime, sobald sie anfangen, über ihre Religion systematisch zu reflektieren.
Reform-Muslime sind eine von westlichen Talkshows gehätschelte Rarität.


Die Charakterisierung als "Islamisten" bezieht sich auf den Teil der Moslems, der für den Islam die politische Macht und allgemeiner die Herrschaft über die Gesellschaft anstrebt.
Das Spektrum geht etwa von der AKP bis hin zu den Terroristen im Namen des Islam.

"Christianisten" wäre vor der Neuzeit ein anachronistischer Begriff, denn die politische Macht im Namen einer  Religion, gestützt auf religiöse Autoritäten (im Fall der Kreuzritter die des Papstes), auszuüben, war eine Selbstverständlichkeit.

Man wäre auch nicht darauf gekommen, Mohammed selbst und die Kalifen in seiner Nachfolge "Islamisten" zu nennen.

Dieser Begriff wird erst sinnvoll, wenn an eine organisatorische Trennung von politischer Macht und religiösen Institutionen und insgesamt an einen
gesellschaftlichen demokratischen Pluralismus zu denken ist.

Wer diesen Prozess zugunsten einer Wiederrichtung religiöser Herrschaft umkehren will, bekommt den "...ismus" an seine religiöse Überzeugung rangehängt. Der Begriff ist also zwangsläufig ein moderner. Ihn retrospektiv
anzuwenden, Humbug.


 

Antwort
von chrisbyrd, 10

Diese Frage finde ich sehr gut! Bei den Muslimen wird in Muslime und Islamisten unterschieden. Dabei hat Erdogan gesagt, dass es keine Islamisten gibt sondern nur Muslime.

Bei Christen wird aber alles unter dem Deckmantel "Christen" in einen Hut gesteckt. Das ist völlig falsch und auch schwachsinnig.

Vielleicht sollte man besser hinterfragen, werden Lehren der jeweiligen größten Vorbilder folgt? Im Islam wäre das Mohammed, der viele Kriege geführt und sogar selbst Massenhinrichtungen befohlen hat. Im Christentum ist dies Jesus, der keinen Menschen getötet, dafür aber Menschen geheilt und ihnen den richtigen Weg gezeigt hat. Sogar der Koran erkennt an, dass Jesus (Isa im Koran) ohne Sünde gelebt hat.

Ebenso ist ein Aspekt in dieser Sache von Bedeutung: Die Islamisten berufen sich meist auf den Koran, aber die Kreuzfahrer konnten sich niemals auf die Bibel berufen. Sie sind dem Aufruf des Papstes gefolgt, der behauptet hat "deus vult" (Gott will es) - er konnte aber keine Bibelstellen dafür angeben, dass Christen diese Kreuzzüge durchführen sollen.

Die Kreuzzüge konnten also niemals mit der Bibel legitimiert werden. Für Christen findet sich in der Bibel kein Auftrag, Jerusalem oder Israel zu erobern. Da Jesus Nächsten- und sogar Feindesliebe lehrte, hätte es für Christen ausgeschlossen sein sollen, die fürchterlichen Kreuzzüge durchzuführen.

Deshalb und aus anderen Gründen (die Grausamkeiten, die während der Kreuzzüge verübt wurden; das Versprechen des Papstes, dass die Teilnehmer an den Kreuzzügen Sündenvergebung erhalten usw.) kann man die Kreuzzüge als antibiblisch und antichristlich bezeichnen. Kein Christ, der die Bibel gelesen hat und an ihren Inhalt glaubt, dürfte dies bezweifeln...

Kommentar von rr1957 ,

Du solltest bedenken, dass in der Zeit der Kreuzzüge es den einfachen Christen oft sogar verboten war, selbst die Bibel zu lesen.

Das ist eines der grundlegenden Unterschiede zwischen Islam und Christentum:   ein Muslim liest den Koran und versucht ihn selbst zu verstehen, ggf. mit Hilfe von Gelehrten - ein Christ ist dagegen auf die Hierarchie der Priester und Bischöfe verwiesen, denen soll er gehorchen und beichten, aber die Bibel darf er NICHT selber auslegen. Der Papst als Stellvertreter (Kalif) von Christus darf die Lehre gegenüber der Bibel sogar abändern oder weiterentwickeln!

Es braucht also gar keine Legitimierung der Kreuzzüge aus der Bibel, denn der Befehl des Papstes hatte da Vorrang.

Kommentar von chrisbyrd ,

Das belegt ebenso, wie antichristlich und antibiblisch die Aufrufe zu den Kreuzzügen waren.

Nach der Lehre der Bibel sind alle gläubigen Christen Heilige und Priester. In 1. Petrus 2,9 steht z. B.: "Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, ein königliches Priestertum, ein heiliges Volk."

Deshalb brauchen Christen auch keine Priester oder sonstige Gelehrte, die ihnen die Bibel erklären, sondern sie sollen alles selbst anhand der 66 Bücher der Heiligen Schrift überprüfen. Das Vorbild für Christen sollten die Beröer sein, über die in Apostelgeschichte 17,11 steht: "Sie forschten täglich in der Schrift, ob es sich so verhalte."

Kommentar von Netie ,

Das Vorbild für uns Christen ist Christus.

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