Frage von VerleihChay, 87

Waren diese Minusstunden "erlaubt" und wenn nicht was kann ich tun?

Hallo, ich bin Leiharbeiter und es ist schon länger her (Dezember 2015) dass ich mal eine "Einsatzfreie Zeit" hatte, weil die Leihfirma noch keinen Auftrag hatte. Ich saß dann erstmal 3 Tage zuhause. Später sah ich dann auf meiner Lohnabrechnung dass ich Minusstunden bekommen habe. Erst heute habe ich im Internet gelesen dass das wohl garnicht rechtens ist. Ich weiß auch noch wie ein Kollege von der selben Leihfirma mir eine SMS von der Leihfirma gezeigt hat wo drin stand dass er nächste Woche zuhause bleiben kann weil im Entleihbetrieb (angeblich) die Maschinen nicht gehen. Und dann stand da "Siehst du für genau sowas sind die Überstunden da" mit so einem provokativen Zwinker-Smiley. (Nur seltsam das die Leihfirma im vorraus schon weiß wann die Maschinen kaputt gehen und das ganz zufällig bevor der Kollege kündigen wollte weil er zurück in seine Heimat geht, und die Überstunden dann bei Kündigung ausgezahlt bekommen hätte)

Also meine Frage, sind Überstunden wirklich da um bei Leiharbeitern so eine einsatzlose Zeit auszugleichen, dürfen die mir einsatzlose Zeit als Minusstunden berechnen, und wenn nicht, wo kann ich die Leihfirma melden, also an was für eine Stelle kann ich mich wenden? Ist es vielleicht schon zu lange her und ich kann garnichts mehr im nachinein dagegen tun?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von IngoBa, 32

Hallo,

das "Zauberwort" heißt "ZOLL-UNTERSUCHUNG".

Wenn Du dieses Deiner Firma nennst, werden die Disponenten dort plötzlich sehr nett zu Dir und Deinen Kollegen sein. Deine Zeitfirma ist korrupt, und bestiehlt vermutlich schon seit Jahren Zeitarbeiter, wenn sie keinen Einsatz für sie haben.

Drohe ihnen, den Zoll einzuschalten, der auch dafür zuständig ist, zu kontrollieren, ob Zeitarbeitern ohne Einsatz illegalerweise Minusstunden aufgedrängt wurden, und ob sie Zwangsurlaub nehmen und Plusstunden/ Urlaubstage dafür nehmen mussten.

Auch an Verdi kannst Du Dich für eine Rechtsberatung wenden.

Rechtsberatung von Verdi. Suche über Postleitzahl, Bundesland

https://www.verdi.de/wegweiser/verdi-finden

https://www.verdi.de/themen/recht-datenschutz/++co++259cb6fc-ae09-11e0-7d3a-0009...

Am Besten, Du schliesst Dich mit anderen Kollegen zusammen, und zeigst der korrupten Zeitfirma mal die "rote Karte", und sagst ihnen, was sie nicht dürfen !

Das Bundesarbeitsgericht hat nämlich am 13.12.2000 (Az.: 5 AZR 334/99) entschieden, dass eine Verrechnung des Arbeitgebers nur dann möglich ist, wenn der Arbeitnehmer Einfluss auf das Entstehen von Minusstunden hatte. Dies ist jedenfalls dann nicht der Fall, wenn nicht genug Arbeit im Betrieb vorhanden war, denn darauf hat der Arbeitnehmer keinen Einfluss.

https://kanzas.de/2011/11/25/keine-verrechnung-mit-vergutungsanspruchen-bei-nega...

Wie korrupte Zeitarbeitsfirmen betrügen:

https://www.gutefrage.net/frage/zeitarbeit-darf-das-arbeitszeitkonto-zum-ausglei...

Ausgetrickste Leiharbeiter - Das Totalversagen der BA für Arbeit. Monitor fragt: "Wie gut kontrolliert die Bundesagentur für Arbeit ?" Auf 18500 Leihfirmen kommen nur 55 Prüfer (2013) !

Kommentar von VerleihChay ,

Vielen Dank für die Antwort :)

Wie kann ich denn so ne Zoll-Untersuchung veranlassen? :D hehe

Kommentar von IngoBa ,

Rufe den Zoll doch an, und erzähle ihnen etwas. Die müssen dann reagieren. Wenn Du weißt, daß die Firma Reihenweise Zeitarbeiter zwingt (und vermutlich schon länger), Urlaubsscheine zu unterschreiben, wenn sie keine Einsätze hat, dann kann das der Zoll schnell feststellen, wenn er sich die Urlaubslisten genauer anschaut. Wenn z.B. ausserhalb der Urlaubszeiten 5 Zeitarbeiter gleichzeitig für 2 Tage "Urlaub eingereicht" haben, dann könnte es Vatertag gewesen sein, oder es lag an Einsatzfreien Tagen ein Zwangsurlaub vor - mit dem Opfern von Urlaubstagen/Plusstunden.

Die Bundesagentur für Arbeit hat nur eine mickrige Anzahl (unter 100) von eigenen sogenannten "Prüfern" - für 950 000 Zeitarbeiter und Zehntausenden Zeitfirmen. Die schauen da bei der Korruption von Zeitfirmen eher bewusst weg (siehe die links in meinem anderen Beitrag), genau wie die Jobcenter. Sie profitieren ja davon, eine Hand wäscht die andere.

Neben dem Zoll kann man aber auch über Verdi versuchen, daß man als Zeitarbeiter zu seinem Recht kommt. Man muss es nur wollen. Zu Viele Zeitarbeiter lassen sich zu viel gefallen - Flüchtlinge werden die nächsten Opfer von korrupten Zeitfirmen sein, wenn sie dann dort arbeiten dürfen.

Kommentar von VerleihChay ,

Perfekt das mache ich, vielen Dank! :)

Expertenantwort
von Hexle2, Community-Experte für Arbeit & Arbeitsrecht, 38

 sind Überstunden wirklich da um bei Leiharbeitern so eine einsatzlose Zeit auszugleichen,

Nein, sind sie nicht.

Lies mal hier:

https://www.haufe.de/personal/arbeitsrecht/zeitarbeit-kein-einsatz-kein-abzug-au...

wo kann ich die Leihfirma melden, also an was für eine Stelle kann ich mich wenden?

Du musst Dein Geld beim Arbeitsgericht einklagen, wenn Du die Leihfirma vorher schriftlich zur Zahlung aufgefordert hast (mit Fristsetzung) und diese die zu Unrecht abgezogenen Stunden nicht bezahlt oder gutschreibt.

Kommentar von VerleihChay ,

Danke für den Link. Also Geld hab ich ja bekommen, nur wurden mir dann für die einsatzlose Zeit eben Minusstunden aufs Zeitkonto geschrieben. Und das ist schon 9 Monate her aber ich hab ja heut etwas darüber gelesen also ist es schon zu spät oder kann ich noch was machen?

Kommentar von Hexle2 ,

Schau mal im Vertrag ob da etwas von "Ausschlussfristen" steht.

Normalerweise kann man bis zu drei Jahre rückwirkend Ansprüche geltend machen. Geregelt ist das im § 195 BGB: "Die regelmäßige Verjährungsfrist beträgt drei Jahre".

In Arbeitsverträgen können diese Verjährungen/Ausschlussfristen aber kürzer vereinbart sein.

Sind die Ausschlussfristen arbeitsvertraglich vereinbart, dürfen sie nicht kürzer als drei Monate sein, bei einem anwendbaren Tarifvertrag können auch andere Fristen gelten.

Was bei Dir zutrifft, kann ich nicht sagen aber eine Möglichkeit Dir Dein Geld zu holen gibt es nur, wenn die Verjährungsfrist nach § 195 BGB nicht arbeits-/tarifvertraglich so verkürzt wurde, dass Du zu spät bist.

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