Frage von Centario, 126

Waren die Raubritter das ganze Jahr aktiv oder nur zu bestimmten Jahreszeiten und haben sie Ehefrauen mit auf die Burg genommen um sie sexuell zu nötigen?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von ArnoldBentheim, Community-Experte für Geschichte, 30

Der Begriff "Raubritter" ist nicht zeitgenössisch, sondern eine spätere Erfindung. Er beruht auf einem grundsätzlichen Irrtum.

Ritter als Teil des Adels nahmen für sich in Anspruch, gegen unliebsame
Standesgenossen, Städte, wen auch immer eine Fehde zu führen, wenn sie
sich in ihren vermeintlichen Rechten oder ihrer Ehre verletzt fühlten.
Die Form der Fehde war ursprünglich ein legales Mittel, sich selbst
Recht zu verschaffen, weil die "Staatsgewalt" schwach oder schlicht
nicht vorhanden war, um (vermeintliches) Unrecht zu verurteilen und zu
sanktionieren.

Diese Fehden waren schon immer Raubzüge gewesen, die sich besonders gegen die Bauern und Untertanen der Fehdegegner richteten. Auch der direkte Fehdegegner oder seine Angehörigen wurden nur selten getötet, sondern meist gefangen, um ein hohes Lösegeld zu erpressen. Daher ist das Bild von grausamen Wüstlingen, die Ehefrauen verschleppen und vergewaltigen, ein Hollywoodmythos, worauf hier schon hingewiesen worden ist. Seltene Ausnahmen bestätigen wohl die Regel, aber diese sind nicht erforscht und hätten die umgehende Exkommunikation durch die Kirche nach sich gezogen und den Verbrecher, Adliger oder nicht, zu einem Vogelfreien gemacht. Die Fehde hatte aber das vordringliche Ziel, den Gegner durch Verringerung oder Vernichtung seiner Ressourcen in die Knie zu zwingen und dem Sieger einen Profit zu verschaffen. Ulrich von Hutten schrieb an seinen Freund Willibald Pirkheimer über die Situation während einer Fehde: "Gehe ich nämlich von Hause fort, so muss ich fürchten auf Leute zu stoßen, ... die mich .. anfallen und wegschleppen. Wenn es dann
mein Unglück will, geht leicht mein halbes Vermögen als Lösegeld darauf
... Deswegen halten wir uns Pferde und umgeben uns mit zahlreichem
Gefolge, alles unter großen und spürbaren Kosten. Unterdessen gehen wir
nicht einmal im Umkreis von zwei Joch ohne Waffen aus. Kein Dorf können
wir unbewaffnet besuchen, auf Jagd und Fischfang nur in Eisen gehen.
"  (http://www.zum.de/psm/ma/hutten1518.php)

Gewiss war die Ritterschaft am Ende des Spätmittelalters oft in einer
schwierigen materiellen Situation. Die Einkünfte aus den Abgaben der
Landwirtschaft treibenden Bauern genügten nicht mehr, um die höheren
Anforderungen an Fortschritte der Waffentechnik - spezielle
Plattenharnische; Ausbau der Befestigungsanlagen gegen Beschuss von
Kanonen - und den Aufwand für zeitgemäßen Lebensstandard bzw. Luxus
aller Art zu finanzieren. Größte Konkurrenten waren die Städte geworden,
genauer: ihre reichen Kaufleute. Die kleinste Kleinigkeit und
Benachteiligung genügte, um einen Ritter zur Ansage der Fehde zu
veranlassen und Kaufleute der Stadt, der er die Fehde angesagt hat, zu
überfallen, zu berauben und sie nur gegen Lösegeld wieder freizugeben.

Allerdings gab es ab 1495 für die Ritter ein großes Problem: durch den Beschluss des Reichstages des Heiligen Römischen Reiches war im ganzen Reich der "Ewige Landfrieden" beschlossen und verkündet worden. Seit dieser Zeit waren Fehden nicht mehr legal, sondern ungesetzlich! Die Ritterschaft jedoch beugte sich erst allmählich dieser neuen Rechtslage. Viele Ritter sahen nicht ein, dass das, was vorher über Jahrhunderte ihr Recht gewesen war, nun plötzlich Unrecht sein sollte. Etliche Ritter, die
nicht auf die Fehde verzichteten, wurden seit 1495 gewaltsam dazu
gezwungen, ihre Burgen wurden z. T. zerstört - z. B. die des Hans Thomas von Absberg - , sie selbst inhaftiert - ein berühmtes Beispiel dafür ist Götz von Berlichingen, der solange inhaftiert wurde, bis er "Urfehde", also den lebenslangen Verzicht auf Fehdeführung, geschworen hatte -, wenige ganz brutale sogar hingerichtet. Seit dieser Zeit wurden Ritter, die noch zur Fehde griffen, also zu Rechtsbrechern erklärt und selbst, wenn sie sich bei ihrem Vorgehen am früheren Fehderecht orientierten, nunmehr als Landfriedensbrecher angesehen und bestraft. Spätere Jahrhunderte sahen in ihnen undifferenziert und ohne dieses Hintergrundwissen einfach nur noch Räuber, "Raubritter".

Seine Einkünfte durch Fehden zu sichern war die eine Seite der Medaille. Es gab gewiss andere Seiten, um wirtschaftlich über die Runden zu kommen. Die eine war, als Militärunternehmer aufzutreten und sich bei größeren Fürsten als Offiziere gegen Soldzahlungen zu verdingen. Die andere Möglichkeit war, bei größeren Fürsten in der Landesverwaltung als Räte, Statthalter oder Amtleute zu dienen.

MfG

Arnold



Kommentar von Centario ,

Absolut, was mir zusätzlich auffällt das Geld schon mehr eine Rolle gespielt hat als man heute vermutet. Interessant ist auch der Niedergang beleuchtet. Danke Arnold

Kommentar von ArnoldBentheim ,

Ja, das "Geld" war immer schon sehr wichtig und eine Motivation für allerlei, auch für allerlei Gewalt, Erpressung und andere Gemeinheiten.  :-)

Kommentar von ArnoldBentheim ,

Vielen Dank für die Auszeichnung!  :-)

Kommentar von Dirndlschneider ,

Wow , super Beitrag , ich habe eine Menge gelernt ! 

Kommentar von ArnoldBentheim ,

Dankesehr.  :-)

Antwort
von MarkusKapunkt, 42

Das Raubrittertum im ausgehenden Mittelalter hatte seine Wurzeln darin, dass Ritter sein sich aus militärischen Gründen nicht mehr auszahlte. Es gab bereits Feuerwaffen und auch Lanzenträger, die schwerer Kavallerie gewachsen und auch überlegen waren. Man griff nun bei der Reiterei im Heer auf leichtere Kavallerie zurück, für die Ritter aus dem Hochmittelalter gab es nun keinen Platz mehr.

Besonders in Friedenzeiten (wegen der Frage nach der Jahreszeit) hatten es solche Ritter mitunter sehr schwer. Einige ehemalige Ritter, meist solche, die kein eigenes Lehen hatten, hatten kaum eine andere Wahl, um der Armut zu entgehen, verdingten sich nunmehr als Raubritter - Sie waren damit aber nichts als bloße Briganten und Kriminelle. Manchmal genossen sie zwar seitens des Adelshauses, für dass sie einst einmal kämpften, oder aufgrund ihrer Abstammung her noch Privilegien, die ihnen sogar das Schafott ersparen konnten, aber trieben sie es allzu arg, wurden auch sie von der Obrigkeit verfolgt.
Eine Burg hatten Raubritter mangels Lehnbesitzes natürlich nicht, also konnten sie dort auch keine Frauen mit hinnehmen. Es wird aber zu Überfällen gekommen sein, wo auch Frauen vergewaltigt wurden - doch eine solch üble Straftat bedeutete, dass man die Übeltäter dann nur umso schärfer verfolgte.

Kommentar von Centario ,

Mit der Antwort komme ich klar, ich dachte schon das da zuwenig bekannt ist. Bei den Jahreszeiten hatte ich angenommen das die Erntezeit bevorzugt wurde, hat sich aber nicht bestätigt.

Antwort
von WulleWux, 58

Die hatten es so gemacht wie die Modernen Raubritter .

Die haben den Bürger und Bauern das Geld abgenommen und mit dem vielen Geld konnten die sich alle Frauen leisten.

Kommentar von Centario ,

Danke für die Prallelen, hatte daran noch nicht gedacht. Irgend was ist da dran, deshalb auch hier gleich die Aufregung.

Kommentar von WulleWux ,

Der Mensch ändert sich nicht :-)) eher muss er sich anpassen damit er keine Keule abbekommt.

Kommentar von Centario ,

Ja Wulle das ist wahr, die Keule wollen wir uns alle ersparen.

Antwort
von TreudoofeTomate, 41

Wieso sollten sie ihre eigenen Ehefrauen sexuell genötigen? Was ist das überhaupt?

Kommentar von Centario ,

die Ehefrauen ihrer Opfer, sonst ist das mehr eine Geschichtsfrage, entschuldige die Störung.

Kommentar von TreudoofeTomate ,

Glaubst du ernsthaft, dass die Raubritter, falls sie Frauen verschleppt haben, nach Ehefrau und Single unterschieden haben? Frau ist Frau und Männern, die sich Frauen gefügig machen wollen, ist es völlig egal, ob diese verheiratet oder ledig sind.

Kommentar von Centario ,

Bei Jungfrauen ist mir das schon klar, nur habe ich gehofft das sie sich bei Ehefrauen etwas rücksichtsvoller Verhalten haben. Die hatten ja schon Kinder und einen Mann. Ja ein zügelloses verhalten werden die schon gehabt haben. Gut das wir die Zeiten als Menschen überwunden haben. Hast mir geholfen.

Kommentar von Ontario ,

Raubrittertum war verbreitet und zwar aus vielerlei Gründen. Würde man mal zurückverfolgen, woher einige Adelige diese enormen Besitztümer haben, würde man recht schnell auf das Raubrittertum kommen. Riesige Bodenflächen, Wälder usw. Das haben deren Vorfahren sicher nicht mit ihrer Hände Arbeit erwirtschaftet. Nur mal als Beispiel die Grimaldis und damit das Fürstentum Monaco. Da muss man sich nur mal in die Geschichte einlesen und spätestens dann weiss man, wie die zu diesem Fürstentum kamen. Ähnlich dürfte das auch bei den anderen VON und ZU gewesen sein die heute über beträchtliche Vermögen verfügen. Sicher wird es auch schon zu Zeiten des Rittertums ausufernde Gelage gegeben haben, was ja kein Problem war, wenn man bedenkt, dass die Bauern einen Zehnten ihrer erwirtschafteten Produkte an den Fürsten abgeben mussten. Was die mit ihren Ehefrauen, oder Jungfrauen machten, wäre vielleicht ein Chronist zu befragen.Wahrscheinlich auch nichts anderes, wie das auch heute in den oberen "Etagen" abläuft.

Kommentar von Dirndlschneider ,

Bezugnehmend auf deinen Kommentar wollte ich gerade händereibend das " jus primae noctis " anführen , habe aber zu meinem Erstaunen beim googeln bemerkt , dass es dies wohl niemals in in dieser Weise gegeben hat . Auch gut !

Antwort
von SiViHa72, 58

Du guckst auch die falschen Filme, ja?


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