Frage von Benedikt888, 12

Waren die Luftangriffe von Dresden am Februar 1945 nötig?

Strategisch war das natürlich ein kleverer fieser Schachzug! Aber trotzdem, wieso tötet man so viele Zivilisten? Dresden war doch eine Stadt voller Flüchtlinge und normale Zivilisten und da war keine Luftverteidigung. Der Krieg war ja schon für die Alllierten gewonnen. Was war der Zweck? Frühere Kapitulation?

Expertenantwort
von PeVau, Community-Experte für Geschichte & Politik, 7

Ich habe bei diesen Fragen ein ungutes Gefühl.

Zum einen neige ich dazu sie sachlich zu beantworten und zu schreiben, dass die Flächenbombardierungen deutscher Städte vor allem in der Endphase des Krieges keinen anderen Zweck als Terror hatten. Die Produktionskapazitäten Deutschlands wurden durch diese Angriffe nur unzureichend geschädigt bzw. zum Teil auch offensichtlich geschont. Selbst wenn es mal einen wichtigen Produktionsbetrieb erwischt hatte, so nahm der in der Regel wenige Tage später die Produktion wieder auf.

Angriffe wie der auf Dresden waren auch Teil der Vervollkommnung alliierter Luftkriegsführung, die an einer bis dahin fast unzerstörten Stadt, die Effizienz ihrer Luftschläge studierten.

Auf der anderen Seite habe ich bei der Beantwortung das ungute Gefühl, dass rechte Geschichtsrevisionisten mit solchen Fragen die Schuld Deutschlands am Ausbruch des Zweiten Weltkrieges und an der Art und Weise seiner Führung relativieren wollen und gleichzeitig vergessen machen wollen, dass der Anfang von Terrorangriffen aus der Luft in diesem Krieg auch auf deutsche Kappe geht.

So kommt man nicht umhin, es deutlich zu sagen, dass auch die zivilen Opfer in deutschen Städten letztendlich Opfer ihrer faschistischen Regierung waren. Deshalb ist es auch unerträglich, wenn die geistigen Nachfolger dieser den Krieg verursachenden braunen Brut heutzutage ihre verlogene Betroffenheit heucheln und sich an die Spitze der Erinnerung an die Opfer stellen wollen.

Antwort
von voayager, 7

Zum Zeitpunkt der Luftangriffe auff Dresden lag Deutschland längst am Boden, daher war das Bombardement gegen diese Stadt reiner Terror, exekutiert vom britischen Staat.

Da auch ich klar erkenne, dass bevorzugt die Rechten aus diesem Terrorangriff Honig raussaugen, diese fürchterlichen Luftschläge zu ihren üblen Zwecken instrumentalisieren, überkommt mich gleichfalls ein Unbehagen.

Im Grunde hat PeVau alles Maßgebliche schon gesagt, ich kann dazu nichts Anderes und Neues beitragen, kann also "nur" seinen Standpunkt zusätzlich bekräftigen.

Antwort
von Realisti, 5

Es gibt Fragen, die man 1946 völlig anders beantwortet hätte als 2016 oder 1936.

Diesen Luftangriff darf man nicht isoliert betrachten. Eine Stadt voller Zivilisten zu bombardieren ist einfach Wahnsinn. Egal wie man das Blatt wendet oder dreht.

Nach dem ersten Weltkrieg kamen Theorien hoch wie z. B. die Dolchstoßlegende. Sie zeigen einfach, wie die Menschen damals gedacht haben. Der geschichtliche Rahmen ist somit sehr wichtig für die Beantwortung deiner Frage.

Ferner wurde in Europa bereits seit 6 Jahren erbittert gekämpft. Nicht Wenige hatten zudem auch schon im ersten Weltkrieg gekämpft. Dabei verrohen die Menschen. In solchen Zeiten fliegen moralische Grenzen und Werte leichter über Bord. Die Menschen verlieren das richtige Maß für das Anständige.

Die Propaganda-Maschinen auf allen Seiten erweckten den Glauben, dass eine Feindtötung immer gut ist und immer durch alles gerechtfertigt wird. So ein Mantra senkt auf Dauer alle Hemmschwellen. Wie stark das ist zeigt, sich dass die damals üblichen Beleidigungen und Vorurteile noch immer in Gebrauch sind.

Wir haben heute eine unglaublich lange Friedenszeit in Deutschland. Vor diesem Hintergrund ist diese Entscheidung noch weniger zu verstehen als 1945.

Antwort
von Realisti, 5

Ich vermute du rüttelst damit an einer Grundfrage des Krieges.

Zu dem Zeitpunkt in der Situation glaubten die Engländer diesen Angriff rechtfertigen zu können. Das geschah in Folge zu den Luftangriffen u. a. auf London. Sie wollten damit die Moral der Bevölkerung treffen und das Kriegsende beschleunigen.

Wenn man den Fernsehberichten glauben darf, kam einigen Fliegern schon bei der Ausführung Zweifel. Es kamen aber auch welche zu Wort, die nie Zweifel an der Richtigkeit bekamen.

Die gleiche Frage stellte sich auch bei der Gustlov.

Uns ging es wie allen Verlierern zu allen Zeiten. Die Sieger bestimmen den Blickwinkel auf das Geschehene.

Antwort
von thetee99, 5

Historiker streiten ja bis heute, ob die massive Bombadierung auf Dresden nicht als Kriegsverbrechen angesehen werden sollte.

Aber Dresden war 1945 eine der letzten, intakten Garnissionsstandorte und war ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt. Nach damaligen Informationen der Alliierten hätte es die Möglichkeit gegeben, nochmal 42 Divisionen an die Ostfront zu schicken. Um das zu unterbinden, drängte die Sowjetunion darauf, diese Verkehrspunkte zu zerstören, um die Ostfront zu entlassten.

Auch die deutsche Armee hatte, z. B. mit dem Einsatz der damals noch unpräzisen V2 Rakete zivile Opfer, in England in Kauf genommen.

Ich denke aber auch, dass es bei dem massiven Angriff um eine Präsentation der Überlegenheit der Alliierten ging und ganz unverdient war es ja auch nicht.

Antwort
von Ruenbezahl, 5

Die Engländer glaubten, mit der Bombardierung der Wohngebiete die Moral der Zivilbevölkerung brechen zu können ("Moral bombing"). Tatsächlich war jedoch genau das Gegenteil der Fall. Je mehr Zivilbevölkerung getötet wurde, um so mehr nahm der verständliche Hass auf die Feinde zu, die wahllos töteten, und damit der Widerstandswillen. Wenn die gleiche Menge Bomben auf Industrien, Bahnlinien und Straßen geworfen worden wäre, dann wäre der Krieg viel früher beendet gewesen. Es hätte zwar auch eine Menge ziviler Opfer gegeben ("Kollateralschäden"), aber doch wesentlich weniger. Die Verwendung von Napalm war außerdem durch die Genfer Konvention von 1925 verboten und stellte somit ein Kriegsverbrechen dar.

Das ist keine Relativierung deutscher Kriegsverbrechen, sondern nur Ausdruck der Überzeugung, dass jedes Verbrechen, gang gleich von wem und an wem begangen, verurteilt werden muss.

Antwort
von JBEZorg, 5

Es war Krieg. Beide Seiten bombardierten alles was ins Visier kam. Und wie man es dreht und wendet den Bombenkrieg gegen Zivilisten haben die Deutschen angefangen. Ob jetzt die Angriffe der Westaliirten durch Rache, besondere Brutlität und Rücksichtslosigkeit oder einfachden Blickwinkel des tobenden Weltkriegs zu erklären sind ist eher irrelevant. 

Es diskutiert sich leicht hinterher. Und letzendlich war der ganze Krieg eben unnötig und Abermillionen unschuldiger Opfer eben auch. 

Macchiavelli hat vor Jahrhunderten die Fürsten ermahnen wollen vor einem Kriegsbeginn:"Du kannst den Krieg beginnen wann du es willst aber er wird nicht aufhören nach deinem Willen." Man kann nicht auf den Stopp-Knopf drücken und die Gewalt endet schlagartig und alle haben sich lieb. Genau das ist das Problem des Krieges an sich. Die Gewaltspirale dreht sich und verursacht mehr Gewalt.

So militärisch unnötig die Angriffe gewesen sein mögen, sie waren so traurig es ist nüchtern betrachtet einfach nur Teil des bisher blutigsten und brutalsten Krieges, in dem es solcher Vorfälle Hunderte gab.

Antwort
von xvanille, 4

Aus heutiger Perspektive kann man sich natürlich fragen, ob das 'nötig' war. Die Frage ist allerdings, mit welchem Ziel man diese Frage stellt - was möchtest du damit herausfinden? 

Gründe, die für das Bombardement sprechen, gibt es natürlich und du sprichst einen bereits an: es war strategisch klug. Gerade durch Angriffe auf Zivilisten war es möglich, den Rückhalt des Krieges im Volk zu schwächen (Deutschland hat schließlich auch feindliche Städte bombardiert...und nicht nur die, aber das mal beiseite). Auf der Makroebene führen immer noch zwei Länder geschlossen gegeneinander Krieg - da ist es nicht so sehr wichtig, ob man Zivilist ist oder nicht, was zählt, ist die Nationalität. Zumal man davon ausgehen konnte, dass viele dieser Zivilisten zumindest nicht an und für sich gegen das Regime waren (sonst säßen sie vermutlich in KZs), womit sich dann die Frage stellt, ob es dann nicht doch auch die Richtigen getroffen hat. 

Wie du siehst, kann man diese Diskussion ewig fortsetzen, das Erkenntnisinteresse erschließt sich mir allerdings nicht aus der von dir gestellten Frage.

Kommentar von Haldor ,

"womit sich dann die Frage stellt, ob es dann nicht doch auch die Richtigen getroffen hat." Finde ich geschmacklos, diese Bemerkung!

Antwort
von CamelWolf, 3

Die Ursache für dieses Bombardement hat Deutschland am 1. September 1939 geliefert.

Danach fragte jede Seite nur noch, wie man der anderen Seite die meisten Schäden zufügen konnte. Einfach nur, um den Krieg zu beenden.

Die Sinnfrage kann man meiner Meinung nach nicht mit dem Wissen des Jahres 2016 stellen.

Antwort
von Screrex, 2

Nein war es nicht, Bomber Harris hätte genauso bei den Nürnberger Prozessen sitzen müssen.

Kommentar von Haldor ,

,... aber es heißt halt immer: "vae victis!" Und Recht haben immer die Sieger.

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community

Weitere Fragen mit Antworten