Frage von BVBDortmund, 97

War niemand willkommen?

Und, warum ist heute niemand willkommen, in Polen?

http://www.zeit.de/2016/14/flucht-fluechtlinge-marokko-ostpreussen-generationen-...

Neulich hatte ich ein denkwürdiges Gespäch mit zwei Polen, die vorübergehend in Deutschland waren, Es ging um Merkel und die Flüchtlingspolitik,ein Thema was mich gerade nicht interessierte. Allerdings konnte ich mir nicht verkneifen, nach einem anfänglich freundlichen Gespräch zu erzählen, dass vermutlich viele meiner Vorfahren vor Jahrhunderten von Jahren von Masowien nach Masuren eingewandert sind. "Sehe ich nicht polnisch aus?" Erst etwa1945 wurden ua meine Eltern und Grosseltern hinausgeworfen, aus Polen/Masuren. Ich deutete einen Fusstritt an, um meine Aussage zu unterstreichen. Jetzt kippte die Stimmung, zuerst vom diesem selbstgenannten Schlesier und dann bei dem, der erst sagte er spreche nur russisch.

Was hatten plötzlich diese polnisch sprechende Männer gegen mich, Ich bin

ja nicht national deutsch und national polnisch wollten und durften meine Eltern und Grosseltern nicht werden. Der Russe bat mich zu gehen.

Antwort
von Fontanefan, 27

Als polnische Fürsten Deutsche ins Land gerufen haben, wurde die Bevölkerung nicht gefragt. Das wäre inzwischen schon längst vergessen, wenn nicht jahrhundertelang große Teile des heutigen Polens unter der Herrschaft des deutschen Ordens gestanden hätten, und die Missionsabsicht mit immer neuen Kriegszügen gegen die dortige Bevölkerung verbunden hätten. Das spielte heute kaum noch eine Rolle, wenn Polen nicht Ende des 18. Jahrhunderts nach und nach von seinen drei Nachbarn Russland, Preußen und Österreich-Ungarn gewaltsam unterdrückt und aufgeteilt worden wäre, worauf eine massive Politik der Unterdrückung der polnischen Sprache und Kultur begann (von seiten  Preußens schlimmer als von Österreich).

Dass ein Land eine ganze Zeit von der Landkarte verschwunden war, wird dort nicht mehr vergessen, wenn auch einzelne Bewohner nichts davon wissen und die meisten vielleicht nur selten daran denken.

Dann aber haben zwei der schlimmsten Diktatoren des 20. Jh., Hitler und Stalin, nochmals Polen unter sich aufgeteilt. In den Abwehrkämpfen waren die Polen ohne Chance. Dann haben Deutsche den schrecklichsten Völkermord der Weltgeschichte primär auf polnischem Boden durchgeführt, so dass eine polnische Stadt seit vielen Jahrzehnten zum Symbol für dieses Verbrechen geworden ist.

Und dann erwähnt ein Deutscher, dass seine Vorfahren nach Polen gekommen sind und deutet mit einem Fußtritt an, sie seien in unangemessener Weise aus dem Land gedrängt worden.

Dass da bei Polen der Gedanke hochkommt "Denkt dieser Deutsche denn überhaupt nicht daran, warum das geschah?", ist doch wohl verständlich.

Inzwischen gibt es viele Projekte deutsch-polnischer Zusammenarbeit und 
deutsch-polnischer Begegnungen. Sehr viele Polen sehen die heutigen Deutschen trotz der Vorgeschichte positiv. Aber dass ein großer Teil von ihnen auf Ausländer, die auf Dauer ins Land kommen, nicht gut zu sprechen ist, ist nach der Vorgeschichte wohl verständlich. In Deutschland gibt es ja auch viele, die etwas gegen die Einwanderung von Flüchtlingen haben. Dabei hat Deutschland seinen Gastarbeitern und Einwanderern zu verdanken, dass das Wirtschaftswunder nicht in einer allgemeinen Stagnation stecken blieb, sondern in die Phase andauernden Wohlstandes geführt hat, die wir seit vielen Jahrzehnten erleben (auch wenn es leider noch viele Ungerechtigkeiten und Missstände gibt).

Als die deutschen aus Polen Vertriebenen im ausgebombten und hungernden Westdeutschland untergebracht werden mussten, waren sie bei den wenigsten willkommen. Teilweise mussten die Einheimischen mit der Waffe dazu gezwungen werden, ihre Wohnungen mit ein, zwei oder mehr Flüchtlingsfamilien zu teilen. 

Der Artikel 16 des Grundgesetzes wäre nicht durch den Artikel 16a ersetzt worden, um zu verhindern, dass irgendein Flüchtling aus Nachbarländern ins Land kommen konnte, ohne dass er wieder zurückgeschickt werden konnte, wenn bei uns Flüchtlinge immer von der Mehrheit der Bevölkerung begrüßt willkommen geheißen worden wären.

Jetzt habe ich einiges geschrieben, aber sehr viel weggelassen, was eigentlich noch dazu gehörte. Denn ich habe einen Termin vor mir, den ich unbedingt wahrnehmen will. 

Kommentar von BVBDortmund ,

>>Dass da bei Polen der Gedanke hochkommt "Denkt dieser Deutsche denn überhaupt nicht daran, warum das geschah?", ist doch wohl verständlich.

Nö, warum denn. Ich würde aber gerne den polnisch RECHTEN und den deutschen RECHTEN sagen, dass mein Familiennamen  -ski Name ab dem13. Jahrhundert in dem masurischen Dorf nachgewiesen ist, durch Steuerzahlungen! 

Ich gebe zu, es gab den Raub polnischen Blutes durch meine Angehörigen, finde ich gut, wir sollten polnische Frauen und Männer heiraten...

Polnische LINKE verstehe ich überhaupt nicht. 

Den deutschen LINKEN würde ich gerne erklären, dass ich Angehöriger der Polonia bin, aber der  polnischer Staat will es nicht.

Wenige Vorfahren aus dem Rheinland und Westfalen können doch nicht der Grund dafür sein, sie gehören doch einfach nur dazu.

Warum sagte1968 Walter Ernst Paul Ulbricht, Staatsratsvorsitzenden der Deutschen Demokratischen Republik, zu

Władysław Gomułka; 

"Sperrt sie ein!",als es um 1 Millionen deutsche Minderheiten in Polen ging...

Kommentar von Fontanefan ,

Dass Polen 1945 bei den Vertreibungen von Deutschen an die Verbrechen, die von Deutschen in Polen verübt worden sind, gedacht haben, ist anzunehmen. Dass sie erwarten, dass Deutsche das auch tun, halte ich für nahe liegend. Dass du es nicht für verständlich hältst, ist wiederum mir unverständlich. Kannst du mir erklären, weshalb du diese Reaktion von Polen nicht verstehen kannst? Vielleicht habe ich dann eine größere Chance, es nachzuvollziehen.

Ulbrichts Äußerung hilft mir nicht dazu, dich besser zu verstehen. Weshalb sollte sie dich daran hindern, polnische Reaktionen zu verstehen? 

Dein Hinweis auf deinen Namen, der sich aus BVBDortmund  nicht erschließen lässt, soll vielleicht darauf hindeuten, dass du dich halb als Pole verstehst. Aber auch dabei tappe ich im Dunkeln.

So viel zu meinem Versuch, dich zu verstehen. 

Bis jetzt bin ich nur zum Schluss gekommen, dass du weder eine Antwort auf deine Frage hören noch verstanden werden willst. Jedenfalls das Zweite hast du erreicht.

Kommentar von BVBDortmund ,

Du leierst immer das herunter, was man auch   sonst so hört. Ich verstehe mich weder als Deutsch noch als  Polisch und halbe Sachen mag   ich erst recht nicht. Das ist bestimmt nicht schwer zu verstehen.  Allerdings mögen Menschen es häufig nicht, die zu politisch denken, wenn jemannd sich als Mensch bezeichnet und die Nationalität einfach weglässt. Verstörend ist es  dann besonders, wenn ich dazu sage,    es tun die ROMA auch - sich  als Mensch zu bezeichnen .

Und wikipedia bringt sogar einen Beleg für die Masuren:  "Der inoffizielle Name Masuren kam seit dem 18. Jahrhundert in Gebrauch,
da sich viele evangelische Zuwanderer aus dem südlicher gelegenen Masowien
in Ostpreußen angesiedelt hatten. Der Eigenname der Masowier bedeutet
„Mensch“ oder „Einwohner“
und entspricht dem polnischen „mąż“: Mann. "

(Salzburger, Hugenotten und andere sind unterschlagen.)

Auch viele  meiner  Verwandten heissen übrigens; Dombrowski

Walter Ernst Paul Ulbricht hätte uns auch interniert, wie es 1945 Stalin mit einigen unserer Angehörigen tat.

Kommentar von Fontanefan ,

Ohne deinen Hintergrund zu kennen, war deine Haltung gegenüber deinen Gesprächspartnern kaum verständlich. 

Wenn man fragt, um bestätigt zu werden, ist das genau genommen keine Frage. Wenn man aber zusätzlich noch nicht einmal angibt, in welcher Position man bestätigt werden will, braucht man sich nicht zu wundern, wenn der Gefragte seine Ansicht äußert bzw. aus deiner Sicht "herunterleiert". - Immerhin hast du mir jetzt ermöglicht, deine Position zu verstehen. Über den Umgang mit Fremden und mit Nationalismus sind wir offenbar sehr ähnlicher Ansicht.

Bei einem Diskussionsforum hätte ich mehr Verständnis für deine Vorgehensweise gehabt. Zugegebenermaßen hätte ich da allerdings nicht auf deine Frage geantwortet, weil ich keinen Gesprächsbedarf gesehen hätte. 

Kommentar von JBEZorg ,

Dann aber haben zwei der schlimmsten Diktatoren des 20. Jh., Hitler und Stalin, 

Erstaunlich was die Westmenschen so raushauen. Solange ihr solche Lügen auch wenn nur unter sich verbreitet wird es weiter Probleme geben.

Kommentar von Fontanefan ,

Wenn keine Verständigung vorgesehen ist, brauche ich mich offenbar nicht mehr darum zu bemühen.

Kommentar von BVBDortmund ,

"Westmenschen" ist  eine neumodische Bezeichnung aus der DDR, wobei  ich nicht die Ruhrpolen  nennen darf, diese wenn sie Masuren waren, gehören nicht zur Polonia.

Den schlimmsten Diktator möchte ich auch nicht krönen, habe so ein Problem weniger..

Antwort
von Digarl, 62

Sicher denken bei weitem nicht alle so. Wenn du dich fragst was diese Männer gegen dich hatten wäre es so als würde sich ein Flüchtling fragen was ein NPD Mitglied gegen ihn hat. 

Kommentar von BVBDortmund ,

Ich habe früher nur SPD und GRÜNE gewählt. Für die Herkunft  meiner Eltern und Grosseltern kann ich nichts. Von meinen Eltern weis ich, dass sie ab  1980 CDU gewählt haben.

Kommentar von Digarl ,

Und? Konnten die Juden im Holocaust irgendwas für die Finanzkrisen? Dennoch wurde ihnen die Schuld gegeben, dennoch wurden sie umgebracht.

Können Flüchtlinge was dafür das sie ihre Heimat verlassen müssen? Dennoch wollen manche das sie zurück gebracht werden.

Und diese Liste könnte endlos so weiter gehen.

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