Frage von Viviennee, 59

War/ ist der Widerstand in der NS Zeit eine Entschuldigung für die ganze Bevölkerung?

Hallo!

Für meine diesjährige Gfs (Widerstand in der NS Zeit) stelle ich mir die Leitfrage "-eine Entschuldigung für die ganze Bevölkerung?", mit der ich mich während des gesammten Vortrags immer wieder beschäftigen werden.

Jetzt zu meiner Frage: Wie steht ihr dazu? Seht ihr den mehr oder weniger geglückten Widerstand von Einzelpersonen oder Zusammenschlüssen als Entschuldigung für die ganze Nation oder nicht?

Über eine begründete Meinung würde ich mich sehr freuen!

Viele Grüße und im Vorraus schon vielen Dank!

Antwort
von Digarl, 30

Ich denke, heutzutage muss sich niemand mehr entschuldigen (sicher gibt es welche die noch Leben, die das ganze damals gefördert haben aber ich meine die die zu der Zeit halt nicht lebten, was ja die meisten sind.)

Zur damaligen Zeit und auch noch bis in den 60er war es sicher eine Entschuldigung. Aber nicht für die gesamte Nation. Den Menschen die Juden und auch andere politisch verfolgte Personen untergebracht haben war, ist und wird auch niemals etwas vorzuwerfen sein. 

Menschen die tatenlos zusahen ... ja da kann man was gegen sagen muss man aber nicht. Sie haben aber definitiv keine Entschuldigung. 

Menschen die für die SS, für die Wehrmacht .. für Gestapo etc. arbeiteten, denen kann man was vorwerfen. Beachten sollte man das es davon sicher auch welche gab, die dies tun mussten. Ihr Leben oder das der anderen, aber nicht nur ihres sondern das der gesamten Sippe. Da fällt einem eine Entscheidung schon leichter, vor allem weil ja niemand wirklich das gesamte Ausmaß mitbekam sondern nur in deren Bereich (abgesehen von höheren Rängen natürlich). 

Ich denke, eine Entschuldigung war es nur für die, die auch etwas unternahmen. Jene die tatenlos zusahen, sogar finanziell oder mit Taten halfen können diese Entschuldigung nicht für sich beanspruchen.

Jemand der in den 60er Jahren erst 17 oder 20 war musste sich auch nicht entschuldigen. 

Ich wiederhole mich zum letzten mal und diesmal ganz deutlich : Jemand der aber nichts tat, also nichts schlimmes aber auch nichts gutes, der hat keine Entschuldigung aufgrund des Widerstandes, da er nie selbst welchen leistete. Aber wofür muss er sich entschuldigen? Wenn der Mann aus Frankfurt bis nach den Verhandlungen in Nürnberg nichts vom Holocaust wusste. 

Also kurz : Nein, der Widerstand war keine Entschuldigung für alle, nur für welche die auch Widerstand leisteten. Ob geheim oder öffentlich. 

Kommentar von latricolore ,

Zur damaligen Zeit und auch noch bis in den 60er war es sicher eine Entschuldigung.

Nein, war es nicht.

Wenn der Mann aus Frankfurt bis nach den Verhandlungen in Nürnberg nichts vom Holocaust wusste.

Ja, die Mär wird weiterhin gepflegt...
Wer wissen wollte, wusste.
Und gerade in einer Großstadt wie Frankfurt. Erst wurden die Schaufensterscheiben zerschlagen, dann "fehlten" plötzlich Mitschüler, Ärzte und der Postbote, die Läden hatten plötzlich andere Besitzer...

Bei einer Volkszählung am 16. Juni 1933 wurden – mit Blick auf die Ausgrenzung und Vernichtung jüdischen Lebens – genau 502.799 Personen als "Juden" gelistet. Sechs Jahre später hatte sich die Zahl aufgrund von Emigration und Vertreibung auf 215.000 mehr als halbiert.
http://www.zentralratdjuden.de/de/topic/17.vorgeschichte.html

Das konnte jeder mitbekommen - so er denn wollte!

Kommentar von Digarl ,

Ich finde es echt toll, dass du meinen Absatz so auseinander gebaut hast ...... 

Nein, nicht jeder konnte mitbekommen. Man konnte mitbekommen das Mitbürger verschwunden. Aber bedenke mal bitte, dass diese Mitbürger 1. über den gesamten Staat aufgeteilt waren und man selbst danach nicht wusste was mit ihnen passierte. 

Die wenigsten wussten von Lagern mit systematischen Ermordungen.... Es gab noch am Anfang des 2. WW den Plan die Juden und alle anderen die sonst umgebracht worden wären auf Madagaskar auszusetzen und zu überwachen, dies wussten die Bürger zwar auch nicht, doch sie hätten alles denken können.

Übrigens ist etwas wissen können und wissen ein Unterschied. Wenn man es sicher weiß, kann man was dagegen tun. Doch sicher wusste niemand irgendwas. 

Du, ja du vor dem PC da... Du weißt was in Syrien passiert, du weißt das Kinder, Frauen und Männer abgeschlachtet werden. Du weißt es... und dennoch schreibst du hier über Dinge die schon über 70 Jahre her sind. Warum? Angst oder weil es weit weg ist? beides traf einiger maßen auf den Holocaust zu. Wir sind in der selben Lage, wir sehen auch nur tatenlos zu. Dafür gibt es auch keine Entschuldigung. 

Expertenantwort
von latricolore, Community-Experte für Italien, Italienisch, Deutsch, Sprache & Schule, 20

Diese Leitfrage würde ich dringend ändern - was willst du außer einem Nein! schon groß drauf antworten?

Es gab einige Wenige, die sich getraut haben, Widerstand zu leisten. Die meisten von ihnen zahlten dafür mit ihrem Leben - und genau deshalb, wegen dieses Risikos, waren es nur wenige.
Wie könnte sich ein ganzes Volk hinter ihnen verstecken???
Mit welcher Berechtigung, nachdem die schweigende Masse doch alles erst ermöglicht hat?

Wie kommt man / kommst du überhaupt auf diese abstruse Idee?
Ich habe noch nie gehört, dass jemand das versucht hätte - das Grauen zu mildern durch ein Verweisen auf den Widerstand. Zumindest niemanden, der ernst zu nehmen wäre.

Antwort
von agrabin, 30

Nein, eine "Entschuldigung" kann das nicht sein, eher der Versuch einer Ehrenrettung ; es waren doch nicht alle dafür...

Antwort
von paulklaus, 23

Selbstverständlich war der Widerstand einzelner Helden (Stauffenberg / Die Weiße Rose / Elser / Schindler u.a.m.) KEINE "Entschuldigung für die ganze Bevölkerung" !

Wie kommst du auf DIE Frage ?!

Die heroischen Taten Einzelner können unmöglich das Mitläufertum, die entsetzliche Passivität der Generation meiner Eltern entschuldigt, "ausgeglichen" haben !

Und wir heute ?! Wir stehen unmittelbar vor demselben braunen Sumpf wie damals. Und wenn es WIEDER zu spät ist, will WIEDER niemand etwas "davon" geahnt, geschweige denn gewusst haben !!! : - (((

pk

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