Frage von DiesDasJoel, 90

War es den Westberlinern gesetzlich verboten, die Berliner Mauer niederzureißen?

Guten Tag!

Ich interessiere mich sehr für den Kalten Krieg und generell für die deutsche Geschichte, wobei ich die Geschichte im 20. Jahrhundert - besonders im Einbezug des Kalten Kriegs am interessantesten finde. Da ich nun eine Facharbeit schreiben muss, würde es mich interessieren, ob es den Westberlinern verboten war, die Mauer einzureißen? Genau genommen käme danach ja der Todesstreifen, aber wenn die Westberliner die Mauer einreißen würden auf der einen Seiten, könnten sie ja so in den Todesstreifen gelangen. Gab es ein Gesetz oder stand die Mauer unter Denkmalschutz und die Beschädigung der Mauer als Sachbeschädigung - selbst in der BRD?

Auf der anderen Seite könnte dies natürlich provokant sein und den Kalten Krieg etwas wärmer machen, könnte das ein Grund sein?

Mit freundlichen Grüßen!

Antwort
von RobertLiebling, 47

Die Mauer befand sich auf dem Staatsgebiet der DDR. Im sogenannten Todesstreifen fanden Patroullien statt, und in der Mauer waren einige Türen eingebaut. Hätte jemand auf West-Seite angefangen, mit mehr oder weniger schwerem Gerät die Mauer zu bearbeiten, hätte man ihn sicherlich zu einer Sightseeing-Tour "nach drüben" eingeladen.

Kommentar von DiesDasJoel ,

Das Beispiel mit der Einladung ist interessant. War das rechtlich möglich, dass man dann auf die östliche Seite gebracht wurde? Genau genommen wurde ja die Grenze im Gebiet Westberlins "angegriffen". Sorry, falls das irgendwie umständlich klingt. 

Kommentar von Ursusmaritimus ,

Die Mauer und der Streifen davor war Staatsgebiet der DDR!

Antwort
von JBEZorg, 20

Jetzt gehe an irgendeine EU-Aussengrenze und versuche die Grenzanlagen niederzureissen. Wirst schon sehen was passiert.

Das war eine Staatsgrenze. Wenn du immer noch nicht verstanden hast was das bedeutet versuche wirklich das obige und du landest in Gewahrsam von irgendwelchen netten Grenzpolizisten.

Antwort
von Othetaler, 56

Grenzanlagen eines anderen Staates einzureißen könnte man mit ziemlichen Recht als kriegerischen Akt bezeichnen.

Kommentar von DiesDasJoel ,

Danke, daran hatte ich auch schon gedacht. manchmal wünsche ich mir, ich hätte das miterlebt, um mich da wirklich reinempfinden zu können. 

Kommentar von Othetaler ,

Wäre vielleicht nicht schlecht, wenn sich die heute Jungend da wirklich reindenken könnte. Ich bin allerdings auch nicht böse um Kriegserfahrungen herumgekommen zu sein.

Die Grenze hatte etwas sehr eigentümlich ... bedrückendes und einschüchterndes, wenn mal als Westdeutscher Ostberlin besuchte. Den Rest der DDR kannte ich damals auch nicht.

Kommentar von DiesDasJoel ,

Ich wäre echt sehr gerne dabei gewesen - möglicherweise auch auf Ostberliner Seite -, nur um dann dieses Zusammengehörigkeitsgefühl zu spüren beim Fall der Mauer. 

Antwort
von chanfan, 43

Das ist eine gute Frage. Die eigentliche Sperranlage, sowie die Selbstschussanlage war ja gegen die DDR gerichtet.

Keine Ahnung was passiert wäre, wenn wir von West Berlin aus versucht hätten die Mauer einzureißen.

Andererseits war das eher überflüssig, weil wir auf die andere Seite durften.

Kommentar von DiesDasJoel ,

Ich nehme an, dass du die Zeit der Teilung miterlebt hast. Da hätte ich dann noch eine Frage, die über diese Frage hinausgeht (wenn das okay wäre). In unseren Geschichtsbüchern wird die gesamte Teilung ziemlich groß gemacht, wie schlimm es den Menschen (angeblich auch in Westberlin) durch die Teilung ging. War da immer dieses "bedrückende" Gefühl, man lebe in einer geteilten Stadt bzw. in einer geteilten Welt? Bin leider Jahrgang 99, hab also nichts davon miterlebt. :(

Kommentar von Ursusmaritimus ,

Es hatte schon etwas eingesperrtes wenn man innerhalb der längsten Pisswand der Welt lebt.

Kommentar von chanfan ,

Also für mich (geb. 1960), meine Freunde, Klassenkameraden usw. war das nicht so. Gut, wir haben gewusst, das um uns herum eine Mauer steht, aber das hat uns im täglich leben nicht gestört.

Uns hat die nicht bedroht, weil gerade die Selbstschutzanlagen gegen die Bürger der DDR gerichtet waren. Obwohl denen ja gesagt wurde, das der Schutz nur zu ihrem besten sei und nur gegen den bösen Westen sei.

Auch die Leute, die direkt an der Mauer gewohnt haben, hatten diese  täglich vor Augen. Sie hatten sich einfach daran gewöhnt. Die Mauer war an vielen Stellen auf der "Westseite" mit Graffitis bemalt. 

Es wird auch den ein oder anderen Westberliner gegeben haben, der das alles belastender fand, weil er vielleicht Verwandtschaft in Ostberlin hatte. Das weiß ich aber nicht.

Es gab mal einen Spruch zur Mauer, der ging ungefähr so:

Warum müssen West Berliner eigentlich einen Führerschein machen. Immerhin ist das ein eingezäuntes  Gelände. :)

Kommentar von DiesDasJoel ,

Danke dir für den tollen Bericht!! Kann man dann davon ausgehen, dass das Gefühl beim Mauerfall auch nicht so spektakulär war, wie es bei uns im Unterricht vermittelt wird? Oder war das dann schon etwas besonderes? :)

Kommentar von chanfan ,

Doch, das war etwas ganz besonders, weil man ja wusste das es den Menschen ja nicht nur an Freiheit fehlte. Bevormundung, dumm halten und Angst machen, war dort an der Tagesordnung.

Wir waren hin und wieder in Ostberlin um dort Verwandte zu besuchen.

Da gab es auf einem U-Bahnhof in Ost Berlin, ein großes Plakat. (So wie bei uns die großen Plakatwände).

Auf dem wahr ein Baby in Großaufnahme zu sehen. Und ein großes Fadenkreuz zielte auf den Kopf des Babys. Darunter der Spruch: Im Auge der NATO.

Das war schon sehr heftig, weil wir im Westen (Nato) gar kein Interesse hatten die DDR zu bedrohen. Zudem haben sie uns ja mit einem Eintrittsgeld in den Osten gelassen.

Als die Mauer viel, das haben wir schon in Bayer gewohnt. Viele Menschen haben sich gefreut, das die DDR Bürger eine großes Ziel erreicht haben. "Freiheit".

Alleine die Jugend. Dazu mußt du folgendes wissen. 1982, Open Air Konzert vor dem  Reichstagsgebäude. Puhdys, Climax Blues Band usw.

Ein paar Jugendliche haben sich hinter der Mauer (also in Ost Berlin) eingefunden, um der Musik zu lauschen.mehr nicht.

Nach einer weile wollte der Staatssicherheitsdienst diese Versammlung dort auflösen, aber da haben sie die Rechnung ohne die Jugendlichen gemacht.

Mann konnte sich also damals schon denken, das die DDR nicht ewig bestehen würde. Aber das es dann so schnell kam, damit hätte ich auch nicht gerechnet.

Kommentar von DiesDasJoel ,

Wow, danke Dir! Ich bin echt dankbar dafür, Erfahrungen von Zeitzeugen lesen zu können! Wurde in den Schulen das Thema angesprochen, warum es diese Mauer gibt und weshalb sie nicht einfach so verschwinden kann? Oder wurde die Vergangenheit im Bezug auf Nazi-Deutschland verschwiegen? Soweit ich weiß begann der Aufschrei nach dem Aufarbeiten der Geschichte ja mit der Studentenbewegung 1968, wenn ich da noch richtig liege.

Oder war die Mauer so alltäglich geworden, dass sie auch in der Bildung keine hohe Anerkennung mehr besaß?

Würdest du behaupten, dass die Situation damals in Sachen Erlebnis und/oder Miterlebnis vergleichbar mit der Flüchtlingskrise von heute ist? Also dass die Menschen von heute die Situation nicht so dramatisch auffassen als sie von den Medien gestaltet wird? 

Ich wohne in Wolfsburg, sehr nah am ehemaligen Grenzgebiet zur DDR und viele Lehrer, die bei uns unterrichten, meinen ebenfalls, dass sie die Situation damals auch nicht so impulsiv empfunden haben. Möglicherweise könnte es ja sein, dass z.B. meine Kinder mich eines Tages fragen werden, ob die Flüchtlingskrise für mich so dramatisch war, wie es in ihren Geschichtsbüchern stehen wird. Tut mir leid, ich schwenke aus, das tue ich sehr gerne.

Nochmals vielen Dank für deine tollen und hilfreichen Antworten!

Kommentar von chanfan ,

Natürlich haben wir in der Schule gelernt, warum die Mauer da stand wo sie stand und warum. Wir hatten auch den Vorteil, Teile der Geschichte Vorort zu sehen. Z.B. in Tempelhof das Denkmal zur Luftbrücke.

Zu meiner Zeit hatte West Berlin ca. 2 Millionen Einwohner (glaube ich). Zumindest waren die Hälfte davon Ausländer. Und davon die Hälfte  waren türkische Mitbürger. Das Verhältnis war also 1:1. Wir sind mit den Ausländern groß geworden. Und deswegen mache ich mir über die paar Flüchtlinge keinen Kopf.

Ganz streng genommen waren ja selbst DDR Bürger Flüchtlinge. Nur halt deutschsprachige, die ihre Heimat nur nicht wirklich verlassen haben.

Ich wohne mit meiner Familie seit 1991 zwischen Zwickau und Plauen. Ich kann heute noch einige Unterschiede feststellen, was Kultur und Erziehung betrifft. 

Zur Studentenbewegung kann ich leider gar nichts sagen.

Falls dich noch irgendetwas interessiert, dann könnte man das privat machen. Ggf. schickst du mir eine Freundschaftsanfrage. :)

Antwort
von martinzuhause, 61

weil sie einfach erschossen worden wären. das ist normal wenn man eine die grenze eines landes nicht beachtet

Kommentar von DiesDasJoel ,

Gehörte denn der Grenzstreifen unmittelbar hinter der westlichen Mauer schon zur DDR?

Kommentar von martinzuhause ,

natürlich. so wie auch die mauer

Kommentar von DiesDasJoel ,

Das würde dann zumindest die rechtliche Frage klären, danke!

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