Frage von Lisihony, 57

War die wirtschaftspolitik in der Nazi Zeit auf den Krieg ausgerichtet?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Pudelcolada, 24

Die damalige Wirtschaftspolitik war von völlig überhöhten Ausgaben gekennzeichnet und allein über Kredite finanziert, die Enteignung der jüdischgläubigen Bevölkerung war gegen diese Summen rein symbolisch.

Über kurz oder lang konnten die Folgen dieser Ausgabenpolitik nur durch einen Krieg abgewendet werden. Natürlich nur durch einen "gewonnenen" Krieg: Der erhoffte Landzuwachs und die Reparationszahlungen der Verlierer hätten wieder die Kassen gefühlt.

Also ja.
So sieht das aus, wenn geistig niedrigbegabte Fanatiker ohne jede Sachkenntnis die Wirtschaft eines ganzen Staates an die Wand fahren.

Ein Beweis dafür ist die drastische Erhöhung von Wehretat und Rüstungsindustrie sofort nach der Machtübernahme.
Ebenso die Vorgabe, Ziviltechnik auf ihre militärische Nutzungsmöglichkeit hin zu entwickeln (z.B. im Flugzeugbau).

Kommentar von Pudelcolada ,

Sorry,  natürlich "gefüllt", nicht "gefühlt"...

Kommentar von archibaldesel ,

Und die Autobahnen wurden auch nicht zur Bewältigung der Touristenströme gebaut....

Kommentar von Pudelcolada ,

Jepp, genauso habe ich es gemeint.
Die Kriegsvorbereitungen wurden der deutschen Bevölkerung und der Welt als ziviltechnischer Fortschritt verkauft.
Doch die Planungsvorgabe war ganz klar formuliert:
Die schnellstmögliche militärische Nutzbarkeit ohne teuren und langwierigen Umbau.
So wie die Autobahn oder auch die "gute Tante JU52", die von Anfang an als Truppentransporter und Bombenflugzeug geplant war.
Aber damit die Regierung gut aussah und formale Vorgaben der Demilitarisierung erfüllte, wurden eben erst mal Passagiersitze montiert.
Genauso der "Volkswagen": Von Anfang an gab es eine zweite Version mit leichter Panzerung und schwerem MG, die zwar nicht realisiert wurde, aber trotzdem.
Auf dem Chassis des Volkswagens wurde dann aber immerhin erst mal der Kübelwagen gebaut, der PKW der Wehrmacht schlechthin.

Und nach dem Krieg unser liebes kleines Wirtschaftswunderkäferlein...

Kommentar von atzef ,

Hier mal ein Link, um sich in die Hintergründe  von Pudelcoladas Ausführungen einzulesen:

https://de.wikipedia.org/wiki/Mefo-Wechsel#Umfang

Kommentar von Pudelcolada ,

Danke für den ergänzenden Link!

Kommentar von Pudelcolada ,

Und danke für den Stern!

Antwort
von kgunther,

NEIN!

Obwohl es einen weltweiten Handelsboykott gegen Deutschland gab, haben die wirtschaftlichen Maßnahmen der Regierung einen wirtsschaftlichen Boom herbeigeführt, der bereits nach kurzer Zeit für die Arbeiter und Angestellten einen deutlichen Wohlstandsgewinn bedeutet hat.

Das Hauptinstrument war die Einführung des "Barterhandels". Das bedeutet, Importe und Exporte wurden nicht über teure Kredite finanziert, sondern in einer Art Tauschhandel, etwa 1 Lokomotive oder Drehbank für eine Tonne Kaffee, Reis oder Weizen. Die Banken fürchteten für ihre Profite, wenn das Beispiel Schule machen würde.

Die Rüstungspolitik spielte in den ersten 2 - 3 Jahren nach dem Beginn der Kanzlerschaft überhaupt keine Rolle. Im Gegenteil: Deutschland versuchte, durch Verhandlungen im Völkerbund durchzusetzen, daß alle europäischen Mächte ABRÜSTEN. Dies war im "Vertrag" von Versailles versprochen worden: Deutschland rüstet als erstes Land ab, aber die übrigen Vertragspartner folgen nach. In Wahrheit haben alle Großmächte massiv AUFGERÜSTET. Erst nach dem Scheitern der Bemühungen um Einhaltung des Abrüstungsversprechens ist Deutschland aus dem Völkerbund ausgetreten und hat zaghaft begonnen, eine eigene Armee aufzustellen.

Die Aufrüstung begann bescheiden 1935, steigerte sich langsam.

1938/39 war der Lebensstandard der Lohnabhängigen, Bauern und Rentnern höher als in den Nachbarstaaten. Die "Kraft-durch-Freude-Schiffe", die Arbeitern einen extrem preiswerten Auslandsurlaub ermöglichte (Kreuzfahrten), durften in englischen Häfen nicht vor Anker gehen, damit die Stellung des deutschen Arbeiters und sein Wohlstand vor den Engländern verborgen bliebe.

Wäre die Theorie plausibel, daß Rüstung automatisch Krieg bedeutet, dann hätten die hochgerüsteten Staaten Frankreich, England, Rußland längst den Krieg gegen Deutschland begonnen. Ein General der Bundeswehr hat nachgerechnet, daß die direkten Nachbarn Deutschlands im Verhältnis 1:95 militärisch überlegen waren. Diese These würde ja bedeuten, daß der Wohlstand in D erst 1939/40 angestiegen wäre. Das ist aber nicht der Fall!

Antwort
von heide2012, 34

Gegenfrage, auch wenn nicht erwünscht:

Du meinst die deutsche Wirtschaftspolitik zu dieser Zeit?

Kommentar von Lisihony ,

Kein Problem ;) Ja die deutsche Politik

Kommentar von heide2012 ,

Ab 1933 auf jeden Fall. Lies mal hier:

http://www.glasnost.de/autoren/schoen/nswirt.html

Antwort
von Dahika, 33

Ja, das war sie.

Kommentar von Lisihony ,

Weißt du dazu auch detailes inwiefehrn sie darauf ausgerichtet war?

Kommentar von t3com4t ,

Sagt dir der Begriff "Totaler Krieg" etwas? Zumindest gegen Ende des Krieges wurde alles in Deutschland für den Krieg eingesetzt...

Antwort
von archibaldesel, 13

Ja, absolut. Nicht nur die Wirtschaftspolitik....

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