War die römische Republik eine Staatsform zum Wohle des Volkes?

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2 Antworten

Ein Werturteil beurteilt/bewertet aufgrund von Werten, wie gut oder schlecht jemand oder etwas ist. Werte der Urteilenden sind also Maßstab/Kriterium. Es handelt sich um eine persönliche Meinung/Stellungnahme. Wichtig ist, die Werte anzugeben, die Grundlage des Urteils sind. Denkbar sind beispeilsweise Menschenwürde und Menschenrechte, demokratische Teilhabe (Partizipation), Freiheit, Gerechtigkeit, Solidarität, Wohlergehen, Rechtsstaatlichkeit.

In der Frage ist das Wohl des Volkes ein solcher Wert.

Bei der Hilfe kann es darum gehen, zu einer begründeten Ausage beizutragen.

Dem Anspruch nach war römische Republik eine Staatsform zum Wohl des Volkes.

In der Wirklichkeit war die römische Republik dies weit weniger. Allerdings ist eine Behauptung überzogen, die Verfassung der römischen Republik habe überhaupt nichts zum Wohl des Volkes geleistet.

Eine Ausage zum Ausmaß (z. B. große oder gering), in dem das Wohl des Volkes erreicht wurde, erscheint mir daher passend.

Anspruch

In Reden wurde das Wohl des Volkes als Ziel genannt.

Bei Marcus Tullius Cicero sind in Schriften utilitas publica (öffentlicher Nutzen/Allgemeinwohl), utilitas rei publicae (Nutzen des Staates/der Republik) utilitas communis (gemeinsamer Nutzen) und ähnliche Ausdrücke enthalten.

Ein Staat/eine Republik/eine öffentliche Sache gilt als Sache des Volkes, als Volk aber nicht jede auf irgendeine beliebige Weise zusammengescharte Vereinigung, sondern eine durch Übereinstimmung des Rechts und Gemeinsamkeit des Nutzens verbundene Vereinigung einer Menge (Cicero, De re publica 1, 39: Est [..] res publica res populi, populus autem non omnis hominum coetus quoquo modo congregatus, sed coetus multitudinis iuris consensu et utilitatis communione sociatus).

Wer an politisch an der Spitze steht, soll für die Gesamtheit des Volkes sorgen (Cicero, De officiis 1, 85).

Den in den höchsten Ämtern Regierenden soll das Wohl des Volkes höchstes Gesetz sein (Cicero, De legibus 3, 8: ollis salus populi supremo lex esto).

Wirklichkeit

Die große Kluft des Besitzes und des Einkommens einer reichen Oberschicht und des einfachen Volkes ist eine Abweichung von Idealen einer sozialen Gerechtigkeit. In der römischen Kaiserzeit war dies auch so. In ihr gab es eine Verbesserung für die Provinzbevölkerung, in der Zeit einer Alleinherrschaft nicht so stark von Ausbeutung betroffen zu sein, bei der kurzfristig jemand möglichst viel Mittel für einen Konkurrenzwettbewerb innerhalb der Aristokratie heausholen wollte, und später auch das römsihe Bürgerrecht zu erhalten.

In der Zeit der frühen Republik gab es Ständekämpfe zwischen Patriziern (ein alter Adel) und Plebeiern, weil das Wohl des Volkes insgesamt mangelhaft berücksichtigt wurde. Die Plebeier erreichten in allen wichtigen Dingen schließlich formale Gleichberechtigung. Auch bei Landverteilung und Schulden (z. B. Abschaffung von Schuldsklaverei) gab es ein wenig Zugeständnisse. Es bildete sich eine neue politische Führungsschicht, die Nobilität, aus Patriziern und reichen Plebeiern.

Es gab durch schriftliche Gesetze Rechtsstaatlichkeit. Mächtige und Reiche hatten allerdings bessere Chancen, einen guten Rechtsanwalt zu gewinnen, und in politischen Prozessen in der Zeit der späten Republik scheint eine Anfälligkeit für Richterbestechung ein Problem gewesen zu sein.

In den Ständekämpfen ist das Amt der Volkstribune (tribuni plebis) entstanden. Sie konnten um Schutz und Hilfe angerufen werden. Allerdings hat in der Folgezeit das Veto der Volkstribune auch dazu dienen können, etwas zu verhindern und dabei das Interesse der Gesamtgruppe der Aristokratie/des Senats gegen einzelne Aristokraten in Ämtern durchzusetzen.

Prügelstrafe für römische Bürger durch Magistrate (Beamte/Amtsinhabe/Amtsträger) ist verboten worden.

Es gab ein Provokationsrecht (Recht zur Anrufung des Volkes - provocatio ad populum - bei Bedrohung mit dem Tod). Gaius Sempronius Gracchus hatte – in Einschärfung älterer Rechtsgrundsätze - als Volkstribun 123 v. Chr. zur provocatio ein Gesetz (Lex Sempronia) beantragt, das vom Volk beschlossen worden war.

In der Antike haben einige antike Autoren (Polybios 6, 3 – 18 und Marcus Tulluis Cicero, De re publica 1, 69 – 70 sind besonders wichtig) die römische Republik in ihrer Staatstheorie als Mischverfassung/gemischte Verfassung gedeutet und dargestellt. Die Volksversammlungen sind dabei ein demokratisches Element, der Senat ein aristokratisches und die Konsuln ein monarchisches.

Die Volksversammlungen hatten folgende Funktionen (Aufgaben/Befugnisse):

  • Wahl von Magistraten
  • Abstimmung über Gesetzesanträge (Gesetzgebung) und über die Entscheidung über Krieg und Frieden
  • Rechtsprechung (eher geringe Bedeutung)

Die Zenturiatskomitien (comitia centuriata), zuständig für die Wahl der höheren Magistrate (Amtsträger; jährlich die Konsuln und Prätoren, alle 5 Jahre die Zensoren), die Entscheidung über Krieg und Frieden und anfänglich die Strafjustiz über Bürger (Hochverrat blieb ziemlich lange ein Gebiet), waren schon wegen des Stimmübergewichts der Reichen nur sehr eingeschränkt demokratisch.

Etwas demokratischer waren zwei andere Arten der Volksversammlung.

comitia populi tributa: Die Tributkomitien waren eine Versammlung des Volkes, in der Plebejer und die Patrizier vertreten waren, und die in 35 Stämme (Tribus) eingeteilt waren (anfänglich 4; noch vor her gab es als 3 Tribus bezeichnete Personenverbände [Tities, Ramnes und Luceres], deren Rolle nicht ganz klar ist). Es gab insgesamt 4 städtische und 31 ländliche Tribus. Durch Listeneintragung wurden Römer einem Tribus als Wahlbezirk zugewiesen.

Sie wählten die unteren Magistrate (kurulische Ädilen, Quaestoren und Militärtribunen). Außerdem fand anfänglich vor ihnen Rechtsprechung statt.

concilium plebis:: Diese Volksversammlung (Versammlung der Plebs), eine auf die Plebejer beschränkte Versammlung, wurde von den Volkstribunen auf dem Forum Romanum einberufen.

Sie wählte die plebejischen Ädile und die Volkstribune. Anfänglich wurden vor ihr Gerichtsverhandlungen durchgeführt. Das Concilium Plebis konnte Gesetze beschließen (ihre Beschlüsse [plebis scita = Plebiszite/Volksabstimmungen] waren seit 297 v. Chr. [Ende der Ständekämpfe] für das Gesamtvolk [populus] bindend. In der Praxis lag hier die Gesetzgebung (die ebenfalls zuständigen Zenturiatskomitien waren sehr viel schwerfälliger zu organisieren).

Die Volksversammlungen konnten zwar in der Zeit der Republik die Magistrate wählen, Beschlüsse fassen und Gesetze verabschieden, zumindest zeitweise auch zum Teil in Prozessen urteilen. Die Volksversammlungen konnten aber nur einfach abstimmen, nicht diskutieren oder Anträge abändern.

Volksversammlungen wurden von höheren Magistraten und Volkstribunen einberufen, sie konnten nur zustimmen oder ablehnen, nicht selbst einen Antrag stellen, nicht debattieren oder Anträge abändern. Die inhaltliche Beeinflussung von seiten des einfachen Volkes war nicht sehr groß, fast immer wurde einem Antrag zugestimmt.

Die römische Republik kann daher besser als besondere Art der Aristokratie bzw. als Oligarchie (Herrschaft weniger) bezeichnet werden. Der Machtschwerpunkt lag im Senat, der als Versammlung von Mitgliedern der Führungsschicht mit seinen Beschlüssen eine große Autorität hatte. Der Senat übte durch seine Beschlüsse (senatus consulta) große Macht aus, weil er die gesammelte Autorität der Gesamtgruppe der politischen Führungsschicht darstellen konnte. Tatsächlich hatte eine adlige Führungsschicht (die Nobilität) die Vorherrschaft.

Ein gewisses Mitspracherecht/eine gewisse politische Teilhabe des Volkes war in der römischen Republik vorhanden. Aber ein großes Ausmaß bot die Verfassung nicht. In der römsichen Kaiserzeit ging politische Freiheit verloren, das Volks hatte kaum noch andere Möglichkeiten, als gelegentlich bei Massenveranstaltungen seine Stimmung zu zeigen.

Es gab Chancen zu einem gesellschaftlichen und politischen Aufstieg, aber nicht rasch in einem sehr großen Sprung. Das Erreichen politischer Spitzenämter gelang nicht zur Nobilität gehörenden Männern („Neulinge“, homines novi) nur selten.

Einer wohlhabenden Oberschicht aus Senatoren und Rittern (equites) ging es deutlich besser als dem einfachen armen Volk (der Unterschicht).

Eine Frage ist, ob mit dem Volk auch welche gemeint sind, die keine römischen Bürger waren. Sklaverei ist eine gegen Menschenwürde und Menschenrechte verstoßende Einrichtung.

Zwei Themen, bei denen ein Mehr oder Weniger an sozial unterstützenden Maßnahmen geprüft werden kann, sind Landverteilung an das Volk (z. B. durch Ackergesetze [leges agrariae]) und Getreidegesetze (leges frumentariae), durch die Getreide zu herabgesetzten Preisen oder umsonst an Empfangsberechtigte in der Hauptstadt Rom angeboten wurde.

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Nein, es war eine Staatsform zum Wohl der Senatoren, zum Wohle der Ritter, daher tobten viele Klassenkämpfe, um das soziale Unrecht zu bekämpfen. Erst in der Kaiserzeit verbesserte sich die Lage der Beherrschten, der Plebejer ansatzweise,vorher waren diese Freiwild.

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