Frage von ZeldasObsession, 71

War der Kriegsschuldparagraph berechtigt?

Informiere mich gerade über den versailler Vertrag bzw den kriegsschuldparagraphen und mir ist die frage gekommen, ob, und wenn ja, warum Deutschland das verdient hat bzw es berechtigt war?

Antwort
von Mastrodonato, 71

Diese Frage ist eine Frage von Werturteilen - und die kann man demnach unterschiedlich fällen.

Tatsache war, dass die Mittelmächte den Krieg erklärten und auch als erste angriffen - insofern hat die Kriegsschuld ihre Logik.

Tatsächlich ist es der Deutschen Geschichtsschreibung gelungen, dies erfolgreich zu zerreden, indem immer wieder behauptet wird, die anderen hätten den Krieg ja auch gewollt - das mag sogar stimmen, hat aber immer noch einen Haken - sie hätten ihn nicht angefangen.

Hier kannst Du mehr nachlesen zum Thema: http://geschichte-forum.forums.ag/t361-die-kriegsschuldfrage-von-1914-ein-evergr...

Kommentar von Udo107 ,

Frankreich wollte den Krieg genau so. Sie wollten Rache für den verlorenen Deutsch-französischen Krieg und Elsass-Lothringen zurück.Nebenbei sind die Franzosen genauso mit Hurra in den Krieg.
Zu den gegenseitigen Kriegserklärungen: alle Mächte (außer Österreich-Ungarn) waren damals per Vertrag dazu verpflichtet den jeweils anderen den Krieg zu erklären. Da gibt's kein "Zuerst" oder "der hat angefangen". Außer Großbritannien. Die haben nämlich eigenständig Deutschland den Krieg erklärt (nach der Besetzung Belgiens)

Kommentar von Mastrodonato ,

Natürlich gab es ein zuerst - ÖU erklärte den Serben den Krieg und Deutschland an Russland und Frankreich. Dass Grossbritannien Deuschland den Krieg erklärte war klar, denn sie garantierten die Neutralität Belgiens. Ausserdem war das keine blosse Besetzung, es war ein Angriff ohne Kriegserklärung, garniert mit Massakern an der Zivilibevölkerung, ähnliches beging auch ÖU in Serbien.

Antwort
von Udo107, 56

Es war 0,0 berechtigt
Zu einem Streit gehören immer zwei
Deutschland hat nur dasselbe getan wie alle anderen Parteien (mit Ausnahme von Österreich-Ungarn und Serbien) wenn Deutschland Kriegsschuldig war, so waren es Russland, Frankreich und Großbritannien Haar genau so. Die "Alleinige Kriegsschuld" hat nur einen Zweck: die hinterhältigen Siegermächte wollten nur Deutschland ausbeuten (vor dem Krieg war Deutschland das wirtschaftlich stärkste Land Europas) und indem sie Deutschland als "allein Kriegsschuldig" bezeichnet hatten sie die beste und neben bei auch als "rechtlich" verschimpfte Möglichkeit Deutschland A: Seiner Industrie zu berauben und sich selbst dieser zu bemächtigen (vor allem die Westmächte, Russland eher weniger) und B: degradierten sie Deutschland so zu einer Regionalmacht.
Entweder sind alle Parteien des ersten Weltkriegs gleichermaßen am Krieg Schuld (diplomatisches Versagen der Staatsoberhäupter) oder Österreich-Ungarn trägt mit seinem Angriff auf Serbien die alleinige Kriegsschuld

Kommentar von Mastrodonato ,

Zum Streit gehören zwei? Von wegen. Wenn einer angreift, bleibt dem anderen nichts anderes übrig, als sich zu wehren - Serbien, Belgien, Frankreich.

Kommentar von Udo107 ,

Hätten sich im Juli 1914 alle Staatsoberhäupter zusammengesetzt und versucht den Frieden zu wahren hätten sie es geschafft. Nur hat sich leider keiner dafür interessiert, weder Deutschland, Frankreich, Russland oder sonst wer.
Zu deiner Erinnerung: Schon mal was vom Augusterlebnis gehört?
Alle (Deutsche wie Franzosen) sind mit Hurra in den Krieg. Der einzige Punkt war: Die Deutsche Armee war schneller und besser. Wäre das nicht so, wäre die Westfront durchs Rheinland und Baden-Wüttenberg verlaufen.

Kommentar von ArnoldBentheim ,

Jaja, die "Deutsche Armee war schneller und besser". War sie das? Jedenfalls traf sie im Westen auf einen Feind, der die deutsche Rücksichtlosigkeit unterschätzt hatte. Aber das dauerte gewissermaßen nur einen Moment. Dann war die deutsche Armee ausgebremst. Schließlich haben die Armeen Frankreichs, Englands und ihrer Verbündeten trotz des Ausscheidens Russlands aus dem Krieg die deutsche und die Armeen der Verbündeten Deutschlands militärisch besiegt.

Kommentar von Mastrodonato ,

Vom Augusterlebnis und angeblicher Kriegsbegeisterung habe ich in der Tat gehört, aber sie traf nur kleine Teile der Bevölkerung. Vor allem Arbeiter und Bauern machten sich Sorgen, zu Recht.

Grossbritannien wollte durchaus eine Konferenz, aber die Angriffe der Mittelmächte machten das schnell hinfällig.

Kommentar von Udo107 ,

Militärisch wurde Deutschland während des gesamten ersten Weltkriegs nie besiegt. Die Deutsche Armee war im Felde unbesiegt und Deutschland hat nur Kapituliert weil A: die Britische Seeblockade die Nahrungsversorgung kappte (in dem Bereich sollte man auch mal über die angeblichen "Guten" nachdenken, die das Deutsche Volk ausgehungert hatten - Hunderte von Leuten die nix dafür konnten)
B: waren die Deutschen die einzigen die das Massensterben an den Fronten nicht länger mit anschauten und schließlich um der Menschenwillen kapitulierten (sicher hat auch die Novemberrevolution dazu beigetragen)
Während des gesamten Krieges war darüber hinaus fast kein feindlicher NICHTGEFANGENER Soldat auf deutschem Boden.

Kommentar von Udo107 ,

In der Tat!
Allerdings ist es mehr als Schäbig Deutschland die alleinige Kriegsschuld zu zuschieben. durch den Angriff Österreich-Ungarns war Deutschland dazu gezwungen. Hinzu kommt die Angst der Deutschen vor dem Zweifrontenkrieg der ja dann auch eingetreten ist. Sie waren also in gewissermaßen gezwungen an einer Front anzugreifen.
Nebenbei bemerkt hat Deutschland während des gesamten ersten Weltkriegs (der immerhin vier Jahre dauerte) an zwei Fronten zu kämpfen, was keine Macht der Triple Entente von sich behaupten kann.
Deutschland hat nur dasselbe getan wie Russland und Frankreich nämlich seinen Verbündeten unterstützt. Dass dieser Verbündete Angriff ... Dafür kann Deutschland doch nichts. Es war per Vertrag zur Unterstützung verpflichtet so wie F und R auch, ob des bei Angriffskriegen ebenso galt, danach hat keiner gefragt ... Deutschland musste. Punkt.  

Antwort
von JBEZorg, 45

Es ist sinnlos über sowas zu diskutieren in einem Vertrag zwischen Siegern und Besiegten. Das ist der klassische Fall von "vae victis".

https://de.wiktionary.org/wiki/vae_victis

Expertenantwort
von ArnoldBentheim, Community-Experte für Geschichte, 41

Zum Teil ja, zum Teil nein.

MfG

Arnold

Kommentar von ZeldasObsession ,

Warum denn genau?

Kommentar von ArnoldBentheim ,

Nein: Deutschlands politisch Verantwortliche haben niemals systematisch darauf hingearbeitet, einen großen Krieg zu führen. Deutschland hat militärisch gerüstet, aber das haben alle Mächte getan. Durch ungeschickte Politik hat sich Deutschland international den Ruf eines Aggressors erworben, der mit Waffengewalt seine Interessen rücksichtslos durchsetzen, als eigentliche Landmacht durch seine Flottenrüstung selbst das britische Weltreich bedrohen will. Das kaiserliche Deutschland war aber kein rücksichtsloses Nazireich, sondern wollte sich in erster Linie gegen militärische Bedrohungen absichern. Das war grundsätzlich legitim.

Ja: Die eben skizzierte Linie hat Deutschland verlassen, als es seinem wichtigsten Verbündeten, Österreich-Ungarn, rückhaltlos zusagte, die Folgen eines österreichisch-serbischen Krieges mitzutragen. Eine sichere Folge, das war Deutschland klar, war die russische Kriegserklärung an Österreich-Ungarn. Das bedeutete, dass Deutschland seinem Verbündeten beistehen musste. Die logische Konsequenz für die deutsche politische Führung wäre gewesen, gegen Russland zu kämpfen, gegen einen möglichen, aber nicht sicheren Angriff Frankreichs, dem Verbündeten Russlands, defensiv vorzugehen. Ebenso mangelhaft wie die deutsche Politik war auch die militärische Planung, die nur den sog. Schlieffenplan kannte: erst Frankreich niederzuwerfen und dann die ganze Militärmacht gegen Russland zu richten. Obwohl der Kaiser und seine Politiker eigentlich nur gegen Russland vorgehen wollten, ließen sie sich von der militärischen Führung beeinflussen, doch den Schlieffenplan auszuführen. Die politische Führung Deutschlands versagte also erneut, der Schlieffenplan wurde einschließlich eines Völkerrechtsbruchs - Angriff und Eroberung des neutralen Belgien - ins Werk gesetzt.

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