Frage von Andromeda3141, 77

War das Verhalten meines Vaters normal?

Hallo Gutefrage-Community, seit einiger Zeit denke ich wieder vermehrt an meine Kindheit, mit der ich bereits abgeschlossen zu haben geglaubt habe. Mein Vater hat früher ein sehr seltsames Verhalten an den Tag gelegt, dass mich irgendwie nicht so richtig loslassen möchte. Er nutzte jede Gelegenheit, um seine Machtposition auszuleben. Oft packte er mich einfach so und riss mich zu Boden. Dort hielt er mich dann minutenlang fest, indem er mit seinen Händen meine Arme zu Boden drückte und sich auf meine Beine kniete, um meine Bewegungsfreiheit einzuschränken. Dann beobachtete er immer meine verzweifelten Versuche loszukommen. Natürlich weiß ich, dass Töchter mal mit ihren Vätern raufen, aber das hatte nichts Schönes oder Verspieltes an sich. Es tat immer sehr weh, da er mit seinem ganzen Gewicht auf meinen Beinen knieten oder sich einfach ganz auf mich setzte, um mich am Boden zu halten, ich habe auch geweint und geschrien, für mich war es kein Spaß mehr. Aber er hat dabei immer gelacht und nie auch nur eine der üblichen Grenzen eingehalten. Versteht mich nicht falsch, es war kein sexueller Missbrauch, er saß einfach nur komplett angekleidet auf mir und beobachtete alles. Das konnte bis zu einer viertel Stunde dauern, je nachdem, wann es eskalierte. Die "Eskalation" verlief meistens so, dass ich versuchte ihm in die Weichteile zu treten, ihn zu beissen oder mich irgendwie anderweitig zu befreien. Ich war eigentlich immer in Panik. Wenn ich ihn dann erwischte, dann rastete er meistens komplett aus und verpasste mir eine Ohrfeige. Sonst waren Schläge eigentlich nie Strafe. Er schlug mich oft mit einem Handtuch auf den Rücken oder mit der Hand auf den Po, aber das tat er einfach so. Und wieder lachte er meistens dabei, auch wenn ich längst weinte. Auch eine lebhafte Erinnerung habe ich an mein liebstes Kuscheltier. Er hat es manchmal unserem Hund zum Spielen gegeben, damit er es zerfetzt oder hat es in die Toilette (voller Urin) geworfen. Oder er hielt es einfach hoch, sodass ich nicht daran gelangen konnte. Warum weiß ich nicht. Wenn meine Mutter mich beschützte und ihn anschrie, entschuldigte er sich immer und meinte, er würde das nie wieder tun. Einen Fehler wirklich zugegeben hat er bis heute kein einziges Mal. Immer war ich schuld oder meine Mutter oder was weiß ich wer. Er ist perfekt. Unfehlbar. All seine Sorgen hat er immer mir aufgeladen, alle Aufgaben und Lasten einfach an mich weitergegeben. Ich habe mich immer nur als Mittel zum Zweck gefühlt. Benutzt, wenn er Lust dazu hatte. Und ich habe mich meiner untergeordneten Rolle eben gefügt, weil ich es nicht besser wusste. Jetzt viele Jahre später ist es mir überhaupt nicht mehr möglich einen gesunden Kontakt zu ihm oder überhaupt zu Männern herzustellen, weshalb ich jegliche Verbindung abgebrochen habe. Ich weiß leider auch nicht alles, aufgrund massiver Erinnerungslücken. Reagiere ich über oder zu sensibel? Ist das vielleicht normal? Was ist das für eine Symptomatik, gibt es dafür einen Namen?

Antwort
von teafferman, 20

Folter eines von Minderwertigkeitskomplexen besessenen Männchens.

So würde ich es bezeichnen. 

Du kannst, natürlich, in Therapie gehen. 

Die Alternative ist, Du zeigst ihm durch Deine Lebensführung, Deine Karriere, was für ein armes Würstchen er tatsächlich ist. 

Es macht absolut keinen Sinn, hier von einer Schuldfrage auch nur im Ansatz ausgehen zu wollen. Solche Menschen haben in der Regel ihre eigene, oft sehr unlustige Geschichte. Es ist ihre Geschichte. 

Für Dich geht es um Deinen Seelenfrieden. 

Meine Mutter war z.B. durch ihre Kriegserlebnisse massiv gestört. Zu mir konnte sie keine echte Bindung aufbauen. Worunter sie tatsächlich selbst litt. Dafür ging sie mit mir in andere, für mich aber auch lange belastende Machtkämpfe. 

Bei mir war es Haushaltsführung mit allen Themen. 

Meine Mutter starb relativ früh. Diese Tatsache hat mich nicht davon abgehalten, die von mir genannte Alternative zu leben. Ich stand also in der Küche und kochte. Dann schmeckte ich ab. Und streckte ihr, als wäre sie da, einen Löffel zum probieren hin. Ich sprach sie dabei laut an. Und fühlte innerlich, dass sie so niemals hätte kochen können .So gut und so lecker. 

Dieses Verhalten habe ich einige Jahre gepflegt, bis das Thema für meine Seele erledigt war. Ich habe mich nicht von meinem Lebenspartner abhalten lassen und nicht von Besuch. 

Vielleicht schreibst Du vor dem einschlafen eine halbe Stunde von Hand auf Papier Tagebuch, bis Du Deine für Dich passende Übung gefunden hast oder den für Dich passenden Weg. Schreibe ziellos, ohne auf Grammatik oder Schönschrift zu achten. Das Ziel erarbeitet sich so von alleine. 

Verfolgst Du aber bewusst das Ziel, wirst Du scheitern. Denn Sinn der Übung ist, nur einen einzigen Gedanken zunächst mal im Gehirn zuzulassen. Deshalb von Hand auf Papier. Und dieser soll möglichst aus dem Unterbewussten in seiner eigenen Zeit und auf seine eigene Weise hochkommen. Deshalb ziellos. Denn ein Ziel setzt das Bewusstsein. 

Übrigens habe ich mich schon relativ früh dafür entschieden, meine Mutter zu lieben. Mit alle ihren Ecken und Kanten. 

Ich habe mich intensiv mit ihrer Jugendzeit beschäftigt. 

Heute weiß ich mit Sicherheit: 

Hätte ich ihre Lebensgeschichte erleben müssen, ich wäre reif für die Irrenanstalt gewesen. Sie aber hat eine ganze Menge geleistet. 

Jene Therapie ,welche sie gebraucht hätte, war 20 Jahre nach ihrem Tod erst praxistauglich. 

Dein Schmerz ist berechtigt. Schuld aber führt ins Uferlose. 

Antwort
von boy865, 27

Es braucht seine Zeit,bis man mit seinen Problemen umgehen kann. Natürlich verschwinden sie nicht,die sind ja da. Es ist gut , dass du dich damit auseinander setzst. Ein Psychotherapeut kann dir eher helfen, da er dir hilft einen Lösungsweg zu finden. 

Das erste was mir einfallen würde wäre deine Mutter. Lade sie zu einem Kaffee ein und versuche mit ihr über das zu reden was dich bedrückt. Sie hat ja seit dem du geboren warst um dich gesorgt. ^^ 

Mütter sind immer die ersten, mit denen man über Probleme redet :)

Antwort
von Korinna, 20

Hi, nein, du reagierst nicht über. Diese sadistische Gewalt muss ja ganz schlimm für dich gewesen sein. Du hast wahrscheinlich vieles verdrängt, da es zu schmerzhaft für dich gewesen wäre. Aber, heute bist du nicht mehr so hilflos und abhängig wie damals als Kind. Ich rate dir, mach eine Psychotherapie, wo du über alles reden kannst. LG und alles Gute, Korinna

Antwort
von TorDerSchatten, 36

Auch wenn du einen Namen dafür hast, wird es an den Geschehnissen nichts ändern. Du solltest dir professionelle Hilfe suchen, um das alles zu verarbeiten

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