Frage von TobyScience, 216

War das Leben in der DDR einfacher als in der BRD?

Antwort
von wfwbinder, 87

Es gibt Leute die der einen Ansicht sind und andere haben eben die andere Ansicht. Ich denke, dass es auch eine Frage ist, wie man aufwuchs.

Ich kann als Wessi,  vieles nicht nachvollziehen, was in der DDR normal war und umgekehrt. 

Es gibt aber auch Ex-DDR Bürger, denen umgeehrt ebenso geht.

Eventuell wäre ich ganz ander Ansicht, wenn ich dort 1960 in die Schule gekommen wäre. hätte meine Zeit bei den Pionieren und in der FDJ verbracht, anstatt beim CVJM. Eventuell hätte ich einen anderen Beruf erlernt usw.

Antwort
von Hegemon, 97

Es war nicht alles schöner und besser. Aber vieles war einfacher und pragmatischer in der Umsetzung.

Diesen gruseligen Bürokratieterror, wie wir ihn heute erleiden, gab es z.B. damals nicht. Meinen ersten Ordner mußte ich mir privat erst 1990 kaufen. So gab es damals z.B. eine staatliche Krankenkasse und nicht hunderte. Und als Nachweis über die Versicherung gab es einen einheitlichen Sozialversicherungsausweis. Dieser galt aber nicht nur für die Krankenversicherung sondern auch für die Rentenversicherung. Ebenso gab es eine staatliche Vericherung und nicht hunderte, bei denen man Preise und Versicherungsbedingungen vergleichen muß und im Zweifel trotzdem über den Tisch gezogen wird.

Heute wird man mit irgendwelchen Schreiben zugeschüttet, daß man gar nicht mehr weiß, wo man den Blödsinn überall abheften soll.

Ebenso die Preisbildung. Alle Preise waren republikweit einheitlich. Ein paar Schuhe der Marke XY kostete in Rostock genauso viel wie in Dresden. Man mußte also keine Preise vergleichen, und braucht nicht befürchten, zu viel zu bezahlen.

Ebenso Berufsausbildung und Arbeitsleben. Man hat sich für eine Lehrstelle beworben und hat diese bekommen. Und wenn nicht diese, dann eine andere. Aber man bekam eine Lehrstelle. Die Unterbringung in Lehrlings- und Studentenwohnheimen war geregelt. Heute muß man sich als Student mit 30 anderen Bewerben um ein Zimmer prügeln und weiß zu Studienbeginn nicht, ob man überhaupt noch rechtzeitig unterkommen wird. Diese Zustände, wie ich sie zu Studienbeginn bei meinen Kindern erlebt habe, kenne ich so von früher nicht. Es war auch früher in der Regel kein Problem, einen Krippen/Kindergartenplatz zu finden. Versuch das heute mal in den alten Bundesländern.

Während seinerzeit vieles klar geregelt war, man sich darauf einstellen konnte und wußte, was die Zukunft bringt, ist heute vieles unklar und ungewiß. Hochqualifizierte Menschen, die sich von Praktikum zu Praktikum oder Zeitarbeitsvertrag zu Zeitarbeitsvertrag hangeln müssen, Zukunfts- und Existenzangst... Diese Unsicherheiten tragen dazu bei, daß die Zahlen der psychischen Erkrankungen (Depressionen, Burnout) immer mehr steigen. Wenn ich sehe, wie diese Erkrankungen in meinem Umfeld zugenommen haben, wird mir ganz anders.


Antwort
von Woropa, 70

Irgendwie war es einfacher und schwieriger zugleich. Einfacher war es, weil es offiziell keine Arbeitslosigkeit gab, jeder hatte Arbeit (auch wenn er manchmal mehrere Stunden lang nichts zu tun hatte) und man konnte auch nicht obdachlos werden oder ohne Krankenversicherung da stehen.  Aber man hatte auch nicht die vielen tollen Annehmlichkeiten, die es heute gibt: riesiges Warenangebot, freie Medien, Reisefreiheit , Recht auf freie Meinungsäusserung.  Es konnte einem eben passieren, das man wegen einem politischen Witz für ein paar Jahre ins Gefängnis wanderte.  Und es war  frustrierend, das das Warenangebot so schlecht war. Es gab Zeiten, da gab es bei uns in der Kaufhalle (heute nennt man sowas Supermarkt) noch nicht mal Apfelmus oder ein Glas Kirschen zu kaufen. Ketchup war damals schon sowas wie Luxus, wenn es den gab, dann stand da ein Schild: Bitte nur eine Flasche nehmen. 

Kommentar von voayager ,

 Politische Witze reißen zu können oder nicht, ist nicht so wichtig, - das redet man uns hier nur ein - ein anständiges Warenangebot allerdings schon.

Kommentar von Modem1 ,

Es ist kaum zu glauben aber wahr das die Angehörigen des Staatsicherheitsapparat selber Witze über inre Führung machte.Also da war die Sachlage in den 70zigern oder Anfang der Achtziger Jahre in der DDR entschärft.

Kommentar von Woropa ,

Sowas höre ich zum ersten Mal. Weisst du das genau? Ich habe das nur mal in dem Film "Das Leben der anderen" gesehen, aber nur, weil das da gezeigt wurde, muss das ja noch lange nicht stimmen.

Antwort
von Modem1, 94

Ja und Nein! Ja..das waren die Verhältnisse im Arbeitsmarkt,Kündigungen wurden nur selten ausgesprochen. Nein.. das war die allgemeine Versorgungslage im Alltag die manchen Menschen beizeiten graue Haare brachte weil es hier und dort zu Lieferschwierigkeiten kam in der Wohnungsausstattung und im Servicebereich der Fahrzeuge . Ausweg war die zweite Währung- die Deutsche Mark die öffnete fast alle Türen.

Antwort
von lupoklick, 2

Viele Arbeitsplätze waren doppelt besetzt, dazu kamen Parteisekretäre, Gewerkschaftssekretäre ,,,

Meine neuen Freunde - ab 1990 - in Mecklenburg konnten nicht verstehen.  daß ich sie nicht "einfach mal für eine Woche" aus HH besuchen konnte,,,, Es gab keine "Vertretung"!!!

Es gab zwar in der DDR keine "Not", aber viele Schlangen für "Bückware" und Baumaterial,,,, man stellte sich stundenang an . irgendetwas würde es schon geben - das konnte man eintauschen,,,

Wer "blaue Kacheln" (100-DM-Scheine) besaß oder gar Handwerker war, der war im Vorteil....

Während ihres Häuslebaues 1980 streckte der Trabbi meiner Freunde alle Viere von sich - unter der Zementlast....

Es folgte kein "Knöllchen",  sondern die NVA schickte einen Lastwagen für die Gattin des ABV,,,,,

Die Nachbarschaftshilfe ist seit 1990 leider ziemlich verkümmert....

PS: 1990 baute die NVA der Gemeinde zum Abschied  einen Anlegesteg im Hafen....

Antwort
von darkhouse, 68

Ich denke, in gewisser Weise schon. Viele Freiheiten hatte man gar nicht erst, um darüber nachzudenken, welcher Weg nun wohl der richtige sein mag. In Ausbildung, Schule etc. wurde einem vieles abgenommen, mit der Absicht, eine gewisse Kontrolle über die Personen zu haben. Staatliche Muster wurden einem übergestülpt. Man wurde kategorisiert, geplant. Es gab nicht wenige, die sich im Schoß des Staates ausruhten. Offiziell gab es weder wohnungslose noch arbeitslose Personen.

Antwort
von archibaldesel, 60

Ich glaube, du musst die Frage präzisieren. Was ist denn ein leichtes Leben? Ist ein  leichtes Leben, wenn einem viele Entscheidungen durch den Staat abgenommen werden? Dann ja. Ist ein leichtes Leben, wenn man sein Leben selbstbestimmt leben kann? Dann nein.

Antwort
von Maxieu, 54

Beim Einkaufen ja. Man hörte selten Klagen über "die Qual der Wahl".

Kommentar von Miramar1234 ,

Das Wörtchen nur hätte es perfekt gemacht.Oder man war zufällig) ohnehin überzeugter Sozialist/ Kommunist.Das dürften so  7% gewesen sein.

Antwort
von gerd1011, 90

in einigen Dingen ja, in einigen nein, das kann man so nicht beantworten. Das Leben was anders

Antwort
von XxVIPERxX, 111

Sicherlich mein Sohn. Ich erinnere mich noch an meine alten zeiten.

Antwort
von LVRS1, 103

Klar, es war ja auch viel kürzer ;)

Kommentar von Tomson49 ,

Kürzer ?????????? Hä... OMG

Kommentar von LVRS1 ,

Frag mal einen ehemaligen Stasi-"Mitarbeiter"... ;)

Kommentar von TobyScience ,

Immerhin gut 40 Jahre

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