Frage von Neopearl, 57

Wann/Wie wird Glaube fundamentalistisch?

Hallo zusammen :)

Ich befinde mich zur Zeit in der Q11 und schreibe morgen in Religion Klausur :)

Wir haben einen total chaotischen Lehrer, der uns wortwörtlich wild mit Blättern bewirft und auch ziemlich faul ist ^^

Wegen letzterem Grund hat er uns in der vergangenen Stunde zu 3 bestimmten Themenbereichen Fragen erstellen lassen, die er dann noch etwas abgeändert hat, und jetzt 1zu1 dranbringen will. Also praktisch eine Hausaufgabe, die man in der Klausur hinschreibt.. ;-) 

Und ja: Er wird die Fragen zu 99,9% so dranbringen, das hat er uns versichert ^^

Da ich persönlich nicht weiß, ob ich die wesentlichsten Fakten der Frage erfasst habe, wollte ich hier mal Fragen, inwiefern etwas in meiner Antwort falsch ist/fehlt :)

Hier die Frage: Wann/Wie wird Glaube fundamentalistisch?

(Dies sollen wir glaube ich noch exemplarisch an Genisis 12 begründen.)

Meine Antwort (ohne Genisis 12):

-Kritikunfähigkeit im Bezug auf ihre heiligen Schriften 

-> Kritik: Angriff auf ihren Gott

-Unfähigkeit andere Meinungen zuzulassen 

-> Keine Kompromisse 

-> Keine Anpassung an wandelnde Lebensumstände 

->Durchsetzen der eigenen Meinung, auch mit Gewalt

-Rechtfertigung der Taten durch eine Letztbegründung 

-> z.B. Heilige Schrift 

-> Ohne historischen Kontext, stark polarisiert

So, das waren meine Notizen bisher :) Ich hoffe es ist keine Vollkatastrophe was ich mir da zusammengeschrieben habe..

Vielen Dank schonmal für eure Antworten, Ich bin gespannt :-) Viele Grüße, Max

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Nadelwald75, Community-Experte für Schule, 25

Hallo Neopearl,

das ist so in Ordnung. Zu ergänzen vielleicht. Ein Fundamentalist glaubt, dass seine Meinung die allein richtige ist. Er ist auch der Meinung, dass anders Glaubende moralisch zu verurteilen sind.

Weiterhin: Nach Auffassug von Fundamentalisten sind die biblischen Texte insgesamt Wort für Wort inspiriert und daher bis ins letzte, auch historisch, irrtumslos.

Zu Gen 12: Das ist die Erwählung Abrahams! Dein Rel.-Lehrer meint vermutlich aber die Schöpfungstexte Gen 1 und Gen 2.

Hier meint der Fundamentalist, dass die Texte historische Tatsachen darstellen bis hin zu der Auffassung, dass die Erde nicht älter als 6000 Jahre ist.  Adam und Eva sind danach historische Personen, und das Paradies war eine reale Gegend.

Kommentar von Neopearl ,

Okay vielen Dank! :)

Kommentar von Nadelwald75 ,

.... vielen Dank für den Stern!

Antwort
von vonGizycki, 19

Grüß Dich Neopearl!

Ein Glaube ist immer dann fundamental, wenn religiöse Vorschriften und Glaubensinhalte vorgeschrieben werden, von deren Abweichung dringend gewarnt wird. Dabei ist es unerheblich, ob sie säkularisiert (verweltlicht) sind oder nicht. Entscheidend ist der Wesenskern der Religion und der kann der eigenen Säkularisierung sogar widersprechen (westliches Christentum). Aber es gibt auch orthodoxe (strenggläubige) Religionsanhänger aller Hauptreligionen, die die  religiösen Vorschriften und Glaubensinhalte unbedingt befolgt sehen wollen und das überwachen. Die Androhung oder gar Exekutierung menschenfeindlicher Konsequenzen bei Nichtbefolgung (verbal, sozial, psychisch oder gar körperlich), macht diese Religionen und deren Repräsentanten dann fundamentalistisch. Manchmal ist die Ausübung der Justiz (Strafe) gleichzeitig auch die Religionsvorschrift (Islam). Das ist absolut nicht hinnehmbar, weil es gegen die Charta der Vereinten Nationen verstößt (Menschenrechte). So kann es passieren, dass ein und dieselbe Religion sowohl, säkularisiert als auch fundamentalistisch ausgelegt werden kann (Christentum, Judentum, Islam). Das ist jeweils vom Gusto, der Laune und dem Blickwinkel der Religionsinterpreten abhängig (Priester, Rabbiner und Imame oder andere Religionsgelehrte).

Herzlichen Gruß

Rüdiger

Kommentar von vonGizycki ,

Im Übrigens hast du das ja schon selbst richtig beantwortet.

Kommentar von Neopearl ,

okay danke :)

Antwort
von ThomasJNewton, 16

Ohne Genesis 12 zu kennen, oder dich oder deinen Lehrer, finde ich deine Gedanken schon sehr präzise, treffend und tiefgründig.

Vielleicht könntest du das in einen weiteren Zusammenhang einbinden.
Denn Fundamentalisten verschließen sich

  1. der Wahrheit, wenn sie nicht zur Lehre passt
  2. den Mitmenschen - was viel schlimmer ist - wenn sie menschlich argumentieren oder handeln

So gesehen benutzen sie eine Religion, anstatt sie als das zu nehmen, wozu sie bei gutem Willen taugt, als Richtschnur.

Kommentar von Neopearl ,

Okay vielen Dank für den zusätzlichen Aspekt! :)

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