Frage von Mizia, 129

Wann wieder abreiten nach schwerer Depression?

Hallo, ich bin etwas ratlos bezüglich meiner Arbeitsfähigkeit nach einer schweren Erschöpfungsdepression. Seit Ende Juni bin ich krankgeschrieben, war 8 Wochen vollstationär in einer Klinik und jetzt seit etwas mehr als 3 Wochen wieder daheim. Mit meiner Psychiaterin habe ich einen Plan zur stufenweisen Wiedereingliederung erstellt, in dem ich 5 Tage die Woche für 4 Stunden arbeite. Nach 3 Tagen hatte ich allerdings wieder starke Schwindelanfälle, bin auch wieder sehr erschöpft und bin an diesem Tag nicht zur Arbeit gegangen. Nun bin ich etwas ratlos wie ich weitermachen soll, da meine Ärztin so schnell keinen Termin hat und ich nicht weiß, ob ich mich lieber wieder komplett krankschreiben lassen soll um einen Rückfall zu vermeiden oder ob iCh weiterarbeiten soll. Wäre ggf. eine Tagesklinik sinnvoll um ohne Druck einen normalen Alltag zu erleben? Hat jemand Erfahrung damit ?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von samm1917, Community-Experte für Depression, 71

Schlussendlich kann nur du selbst entscheiden, wie weit die Belastung für dich gehen soll.

Meiner (persönlichen) Meinung nach ist es immer eine Gratwanderung zwischen Rückzug und Aktivität. Zu voreiliger Rückzug kann ein Vermeidungsverhalten auslösen, was längerfristig problematisch ist. Zu viel Aktivität kann in einem Rückfall münden, was nochmals viel schlimmer ist.

Im Zentrum der Entscheidung solte immer deine Gesundheit stehen. Einen Rückfall gilt es mit allen Mitteln zu verhindern, genauso wie ein sozialer Rückzug.

Ich rate dir ab, dich einfach Krankschreiben zu lassen und anschliessend im luftleerem Raum "herumzuhängen". Dies ist für die Depression Gift. Ebenfalls rate ich dir ab über deine Grenzen hinauszugehen.

Eine Tagesklinik ist meiner Erfahrung nach die richtige Methode, um sich langsam wieder an Belastungen zu gewöhnen. In der Tagesklinik lernst du wieder Termine wahr zu nehmen, hast einen strukturierten Tagesablauf und wirst dosiert neuen Belastungen ausgesetzt. So wirste wieder an einen Alltag gewöhnt ohne dass eine Rückfallgefahr besteht.

Ich persönlich hätte es nicht ohne Tagesklinik geschafft, doch wie gesagt: Schlussendlich kannst nur du selbst entscheiden was für dich stimmt. Stelle einfach deine Gesundheit ins Zentrum.

Kommentar von Mizia ,

Danke für deine Antwort!

Daheim bleiben und nichts tun bringt nichts, da hast du recht. Dass die Tagesklinik etwas nach nem stationären Aufenthalt was bringt, habe ich auch schon gehört, aber die Psychologin hat mir eher davon abgeraten und gemeint ich solle bald wieder arbeiten gehen. Werde mich dort jetzt aber doch noch vorstellen, so macht es momentan ja keinen Sinn....

Kommentar von samm1917 ,

alles gute ;-)

Antwort
von bikerin99, 77

Wenn du einen Platz in der Tagesklinik bekommst, wäre das super, denn es wäre der Zwischenschritt zw. vollstationär und wieder arbeiten.
Auf alle Fälle würde ich dir raten, dich wieder krankschreiben zu lassen und beim Wiedereinstieg noch reduzierter zu arbeiten. Ich weiß nicht, was du beruflich arbeitest, aber mit 10 Std. in der Woche wäre es schon anfangs genug. Kenne aber Menschen, die mehr als 1 Jahr brauchten, um auf diese Stufe zu kommen.
Wenn du eine Psychotherapie mit regelmäßigen Terminen machst, kannst du besser mit der/m Therapeutin/en reflektieren, wo du stehst. Wo du dich vielleicht überschätzst. Psychiater schicken häufig viel zu schnell die Patienten wieder in die Arbeit, weil sie die individuelle Situation überschätzen, möglicherweise auch, weil die Krankenkassen Druck machen.
Nimm dir die Zeit, die du brauchst. Bei einem Rückfall dauert es noch viel länger, vor allem ist dieser dann noch zusätzlich zu verkraften.
Alles Gute.

Kommentar von Mizia ,

Vielen Dank, das geht mir auch ständig durch den Kopf. Und da es mir nach der Klinik wieder echt gut ging möchte ich nichts riskieren....  hänge mit den Ärzten Therapeuten leider momentan total in der Luft und hab den Eindruck alles selbst entscheiden zu müssen, was in so net Situation natürlich super einfach ist.... :(. 

Kommentar von bikerin99 ,

Gibt es jemand anderen, mit dem du über deine Situation sprechen und reflektieren kannst, solange du keinen Therapeuten hast?
Gerade jetzt ist es schwierig selbst ohne Reflexion zu entscheiden, meiner Erfahrung nach, überschätzen sich viele Kranke, wenn es ihnen endlich wieder besser geht.

Kommentar von Mizia ,

Ich habe einige Kollegen, die das direkt oder indirekt auch kennen, diese raten mir eher nochmal daheim zu bleiben bzw in eine Tagesklinik zu gehen.

Kommentar von bikerin99 ,

Die sprechen aus eigener Erfahrung, vielleicht gelingt es dir diese Ratschläge anzunehmen.

Antwort
von Einstein2016, 56

Eine Tagesklinik ist eine gute Möglichkeit. Evtl. gibt es da Wartezeiten. 

Das kannst Du mit Deiner Psychiaterin in Ruhe besprechen. Wahrscheinlich muss auch die Krankenkasse ihre Zustimmung dafür geben. Deine Psychiaterin kann das für Dich befürworten.                                 Psychiater können evtl. auch direkt in Akutkliniken stationär einweisen        (so war es bei mir letztes Jahr auch noch der Fall)

Ich kann Dir nur raten, setze Dich in keinster Weise unter Druck und lasse Dich bis auf weiteres komplett krankschreiben von Deiner Psychiaterin.

Gleich 4 Stunden arbeiten bei Wiedereingliederung wäre ohnehin sehr viel !  Manche arbeiten erstmal nur 1-2 Stunden pro Tag und das für Wochen.

Ich bin in meinen vielen depressiv bedingten Krankheitsjahren in 6 Kliniken gewesen und habe dabei tlw. auch zu früh angefangen zu arbeiten, was absolut nicht sinnvoll war. Ich habe mich so wiederkehrend jahrelang mehr oder weniger "halbkrank" auf die Arbeit geschleppt (meist am Limit !). Meiner Gesundheit hat es letztlich nur geschadet ! Die Krankheit kam immer wieder.

Letztlich hat es dazu geführt, dass ich (als "Ü-50") mittlerweile deswegen sogar frühberentet werden musste.

Natürlich kenne ich nicht Deine Arbeitssituation und wie es allgemein finanziell bei Dir aussieht. Das ist Deine Privatsache bzw. nur Dir bekannte Situation.

Die eigene Gesundheit sollte trotzdem immer unbedingt vor allem gehen !!

Ich finde es sehr lobenswert, dass Du Dir weiterhin helfen lassen möchtest und dafür bereit bist, auch weiterhin Hilfe anzunehmen.  Alles Gute Dir !

        

Antwort
von howelljenkins, 60

naja, tagesklinik ist ja auch kein normaler alltag.

besteht die moeglichkeit, dass du weniger als die 5 tage arbeitest? z.b. 4 tage und dabei mittwochs frei, so dass du immer nur 2 tage hintereinander hast?

natuerlich musst du das mit deiner therapeutin abklaeren, aber wenn du jetzt wieder hinschmeisst, befuerchte ich, dass die wahrscheinlichkeit, wieder eingegliedert zu werden, eher geringer wird.

Kommentar von Mizia ,

Ja, da hast du auch wieder recht, möchte ja auch gern arbeiten, aber wenn ich nach 3 Tagen Arbeit 5 Tage brauche um wieder einigermaßen fit zu werden bringt es auch nichts. Ich versuche es heute nochmal und hoffe, dass ich bald ne Termin bei der Ärztin bekomme. Vielen Dank für deine Antwort 

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