Frage von leom95, 59

Wann war der Urknall bekannt?

Wussten die Menschen im Mittelalter was vom urknall ?

Expertenantwort
von uteausmuenchen, Community-Experte für Universum, 15

Hallo leom95,

nein, im Mittelalter hatte man keine Ahnung vom Urknall.

Im Mittelalter herrschte die Vorstellung, dass die Erde im Mittelpunkt der Welt steht. Sonne, Mond, Sterne und die Planeten umkreisen im "Sphärenmodell" die in der Mitte der Welt feststehende Erde auf  zwiebelartig geschichteten Kreisschalen (Sphären). 

Diese Vorstellung ergibt sich eigentlich intuitiv, weil wir von der Bewegung der Erde ja nichts spüren. Sie wurde aus den Schriften des Aristoteles direkt aus der Antike ins Mittelalter übernommen.

Man muss sich klar machen, dass im Mittelalter das Prinzip der Schwerkraft komplett unbekannt war. Es gab entsprechend keinen Grund, die Sonne ins Zentrum des Sonnensystems zu stellen. Auch der Grund für die Bewegungen der Planeten war unbekannt. In der christlichen Vorstellungswelt bewegten sich die Planeten denn dann auch auf den Sphärengrenzen, weil hinter ihnen Engel sie mit ihren Flügelschlägen antrieben.

Die Menschen hatten damals nicht die geringste Ahnung von der Größe oder dem physikalischen Aufbau des Weltalls - klar: Vor der Erfindung des Teleskops fehlten wesentliche Beobachtungsdaten, die einfach die Voraussetzung sind für das Verständnis der Natur.

Giordano Bruno war einer der ersten, der vermutete, dass die Sterne entfernte Sonnen sind. Diese Vorstellung, dass unsere Welt gar nicht so einzigartig ist, galt damals als ketzerisch. Diese (und weitere kirchenkritische Aussagen) brachten Giordano Bruno dann auf den Scheiterhaufen. Kopernikus veröffentlichte seine berühmten Schriften, in denen er die Sonne ins Zentrum der Welt stellte aus genau diesem Grund posthum.

Erst die Erkenntnisse von Galilei, Kepler und letztlich die Entdeckung der Schwerkraft durch Newton führten dazu, dass man überhaupt erst einmal den Aufbau des Sonnensystems verstand - dass also die Sonne von den Planeten umrundet wird. Das war aber bereits im 18. Jahrhundert, dass sich diese Erkenntnis wirklich allgemein durchgesetzt hatte - also lange nach dem Mittelalter.

Selbst dann hatte man aber nur wenig über das Universum verstanden. Zu Newtons Zeit galt das Universum als ewig, unveränderlich. Man wusste nichts davon, dass die Milchstraße nur eine von zig Milliarden Galaxien ist, sondern vermutete, dass alle Objekte, die beobachtet wurden, zur Milchstraße gehörten. Die Milchstraße war in der Vorstellung des 18. und 19.  Jahrhunderts also "alles".

Erst um die Jahrhundertwende ins 20. Jahrhundert, gelang es über die sogenannten Cepheidenveränderliche, Entfernungsmessungen für sehr große Entfernungen durchzuführen. Cepheiden sind eine Klasse veränderlicher Sterne, bei denen eine mathematische Beziehung zwischen der Periode ihrer Helligkeitsschwankungen und ihrer absoluten Helligkeit besteht. Misst man dann noch die Helligkeit, die wir bei uns hier sehen, dann kann man daraus auf die Entfernung schließen. Außerdem war die Teleskoptechnik Anfang des 20. Jahrhunderts endlich gut genug, um einzelne Sterne in den näher gelegenen "Nebeln" aufzulösen.

Beides ermöglichte, zwischen 1910 und 1920 den Nachweis, dass zum Beispiel die Andromeda kein Objekt der Milchstraße ist, sondern ein eigenes System: Kurz: Erst seit etwa 100 Jahren wissen wir, dass es außer der Milchstraße andere Galaxien gibt. Das Weltall war alsoe erheblich größer als bis dahin gedacht.

Erst danach war auch die nächste Entdeckung möglich: Das Licht, das uns von fernen Galaxien erreicht, erscheint rotverschoben; das heißt, dass im Licht, das wir von diesen Galaxien in unseren Teleskopen einfangen, liegen die Spektrallinien nicht mehr bei den Wellenlängen, wie wir sie hier im Labor messen, sondern in Richtung rotem Licht, zu längeren Wellenlängen hin verschoben. (Im Licht von Sternen und entfernten Galaxien finden wir typische Spektrallinien, die wir Anregungszuständen bestimmter Elemente zuordnen
können. Wir kennen also aus dem Labor hier auf der Erde die Wellenlänge, bei der eine bestimmte solche Spektrallinie liegt, bzw. eigentlich liegen sollte.)

1927 hatte dann Lemaître die Idee, diese Rotverschiebung im Bild der Einsteinschen Relativitätstheorie (von 1915) als Dopplereffekt zu deuten, was wiederum bedeutet, dass es sich um Licht einer Lichtquelle handeln muss, die sich von uns entfernt. Lemaître erkannte also, dass sich alle Galaxien von uns entfernen, was er als Expansion des Raumes und damit
des ganzen Universums deutete.

Hubble und Kollegen maßen lieferten 1929 weitere entscheidende Daten, die in diese Richtung zeigen: Sie bestimmten die Rotverschiebung von möglichst vielen Galaxien, deren Entfernung bekannt war. Und es zeigte sich ein überraschender Zusammenhang: Je weiter die Galaxien weg waren, desto mehr war das Licht rotverschoben. Das bedeutet wiederum, dass sich Galaxien umso schneller von uns entfernen, je weiter sie schon von uns weg sind. - Ein Befund, der das Urknallmodell mit dem expandierenden Raum sehr gut stützt. Aus dem gefundenen, etwa linearen Zusammenhang konnte Hubble den sogenannten Hubbleparameter bestimmen, ein Maß für die Expansionsrate und in dessen Umkehrung für das Alter des Universums.


Erste Formulierungen des Urknallmodells stammen also etwa um 1930, wobei sich die mathematische Formulierung seitdem noch deutlich verändert hat. Seit damals ist auch eine Fülle weiterer Daten angefallen, die das Modell weiter bestätigen. Allgemein anerkannt ist das Modell frühestens seit der Entdeckung der Hintergrundstrahlung durch Penzias und Wilson in den 1960ern.

Und die 1960er kann man nun wirklich nicht mehr als Mittelalter bezeichnen, selbst wenn es damals kein Internet, kein YouTube, keine Handys und kein Spotify gab... ;-D

Grüße


Antwort
von Einstein2016, 5

Die sture Wissenschaft hat ihre plumpe, fragwürdige und nach wie vor faktisch unbewiesene Urknall-Theorie(n) erst in der Neuzeit deshalb erschaffen, weil ihr einfach bis heute noch nichts besseres einfiel. Es fehlt an flexiblem Denken !

Daran hat sich trotz immensen, unverschämten zig Milliarden € - Investitionen in diese größtenteils absolut unnützen Physik-Wissenschaften bis heute so gut wie nichts verändert. Eigentlich fast nur sinnlose Beschäftigungs-Therapie !

Auf solch finanziell unverschämte Art- und Weise öffnet sich die Wissenschaft immer nur neue Türen mit immer mehr neuen Fragen - ohne so jemals zu wahrhaftigen, fundamentalen, unumstößlichen Erkenntnissen zu gelangen.

Antwort
von dompfeifer, 7

Wissenschaftliche Überlegungen zum räumlichen und zeitlichen Koordinatenursprung (sog. "Urknall") begannen vor 100 Jahren mit Einsteins allgemeiner Relativitätstheorie. Im Mittelalter und in der Antike fehlten dazu noch alle wissenschaftlichen Voraussetzungen. Da begnügte man sich in der Hinsicht eben mit allerlei religiösen Schöpfungsmythen.

Zum Vergleich: Die alten Germanen konnten noch nichts wissen über elektrostatische atmosphärische Aufladungen, die Blitz und Donner hervorbringen. Deshalb schrieben sie diese Erscheinungen dem Donnergott Donar zu, der sein Feuerbeil schwingt.

Antwort
von Horus737, 7

Es ist auch heute nur eine Theorie, d.h eine Annahme. Morgen kann die Theorie wenn neue Erkenntnisse gefunden werden wieder anders aussehen.

Antwort
von SturerEsel, 11

Nein.

Im Mittelalter war (in Europa) die katholische Meinung die "Wahrheit": die Erde ist Mittelpunkt des Universums. Das Universum beschränkte sich auf blinkende Lichter am Himmel, wahrscheinlich Engelskerzen hinter einem schwarzen Vorhang.

Fragen oder Theorien waren nicht erwünscht. Wer eine andere Erklärung oder ein anderes Bild vom Universum hatte, lief Gefahr, verbrannt zu werden, wie z.B. Giordano Bruno (obwohl er Priester war).

Die katholische Kirche hat übrigens erst 400 Jahre nach seinem Tod seine Hinrichtung als "Unrecht" erkannt.

Antwort
von DerJustinBieber, 27

Erst Georges Lemaître stellte 1927 die Hypothese auf, daß das Universum im Falle einer Expansion aus einem Punkt, einem Uratom heraus entstanden seien müsste.

Erst die Entdeckung, daß tatsächlich eine kosmische Hintergrundstrahlung existiert, im Jahr 1965, bewirkte die Anerkennung der Urknall-Hypothese, über die vorher nur spekuliert wurde.

Kommentar von leom95 ,

Also im Mittelalter konnte es keiner wissen ?

Kommentar von DerJustinBieber ,

Nein. Da hat das noch niemand gewusst.

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