Frage von MaLew, 106

Wann spielt Sexualität eine Rolle, wann nicht? Teil der Persönlichkeit oder mehr/weniger?

Das hab ich nie hinterfragt, wenn ich das voher gewusst hätte ich vielleicht nie hier eine Frage gestellt.... Bitte unbedingt antworten !!!

Antwort
von scorpion87, 27

Hey Malew - jetzt wird es langsam philosophisch. 

Ich hole mal aus und würde jetzt zunächst zwischen bewusstem und unbewusstem Handeln unterscheiden. 

Bei deinem bewussten Handeln (ich gehe einkaufen, suche mir einen Job, Koche mir essen, gehe über die Straße, sitze bei Oma zu Kaffee und Kuchen, ich mache Hausaufgaben) spielt deine Sexualität eigentlich keine Rolle. Ob meine Bäckerin nun lesbisch oder hetero ist - sie macht super Brötchen, da ist das egal. Ob der Polizist, der gerade meinen Verkehrsunfall aufnimmt schwul oder hetero ist - macht keinen Unterschied. 

Allerdings bestimmt die Sexualität zu einem gewissen Grad auch unser bewusstes Handeln. Sprich: Wir wissen für gewöhnlich, worauf wir stehen. Ich bin mir bewusst, dass ich schwul bin, ich weiß, welche Bedürfnisse ich habe und suche mir dementsprechend auch relativ bewusst einen Mann als Lebenspartner aus. Ich weiß, dass nicht jeder ganz so offen mit dem Thema Homosexualität umgehen kann, also gehe ich sehr bewusst mit meinen Aussagen um, ob ich vergeben bin, oder wenn es auf das Thema Ehe kommt. In solchen Momenten ist man sich seiner Sexualität natürlich sehr bewusst und baut sein Handeln danach auf. Aber das sind vielleicht 2 % aller Situationen, wahrscheinlich weniger, die man täglich so hat, im Umgang mit anderen Menschen. 

Dann gibt es natürlich den Bereich des unbewussten Handelns. Das klingt für jemand, der mit Psychologie nicht viel am Hut hat vielleicht ein wenig esoterisch, ist es im Prinzip aber nicht. Es gibt einfach viele Dinge, die unser tägliches Handeln beeinflussen, die uns einfach nicht bewusst sind, sprich - die wir teilweise gar nicht benennen könnten, weil wir sie nicht mitbekommen. Unsere Körpersprache in bestimmten Situationen zum Beispiel. Wenn wir gestresst sind, angespannt sind, stehen wir anders da, als wenn wir froh und gelassen sind. Das ist zwar selbstverständlich und klar, aber wenn du mal darüber nachdenkst - wenn du in einer bestimmten Stimmung bist, dann nimmst du eine gewisse Körperhaltung ein. Du entscheidest dich nicht dafür, du denkst nicht darüber nach, du machst es einfach. Und das ist so der Teil von Verhalten, den man als unbewusst beschreibt. 

Genau in diesen Teil spielt Sexualität viel mit rein. Studien zeigen zum Beispiel, dass attraktive Menschen es in Auswahlgesprächen leichter haben. Weil man sie intuitiv einen ticken sympathischer oder kompetenter findet. Unsere Sexualität spielt da ganz unbewusst mit rein, wen  wir attraktiv finden oder nicht. Viele Menschen verhalten sich gegenüber Menschen des einen Geschlechts ganz anders, als gegenüber Menschen des eigenen Geschlechts. Das hat nicht nur kulturelle Gründe, da spielt auch ganz klar die Sexualität mit rein. Ich hab einen guten Schulfreund, der hat in der Gegenwart von Frauen die er attraktiv fand immer angefangen zu stottern. Da beeinflusst seine Sexualität also ganz unbewusst sein handeln. Mich bringt zum Beispiel auch die heißeste Dame nicht aus dem Konzept, ich verlange von ihr als Vorgesetzter trotzdem, das Gleiche zu leisten, wie jeder andere, während andere Männer da eher etwas nachsichtiger waren. Nicht bewusst, sondern unbewusst. Und umgedreht geht bei mir die Wortgewandtheit ein wenig den Bach runter, wenn ich mit Kerlen rede, die ich attraktiv finde, da werde ich nervös und weiche dem Blick aus. War mir aber auch nie bewusst, bis mir das mal jemand gesagt hat. 

Also Zusammenfassung: in deinem täglichen Leben und deinen täglichen Entscheidungen spielt es eigentlich keine Rolle, ob du Schwul bist, oder Hetero. Lebe einfach dein Leben. Egal welche Sexualität du hast, im Hintergrund beeinflusst sie dein Handeln stets ein wenig. Dazu musst du nicht wissen, wie sie geartet ist, das macht sie ganz von alleine. 

Antwort
von Marco1978, 43

Die Sexualität spielt im Hintergrund immer eine Rolle, wir können sie nicht ausschalten. Sie ist definitv ein Teil der Persönlichkeit jedes Menschen.

Aber die Sexualität spielt keine Rolle, wenn man das tägliche Leben betrachtet. 

Du gehst einkaufen - egal ob schwul oder hetero

Du triffst Dich mit Freunden - egal ob schwul oder hetero

Du treibst Sport (oder auch nicht) - egal ob schwul oder hetero

Du fliegst in die Ferien - egal ob schwul oder hetero

Du arbeitest oder gehst zu Schule - egal ob schwul oder hetero

Du sitzt oder stehst im Bus - egal ob schwul oder hetero

Du hängst beim Telefonanbieter in der Warteschleife - egal ob schwul oder hetero

Du bestellst was im Restaurant - egal ob schwul oder hetero

Dass du auf Männer stehst, spielt für dich eine Rolle, wenn du dich im besagten Restaurant umsiehst, den süßen Kellner betrachtest oder den nett aussehenden Kerl am Nebentisch. Ein Hetero würde vielleicht die vollbusige Bedienung beobachten oder die dralle Blondine an der Bar.

Aber sobald das Essen auf dem Tisch steht, essen beide Gäste - egal ob schwul oder hetero.

Bei der Partnerwahl, da ist klar, da spielt es eine Rolle. Und bei der Familienplanung. Auch bei der Freizeitgestaltung kann es eine Rolle spielen, besonders, wenn man eben auf Partnersuche ist. Wo ist meine Chance am größten, eine Person zu finden, die zu mir passen könnte?

Aber sonst? Wenn du ein Paket aufgibst, fragst du dich, ob die Dame im Postamt lesbisch oder hetero ist? Steigst du in ein Taxi, fragst du dich als erstes ob der Taxifahrer einen Mann oder eine Frau zuhause hat? Siehst du eine Frau mit einem Kinderwagen, fragst du dich dann ob sie wohl verheiratet ist oder das Kind mit ihrer Freundin großzieht? Oder ob die Polizistin, die da Bußen verteilt, wohl bisexuell oder hetero ist? Meist haben wir andere Sorgen als das, oder?

Oder fragst du dich, ob die nette Frau im Supermarkt ihrem Mann ab und zu einen bläst? Oder ob der Mann an der Tankstellenkasse seine Frau auch von hinten nimmt? Ob das Girlie auf der Parkbank schon mehrere Partner hatte? Oder ob die griesgrämige Hauswartin überhaupt je Sex hatte? Kaum, oder?

Die Sexualität spielt bei jedem Menschen eine Rolle, aber im täglichen Leben ist sie nunmal nur eine Randerscheinung. Und sie ist eine sehr persönliche Angelegenheit. Und macht diese Person dann eben für sich auch aus.

Kommentar von MaLew ,

Das war eine sehr sehr gute Antwort ich danke ihnen :), aber könntest die noch mal genauer beschreiben wie oft es normal ist schwul hetero oder bi zu denken, warum und wie?

Kommentar von Marco1978 ,

Danke fürs Kompliment!

In deinem Alter denkt man ständig an Sex und damit auch an Sexualität, das ist völlig normal. Aber auch später erwischt man sich eben, selbst wenn man einen Partner hat oder verheiratet ist, dass man einen begehrenswerten Menschen eben beobachtet und taxiert.

Männer denken öfter an Sex als Frauen, sagt die Wissenschaft. Als Mann sage ich dir, so ganz im Vertrauen: Das stimmt wohl... ;-)

Also: Ist jemand so wie du jung und im Prinzip auf Partnersuche, dann wird er jeden jungen Mann einschätzen wollen. Könnte er auch schwul sein? Könnte er Interesse an mir haben? Wie sieht er nackt aus?

Das ist völlig, aber völlig normal. In jungen Jahren strömen die Hormone in rauen Mengen durch unseren Körper und vernebeln uns die Sinne. Das gibt sich mit der Zeit.

Heute passiert es mir selten, dass ich jemanden sexuell einschätze, der mir im täglichen Leben begegnet. Ein Kunde ist ein Kunde, er ist nicht in erster Linie ein Lustobjekt. Der Busfahrer ist der Busfahrer, kein potentieller Bettgenosse. Der Arbeitskollege ein Kollege, kein möglicher Partner. Aber hübsche Männer schaue ich mir natürlich trotzdem sehr gerne an... ;-)

Aber lass dich nicht verunsichern: In deinem Alter habe ich nonstop an Sex gedacht. Und ob wohl der oder jener auch schwul sein könnte. Das ist normal, darüber brauchst du dir wirklich keine Gedanken zu machen.

Sobald du einen Partner hast, sieht die Welt dann auch schon etwas anders aus.

Ich sage dir bloß eines: Genieße den süßen Vogel Jugend, er ist so schnell weggeflogen! ;-)

Kommentar von 2012infrage ,

Deine Frage ist doch beantwortet, ausführlich und gut. Wenn Du mehr oder anderes wissen willst, dann musst Du besser fragen. "Wie oft es normal ist, schwul, herero oder bi zu denken...?" - so oft, wie es gebraucht wird. Es gibt kein normal oder unnormal, keine Norm, wie oft man etwas denken soll. Du tust es, oder? Und abstellen kannst Du es nicht. Du denkst genau dann daran, wenn es nötig ist, wie Marco1978 schon beschrieben hat. 

LG

Kommentar von 2012infrage ,

Sorry für meine (etwas rüde "unnütze") Antwort gestern hier an dieser Stelle, die durch meine schlechte Internetverbindung auch viel zu spät ankam. . Das kommt davon, wenn man sich aus Langeweile oder Regen, Regen, Regen... in anderer Leute Frage-Antwort-Spiel einmischt... Liebe Grüße – DH Marco1978!

Antwort
von dandy100, 37

Komische Frage... Die Sexualität spielt immer eine Rolle, sie ist der Grundantrieb des Lebens - lies mal was über Psychologie

http://www.welt.de/wissenschaft/article966699/Erotisches-Kino-im-Kopf-verraet-vi...

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